Gewichtsverlust bei Erwachsenen

Gewichtsverlust kann gewollt sein (Diät) und damit bei eher übergewichtigen Menschen Vorteile mit sich bringen. Verliert man unabsichtlich an Gewicht, kann dies Folge verschiedener Krankheiten sein und schließlich zu deutlicher Unterernährung führen.

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Was ist Gewichtsverlust?

  • Bei den meisten Menschen schwankt das Gewicht im Verlauf der Zeit mehr oder weniger stark; in der Regel erhöht sich das Körpergewicht bei Erwachsenen langsam bis zum Alter von etwa 60 Lebensjahren.
  • Das Körpergewicht ergibt sich grundsätzlich aus dem Energiegehalt der Nahrung/Getränke und der vom Körper verbrauchten Energie.
  • Wird bei gleichbleibender Zufuhr mehr Energie verbraucht oder besteht wegen eines veränderten Stoffwechsels ein erhöhter Energiebedarf, führt dies mit der Zeit zu einem Gewichtsverlust. Das Gleiche gilt, wenn bei gleichem Energieverbrauch weniger Energie zugeführt wird (unabhängig davon, ob der Betroffene appetitlos ist oder nicht).

Definitionen

  • Bei Erwachsenen spricht man von einem ungewollten Gewichtsverlust (der möglicherweise im Zusammenhang mit einer Krankheit steht) bei:
    • einer Abnahme von mehr als 5 % des Körpergewichts in weniger als 6–12 Monaten.
  • Ein Body Mass Index (BMI) von <18 entspricht grundsätzlich einem Untergewicht.
  • Ist dieser Gewichtsverlust gewollt (Diät), besteht bei noch gesundem Körpergewicht kein Problem. Sorgen sollte man sich machen, wenn man ohne Absicht deutlich an Gewicht verliert.
  • Eine starke Abmagerung mit auch deutlichem Abbau von Muskulatur bezeichnet man als Kachexie. 

Informationen zu Gewichtsverlust

  • Ein Gewichtsverlust bei Erwachsenen hängt oft mit der psychischen oder psychosozialen Situation des Betroffenen zusammen.
  • Eine freiwillige Gewichtsabnahme kann sich bei übergewichtigen Menschen positiv auf die Gesundheit auswirken. Ein Gewichtsverlust kann bei normalgewichtigen Erwachsenen und Jugendlichen allerdings auch auf Essstörungen hindeuten.
  • Etwa 0,4 % der Frauen zwischen 16 und 35 Jahren leiden unter Magersucht; deutlich mehr Frauen und auch Männer leiden insgesamt an Essstörungen.
  • Gerade ältere Menschen verlieren eher als jüngere unbeabsichtigt an Gewicht: etwa 15–20 % der über 65-Jährigen sind betroffen; unter Bewohnern von Pflegeheimen ist der Anteil noch deutlich höher.
  • Auch im Krankenhaus kommt es recht häufig durch mangelnde Ernährung zu ungewolltem Gewichtsverlust; es sind etwa ein Viertel der stationär versorgten Patienten hiervon betroffen.
  • Bei 19–36 % der älteren Patienten, die unabsichtlich abnehmen, liegt eine Krebserkrankung zugrunde.
  • Ein starker Gewichtsverlust ist kein natürlicher Teil des Alterungsprozesses. Allerdings ist eine leichte Verringerung des Körpergewichts ab einem Alter von 70–75 jahren normal, sollte jedoch bei einem gesunden Ausgangsgewicht etwa 200 g im Jahr nicht übersteigen.

Was kann die Ursache sein?

