Trachom

Das Trachom ist eine der weltweit am stärksten verbreiteten Krankheiten mit einer geschätzten Zahl von etwa 150 Millionen Betroffenen und die häufigste infektiöse Ursache für Erblindung.

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Was ist ein Trachom?

Ein Trachom ist eine chronische Infektion der Bindehaut mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis. Es handelt sich um die weltweit häufigste infektiöse Ursache für Erblindung (Erreger: Chlamydia trachomatis). Wenn die Infektion wiederholt auftritt, verursacht sie mit der Zeit zunehmende Narben. Durch ein narbenbildendes Trachom wird häufig das obere Augenlid verkürzt und nach innen gekrümmt (Entropium), sodass die Wimpern gegen die Hornhaut reiben (Trichiasis). Das Reiben gegen die Hornhaut führt zu Trübungen und Reizungen, die letztendlich zur Erblindung führen können.

Das Trachom ist eine der weltweit am stärksten verbreiteten Krankheiten mit einer geschätzten Zahl von etwa 150 Millionen Betroffenen. Die Krankheit kommt in erster Linie in Entwicklungsländern in tropischen und subtropischen Regionen vor. Das narbenbildende Trachom ist in großen Teilen Afrikas, des Nahen Ostens, Südwestasiens, Indiens, in Australien und in einigen Teilen von Mittel- und Südamerika weit verbreitet. Die Krankheit gibt es in den europäischen Ländern nur noch sehr selten.

Etwa 6 Millionen Menschen sind bereits aufgrund eines Trachoms erblindet oder drohen zu erblinden. In Gebieten mit hohen Fallzahlen haben mitunter >50% der Einwohner ein aktives Trachom. 

Ursache

Das Trachom ist vor allem in dicht besiedelten Gebieten mit schlechter Hygiene in tropischen Regionen verbreitet.

Die eigentliche Erkrankung wird durch ein Bakterium (Chlamydia trachomatis) verursacht. Die Übertragung erfolgt unter anderem durch Schmierinfektion, und man nimmt an, dass das Trachom auch durch Fliegen übertragen werden kann. Die Infektion löst lokale entzündliche Veränderungen mit anschließender Narbenbildung aus. Die Haut auf der Innenseite des Augenlids (Bindehaut) ist besonders anfällig für diese Infektion. Eine Narbenbildung am Lid kann zu einer Schrumpfung und damit verbundenen Fehlstellung (Entropium) des Augenlids führen, sodass die Wimpern die Hornhaut reizen. Die Reizung und Entzündung der Hornhaut ist die Ursache dafür, dass diese Erkrankung mit der Zeit zur Erblindung führen kann.

Diagnostik

Die Infektion beginnt häufig mit einer Rötung und schmerzhaften Reizung der Augen. Bei wiederkehrenden Infektionen entwickelt sich nach und nach eine chronische Infektion mit dauerhaften entzündlichen Veränderungen, eine Verdickung und anschließende Narbenbildung sowie eine Fehlstellung des Augenlids. Ein Verdacht auf diese Erkrankung kann sich bei einer Entzündung des Augenlids und der Außenseite des Auges stellen, falls sich die Betroffenen in Gebieten mit hohem Infektionsrisiko aufgehalten haben. Die Diagnose wird durch den Nachweis des Bakteriums in einem Abstrich aus dem Auge bestätigt.

Die Stadien des Trachoms

Stadium I: Entzündung (Konjunktivitis) der Bindehaut, vor allem auf der Innenseite des oberen Augenlids. Es lassen sich auch kleine Bläschen auf der Innenseite des Augenlids, sogenannte Follikel, erkennen. Es kommt zum Einwachsen von Blutgefäßen in die Hornhaut von der Oberseite.

Stadium II: Die Augeninfektion ist stärker ausgeprägt, die Bindehaut hat sich infolge der anhaltenden Bindehautentzündung verdickt.

Stadium III: Nachweisbare Narbenbildung der Bindehaut (Konjunktiva). Das Einwachsen von Blutgefäßen in die Hornhaut wird stärker.

Stadium IV: Narbenbildung und Verformungen des Augenlids. Das oberflächliche Einwachsen von Blutgefäßen in die Hornhaut hat zu Narbenbildung und möglicherweise einer Gewebewucherung von Bindegewebe geführt. Eine weitere mögliche Komplikation ist ab diesem Stadium eine Entzündung der Hornhaut (Keratitis).

Therapie

Das Ziel der Behandlung ist, die Infektion zu heilen und mögliche bereits entstandene Schäden zu beheben. Zur Heilung der Infektion sind Antibiotika in Tablettenform erforderlich. In einigen Fällen werden Augentropfen verabreicht, entweder als alleinige Therapie oder in Kombination mit Tabletten. Man kann versuchen, Fehlstellungen am Augenrand bwz. den Wimpern operativ zu korrigieren, um einer Vernarbung zuvorzukommen. Wenn diese aber bereits eingetreten sind, reichen die operativen Maßnahmen für eine vollständige Heilung häufig nicht aus.

Das Wichtigste, das gefährdete Personen selbst tun können, ist, sich das Gesicht gründlich zu waschen und auf gute Hygiene zu achten. Kindern regelmäßig das Gesicht zu waschen, hat nachgewiesenermaßen vorbeugende Wirkung. Falls eine akute Bindehautentzündung auftritt, ist es wichtig, sie adäquat zu behandeln. Dies schützt vor der Narbenbildung durch eine anhaltende Infektion. Wahrscheinlich hat es auch eine Wirkung, Fliegen mithilfe von Insektenmitteln fernzuhalten.

Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, das Trachom als Gesundheitsproblem bis zum Jahr 2020 zu beseitigen. Als geeignete Maßnahmen hierfür gelten: antibiotische Therapie, chirurgische Korrektur, sorgfältige Gesichtshygiene und verbesserte Umweltbedingungen.

Prognose

Die erste Episode mit der Bindehautentzündung geht immer von selbst wieder zurück. In Gebieten, in denen die Erkrankung häufig ist, kommt es allerdings immer wieder zu Neuinfektionen. Dies führt letztendlich zu einer chronischen Infektion. Die Narbenbildung durch die Infektion bewirkt, dass die Wimpern gegen die Hornhaut reiben, was die Vernarbung weiter verschlimmert. Das Risiko einer Vernarbung der Hornhaut und eines Verlusts der Sehkraft steigt mit zunehmendem Alter. Die meisten Menschen, die erblinden, verlieren ihr Sehvermögen im Erwachsenenalter.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Trachom und Trichiasis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  3. Deutsche STI-Gesellschaft e.V. (DSTIG) – Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit. S2k-Leitlinie: Infektionen mit Chlamydia trachomatis, AWMF-Register Nr. 059/005, Stand: 08/2016. www.awmf.org www.awmf.org
  4. The International Trachoma Initiative (ITI). www.trachoma.org
  5. Trachoma Atlas, International Trachoma Initiative. www.trachomaatlas.org
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