Habe ich eine Nahrungsmittelallergie / Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Diese Patienteninformation wendet sich an Personen, die glauben, auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch zu reagieren. Sie werden Informationen darüber finden, welche Beschwerden möglicherweise durch eine Allergie oder Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel ausgelöst werden. Sie erhalten Tipps, was Sie in diesem Fall selbst unternehmen und wo Sie Hilfe erhalten können.

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Fakten

  • Lösen eines oder mehrere Nahrungsmittel bei einer Person Beschwerden aus, z.B. Bauchschmerzen, Durchfall, geschwollene Augen, verstopfte Nase oder sogar Atemnot und Kreislaufbeschwerden, kann entweder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder eine Nahrungsmittelallergie vorliegen. Diese Erkrankungen können zwar ähnliche Symptome hervorrufen, sind aber dennoch sehr verschieden:
  • Reaktionen ohne Beteiligung des Immunsystems werden als Nahrungsmittelunverträglichkeit definiert. Hier kann der Körper, etwa aufgrund einer Stoffwechselstörung, bestimmte Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln nicht verarbeiten. Solche Erkrankungen rufen oft Reaktionen bzw. Beschwerden hervor, die sich langsam entwickeln.
  • Bei der Nahrungsmittelallergie hingegen handelt es sich um eine allergische Reaktion auf etwas, das man nicht verträgt. Die entsprechenden Beschwerden sind Folge einer Reaktion des Immunsystems und können daher einzelne Körperregionen (Nase, Augen, Mund), aber auch den gesamten Körper betreffen (allergischer Schock). Eine Nahrungsmittelallergie ruft in der Regel akute Probleme hervor, die sich schnell verstärken können.

Reaktionen auf Nahrungsmittel werden oft vermutet; etwa jeder fünfte gibt an, schon einmal entsprechende Beschwerden nach Genuss eines Nahrungsmittels gehabt zu haben bzw. ist der Meinung, an einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit zu leiden. 

Trotz dieser hohen Zahl an vermuteten Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien lassen sich die meisten Fälle nach sorgfältig erfolgter Diagnostik durch Ärzte nicht bestätigen: Eine sicher nachgewiesene Nahrungsmittelallergie haben etwa 3,5 % der Erwachsenen und gut 4 % der Kinder in Deutschland. Haben Sie den Verdacht auf eine Unverträglichkeit oder Allergie, ist es daher empfehlenswert, sich bei einem Arzt bzw. Facharzt genau untersuchen und beraten zu lassen. Es ist nämlich wichtig, nicht aus reiner Vermutung heraus schwierig einzuhaltende Diäten zu beginnen oder v. a. Kindern wichtige Nährstoffe vorzuenthalten ohne zu wissen, ob diese Maßnahmen wirklich gerechtfertigt sind.

Bei Kindern zeigen sich die Symptome einer Nahrungsmittelallergie/-unverträglichkeit meist zum ersten Mal vor dem 2. Lebensjahr (Ausnahme: Nahrungsmittelallergie als Folge einer Kreuzreaktion auf Pollen). Kinder mit Neurodermitis leiden besonders häufig auch an einer Nahrungsmittelallergie; entsprechende Symptome zeigen 30 % dieser Kinder.

In der konventionellen Medizin gibt es verschiedene Tests, um Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien zu erkennen. Manchmal ist der Auslöser schnell zu finden, oft ist die Diagnostik recht aufwendig und erfordert meist die Erfahrung von Experten. Viele Verfahren der sogenannten alternativen Medizin bieten auch entsprechende Tests an, aber es ist nicht erwiesen, dass sie ihre Versprechen erfüllen.

Was ist der Unterschied zwischen Nahrungsmittelunverträglichkeit und Nahrungsmittelallergie? Kurz gesagt, wird bei der Nahrungsmittelallergie eine allergische Reaktion durch das körpereigene Immunsystem ausgelöst. Antikörper des Immunsystems reagieren wegen einer fehlerhaften Steuerung auf Partikel (Allergene) in Lebensmitteln und aktivieren damit Ihr Immunsystem. Dagegen ist bei einer Unverträglichkeit das körpereigene Immunsystem nicht beteiligt, es sind keine Antikörper nachzuweisen. Lesen Sie mehr dazu im Artikel Nahrungsmittelunverträglichkeit und Nahrungsmittelallergie.

Vermuten Sie eine Reaktion auf Nahrungsmittel?

Reaktionen auf Nahrungsmittel im Sinne einer Unverträglichkeit oder Allergie können sich je nach Auslöser und Patient in verschiedenen Beschwerden äußern. Im Folgenden sind die üblichsten möglichen Beschwerden beschrieben. Am häufigsten berichten die Betroffenen von Übelkeit, Unwohlsein, Bauchschmerzen, Erbrechen, Blähungen und Durchfall nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel.

Mund

Sofortiger Juckreiz und Schwellungen im Mund nach der Einnahme von bestimmten Nahrungsmitteln können vorkommen, wenn Sie auf etwas in der Nahrung reagiert haben. Die Symptome können von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall gefolgt sein. Die Beschwerden treten oft bei Pollenallergikern auf. Manche Früchte, Gemüse und Kräuter, die mit verschiedenen Pollenarten verwandt sind, können solche Symptome hervorrufen. Die Symptome können während der Pollensaison verstärkt auftreten, das Phänomen der v. a. im Mundbereich auftretenden Symptome wird als „orales Allergiesyndrom“ bezeichnet.

Haut

Verschiedene Arten von Hautausschlag können als Folge einer Nahrungsmittelreaktion auftreten. Manche bekommen zum Beispiel Nesselfieber oder Nesselsucht (Urtikaria) beim Essen von Erdbeeren. Durch Nahrungsmittel verursachte Ekzeme treten bei Erwachsenen selten auf. Bei manchen können Reaktionen wie Erröten oder rote Flecken vorkommen, vor allem im Gesicht, und sie können sich erhitzt fühlen. Bei Kindern sind Hautsymptome wegen einer Reaktion auf Nahrungsmittel häufiger.

Eine seltene Hautkrankheit (Dermatitis herpetiformis) hängt mit Reaktionen auf Gluten zusammen, das in den Getreidearten Weizen, Hafer, Gerste und Roggen vorkommt.

Lunge, Augen, Nase

Beschwerden der Lunge, Augen und Nase sind selten Reaktionen auf Lebensmittel. Bei manchen kann jedoch gelegentlich neben anderen Symptomen eine laufende Nase auftreten. Auch eine Kuhmilchallergie kann neben Beschwerden wie Bauchschmerzen und Durchfall sowie Hautausschlag auch Atembeschwerden verursachen. Wichtig zu wissen ist aber, dass bei manchen Allergien schon Spuren des Auslösers (z. B. Erdnuss) einen allergischen Schock hervorrufen können, wobei es akute Atemnot und Kreislaufschock rasch lebensbedrohlich werden können. In solch einem Fall ist eine Notfalltherapie erforderlich.

Magen und Darm

Mehrere Erkrankungen des Darms werden durch bestimmte Arten von Lebensmitteln verursacht. Manche Menschen reagieren auf Milch mit Beschwerden. Die häufigste Erkrankung ist der „Laktasemangel“ (Laktoseintoleranz), insbesondere bei Menschen aus Afrika, Asien und Südeuropa, aber auch bei (Nord-)Europäern. Die Symptome sind Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall nach der Aufnahme von Milch bzw. Milchprodukten. Oft bemerkt man das selbst und vermeidet daher Milch. Ursache ist eine verminderte Bildung oder Fehlen des Enzyms Laktase, das bei der Verdauung den Milchzucker (Laktose) in der Nahrung abbaut. Die Laktoseintoleranz kann manchmal aber auch zusammen mit einer Kuhmilchallergie oder -unverträglichkeit auftreten.

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) ist selten, sollte aber bei bestehendem Verdacht unbedingt erkannt bzw. diagnostiziert werden. Patienten mit Zöliakie reagieren auf Gluten, das in Getreide wie Weizen, Roggen und Gerste vorkommt. Es ist oft schwierig, diese Erkrankung selbst zu entdecken, weil die Beschwerden nicht direkt nach der Nahrungsaufnahme entstehen, sondern 4–6 Stunden oder noch später. Daher werden oft zunächst andere Auslöser angeschuldigt. Die häufigsten Symptome sind Durchfall und Blähungen. Zusätzlich zum Durchfall kann der Patient Gewicht verloren haben, erschöpft oder gar depressiv sein und vielleicht verschiedene Mangelerscheinungen aufweisen, wie beispielsweise Eisenmangel. Wenn Sie vermuten, dass Sie auf Gluten reagieren, ist es zunächst sinnvoll herauszufinden, ob andere Familienmitglieder diese Krankheit haben, und ob Sie in der Kindheit unter Magenbeschwerden litten. 

Reaktionen im Magen und Darm auf andere Nahrungsmittel als Milch und Gluten sind seltener. Die häufigsten Symptome im Magen und Darm sind Bauchschmerzen und Durchfall, während Übelkeit und Erbrechen seltener auftreten. Oft sind gleichzeitig Hautausschläge zu beobachten.

Magen- und Darmbeschwerden können natürlich auch auf andere Ursachen als Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit zurückzuführen sein. Neben den üblichen Magen-Darm-Infektionen oder vielen anderen Krankheiten ist ein Beispiel der „Reizdarm“, auch unter der Bezeichnung Irritables Darmsyndrom bekannt. Diese Erkrankung zeichnet sich durch Beschwerden wie sich abwechselnde Blähungen, Verstopfungen, Durchfälle und Bauchschmerzen aus. Bei einigen Betroffenen lassen sich die Beschwerden lindern, indem die Ballaststoffaufnahme erhöht wird, wie durch mehr Vollkornbrot und Müsli. Bei anderen ist eher andere, leichter verdauliche Kost zu empfehlen.

Weitere Beschwerden

Einige Leute mögen bestimmte Lebensmittel nicht. In manchen Fällen kann es sich um Nahrungsmittelunverträglichkeiten handeln, da man nur ungerne Sachen isst, von denen man einmal krank wurde, aber oft handelt es sich um keine wirkliche Unverträglichkeit oder Allergie. Viele Menschen haben Beschwerden, von denen sie glauben, dass sie auf etwas in der Nahrung zurückzuführen sind. Das „chronische Erschöpfungssyndrom“ ist ein Beispiel dafür. Jedoch gibt es keinen Beweis dafür, dass dieses Syndrom mit Nahrungsmitteln zu tun hat, und es konnte nicht nachgewiesen werden, dass sich die Beschwerden mit einer bestimmten Diät verbessern.

Mein Verdacht besteht weiter, was soll ich tun?

Wenn Sie weiterhin vermuten, dass die Beschwerden auf etwas beruhen, das Sie zu sich nehmen, sollten Sie eine Ernährungs- und Symptomliste führen: verwenden Sie den Vordruck Ernährungs- und Symptomliste. Notieren Sie alles, was Sie essen und alle auftretenden Beschwerden/Symptome. Notieren Sie ebenfalls die Zeiten der Nahrungsaufnahme und wann die Beschwerden auftreten. Führen Sie dies 14 Tage lang durch.

Danach können Sie meist folgende Fragen beantworten:

  • Haben Sie nach jeder Mahlzeit Beschwerden?
    • In der Regel essen Sie nicht bei jeder Mahlzeit das Gleiche. In diesem Fall handelt es sich wahrscheinlich nicht um einer Nahrungsmittelunverträglichkeit / -allergie, sondern etwas anderes.
  • Traten Reaktionen nur nach bestimmten Mahlzeiten auf?
    • Haben die Mahlzeiten etwas gemeinsam? Haben Sie zum Beispiel jedes Mal, wenn Reaktionen auftraten, in irgendeiner Form Milch zu sich genommen?
  • Wenn Sie Pollenallergiker sind, können Sie überprüfen, ob Sie auf bestimmte Früchte und Gemüse reagieren, die mit den Pollen verwandt sind, z. B. Äpfel, Nüsse und Steinobst.
  • Wenn Sie in dieser Zeit auf nichts reagiert haben, handelt es sich vielleicht um Nahrung, die Sie nur selten zu sich nehmen. Versuchen Sie dann, aufzuschreiben, was Sie in den letzten 24 Stunden gegessen haben, bevor diese Reaktion auftrat und überlegen Sie, ob es etwas gibt, das die Reaktion ausgelöst haben könnte.

Sollte ich vermeiden, das zu essen, von dem ich annehme, dass es eine Reaktion bei mir hervorruft?

  • Ja, wenn sich das einfach bewerkstelligen lässt. Man muss z. B. nicht notwendigerweise Nüsse, Erdnüsse oder Erdbeeren zu sich nehmen, um sich gesund ernähren zu können. Wenn Sie in irgendeiner Weise auf diese oder andere einzelne Nahrungsmittel reagieren, sollten Sie sie vermeiden.
  • Wenn Sie aber einen starken Verdacht haben, dass Sie auf etwas reagieren, das ein wichtiger Bestandteil der Ernährung ist, wie Mehl, Milch, Eier oder Fisch, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Besonders bei Kindern besteht die Gefahr einer Mangel- oder Fehlernährung, wenn sie wichtige Nahrungsmittel nicht essen, obwohl tatsächlich keine Allergie vorliegt. Hier ist eine genaue Diagnose entscheidend.

Wie geht es weiter?

Untersuchungen bei Ihrem Hausarzt

Wenn Sie vermuten oder davon überzeugt sind, dass Ihre Beschwerden auf etwas in Ihrer Nahrung zurückzuführen sind, sollten Sie das Problem Ihrem Hausarzt beschreiben. Sinnvoll ist es oft, bereits eine Ernährungs- und Symptomliste erstellt zu haben. Sie sollten dem Arzt darlegen, warum Sie glauben, auf bestimmte Nahrungsmittel zu reagieren. Dies ist hilfreich für den Arzt bei der Entscheidung für weitere Untersuchungen, evtl. auch beim Facharzt. Zusätzlich können Blutuntersuchungen oder Hauttests durchgeführt werden, die Diagnose kann allerdings nicht nur anhand solcher Testergebnisse erfolgen. Ihre genaue Krankengeschichte (Anamnese) ist für den Arzt besonders wichtig.

Nach Rücksprache mit dem Arzt können Sie eine Ausschlussdiät (Eliminationsdiät) machen: Sie verzichten zunächst etwa 14 Tage auf ein „verdächtiges" Nahrungsmittel und überprüfen, ob Ihre Beschwerden dann nicht mehr oder weiterhin auftreten. Wichtig ist dabei, sich darüber zu informieren, in welchen Lebensmitteln das verdächtige Nahrungsmittel „versteckt" sein könnte (etwa Hühnerei in Keksen). Anhand dieser Diät und der Beobachtung der Symptome können Sie Hinweise auf das für Ihre Symptome evtl. infrage kommende Nahrungsmittel gewinnen. Mit Ihrem Arzt können Sie Ihre Vermutung besprechen, möglicherweise empfiehlt er eine weitere Eliminationsdiät mit einem anderen Nahrungsmittel. Um sicher zu sein, können Sie das Nahrungsmittel dann wieder zu sich nehmen und prüfen, ob Ihre Beschwerden erneut auftreten.

Der Arzt kann Sie über Änderungen in der Ernährung beraten und kann auch in manchen Fällen Medikamente verschreiben, die die Symptome verringern können. Bei ausgeprägten Beschwerden und umfangreichen Ernährungsveränderungen kann der Arzt Sie an einen Facharzt überweisen, in der Regel an einen Allergologen oder Gastroenterologen. Für beide Spezialisten ist es wichtig, andere Krankheiten ausschließen zu können und Sie in diesem Sinne zu untersuchen.

Tests und Untersuchungen bei einem Spezialisten

Hauttest

In Allergiekliniken werden Hauttests durchgeführt. Dabei wird eine kleine Menge des vermuteten Allergiauslösers auf die Haut aufgetragen. Die Reaktion auf das vermutete Nahrungsmittel wird mit Ihrer Reaktion auf physiologische Kochsalzlösung (Negativkontrolle) und Histamin (Positivkontrolle) verglichen. Der Hauttest liefert oft klare Hinweise auf bestimmte Nahrungsmittel als Ursache für die Beschwerden, fällt aber in vielen Fällen auch nicht eindeutig aus oder gibt sogar falsche Hinweise. Daher ist er nur ein Baustein in der Diagnostik neben der Bewertung der Symptome sowie evtl. Bluttests.

Gastroskopie/Magenspiegelung

Bei dieser Untersuchung wird ein biegsamer Schlauch in den Magendarmtrakt eingeführt. Mthilfe einer winzigen Kamera kann der Untersucher die Schleimhaut von Speiseröhre, Magen und Dünndarm optisch untersuchen. Gleichzeitig werden ggf. mit einer kleinen Zange Gewebeproben aus dem Dünndarm entnommen. Die Proben werden dann unter dem Mikroskop untersucht, um zu sehen, ob Sie Zöliakie oder Laktasemangel (Laktoseintoleranz) haben.

Malabsorptionsuntersuchungen

Der Arzt verschiedene Tests durchführen, um zu überprüfen, dass Ihr Darm alle Nährstoffe in der Nahrung ausreichend verarbeiten und aufnehmen kann. Wenn nicht, liegt eine Malabsorption (also fehlerhafte Verdauung/Aufnahme) bestimmter Nährstoffe vor. 

Nahrungsmittelprovokation

Da die relativ einfach durchzuführenden Untersuchungen, also Hauttests und Blutuntersuchungen, die Frage nach einer vorliegenden Nahrungsmittelunverträglichkeit manchmal nicht ausreichend sicher beantworten können, sind eventuell sogenannte Nahrungsmittelprovokationen erforderlich. Bei solchen Untersuchungen werden Ihre Reaktionen erfasst, nachdem Sie das verdächtige Nahrungsmittel zu sich genommen haben. Sie selbst wissen nicht, welches Nahrungsmittel getestet wird. Die Untersuchungen können auf verschiedene Weise durchgeführt werden. Das Nahrungsmittel kann in anderen Lebensmitteln verborgen sein, Sie können die Trockenmasse des Nahrungsmittels in Tablettenform zu sich nehmen oder die Nahrung kann über eine Sonde direkt in den Magen gegeben werden. Solche Untersuchungen sind nur vom Facharzt und häufig auch nur in einer Klinik bzw. unter Beobachtung durchzuführen, da es unter Umständen zu schweren Reaktionen kommen kann.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist es, die Nahrungsmittel zu vermeiden, die bei Ihnen Reaktionen hervorrufen. Dies kann manchmal einfach sein: Liegt z.B. eine Laktoseunverträglichkeit vor, ist es leicht, laktosefreie Produkte zu kaufen oder das fehlende Enzym (Laktase) als Tablette zum Essen einzunehmen. Auch Gluten lässt sich grundsätzlich aus dem Speiseplan streichen. Andere Unverträglichkeiten oder Allergien sind aber manchmal sehr schwierig, teuer und zeitaufwendig zu behandeln, je nachdem, welche Nahrungsmittel Sie vermeiden müssen. Kontaktieren Sie Ihren Arzt, der mit Ernährungsrichtlinien helfen kann (siehe unten), Ihren eventuellen Bedarf an Medikamenten prüfen kann und Sie möglicherweise an einen Ernährungsberater überweist. Grundsätzlich, aber v. a. bei Kindern ist eine Ernährungsberatung sehr wichtig um zu vermeiden, aus Angst vor möglichen Reaktionen zu viele Nahrungsmittel zu meiden und/oder sich zu einseitig und unausgewogen zu ernähren. Wichtig ist zudem eine Beratung darüber, dass bei manchen Allergien der Auslöser in anderer Zubereitung für manche Patienten doch verträglich ist – etwa gebackenes Ei bei einer Ei-Allergie. Und da Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien gegenüber Kuhmilch und Hühnerei bei kleinen Kindern häufig im Laufe der Zeit verschwinden, ist es ebenfalls sinnvoll mit dem Arzt zu besprechen, ob immer mal wieder ausprobiert werden soll, ob das Nahrungsmittel doch wieder vertragen wird. 

Falls es im Rahmen der Nahrungsmittelallergie schon einmal zu einem allergischen Schock gekommen ist, wird der Arzt Ihnen einen Adrenalininjektor verschreiben, den Sie im Notfall nutzen können, um solche lebensgefährlichen Symptome rasch unter Kontrolle zu bringen.

Prognose

Allergien gegen Eier, Kuhmilch und Soja im Kindesalter gehen in der Regel mit zunehmendem Alter vorbei. Dies gilt für etwa 85 % der Fälle. Allergien gegen Erdnüsse, Nüsse und Fisch/Meeresfrüchte hingegen bestehen oft lebenslang, nur 15–20 % der Patienten entwickeln eine Toleranz, d.h. Verträglichkeit der Lebensmittel. Ebensowenig verschwindet eine Glutenallergie von selbst.

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Ernährungstipps

Checklisten

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln