Atemnot

Atembeschwerden oder Atemnot bezeichnen das subjektive Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen. Die Ursache von 2 bis 4 % aller Konsultationen in allgemeinmedizinischen Praxen ist Atemnot. Im diesem Abschnitt zur Symptomatik erfahren Sie mehr über häufige und weniger häufige Ursachen von Atemnot und darüber, wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten.

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Was ist Atemnot?

  • Atembeschwerden oder Atemnot bezeichnen das subjektive Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen. Atemlosigkeit oder Beschwerden beim Luftholen sind weitere Bezeichnungen für Atemnot. Dieser Zustand wird medizinisch als Dyspnoe bezeichnet.

Häufigkeit

  • Atemnot ist eine häufige Ursache, wenn ein Arzt aufgesucht wird. Sie macht 2 bis 4 % aller Konsultationen in der allgemeinmedizinischen Praxis.
  • In Bevölkerungsstudien geben 2 bis 3 % der Befragten an, dass sie irgendwann im Leben unter Atembeschwerden gelitten haben.
  • Die Wahrscheinlichkeit unter Atemnot zu leiden, steigt mit zunehmendem Alter.

Was ist die Ursache von Atemnot?

  • Wenn es zu einem Sauerstoffmangel in den Körperzellen kommt, spüren wir dies in Form von Atemnot, welche wir durch schnelleres und tieferes Atmen zu kompensieren versuchen.
  • Ist zu wenig Sauerstoff in der Luft, die wir atmen, stellt sich ebenfalls das Gefühl von Atemnot ein.
  • Die Sauerstoffversorgung der roten Blutkörperchen erfolgt in der Lunge, von dort transportieren sie den Sauerstoff zu den Körperzellen. Das heißt, dass sowohl Lunge als auch Kreislauf bei der Sauerstoffversorgung eine zentrale Rolle spielen.
  • Häufigste Ursache für Sauerstoffmangel sind Lungenerkrankungen. In über 70 % der Fälle verursachen Erkrankungen der Lunge oder der Atemwege Beschwerden, die sich in Atemnot äußern. In circa 20 % der Fälle sind die Beschwerden auf Herz- oder Kreislauferkrankungen zurückzuführen. Bei Blutarmut, d. h. niedrigen Blutwerten, ist die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu binden und zu transportieren herabgesetzt; es kommt zu Atemnot.
  • Auch psychische Ursachen können für das Gefühl von Atemnot verantwortlich sein, ohne dass in diesem Fall ein Sauerstoffmangel vorliegt. Bei Angst ist der Betroffene häufig nicht in der Lage zu beurteilen, ob die Atemnot auf einen Sauerstoffmangel zurückzuführen ist oder durch die Angst selbst ausgelöst wurde.

Was kann die Ursache sein?

Häufige Ursachen

  • Asthma
    • Tritt häufig bei Kindern und Jugendlichen auf und äußert sich in Episoden von Atembeschwerden und Atemnot, pfeifender Atmung und gelegentlich schmerzhaftem und lang anhaltendem Husten.
    • Der Zustand kann durch eine Allergie, unspezifische Reizungen und Atemwegsinfektionen sowie Belastung und psychische Faktoren ausgelöst werden.
  • Akute Bronchitis
    • Wird fast immer durch eine Virusinfektion verursacht und kann im Zusammenhang mit einer harmlosen Erkältung auftreten.
    • Charakteristisch ist ein heftiger Husten, der länger als eine Woche anhält; dabei handelt es sich meist zunächst um einen trockenen Reizhusten, der später in einen produktiven Husten mit schleimigem Auswurf übergeht; Hals- und Brustbereich sind gewöhnlich empfindlich.
    • Häufig kommt es zu leichtem Fieber, der Allgemeinzustand ist relativ gut, Atembeschwerden treten nur bei Anstrengung auf.
  • Lungenentzündung
    • Bei Lungenentzündung besteht eine Entzündung der Lungenbläschen, d. h. dem Bereich in der Lunge, wo Sauerstoff aus der Luft von den roten Blutkörperchen aufgenommen wird; bei Erwachsenen ist die Lungenentzündung meist bakteriell bedingt.
    • Typisch für diesen Zustand sind Husten, Fieber, meist grüner/gelber Auswurf und ein herabgesetzter Allgemeinzustand.
    • Die Infektion führt zu einer verminderten Sauerstoffaufnahme; je nach Schweregrad der Lungenentzündung ist die Atmung mäßig bis stark beeinträchtigt; in sehr schweren Fällen ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich.
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
    • Tritt bei Rauchern oder ehemaligen Rauchern sowie gelegentlich bei Personen, die über einen längeren Zeitraum Luftverunreinigungen ausgesetzt waren, auf; die Wahrscheinlichkeit steigt mit zunehmendem Alter.
    • COPD ist eine Erkrankung, die mit chronischem Husten und allmählich zunehmenden Atembeschwerden einhergeht; COPD-Patienten leiden besonders häufig unter Episoden von Bronchitis oder Lungenentzündung, in deren Verlauf die Atmung erheblich stärker beeinträchtigt ist.
  • Herzinsuffizienz, akut oder chronisch
    • Wird bei Patienten mit diagnostizierter Herzerkrankung und herabgesetzter Pumpfunktion des Herzens beobachtet; der Schweregrad der Atemnot ist abhängig vom Schweregrad der Herzerkrankung.
    • Eine sorgfältige medikamentöse Behandlung ist ratsam, da es gelegentlich zu einer raschen Verschlechterung des Zustandes mit Flüssigkeitsansammlung in der Lunge und erheblichen Atembeschwerden kommen kann.
    • Die Beschwerden reichen von Atemnot bei Belastung bis hin zu Atemnot auch in Ruhe; einige Patienten klagen über Atemnot in Rückenlage, geschwollene Beine sind ein weiteres häufiges Kennzeichen.
  • Blutgerinnsel in der Lunge (Lungenembolie)
    • Häufig nach einer Operation, länger andauernder Bettruhe oder nach einer Entbindung; Frauen, die orale Kontrazeptiva (die „Pille“) einnehmen, tragen ebenfalls ein leicht erhöhtes Risiko; ein gleichzeitig bestehendes Blutgerinnsel in einem Bein wird gelegentlich beobachtet.
    • Der Schweregrad der Symptome hängt von der Größe des Blutgerinnsels ab; er reicht von mäßiger Atemnot, Husten und vorübergehenden Brustschmerzen bis hin zu plötzlich einsetzenden heftigen Brustschmerzen, ausgeprägten Atemschwierigkeiten, blutigem Auswurf, blau gefärbten Lippen und Entwicklung eines Schockzustandes.
  • Lungenkollaps, Pneumothorax
    • Tritt nach einer Verletzung oder gelegentlich ohne bekannte Ursache auf, meist bei jungen, schlanken Männern.
    • Der Zustand äußert sich akut von einer Sekunde auf die andere und macht sich durch stechende Brustschmerzen bei der Atmung und Atemnot bemerkbar.
  • Unregelmäßiger Herzschlag (Herzrhythmusstörung/Arrhythmie)
    • Verschiedene Grunderkrankungen kommen als Ursache infrage, häufig wird Vorhofflimmern beobachtet.
    • Gelegentlich kann der Zustand mit Atemnot, Brustschmerzen und Schwindel einhergehen; einige Patienten sind in Ruhe betroffen, während andere bei körperlicher Anstrengung unter Beschwerden leiden.
  • Blutarmut, Anämie
    • Die Ursache kann ein Blutverlust oder die verminderte Produktion oder ein erhöhter Verbrauch an roten Blutkörperchen sein.
    • Symptome und Befunde hängen mit dem Grad der Blutarmut und mit der Geschwindigkeit, in der sich die Blutarmut entwickelt hat, zusammen.
    • Symptomatisch äußert sich Blutarmut in Kraftlosigkeit, Müdigkeit, herabgesetzter körperlicher Kapazität, Ohrenrauschen, Herzklopfen, Blässe sowie Atemnot.
  • Hyperventilation, beschleunigte/vertiefte Atmung
    • Tritt häufig bei psychischen Belastungen, Unruhe und Angst auf.
    • Der Patient hat das Gefühl, unter Sauerstoffmangel zu leiden, was zu einer allmählichen Vertiefung und Beschleunigung der Atmung führt und ihn häufig nach Luft ringen lässt; Hyperventilation bewirkt Veränderungen im Blut, die das Gefühl von Atemnot weiter verstärken.
    • Ein solcher Anfall kann auch akut auftreten; er ist häufig mit gesteigerter Angst bei dem Betroffenen und darüber hinaus mit einer Reihe körperlicher Beschwerden wie Mundtrockenheit, Stechen und Taubheitsgefühl in Fingern, Händen, Beinen und Lippen verbunden; kurz anhaltende Krämpfe oder Synkopen sind ebenfalls nicht auszuschließen.
    • Der Anfall ist zwar vollkommen harmlos, aber ausgesprochen beängstigend.

Seltene Ursachen

  • Lungenfellentzündung, Pleuritis
    • Akute Entzündung des Lungenfells, die häufig als Komplikation einer Lungenentzündung in Erscheinung tritt
    • Es treten abgegrenzte, scharfe und vereinzelte Schmerzen auf, die durch Husten, Niesen oder bei der Einatmung verschlimmert werden.
  • Alpha-1-Antitrypsinmangel
    • Alpha-1-Antitrypsin ist ein Protein, das für den Erhalt einer normalen Struktur in den kleinen Lungenbläschen, den Alveolen, benötigt wird; mangelt es an diesem Enzym, steigt das Risiko für ein Lungenemphysem.
    • Ein Emphysem kann im Zusammenhang mit COPD auftreten; die Wände zwischen den Lungenbläschen werden zerstört, wodurch sich größere Hohlräume bilden; selbst geringe Belastungen können zu Atemnot führen, mit der Zeit leidet der Patient auch in Ruhe unter Atemnot; der Sauerstofftransport von der Lunge ins Blut verschlechtert sich, wodurch es zu Atemnot kommt.
    • Die Symptome können bereits im Alter von 30 bis 40 Jahren auftreten, während eine „gewöhnliche“ COPD in der Regel erst zu einem etwas späteren Zeitpunkt im Leben auftritt.
  • Lungenkrebs
    • Tritt vorwiegend bei langjährigen Rauchern auf.
    • Zu den frühen Symptomen zählen anhaltender Husten, Atemnot, Brustschmerzen, blutiger Auswurf, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme.
  • Sarkoidose
    • Chronisch entzündliche Erkrankung, von der vorwiegend die Lunge betroffen ist; nicht selten tritt die Erkrankung erstmals im Alter von 30 bis 40 Jahren auf.
    • Zu den Symptomen zählen Kraftlosigkeit, Fieber, lang anhaltender Husten ungeklärter Ursache und Atemnot – gelegentlich sind die Symptome nur sehr schwach ausgeprägt.
    • Auch andere Organe wie Haut, Augen, periphere Nerven, Leber, Nieren oder Herz können betroffen sein.
  • Pneumokoniose
    • Chronische Lungenerkrankung, die durch die Einatmung von Kohlenstaub und anorganischen Stoffen wie beispielsweise Steinstaub hervorgerufen wird.
    • In der Regel verläuft die Erkrankung so lange symptomlos, bis die Lungenschädigung so weit fortgeschritten ist, dass es zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion mit Husten und Atemnot kommt.
  • Herabgesetzte Beweglichkeit im Bereich des Brustkorbs:
    • Aufgrund einer geschwächten Muskulatur, gelegentlich treten Steifheit und Fehlstellungen im mittleren Rückenabschnitt auf.
    • Myastenia gravis oder andere neurologische Erkrankungen können zu einer Schwächung der an der Atmung beteiligten Muskeln beitragen.
    • Spondylitis ankylosans kann in einigen Fällen mit einer völligen Versteifung von Wirbelsäule und Rippen einhergehen; die Folge ist eine Verschlechterung der Atemfunktion.
    • Schäden oder Fehlstellungen im Brustkorb.

Wann sollten Sie einen Arzt konsultieren?

  • Bei plötzlich auftretenden Atembeschwerden sollten Sie schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen.
  • Dasselbe gilt für Atembeschwerden, die allmählich zunehmen.
  • Wurde Asthma oder COPD diagnostiziert, wird der Arzt gemeinsam mit Ihnen einen Plan erstellen und festlegen, was Sie selbst tun können und wann Sie bei zunehmender Atemnot einen Arzt konsultieren sollten.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Was könnte Ihrer Meinung nach die Ursache sein?
  • Traten die Atembeschwerden akut oder schleichend auf?
  • Wann haben Sie das zum ersten Mal bemerkt?
  • Leiden Sie ständig unter Atemnot oder tritt sie anfallsartig auf?
  • Haben Sie nachts Atembeschwerden oder wenn Sie im Bett liegen?
  • Treten die Atembeschwerden unter Belastung auf?
  • Haben Sie Husten, Schmerzen oder Fieber? Besteht eine vermehrte Schleimbildung in der Brust?
  • Wodurch werden die Beschwerden ausgelöst?
  • Rauchen Sie?
  • Kommen oder kamen Sie beruflich mit Staub oder Gasen in Kontakt?
  • Kann es sein, dass Sie auf Substanzen oder Dinge in Ihrem Haushalt reagieren wie Tiere, Pflanzen, Staub, Gase usw.?
  • Leidet jemand in Ihrer Familie an einer Lungenerkrankung?

Ärztliche Untersuchung

  • Der Arzt nimmt eine vollständige körperliche Untersuchung vor. Diese umfasst Lunge, Herz, Kreislauf und Blutdruck. Außerdem prüft er, ob Ihre Beine geschwollen sind.

Weitere Untersuchungen

  • Unter Umständen werden Blutuntersuchungen durchgeführt, wobei der Bestimmung des Blutwertes die größte Bedeutung zukommt.
  • Möglicherweise ist eine Lungenfunktionsmessung erforderlich.
  • Ein EKG kann zur Abklärung einer Herzerkrankung beitragen.
  • Wenn unklar ist, welche Ursache die Atemnot hat, wird eine Röntgenaufnahme der Lunge gemacht.

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

  • Bei akuten Atembeschwerden ist häufig eine Einweisung ins Krankenhaus erforderlich; ob dies erforderlich ist oder die Behandlung zu Hause ausreicht, richtet sich nach dem Schweregrad der Atembeschwerden und dem Allgemeinzustand.
  • Bei unklarer Diagnose, fehlendem Therapieeffekt oder wenn Ihr Zustand umfassendere Untersuchungen oder Behandlungen erforderlich macht, werden Sie an einen Spezialisten überwiesen.

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Dyspnoe bei Erwachsenen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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