Fieber

Fieber ist üblicherweise ein Anzeichen einer Erkrankung und damit ein häufiger Grund für einen Arztbesuch: Fieber ist Grund für 70 % aller Beratungen in der Kinderarzt- oder Hausarztpraxis.

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Fakten

Als Fieber gilt eine Temperatur über 38 ºC am Nachmittag. Die häufigsten Ursachen von kurz dauerndem Fieber (< 1 Woche) sind Infektionen der Atemwege oder Harnwegsinfektionen. Die gemessenen Temperaturwerte hängen von Tageszeit und Messstelle ab. Die höchsten Werte werden am Nachmittag gemessen: Normalwerte sind unter der Achsel (axillär) bis 38 °C, unter der Zunge im Mund (oral bzw. sublingual) bis 37,2 ºC, im Enddarm (rektal) und im Ohr (aurikulär) bis 37,6 ºC. Oft wird die rektale Temperatur zwischen 37 °C und 38 °C als „erhöhte Temperatur“, und eine Temperatur > 38 °C als Fieber bezeichnet. Fieber von länger als 2–3 Tagen Dauer erfordert eine ärztliche Untersuchung; manchmal ist bereits früher ein Arztbesuch zu empfehlen bzw. erforderlich. Kinder mit Fieber sollten bereits frühzeitig untersucht werden; kommen andere starke Beschwerden dazu oder wirkt das Kind gar apathisch, ist eine sofortige Untersuchung und Behandlung nötig.

Was ist Fieber?

Definitionen

 

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Die Körpertemperatur wird durch das Temperaturzentrum im Gehirn kontrolliert und gesteuert. Unter normalen Umständen bleibt die Kerntemperatur des Körpers auch bei Veränderungen der Umgebungstemperatur konstant.

 

Eine körperliche Anstrengung oder ein opulentes Mahl sind physiologische Ursachen einer Temperaturerhöhung, wobei diese im Allgemeinen 37,9 °C nicht überschreitet. Dasselbe gilt für Temperaturen, die bei Frauen in der zweiten Zyklushälfte (Ovulation bis Menstruation) auftreten können. Die physiologische tägliche Temperaturschwankung kann bis gut 1 °C ausmachen.

Fieberzustände werden durch Infektionskrankheiten oder nicht infektiöse Erkrankungen verursacht. Als Fieber gilt gemeinhin eine Temperatur über 38,2 °C.

Die rektal gemessene Temperatur ist am zuverlässigsten und sollte verwendet werden, wenn ein exakter Wert benötigt wird. Die Temperatur kann auch im Mund, im Ohr oder in der Achselhöhle gemessen werden. Es gibt allerdings nur wenige Studien, die die Zuverlässigkeit dieser Messungen belegen.

Die normale Körpertemperatur sowie die physiologische Tagesschwankung der Temperatur können bei gebrechlichen, nicht aber notwendigerweise bei gesunden älteren Personen, vermindert sein. Eine wiederholte Erhöhung der oralen (über 37,2 °C) oder der rektalen Temperatur (über 37,5 °C) bedeutet deshalb bei dieser Personengruppe Fieber. Zudem ist die Fieberreaktion bei einer schweren Infektion bei 20–30 % der älteren Personen nicht oder nur abgeschwächt vorhanden.

Als Hyperthermie bezeichnet man eine Überhitzung des Körpers mit Temperaturen > 41,2 °C, ohne dass eine Sollwertverstellung im Wärmeregulationszentrum wie beim Fieber vorliegt. Die Ursachen einer Hyperthermie können von außen kommen (exogen, z. B. Heizkissen, Sauna, Bad, Sonneneinstrahlung) oder von innen (endogen, z. B. Muskelarbeit). Dabei kann die Körpertemperatur unkontrolliert ansteigen, während die Wärmeabgabe z. B. infolge ungeeigneter Kleidung oder hoher Lufttemperaturen mit hoher Luftfeuchtigkeit gestört ist. Unter derartigen Bedingungen kann ein Hitzschlag auftreten.

Häufigkeit

Fieber ist üblicherweise ein Anzeichen einer Erkrankung und damit ein häufiger Grund für einen Arztbesuch.

Erkrankungen, die bei Kindern zu Fieber führen, müssen bei Erwachsenen nicht unbedingt mit Fieber einhergehen.

Warum kommt es zu Fieber?

Fieber ist eine der vielen Reaktionen des Körpers auf eine Erkrankung. Gelangen Bakterien oder Viren in den Körper, wird die körpereigene Abwehr gegen Infektionen, das Immunsystem, aktiviert. Dabei kommt es zu einer Erhöhung der Körpertemperatur. Die weißen Blutkörperchen, Antikörper und Zellen des Körpers, die die eingedrungenen Mikroorganismen bekämpfen, können bei einer leicht erhöhten Temperatur besser und wirksamer arbeiten. Das Immunsystem funktioniert bei einer Temperatur zwischen 38 und 39 °C am besten. Fieber ist mit anderen Worten eine hilfreiche Reaktion des Körpers. Darum ist es umstritten, ob bei mäßigem Fieber bereits fiebersenkende Mittel eingesetzt werden sollten.

Es gibt sehr viele Erkrankungen, bei denen Fieber auftreten kann. Die meisten Fiebererkrankungen treten aufgrund von harmlosen Virusinfektionen auf, die der Körper selbst bekämpfen kann. Einige bakterielle Infektionen müssen eventuell mit Antibiotika behandelt werden. Bei chronischen Erkrankungen kann es auch ohne virale oder bakterielle Infektionen zu lang anhaltendem Fieber kommen. Die folgende Liste enthält einige der häufigsten Fieberursachen.

Häufige Ursachen für Fieber

Kurze Fieberepisoden, normalerweise kürzer als 3 Tage

Fieber über 4 bis 14 Tage

Seltene Ursachen

Fieber bei chronischen Krankheiten

  • Fieber bei Krebserkrankungen
  • HIV und AIDS
  • Bindegewebserkrankungen und andere Autoimmunkrankheiten (Krankheiten, die durch eine Fehlfunktion des Immunsystems bedingt sind)

Was können Sie selbst tun?

  • Fiebersenkende Mittel
    • Es sollten Paracetamol oder Ibuprofen verwendet werden.
  • Hat Ihr Kind hohes Fieber, sollten Sie es nachts beobachten.
  • Bei einer Infektion benötigen Sie viel Ruhe. Bei hohem Fieber müssen Sie über mehrere Tage Bettruhe halten, denn durch ein hohes Aktivitätsniveau beim Ausbruch der Infektion wird die Immunabwehr des Körpers geschwächt.
  • Auf der anderen Seite sollte Sie aber auch nicht zu lange Bettruhe halten. Durch eine zu lange Bettlägerigkeit kommt es zu einer weiteren Schwächung und Verlust von Muskelmasse. Die Gefahr von Blutgerinnseln steigt ebenfalls.
  • Da aufgrund der hohen Körpertemperatur viel Flüssigkeit verloren geht, sollten Sie möglichst viel trinken bzw. Ihrem Kind häufig Getränke anbieten (siehe Artikel Durst und Austrocknung).
  • Die normale Körpertemperatur bei Kindern kann variieren. Liegt die Temperatur am Morgen über 37,5 °C und am Abend über 37,7 °C, spricht man von erhöhter Temperatur.
  • Kinder mit Fieber sollten zu ihrem eigenen Wohl zu Hause bleiben, bis sie fieberfrei sind. In manchen Fällen ist dies aufgrund einer erhöhten Ansteckungsgefahr sogar wünschenswert.

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

Fieber ist an sich kein Grund, eine Arztpraxis aufzusuchen. In manchen Situationen ist dies jedoch notwendig.

Gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder zu Ihrem Arzt, wenn Sie hohes oder langanhaltendes Fieber (mehr als drei Tage) in Verbindung mit einem schlechten Allgemeinzustand haben oder bei sich oder Ihrem Kind eine schwere Krankheit vermuten.

Wie geht die Ärztin/der Arzt vor?

Anamnese

Die Ärztin/der Arzt wird Ihnen wahrscheinlich diese Fragen stellen:

  • Seit wann leiden Sie an Fieber?
  • Wie ist Ihr Allgemeinzustand?
  • Bei Kindern:
    • Wie ist das Aktivitätsniveau?
    • Spielt Ihr Kind oder liegt es abgeschlagen auf dem Sofa?
    • Trinkt und isst Ihr Kind ausreichend?
    • Nimmt Ihr Kind die Umgebung wahr oder hat es einen „leeren“ Blick?
    • Reagiert Ihr Kind auf Sie?
    • Wie schnell atmet Ihr Kind – wie viele Atemzüge pro Minute?
    • Frage nach der Nackensteife (Verdacht auf Meningitis): Kann Ihr Kind den Kopf neigen, sodass das Kinn auf der Brust liegt?
  • Gibt es Anzeichen einer Infektion an einem bestimmten Organ? Hat Ihr Kind z. B. Schnupfen, Husten, Ohren- oder Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Beschwerden beim Wasserlassen?
  • Wie hat das fiebersenkende Mittel angeschlagen?

Ärztliche Untersuchung

Je nach dem Ergebnis der Anamnese führt die Ärztin/der Arzt eine eingeschränkte oder umfassende körperliche Untersuchung durch. Die Organe, die vermutlich entzündet sind, werden eingehend untersucht.

Andere Untersuchungen

In der Praxis kann das ärztliche Personal Blutuntersuchungen, z. B. zur Feststellung einer Entzündung (mittels CRP, einem Protein im Blut), Urinuntersuchungen durchführen oder genauere Untersuchungen des Rachens vornehmen.

Einweisung ins Krankenhaus

Beim Verdacht auf eine schwere Infektion wird die Patientin/der Patient in die Notaufnahme des Krankenhauses aufgenommen.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Herold G et al. Innere Medizin 2016 - Differenzialdiagnose Fieber. Köln, Eigenverlag 2016
  2. Weber R, Fontana A. Status febrilis. In: Battegay, Siegenthalers Differentialdiagnose. Stuttgart, Thieme Verlag 2013, S. 112 ff www.thieme.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Fieber unbekannter Ursache. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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