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Latexallergie

Latexallergien gehen in erster Linie mit der Verwendung von Gummihandschuhen einher. Dadurch kann es zu Handekzemen und in seltenen Fällen zu schwerwiegenderen Reaktionen kommen.

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Die Verwendung von Latexhandschuhe bietet ärztlichem Personal einen wirksamen Schutz vor zahlreichen Infektionskrankheiten. Bei einigen Personen können jedoch bei Kontakt mit Latex allergische Reaktionen auftreten. In den 1980er-Jahren nahm die Anzahl der gemeldeten Reaktionen zu, da von dieser Zeit an Latexhandschuhe häufiger verwendet wurden als zuvor. Die Anzahl der allergischen Reaktionen hat sich wahrscheinlich im Zuge des zunehmenden Wissens um die Allergie und die Verwendung latexfreier Handschuhe wieder verringert. Eine Latexallergie liegt laut Schätzungen bei 1–2 % der Bevölkerung vor.

Was ist Latex?

In diesem Artikel wird der Begriff Latex für aus dem Gummibaum (Hevea brasiliensis) gewonnenen Naturkautschuk verwendet. Es gibt mehrere Arten von synthetischem Latex, diese enthalten jedoch nicht die Proteine, die allergische Reaktionen verursachen.

Was ist eine Latexallergie?

Eine Latexallergie ist eine Reaktion auf die in Latex (Naturkautschuk) enthaltenen Proteine. Es ist nicht bekannt, wie stark die betroffenen Personen Latex ausgesetzt sein müssen, damit eine allergische Reaktion entsteht. Mit zunehmendem Kontakt mit Latex steigt jedoch die Gefahr, eine Allergie zu entwickeln. Bei manchen Menschen stellen sich die Symptome nach ein paar Minuten ein, aber manchmal tritt die Reaktion erst mehrere Stunden nach dem Kontakt ein.

Die Schwere der Reaktionen kann stark variieren. Minderschwere Reaktionen können Hautrötung, Ausschlag, Blasen oder Juckreiz sein. Schwerwiegendere Reaktionen können eine laufende Nase, Niesen, juckende Augen, Halsbeschwerden und Asthma sein. In sehr seltenen Fällen entwickelt sich eine Anaphylaxie, die vor allem bei Menschen auftritt, die vorher bereits schwere Reaktionen gehabt haben.

Wer wird gegen Latex allergisch?

Bei einem intensiveren Kontakt mit Latex steigt das Risiko, eine Allergie zu entwickeln. Dies gilt insbesondere für Personen, an denen wiederholt chirurgische Eingriffe durchgeführt werden, zum Beispiel Kinder mit angeborener Rückenmarksschädigung (Spina bifida).

Ein erhöhtes Risiko besteht außerdem insbesondere bei ärztlichem Personal, das in Operationssälen oder Dialyseabteiliungen arbeitet. Hier ist das Risiko dreimal so hoch wie in der Normalbevölkerung. Es besteht auch eine Verbindung zwischen dem Risiko einer Latexallergie und der Zeit, die Sie in einem Beruf verbracht haben, in dem Sie Latex ausgesetzt sind.

Bei Allergikern ist das Risiko, eine Latexallergie zu bekommen, viermal so hoch. Verschiedene Lebensmittelallergene können mit dem Latexallergen kreuzreagieren. Das bedeutet, dass bei Personen, die unter anderem gegen Avocados, Bananen, Kiwis und Kastanien allergisch sind, das Risiko besteht, auch eine Allergie gegen Latex zu haben. Auch bei Menschen mit anderen Arten von Handekzemen ist das Risiko einer Latexallergie erhöht.

Diagnostik

Die Krankengeschichte (Anamnese) weckt oft einen Verdacht, aber dies reicht nicht aus, um eine zuverlässige Diagnose zu stellen. In zwei Studien wurde festgestellt, dass nur jeder Zehnte, der angab, gegen Latex allergisch zu sein, tatsächlich eine Latexallergie hatte.

Die am häufigsten verwendeten Tests zur Prüfung auf eine vermutete Latexallergie sind der Haut-Pricktest und die Blutuntersuchung, um spezifisches IgE (Allergie-Antikörper) gegen Latex zu bestimmen. Der Haut-Pricktest ist die genaueste Methode und deshalb die Methode, die empfohlen wird. Dabei bringt der Arzt verschiedene bekannte Allergene in kleiner Menge auf die Haut auf und beurteilt, ob sich örtliche Hautveränderungen als Zeichen für eine allergische Reaktion entwickeln. Der Test wird unter Überwachung durch den Arzt durchgeführt.

Therapie

Latexallergiker können das Risiko einer Reaktion verringern, indem sie den direkten Kontakt mit Latex vermeiden, zum Beispiel, indem sie aufhören, Latexhandschuhe zu tragen. Auch andere Erzeugnisse aus Naturkautschuk können jedoch Allergien auslösen. Deshalb sollte der direkte Kontakt mit solchen Produkten vermieden werden. Verschiedene Lebensmittel können mit Latex kreuzreagieren. Das bedeutet, dass bei Personen, die eine Latexallergie haben, auch das Risiko besteht, unter anderem gegen Avocados, Bananen, Kiwis und Kastanie allergisch zu sein.

Das allergische Kontaktekzem wird üblicherweise durch Eincremen mit Kortison- und Feuchtigkeitscremes behandelt. Bei manchen Patienten sind auch Kortisontabletten oder Antihistaminika hilfreich. Ist es zu einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie) mit Atemnot und Bewusstlosigkeit gekommen, wird der Arzt Ihnen Notfallmedikamente (Adrenalininjektor u.a.) verordnen (s. Insektengiftallergie).

Prävention

Bei wiederholten Operationen von kleinen Kindern sollten latexfreie Produkte verwendet werden. Das heißt, die Chirurgen und OP-Krankenschwestern sollten latexfreie Handschuhe tragen.

Bei ärztlichem Personal hat sich gezeigt, dass die Entwicklung einer Latexallergie dadurch verhindert werden kann, dass man gepuderte Latexhandschuhe durch latexfreie Handschuhe ersetzt.

Prognose

Die Symptome einer Latexallergie gehen schnell zurück, wenn der Kontakt mit Latex aufhört, aber die Antikörper (spezifisches IgE gegen Latex) können noch mehr als fünf Jahre nach dem letzten Kontakt erhöht sein. Bei einer erneuten Latex-Exposition ist das Risiko groß, dass die Allergie wiederkehrt.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Latexallergie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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