Illustration: Colourbox

Entwicklung des Sehvermögens bei Neugeborenen

Bei der Geburt ist das Sehvermögen des Babys noch nicht voll entwickelt. Für die weitere Entwicklung des Sehens muss es angeregt werden. Darüber muss man sich normalerweise keine Gedanken machen, denn die Umwelt des Babys regt sämtliche Sinne an.

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Das Farbensehen ist zu Beginn schlecht ausgeprägt. Bei der Geburt erkennt das Baby insbesondere scharfe Kontraste, aber bereits im Alter von zwei bis drei Monaten kann das Kind das gesamte Farbspektrum erkennen.

Von Geburt an haben Kinder ein besonderes Interesse an Gesichtern und Gesichtsausdrücken. Ungefähr eine Woche nach der Geburt erkennt das Baby das Gesicht der Mutter wieder. Im Alter von zwei bis drei Monaten erkennt das Baby das Gesicht der Mutter auch auf Bildern.

Das Baby sieht Gegenstände in 5 Meter Abstand ungefähr so, wie wir Erwachsenen Gegenstände in 30 Meter Entfernung sehen. Die Muskeln, die die Form der Linse im Auge ändern, sind im Säuglingsalter noch nicht ausreichend stark. Das Baby kann daher die Linse nicht auf scharfes Sehen auf kurze Distanzen anpassen (Akkommodation). Außerdem sind die Sehzellen in der Netzhaut noch nicht voll entwickelt. Daher sind die Seheindrücke in den ersten Lebenswochen ein wenig verschwommen.

In der ersten Zeit erkennt das Kind Bewegungen am besten, und man kann sehen, wie die Augen des Babys Gegenständen folgen, die sich bewegen. Zu Beginn bewegen sich die Augen ein wenig sprunghaft, das Kind lernt aber bald, die Augenbewegungen zu kontrollieren und vorauszusehen, wie sich Gegenstände bewegen werden. Dadurch können die Augen der Bewegung gleichmäßig und kontinuierlich folgen.

Babys haben eine gewisse Tiefenwahrnehmung und reagieren auf Dinge, die näher kommen. Das Kind lernt früh, die Augen zu steuern, es dauert aber länger, bis die korrekte Zusammenarbeit beider Augen erlernt wird, sodass eine echte räumliche Tiefenwahrnehmung entsteht. Es dauert dann noch länger, bis das Gehirn lernt, die visuellen Reize so zu verarbeiten, dass das Kind Tiefe und Abstand auf die gleiche Weise wahrnimmt wie Erwachsene. Ein Baby, das gerade das Krabbeln erlernt hat, hat zum Beispiel eine Auffassung davon, dass eine Treppe nach unten führt. Dies bedeutet aber nicht, dass ein Baby verstehen würde, wie gefährlich es wäre, die Treppe allein hinunterzukrabbeln.

Augenprobleme bei Babys

Bis zum Alter von drei bis vier Monaten ist es normal, dass die Augen des Babys ein wenig nach innen oder außen schielen. Normalerweise geht das von allein vorüber, wenn das Problem aber weiter besteht oder das Schielen konstant ist, sind Maßnahmen erforderlich, um das Sehvermögen so gut wie möglich zu entwickeln. Wenn sich ein Auge überhaupt nicht bewegt oder sich auf sonstige Art vom anderen Auge unterscheidet, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Wenn das Problem mit dem Schielen nicht behandelt wird, kann das schielende Auge eine dauerhafte Sehschwäche (Amblyopie) behalten. Dies liegt daran, dass das Gehirn nur die visuellen Reize aus dem gesunden Auge zur Verarbeitung auswählt. Das betroffene Auge hat so keine Chance, sich zu entwickeln. Ab einem bestimmten Alter hört die Entwicklung des Sehens durch das Gehirn auf. Dann ist es zu spät, etwas gegen dieses Problem zu unternehmen. Je früher die Therapie einsetzt, desto besser sind die Chancen, eine so gute Sehkraft wie möglich zu erreichen.

Ein weiteres Problem, das in den ersten Monaten auftreten kann, ist der sogenannte Nystagmus. Dabei bewegen sich die Augen mit ruckartigen Bewegungen zur Seite. Dies kann auf einer Sehschwäche oder auf Fehlern der Nervenbahnen zwischen den Augen und dem Gehirn beruhen oder erbliche Ursachen haben. Wenn der Nystagmus nicht bis zum Alter von drei bis vier Monaten verschwindet oder wenn er stark ausgeprägt und konstant ist, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Kinder mit Nystagmus haben in der Regel eine Sehschwäche.

Bei frühgeborenen Kindern (vor Woche 35) ist das Risiko für Schielen und Sehschwäche erhöht. Je früher das Kind geboren ist, desto größer ist das Risiko. Bei frühgeborenen Kindern wird die Sicht bereits bei der Geburt untersucht.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln