Allergie oder Unverträglichkeit gegen Obst und Beeren

Im Rahmen einer Allergie oder Unverträglichkeit gegen Obst und Beeren kommt es zu Beschwerden, die regelmäßig nach dem Verzehr von bestimmten Früchten auftreten. Eine Fruchtzuckerunverträglichkeit ist häufig und führt zu Magen-Darm-Beschwerden aber auch allergische Reaktionen kommen nicht selten vor. Viele Menschen mit Allergie gegen Pollen haben eine Kreuzallergie auf bestimmte Nahrungsmittel, wie z. B. Äpfel.

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Definition

Bei einer Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit gegen Obst und Beeren handelt es sich um Beschwerden, die immer wieder nach dem Verzehr von bestimmten Früchten auftreten.

  • Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist eine anormale Reaktion auf den Verzehr eines oder mehrerer Nahrungsmittel. Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit verläuft die Reaktion üblicherweise langsamer und weniger schwer. Die wichtigste Unverträglichkeit im Hinblick auf Obst ist die Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktosemalabsorption).
  • Eine Nahrungsmittelallergie ist eine allergische Reaktion auf bestimmte Stoffe. Eine Allergie führt häufig zu akuten, schnell einsetzenden Beschwerden. Insbesondere bei einer Pollenallergie treten oft zusätzlich Reaktionen auf Äpfel, Birnen und andere Lebensmittel auf.

Fruchtzuckerunverträglichkeit

Bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktosemalabsorption) ist die Aufnahmekapazität für Fruchtzucker im Dünndarm verringert. Die überschüssige Fruktose verbleibt im Darm und wird von Bakterien verstoffwechselt, was die typischen Beschwerden verursacht. Diese Unverträglichkeit ist relativ häufig. Man geht davon aus, dass etwa 15–25 % der europäischen Bevölkerung an einer Fruktosemalabsorption leiden.

Kreuzallergie

Im Rahmen von bestimmten Allergien treten gehäuft ganz bestimmte, weitere allergische Reaktionen auf. Dieses Phänomen nennt man Kreuzallergie. Symptome einer durch Kreuzallergie ausgelösten allergischen Reaktion sind tendenziell milder ausgeprägt.

Viele Menschen, die eine Birkenpollenallergie haben, reagieren beispielsweise auf Nüsse, Kiwis, rohe Karotten, Äpfel und Birnen allergisch. Personen, die allergisch gegen Beifuß sind, können auf Sellerie und verschiedene Arten von Kräutern und Gewürzen reagieren. Manche Personen, die allergisch auf Gräserpollen sind, reagieren auch auf Zitrusfrüchte wie Orangen und Clementinen. Menschen, die allergisch gegen Latex sind, zeigen häufig Reaktionen auf Früchte wie Bananen, Avocados und Kiwis. Durch Kochen wird das mit Pollenallergie in Beziehung stehende Allergen im Obst oftmals zerstört, daher ist der Verzehr von gekochtem Obst sicherer.

Weitere Allergien

Bei Pfirsichallergien treten zwei Varianten auf. Hierzulande ist eine Allergie gegen Pfirsiche in der Regel eine Kreuzreaktion, während bei Menschen in der Mittelmeerregion eine andere Form der Pfirsichallergie verbreiteter ist. Deren Symptome sind meist schwerer. Personen, die auf Pfirsiche reagieren, haben oft heftigere Reaktionen, wenn sie die Frucht mit Schale essen. Das Eiweiß, das die allergische Reaktion verursacht, ist sehr widerstandsfähig und wird auch durch Kochen nicht zerstört. Es findet sich in vielen verarbeiteten Produkten, wie z. B. Saft. Personen, die eine Allergie gegen Pfirsiche haben, reagieren häufig auch auf andere Arten von Früchten, Nüssen und Gemüsesorten wie Karotten und Sellerie.

Die Kiwi ist eine weitere Frucht, die sowohl allergische Kreuzreaktion als auch fruchtspezifische allergische Reaktion verursachen kann.

Erdbeeren können eine allergische Reaktion (Kreuzreaktion) verursachen, aber auch zu einer Form von Unverträglichkeit führen. Dies betrifft meist Kinder, die große Mengen Erdbeeren essen.

Symptome

Die Beschwerden einer Allergie gegen Obst und Beeren, die wenige Minuten bis Stunden nach dem Verzehr des auslösenden Lebensmittels auftreten, gleichen denen bei anderen Nahrungsmittelallergien. Die Beschwerden sind sehr variabel aber meist milde ausgeprägt. Eine häufige Reaktion ist eine gerötete, geschwollene und juckende Schleimhaut im Mund, das sogenannte orale Allergiesyndrom. Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Bauchschmerzen können nach dem Verzehr auftreten. An der Haut kann sich eine allergische Reaktion in Form von juckendem Hautausschlag und Nesselsucht äußern. Bei einer schweren Reaktion kann es zu Atemschwierigkeiten und Schwindel kommen. Im schlimmsten Fall droht eine schwere, möglicherweise lebensbedrohliche Reaktion des gesamten Körpers mit einem anaphylaktischen Schock.

Bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktosemalabsorption) treten die Beschwerden erst etwa eine halbe Stunde nach dem Verzehr von fruchtzuckerhaltigen Lebensmitteln auf. Häufig führt der Fruchtzucker zu Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Bauchkrämpfen, Bauchschmerzen und Durchfall.

Diagnose

Die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit wird in erster Linie an den beschriebenen Beschwerden nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel gestellt. Oft können die Betroffenen den Zusammenhang zum auslösenden Lebensmittel bereits selbst herstellen. Hilfreich ist auch das Führen eines Tagebuches über Ernährung und Symptome. In einigen Fällen werden zusätzliche Blutuntersuchungen und Allergietests durchgeführt. Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann ein Provokationstest entscheidend sein. Hierbei wird das verdächtige Nahrungsmittel unter kontrollierten Bedingungen aufgenommen und die Reaktion beobachtet. Wird eine Fruchtzuckerunverträglichkeit vermutet, kann zudem ein Atemtest durchgeführt werden.

Ernährungsempfehlungen

Die wichtigste Maßnahme bei einer Unverträglichkeit oder Allergie gegenüber bestimmten Sorten von Obst oder Beeren ist zunächst der Verzicht auf die entsprechende Frucht in der Ernährung.

Im Falle einer Nahrungsmittelallergie sollte der Auslöser langfristig gemieden werden. Bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit hingegen kann nach einer Weile eine Testphase mit  fruchtzuckerhaltigen Lebensmitteln durchgeführt werden, um die im Alltag tolerierte Menge festzustellen.

Getränke

Einige Personen reagieren auf Früchte und Beeren, die in Säften enthalten sind. Hierbei handelt es sich in erster Linie um Unverträglichkeitsreaktionen. Reaktionen auf den Verzehr von Orangensaft, Multivitaminsaft/-nektar und Tomatensaft kommen häufig vor. Es wird empfohlen, ungesüßte Fruchtsäfte und keinen Nektar zu trinken.

Brotaufstriche

Einige Menschen reagieren auf Erdbeeren und Orangen in Marmeladen. Meist sind Brotaufstriche jedoch verträglicher, da sie in der Herstellung gekocht wurden.

Desserts

Obstsalate enthalten eine Vielzahl verschiedener Früchte und sollten bei einer Allergie nur gegessen werden, wenn die enthaltenen Sorten bekannt sind.

Weitere Informationen

Checkliste und Symptome

Autoren

  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Nahrungsmittelallergie/-unverträglichkeit bei Erwachsenen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Sampson HA, Aceves S, Bock SA, et al. . Food allergy: a practice parameter update-2014.. J Allergy Clin Immunol 2014; 134: 1016. pmid:25174862 PubMed
  2. Niggemann B, Beyer K.. Factors augmenting allergic reactions. . Allergy 2014; 69: 1582. pmid:25306896 PubMed
  3. Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien, Management. AWMF-Leitlinie Nr. 061-031, Stand 2016. www.awmf.org