Allergie oder Unverträglichkeit gegen Gemüse und Hülsenfrüchte

Bei einer Allergie oder Unverträglichkeit gegen Gemüse und Hülsenfrüchte treten nach dem Verzehr regelmäßig körperliche Beschwerden auf. Erdnüsse und Sojabohnen gehören zu den bekanntesten allergenen Lebensmitteln, aber auch andere Gemüse und Hülsenfrüchte können Reaktionen auslösen.

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Definition

Bei einer Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit gegen Gemüse und Hülsenfrüchte handelt es sich um Beschwerden, die immer wieder nach dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln auftreten. 

  • Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist eine anormale Reaktion auf den Verzehr eines oder mehrerer Nahrungsmittel. Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit verläuft die Reaktion üblicherweise langsamer und weniger schwer.
  • Eine Nahrungsmittelallergie ist eine allergische Reaktion auf bestimmte Stoffe. Eine Allergie führt häufig zu akuten, schnell einsetzenden Beschwerden.

Symptome

Die Beschwerden, die wenige Minuten bis Stunden nach dem Verzehr des auslösenden Lebensmittels auftreten, gleichen denen bei anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien. Eine häufige Reaktion ist eine gerötete, geschwollene und juckende Schleimhaut im Mund, das sogenannte orale Allergiesyndrom. Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Bauchschmerzen können nach dem Verzehr auftreten. An der Haut kann sich eine allergische Reaktion in Form von juckendem Hautausschlag und Nesselsucht äußern. Bei einer schweren Reaktion kann es zu Atemschwierigkeiten und Schwindel kommen. Auch das Herz-Kreislauf-System kann von der allergischen Reaktion betroffen sein. Im schlimmsten Fall droht eine schwere, möglicherweise lebensbedrohliche Reaktion des gesamten Körpers mit anaphylaktischem Schock.

Erdnüsse

Erdnüsse gehören zu den häufigsten Auslösern einer Lebensmittelallergie und von besonders schweren, lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen. Daher müssen alle Lebensmittel, die Erdnüsse enthalten, deutlich gekennzeichnet sein. Personen, die allergisch auf Erdnüsse sind, reagieren oft auch auf Nüsse, wenngleich zwischen ihnen keine enge botanische Verwandtschaft besteht. Einige Allergiker, die auf Birkenpollen reagieren, sind häufig auch gegen Erdnüsse allergisch. Andere wiederum reagieren zusätzlich auf Erbsen. Aufgrund der biologischen Verwandtschaft zwischen Erbsen und Sojabohnen, Erdnüssen und anderen Hülsenfrüchten, kann es zu Kreuzreaktionen kommen.

Bei etwa 20 % der Kinder mit Allergie gegen Erdnüsse oder Nüsse verschwindet die Allergie im Laufe des Lebens wieder. Setzt sich die Allergie in das Jugend- und Erwachsenenalter fort, ist es unwahrscheinlich, dass sie später noch verschwindet.

Sojabohnen

Sojabohnen stellen ein weiteres wichtiges allergieauslösendes Lebensmittel dar. Sojaprodukte sind in der Lebensmittelindustrie weit verbreitet. Sie werden unter anderem verwendet, um Lebensmitteln die richtige Konsistenz zu geben, die verschiedenen Lebensmittelzutaten miteinander zu vermischen (Emulgator), sowie als Quelle für Eiweiß. Des Weiteren stellen Sojabohnen eine wichtige Quelle für raffinierte Öle dar – diese enthalten aber wahrscheinlich keine großen Mengen an allergieauslösenden Proteinen. Die Symptome bei Sojaallergie reichen von mild ausgeprägt bis lebensbedrohlich. Sojabohnen werden ähnlich wie Erdnüsse als eines der am weitesten verbreiteten Nahrungsmittelallergene betrachtet. Gleichzeitig sind sie schwer zu umgehen, weil sie in sehr vielen verarbeiteten Nahrungsmitteln verwendet werden.

Weitere Allergien und Kreuzreaktionen

Allergische Reaktionen gegen Gemüse sind oft recht milde ausgeprägt und sich auf Reaktionen im Mund- und Halsbereich beschränken (Juckreiz und Schwellung). Solche milden Reaktionen treten häufig als eine Kreuzallergie gegen Pollen auf. In diesen Fällen lässt sich die auslösende Substanz häufig durch Kochen beseitigen. Allergien gegen Gemüse wie Sellerie (und Selleriewurzel) verursachen in der Regel ebenfalls nur leichte Reaktionen, können aber in einzelnen Fällen lebensbedrohlich sein. Bei Personen, die schwerste Reaktionen zeigen, wird diese Art von Allergen nicht durch das Kochen beseitigt.

Eine Allergie gegen Kichererbsen kann vorkommen, ist aber weit weniger verbreitet als Allergien gegen Hülsenfrüchte wie Erdnüsse und Sojabohnen. Die häufigsten allergischen Reaktionen sind wie bei vielen anderen Arten von Nahrungsmittelallergien auch das orale Allergiesyndrom und Hautreaktionen. Die häufigste Kreuzreaktion ist eine Allergie gegen Linsen.

Lupinen sind in Deutschland vor allem als giftige Gartenpflanzen bekannt, aber in Südeuropa wird aus den Samen einiger Lupinenarten Mehl hergestellt, das mit anderen Mehlprodukten vermischt wird. Solche Mehlsorten können in importierten Backwaren vorkommen. Lupinen sind eng mit Erdnüssen verwandt, daher kann das Mehl zu schweren allergischen Reaktionen bei Erdnussallergie führen.

Tomaten und Tomatenmark können Reaktionen bei Erwachsenen und Kindern verursachen. Bei diesen Reaktionen handelt es sich oft um Kreuzreaktionen auf Latex oder Pollen. Es kann sich aber auch um Unverträglichkeitsreaktionen handeln. Sollte sich eine Reaktion auf Ketchup zeigen, kann Ketchup ohne Konservierungsstoffe getestet werden.

Allergien gegen Linsen sind in Spanien häufiger als Erdnussallergien. Bei einer Linsenallergie können die Reaktionen mild ausgeprägt sein. Es gibt aber auch lebensbedrohliche Fälle mit einem anaphylaktischen Schock oder Asthmaanfällen.

Diagnose

Die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit wird in erster Linie an den beschriebenen Beschwerden nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel gestellt. Oft können die Betroffenen den Zusammenhang zum auslösenden Lebensmittel bereits selbst herstellen. Hilfreich ist auch das Führen eines Tagebuches über Ernährung und Symptome. In einigen Fällen werden zusätzliche Blutuntersuchungen und Allergietests durchgeführt. Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann ein Provokationstest entscheidend sein. Hierbei wird das verdächtige Nahrungsmittel unter kontrollierten Bedingungen aufgenommen und die Reaktion beobachtet.

Behandlung

Wie bei anderen Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten liegt der wichtigste Schritt in der Vermeidung des auslösenden Lebensmittels. Da Gemüse und Hülsenfrüchte auch in vielen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten ist, müssen die Zutatenlisten sorgfältig gelesen werden. Je nach Auslöser und Schwere der Allergie oder Unverträglichkeit kann eine Ernährungsberatung sinnvoll sein.

Nur in sehr wenigen Fällen ist zusätzlich zur Ernährungsumstellung auch eine medikamentöse Behandlung notwendig. Bei einer akuten allergischen Reaktion werden meist kurzzeitig Antihistaminika, z. B. als Tabletten, verabreicht. Im Falle einer schweren allergischen Reaktion mit drohendem anaphylaktischem Schock ist eine notfallmäßige Behandlung notwendig. Hier kommen neben Antihistaminika und Kortikosteroiden auch Adrenalin, Sauerstoff und weitere intensivmedizinische Maßnahmen zum Einsatz.

Diese Medikamente lindern allerdings nur die Symptome, beheben aber nicht die Allergie selbst. Die einzige ursächliche Behandlung besteht in einer Hyposensibilisierung. Dabei werden über einen langen Zeitraum regelmäßig kleine Dosen des Allergens verabreicht und diese Dosis langsam gesteigert. Insbesondere bei Menschen mit einer IgE-vermittelten Allergie, beispielsweise gegen Erdnüsse, Eier und Milch hat dies zu vielversprechenden Ergebnissen geführt.

Weitere Informationen

Checkliste und Symptome

Autoren

  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Nahrungsmittelallergie/-unverträglichkeit bei Erwachsenen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Sampson HA, Aceves S, Bock SA, et al. . Food allergy: a practice parameter update-2014.. J Allergy Clin Immunol 2014; 134: 1016. pmid:25174862 PubMed
  2. Niggemann B, Beyer K.. Factors augmenting allergic reactions. . Allergy 2014; 69: 1582. pmid:25306896 PubMed
  3. Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien, Management. AWMF-Leitlinie Nr. 061-031, Stand 2016. www.awmf.org