Kurzsichtigkeit

Bei Kurzsichtigkeit sieht man Dinge in der Nähe schärfer und besser als solche, die sich weiter weg befinden.

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Was ist Kurzsichtigkeit?

Der medizinische Fachbegriff für Kurzsichtigkeit lautet Myopie. Bei Kurzsichtigkeit sieht man Dinge in der Nähe schärfer und besser als solche, die sich weiter weg befinden. Der Grad der Kurzsichtigkeit wird in negativen Dioptrien (D) angegeben, wie z. B. -5,0 D.

Kurzsichtigkeit ist sehr verbreitet. In Ostasien gelten fast 70 % der Bevölkerung als kurzsichtig. Für Deutschland wird der Anteil von Personen mit Kurzsichtigkeit < -1,0 dpt. mit im Mittel 27% angegeben. Kleinkinder sind relativ selten betroffen; die Häufigkeit nimmt bei Schulkindern stark zu und verzeichnet in der Altersgruppe 17–25 Jahre einen weiteren Anstieg.

Ursache

Für einen scharfen Seheindruck muss ein Bild von der Linse des Auges so gebrochen werden, dass es an der richtigen Stelle auf die Netzhaut trifft. Die Netzhaut kleidet die Innenseite des Auges aus und sorgt im hinteren Teil des Augapfels dafür, dass das einfallende Licht verarbeitet und als Seheindruck an das Gehirn weitergeleitet wird. Bei Kurzsichtigkeit entsteht das schärfste Bild an einer Stelle vor der Netzhaut, sodass der an das Gehirn weitergeleitete Seheindruck unscharf ist.

Es handelt sich also um einen Abbildungsfehler, der auf einen zu langen Augapfel oder eine zu starke Brechung des Bilds durch die Linse oder die Hornhaut zurückzuführen ist.

Die Ursache dieser auslösenden Faktoren wiederum ist bisher nicht bekannt. An der Entstehung sind genetische und äußere Faktoren beteiligt. Vermutlich kann anhaltende Naharbeit, wie z. B. ausdauerndes Lesen, bei Personen mit entsprechender Veranlagung Kurzsichtigkeit auslösen. Dies würde auch erklären, warum Kurzsichtigkeit bei hohem Bildungsstand der Bevölkerung besonders verbreitet ist.

Symptome

Häufig wird Kurzsichtigkeit in der Schule festgestellt, weil Kinder nicht erkennen, was an der Tafel steht. Viele Personen mit Kurzsichtigkeit kneifen die Augen zu, um besser sehen zu können. Eine häufige Folge sind Kopfschmerzen und Verspannungen im Bereich von Nacken und Schultern.

Jugendliche und Erwachsene bemerken meist selbst, dass sich ihr Sehvermögen verschlechtert und suchen deshalb einen Augenarzt oder Augenoptiker auf.

Diagnostik

Die Diagnose wird aufgrund der Symptome und eines Sehtests gestellt. Bei einem Sehtest soll die getestete Person meist Buchstaben vorlesen, die in einem bestimmten Abstand an eine Wand projiziert werden. Heute verfügen die meisten Augenoptiker über moderne Geräte, die eine sehr genaue Beurteilung der Sehstärke ermöglichen. In der Augenarztpraxis werden die Augen meist auch auf andere Erkrankungen untersucht. Wirklich erforderlich ist eine ärztliche Untersuchung aber in aller Regel nicht.

Die Geräte, mit denen Ihre Sehschärfe ermittelt wird, kommen auch zur Ermittlung der Glasstärke für eine Brillenkorrektur zum Einsatz.

Therapie

Im ersten Schritt wird geprüft, welche Art der Sehkorrektur Sie benötigen. Die Korrektur der Kurzsichtigkeit erfolgt mit konkaven, also nach innen gewölbten Linsen, die auch als Minuslinsen bezeichnet werden. Dann ist zu klären, ob die Korrektur mit einer Brille, mit Kontaktlinsen oder ggf. durch eine Operation erfolgen soll. Dabei entscheiden sich die meisten Menschen für eine Brille oder Kontaktlinsen. Bei Kurzsichtigkeit werden manchmal Kontaktlinsen bevorzugt, weil diese im Vergleich zur Brille ein größeres und besseres Sichtfeld ermöglichen. Solange sich durch Brille, Kontaktlinsen oder Operation eine zufriedenstellende Sehstärke erzielen lässt, werden die Kosten in Schweden nicht von den zuständigen Instanzen übernommen.

Bei Laseroperationen zur Korrektur von Fehlsichtigkeit handelt es sich um relativ neue Verfahren, die zu den besten Ergebnissen führen, wenn sich das Sehvermögen bereits stabilisiert hat. Daher werden diese Operationen nur bei Personen durchgeführt, die mindestens das 18. Lebensjahr vollendet haben. In der Vergangenheit wurden die eingesetzten Operationsmethoden laufend weiterentwickelt. Heute kommen zu diesem Zweck Laserverfahren zum Einsatz, bei denen die oberste Schicht der Hornhaut mit einem Laser abgetragen wird. Eine andere Möglichkeit ist die Implantation von Intraokularlinsen, bei der die Linse des Auges durch eine Kunststofflinse ersetzt wird. Auch diese Methode führt in der Regel zu guten Ergebnissen und einer hohen Patientenzufriedenheit. Auch bei diesen Operationen besteht jedoch ein gewisses Restrisiko von Komplikationen, und die langfristigen Auswirkungen auf das menschliche Auge sind bisher nur unzureichend erforscht.

Prognose

Bei Kurzsichtigkeit handelt es sich um einen dauerhaften Zustand. In jungen Jahren kommt es meist zu einem fortschreitenden Nachlassen der Sehkraft. Das liegt daran, dass sich die Brechungsverhältnisse im Auge durch das Wachstum des Augapfels laufend ändern. Mit dem Abschluss des Wachstums stabilisiert sich die Sehstärke.

Auch die Art der hauptsächlichen Beschäftigung wirkt sich auf das Sehvermögen aus. So wurde bei Studenten und anderen Personen mit intensiver Naharbeit festgestellt, dass die Kurzsichtigkeit besonders stark zunimmt, solange diese Art der Beschäftigung vorherrscht.

Wenn die Kurzsichtigkeit sehr stark ausgeprägt ist, besteht ein erhöhtes Risiko der Netzhautablösung. Diese kann im Extremfall zur Erblindung führen, die aber bei frühzeitiger Behandlung durch eine Operation vermeidbar ist. Stark kurzsichtige Personen sollten daher die Anzeichen einer Netzhautablösung kennen:

  • Verlust der Sehkraft ohne Schmerzen. Wahrnehmung eines Schattens oder Schleiers, der den Augenbewegungen folgt.
  • Typischerweise wird das Phänomen „wie eine Vorhang“ empfunden.
  • Zu den Außenbereichen hin verkleinertes Sichtfeld.

Wenn Sie die beschriebenen Symptome bei sich feststellen, sollten Sie unverzüglich eine Augenarztpraxis aufsuchen.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Normalsichtigkeit
Normalsichtigkeit
Kurzsichtigkeit
Kurzsichtigkeit
Auge, Längsschnitt
Auge, Längsschnitt

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Kurzsichtigkeit (Myopie). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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