  • Gerade bei älteren Menschen kann die Ursache darin bestehen, dass sie nicht genügend Nahrung aufnehmen können. Mögliche Gründe sind u. a.:
    • Probleme beim Essen (Schwierigkeiten, mit dem Besteck umzugehen, etwa aufgrund von Zittern, Muskelschwäche etc.)
    • Schmerzen beim Kauen,
    • Schluckstörungen. 
  • Psychische Ursachen: Psychische Probleme wie ständige Anspannung, Überforderung am Arbeitsplatz, Probleme in der Partnerschaft bzw. Familie, Trauer etc. können als Reaktion zu vermindertem Appetit und damit Gewichtsverlust führen. Als besondere psychische Störungen sind hier u. a. zu nennen: 
  • Anorexie:
    • Die sogenannte Magersucht kommt am häufigsten bei jungen Mädchen vor.
    • Dabei nehmen die Betroffenen zu wenig kalorienreiche Nahrung zu sich, haben eine gestörte Körperwahrnehmung und ein geringes Selbstwertgefühl. Hinzu kommen Hyperaktivität in Form eines hohen Sportpensums, Stimmungsschwankungen, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen sowie Angstzustände.
  • Bulimie:
    • Bulimie betrifft vor allem Frauen. Das durchschnittliche Alter bei Beginn der Krankheit beträgt 19 Jahre.
    • Bulimie kennzeichnet sich durch wiederholte Episoden mit Esssucht sowie eine übertriebene Konzentration auf das Körpergewicht. Die Essattacken werden von Erbrechen, Fastenperioden oder der Einnahme von Medikamenten (Abführmittel, harntreibende Medikamente und Schilddrüsenhormone) gefolgt, um wieder an Gewicht zu verlieren.
  • Krebserkrankungen:
  • Demenz:
    • Der Gewichtsverlust tritt hier aufgrund von Unterernährung auf, da die Betroffenen sich nicht mehr selbst versorgen können, kaum Appetit haben, die Mahlzeiten vergessen oder Ähnliches.
  • Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2:
    • Insbesondere zu Beginn des Krankheitsverlaufs kommt es vor allem bei Typ 1 zu einem Gewichtsverlust.
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose):
    • Eine Störung, die deutlich häufiger bei Frauen als bei Männern auftritt.
    • Typische Symptome sind Zittern, Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, Schwitzen und Wärmeempfindlichkeit, Herzklopfen, Unruhe und Reizbarkeit.
    • Ursache ist eine erhöhte Konzentration von Schilddrüsenhormonen im Blut.
  • Auch andere Störungen des hormonellen Systems können zu ungewolltem Gewichtsverlust führen (Erkrankungen der Nebennierenrinde, z. B. Addison-Krankheit). 
  • Herzinsuffizienz:
    • Insbesondere bei älteren Personen und Personen mit bekannten Herzerkrankungen kann es zu einer Herzinsuffizienz (zu schwache Funktion des Herzmuskels) kommen.
    • Häufig auftretende Symptome sind Kraftlosigkeit, verringerte Leistungsfähigkeit, Husten, Atemnot bei Belastung sowie in Rückenlage, nächtliche Atemnot, Herzrasen und Gewichtsverlust.
  • Chronische Lungenkrankheiten:
  • Chronisches Nierenversagen:
    • Chronisches Nierenversagen entsteht meist über einen langen Zeitraum.
    • Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein, mögliche Krankheitsanzeichen sind Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Juckreiz, Schluckauf, Durst, geschwollene Beine, psychische Veränderungen, Anämie, Muskelkrämpfe, Knochen- und Gelenkbeschwerden.
  • Einnahme von bestimmten Medikamenten (die z. B. zu Geschmacksstörungen. Schluckproblemen, Übelkeit führen) oder Alkohol/Drogen
  • Schwere Infektionen:
  • Erkrankungen des Darms:
  • Erkrankungen der Speiseröhre oder des Magens:
    • Fehlbildungen oder Engstellen der Speiseröhre können Schluckstörungen bedingen.
    • Geschwür/Ulkus: Aufgrund von Schmerzen bei der Nahrungszufuhr essen die Betroffenen meist wenig.
  • Neurologische Erkrankungen:
    • Krankheiten, die zu Schluckstörungen führen (z. B. Schlaganfall)
    • Krankheiten, die zu allgemeiner Muskelschwäche führen (und dadurch selbst die Nahrungsaufnahme sehr anstrengend werden lassen).
  • In seltenen Fällen ist Unterernährung Teil von Vernachlässigung/Misshandlung.

Bei etwa 25 % der Betroffenen lässt sich trotz sorgfältiger Untersuchung keine Ursache für die Gewichtsabnahme feststellen; meist ist hier die Prognose aber recht gut. 

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Ein unfreiwilliger Gewichtsverlust sollte ernst genommen werden. Lassen Sie sich darum ärztlich untersuchen.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt wird Ihnen wahrscheinlich folgende Fragen stellen:

  • Wie hoch ist der Gewichtsverlust über welchen Zeitraum?
  • Was essen Sie? Wie viel essen Sie?
  • Leiden Sie an Appetitlosigkeit?
  • Haben Sie Schmerzen beim Kauen (Zahngesundheit) oder Schluckstörungen?
  • Haben Sie Fieber?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Haben Sie andere Symptome oder Probleme?
    • Übelkeit/Erbrechen?
    • Magenbeschwerden?
    • Beobachten Sie Veränderungen beim Stuhlgang?
    • Haben Sie Blut im Stuhlgang?
    • Hautblutungen?
    • Erhöhte Infektionsneigung?
    • Fühlen Sie sich deutlich abgeschlagen/erschöpft?
    • Psychische Probleme (Trauer, Stress, Sorgen wegen bestimmter Ereignisse etc.)?
  • Trinken Sie Alkohol oder nehmen Sie Drogen?

Ärztliche Untersuchung

  • Ein unfreiwilliger Gewichtsverlust kann ein Anzeichen für eine ernste Grunderkrankung sein und erfordert in den meisten Fällen eine gründliche ärztliche Untersuchung.
  • Der Arzt wird Herz und Lungen abhören, die Bauchorgane abtasten, grundsätzlich nach Zeichen für Mangelernährung fahndenund den Allgemeinzustand ds Betroffenen beurteilen.

Andere Untersuchungen

  • In der Regel werden Blutuntersuchungen durchgeführt. Hier lassen sich die Funktion verschiedener Organe, Stoffwechselparameter, Blutzucker, Hormone etc. bestimmen, um verschiedene Erkrankungen nachzuweisen bzw. auszuschließen.
  • Eventuell müssen Sie eine Stuhlprobe nehmen, damit kontrolliert werden kann, ob Blutungen oder eine chronische Infektion im Magen-Darm-Trakt vorliegen.
  • Möglicherweise wird auch der Urin untersucht.
  • Aufgrund der Befunde oder Verdachtsmomente des Arztes sind eventuell Ultraschall-/Röntgenuntersuchungen oder Endoskopien (Gastroskopie, Koloskopie) notwendig.

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

  • Sind Untersuchungen notwendig, die nicht beim Hausarzt durchgeführt werden können, werden Sie an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus überwiesen.
  • Ergeben sich Hinweise auf eine bestimmte zugrunde liegende Krankheit, sind meist entsprechend spezifischere weitere Untersuchungen nötig.

Behandlung

  • Gewichtsverlust bzw. Untergewicht/Unterernährung geht mit gehäuften weiteren Erkrankungen, häufigeren Klinikaufenthalten, geringerer Lebensqualität und erhöhter Sterblichkeit einher und sollte daher behandelt werden. 
  • Ergibt sich aus den Untersuchungen eine bestimmte Krankheit (etwa eine Essstörung, eine Krebserkrankung, Herzinsuffizienz oder Anderes), wird diese entsprechend behandelt.
  • Allgemeine Maßnahmen gegen (drohendes) Untergewicht bwz. Mangelernährung sind:
    • sorgfältige, individuelle Ernährungsberatung (Nahrungsmittel, Zubereitung, Essgewohnheiten etc.),
    • Anregung zu Körperlicher Aktivität (appetitsteigernd),
    • Überprüfung der Medikation (z. B. möglichst Absetzen von appetithemmenden Medikamenten),
    • ggf. Empfehlung von Nahrungsergänzungsmitteln, hochkalorischer Zusatznahrung oder Vitaminsubstitution,
    • notfalls auch (vorübergehende) künstliche Ernährung.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen