Allergie oder Unverträglichkeit gegen Nüsse, Mandeln und Samen

Im Prinzip ist es möglich, auf alle Arten von Nüssen und Samen zu reagieren, dabei handelt es sich meistens um allergische Reaktionen.

Willkommen auf den Seiten der Deximed-Patienteninformationen!

Unsere Patienteninformationen in laiengerechter Sprache stehen Ihnen auch ohne ein Abonnement zur Verfügung.

Sind Sie Arzt? Dann testen Sie unsere Experteninformationen 30 Tage lang kostenlos.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin – ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

30 Tage kostenlos testen!

Definition

Bei einer Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit gegen Nüsse, Mandeln und Samen handelt es sich um Beschwerden, die immer wieder nach dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln auftreten. 

  • Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist eine anormale Reaktion auf den Verzehr eines oder mehrerer Nahrungsmittel. Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit verläuft die Reaktion üblicherweise langsamer und weniger schwer.
  • Eine Nahrungsmittelallergie ist eine allergische Reaktion auf bestimmte Stoffe. Eine Allergie führt häufig zu akuten, schnell einsetzenden Beschwerden.

Bei Beschwerden nach dem Verzehr von Nüssen, Mandeln und Samen handelt es sich größtenteils um allergische Reaktionen. Einige Arten von Nüssen und Samen, bei denen Allergien bekannt sind, sind Haselnüsse, Cashewnüsse, Paranüsse, Pecannüsse, Mandeln, Pistazien, Sesamsamen, Sonnenblumenkerne und Mohnsamen. Erdnüsse gehören ebenfalls zu den häufigen Allergenen, hier handelt es sich jedoch um Hülsenfrüchte.

Nüsse und Kreuzreaktionen

Wichtige Ursachen für allergische Reaktionen sind Haselnüsse, Paranüsse und Walnüsse. Insbesondere in der Weihnachtszeit werden die größten Mengen an Paranüssen und Walnüssen verzehrt. Die Haselnussallergie ist in Deutschland oft das Ergebnis einer Kreuzallergie, bei der die zugrundeliegende Allergie eine Birkenpollenallergie ist. Die Reaktion auf Haselnüsse ist in solchen Fällen oftmals nicht so stark und vor allem im Mundraum wahrnehmbar.

Bei einer isolierten Nussallergie sind die Beschwerden jedoch meist stärker ausgeprägt. Eine Haselnuss-Allergie führt oftmals zu schweren Symptomen, die den ganzen Körper betreffen und in manchen Fällen lebensbedrohlich werden können.

Reagieren Sie auf eine Nussfrucht, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50 %, dass Sie auch auf andere Nussfrüchte reagieren. 25–50 % der Personen mit Erdnussallergie haben gleichzeitig Allergien gegen Nussfrüchte.

Die Anzahl der Personen, die allergisch auf Sesamsamen sind, ist in Westeuropa zwar gering, jedoch zunehmend. Bei Menschen, die allergisch gegen Sesamsamen sind, kann es zu schweren und lebensbedrohlichen Reaktionen kommen.

Symptome

Die Beschwerden, die wenige Minuten bis Stunden nach dem Verzehr des auslösenden Lebensmittels auftreten, gleichen denen bei anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien.

Im Falle der häufigen Kreuzreaktionen sind die Symptome der allergischen Reaktion eher mild ausgeprägt. Eine häufige Reaktion ist dann eine gerötete, geschwollene und juckende Schleimhaut im Mund, das sogenannte orale Allergiesyndrom.

Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Bauchschmerzen können nach dem Verzehr auftreten. An der Haut kann sich eine allergische Reaktion in Form von juckendem Hautausschlag und Nesselsucht äußern. Bei einer schweren Reaktion kann es zu Atemschwierigkeiten und Schwindel kommen. Auch das Herz-Kreislauf-System kann von der allergischen Reaktion betroffen sein. Im schlimmsten Fall droht eine schwere, möglicherweise lebensbedrohliche Reaktion des gesamten Körpers mit einem anaphylaktischen Schock. Solche schweren Verläufe sind selten, kommen aber insbesondere bei Allergien gegen einzelne Nusssorten vor.

Diagnose

Die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit wird in erster Linie an den beschriebenen Beschwerden nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel gestellt. Oft können die Betroffenen den Zusammenhang zum auslösenden Lebensmittel bereits selbst herstellen. Hilfreich ist auch das Führen eines Tagebuches über Ernährung und Symptome. In einigen Fällen werden zusätzliche Blutuntersuchungen und Allergietests durchgeführt. Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann ein Provokationstest entscheidend sein. Hierbei wird das verdächtige Nahrungsmittel unter kontrollierten Bedingungen aufgenommen und die Reaktion beobachtet.

Ernährungsempfehlungen

Die wichtigste Maßnahme bei einer Nahrungsmittelallergie gegen Nüsse ist es, die auslösenden Sorten komplett zu vermeiden. Eine Nusssorte vom Speiseplan zu streichen fällt den meisten Betroffenen nicht sonderlich schwer. Es ist jedoch wichtig, auch auf Backwaren und andere verarbeitete Lebensmittel zu achten. Manchmal können Nüsse auch unter den Inhaltsstoffen bestimmter kosmetischer Mittel, wie z. B. Massageölen oder Körperlotionen, sein.

Brot und Getreidemischungen

Brot, Kuchen, Kekse und anderes Gebäck aus Bäckereien, Cafés und Restaurants hat oft keine Kennzeichnung. Man muss sich bewusst sein, dass diese Waren verschiedene Arten von Nüssen oder Samen enthalten können. Zudem enthalten viele Arten von Getreide und Müsli Nüsse und Erdnüsse. Nüsse und Samen werden auch in manchen asiatischen Gerichten, einigen Arten von Pasta-Saucen, in Pesto und Dips verwendet.

Schokolade

Schokolade kann gemahlene oder ganze Nüsse enthalten. Es ist sehr wichtig, die Zutatenliste auf der Verpackung sorgfältig zu lesen. Auch Marzipan wird aus Nüssen zubereitet. 

Auswärts essen

Vor der Bestellung sollte man sich bei dem Restaurant über die Inhaltsstoffe der Gerichte informieren und eventuell die Bedienung über die Allergie aufklären. Bei sehr ausgeprägter Allergie kann es sein, dass schon ein mit Nüssen "verunreinigtes" Gericht zu einer allergischen Reaktion führt.

Behandlung

Bei einer akuten allergischen Reaktion werden meist kurzzeitig Antihistaminika, z. B. als Tabletten, verabreicht. Im Falle einer schweren allergischen Reaktion mit drohendem anaphylaktischen Schock ist meist eine notfallmäßige Behandlung notwendig. Hier kommen neben Antihistaminika und Kortikosteroiden auch Adrenalin, Sauerstoff und weitere intensivmedizinische Maßnahmen zum Einsatz.

Prognose

Bei ca. 20 % der Kinder mit Allergien gegen Erdnüsse oder Nüsse verschwindet diese im Laufe des Lebens wieder. Setzt sich die Allergie allerdings in das Jugend- und Erwachsenenalter fort, bleibt sie in den meisten Fällen ein Leben lang bestehen.

Weitere Informationen

Checkliste und Symptome

Autoren

  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Nahrungsmittelallergie/-unverträglichkeit bei Erwachsenen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Sampson HA, Aceves S, Bock SA, et al. . Food allergy: a practice parameter update-2014.. J Allergy Clin Immunol 2014; 134: 1016. pmid:25174862 PubMed
  2. Niggemann B, Beyer K.. Factors augmenting allergic reactions. . Allergy 2014; 69: 1582. pmid:25306896 PubMed
  3. Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien, Management. AWMF-Leitlinie Nr. 061-031, Stand 2016. www.awmf.org