Akuter grüner Star (akutes Glaukom)

Übelkeit, Kopfschmerzen und starke Schmerzen im Auge sind häufige Symptome bei akutem grünem Star (Glaukomanfall). Manche Betroffene klagen zuvor über verschwommene Sicht oder sehen regenbogenfarbige Ringe. Häufig ist das Auge gerötet und tränt.

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Was ist akuter grüner Star?

Der grüne Star (Glaukom) darf nicht mit dem grauen Star (Linsentrübung) verwechselt werden. Dem Glaukom liegt eine Schädigung des Sehnervs zugrunde, der sich in der Netzhaut im hinteren Bereich des Augapfels befindet. Die Schädigung ist häufig auf einen erhöhten Druck der Flüssigkeit im Augapfel zurückzuführen. Diese Flüssigkeit ist wichtig für ein gesundes Auge, ihre Menge wird durch ständige Neuproduktion und den Abfluss aus dem Auge genau reguliert. Kann nicht genug Flüssigkeit abfließen, erhöht sich der Druck. Meist entwickeln sich die Symptome beim Glaukom langsam, manchmal jedoch sehr plötzlich: es besteht ein akutes Glaukom (Glaukomanfall). 

Fachsprachlich wird akuter grüner Star als Engwinkelglaukom oder Winkelblockglaukom bezeichnet. Damit wird ausgedrückt, dass der Kammerwinkel im Bereich des vorderen Auges, über den die Flüssigkeit im Auge eigentlich kontinuierlich abfließt, zu eng ist. Dadurch steigt der Druck im vorderen Bereich des Auges akut an, es kommt zu einer Flüssigkeitsansammlung in der hinteren Kammer, wodurch die Iris nach vorne geschoben und der Abfluss weiter erschwert wird. Wird nicht umgehend eine Behandlung eingeleitet, kann eine Schädigung des Sehnervs nicht ausgeschlossen werden. Ein erheblicher und dauerhafter Verlust des Sehvermögens kann innerhalb von Stunden eintreten.

Häufigkeit

Das akute Glaukom ist selten. Am häufigsten sind Menschen mittleren Alters und Ältere betroffen; ab einem Alter von 40 bis 50 Jahren erleiden etwa 0,4% der Personen einen Glaukomanfall. 90 % der betroffenen Patienten sind weitsichtig; Frauen erkranken häufiger als Männer an einem akuten Glaukom. 

Ursachen

Im vorderen Bereich des Auges befindet sich eine klare Flüssigkeit, das Kammerwasser. Diese Flüssigkeit wird im Ziliarkörper an der Innenseite der Regenbogenhaut gebildet und durch kleine Kanäle auf der Vorderseite der Regenbogenhaut abgegeben.

Normalerweise besteht ein Gleichgewicht zwischen der Menge an produziertem und der Menge an abgegebenem Kammerwasser. Auf diese Weise wird ein geeigneter Druck im Auge aufrechterhalten. Bei akutem grünem Star kommt es zu einer Blockade des Kammerwasserabflusses. Zugrunde liegen meist angeborene Veränderungen der Linse, der Hornhaut und des vorderen Bereichs des Auges, die eine Verengung des Kammerwinkels zur Folge haben. Kommen weitere Faktoren hinzu (plötzliche anhaltende Erweiterung der Pupille), kann der Abfluss der Flüssigkeit komplett blockiert werden: der Augeninnendruck steigt akut an.

Nicht selten ist die Abflussblockade mit einer Pupillenerweiterung verbunden. Hierbei handelt es sich um einen typischen Prozess bei Dunkelheit. Muskelkontraktionen der Regenbogenhaut begünstigen die Blockade des Abflusses von Kammerwasser. Daher tritt ein akutes Glaukom fast immer in der Nacht oder in dunkler Umgebung auf.

90 % der von grünem Star Betroffenen sind weitsichtig. Dies hängt mit den anatomischen Verhältnissen und der anderen Augenform von weitsichtigen im Vergleich zu kurzsichtigen Personen zusammen.

Infolge des akut erhöhten Augeninnendrucks können Nervenzellen, die optische Informationen erfassen und Signale an das Gehirn über den Sehnerv senden, zerstört werden. Aus diesem Grund gelten ein herabgesetztes Sehvermögen und im schlimmsten Fall Blindheit des betroffenen Auges als gefürchtete Komplikation bei akutem grünem Star.

Symptome

Bei akutem grünem Star entwickeln sich innerhalb von einigen Minuten bis zu einigen Stunden typische Symptome wie Druckgefühl im Auge, starke Schmerzen, gerötetes, tränendes Auge und Sehstörungen. Der akute grüne Star beginnt nahezu immer plötzlich und ohne Vorwarnung. Er unterscheidet sich deutlich im Verlauf von den üblichen chronischen Glaukomtypen, die sich schleichend entwickeln und sich häufig erst nach mehreren Jahren durch Beschwerden bemerkbar machen.

Kopfschmerzen, Übelkeit, langsamer Puls und Schweißausbrüche kommen zu den Symptomen am betroffenen Auge oft hinzu. Manche Betroffene klagen über verschwommene Sicht oder regenbogenfarbige Ringe um eine Lichtquelle, kurz bevor die typischen Symptome auftreten. Akuter grüner Star tritt fast immer einseitig auf.

Diagnostik

Aufgrund der charakteristischen Anamnese lässt sich in der Regel leicht eine Diagnose stellen. Die Ärztin wird wahrscheinlich vorsichtig auf das Auge drücken, weil sich der stark erhöhte Druck meist gut ertasten lässt. Exakte Informationen erhält die Augenärztin durch die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie).

Bei Verdacht auf akuten grünen Star werden Sie unverzüglich in eine Augenklinik oder augenärztliche Praxis überwiesen; hier erfolgt eine sorgfältige umfassende Untersuchung des Auges.

Therapie

Es stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung:

  • Um den Abfluss des Kammerwassers zu verbessern, werden Augentropfen verabreicht, die ein Zusammenziehen der Pupille bewirken. Eine kleine, verengte Pupille begünstigt den Abfluss von Kammerwasser. Zu Beginn werden die Augentropfen in kurzen Abständen gegeben, später reicht ein Einträufeln in größeren Abständen aus.
  • Gegebenenfalls sind Augentropfen mit einem anderen Wirkmechanismus angezeigt. Allen Augentropfen ist gemein, dass sie den Augeninnendruck so niedrig wie möglich halten, um eine Schädigung des Sehvermögens zu verhindern.
  • In einigen Fällen führt eine alleinige Behandlung mit Augentropfen nicht zum Erfolg. Dann müssen zusätzlich Tabletten verabreicht werden. In der Akutphase muss das Medikament gegebenenfalls direkt in die Blutbahn injiziert werden.
  • Nachdem sich der Druck stabilisiert hat, muss unter Umständen ein kleines Loch in die Regenbogenhaut gemacht werden (Iridotomie). Dies geschieht in der Regel mittels Laser, kann aber auch chirurgisch erfolgen. Ziel des Eingriffes ist die Verbesserung der Kammerwasserpassage, um den Druck dauerhaft niedrig zu halten.
  • Gelegentlich ist darüber hinaus eine Laserbehandlung des gesunden Auges ratsam, um einem möglichen akuten Glaukom vorzubeugen. Auf diese Weise vermeidet man, dass es auch am anderen Auge zu derartigen Problemen kommt.

Prognose

Bei Ausbleiben einer raschen Behandlung kann akuter grüner Star zur Erblindung des betroffenen Auges führen. Auch im Fall einer Behandlung kann es zu einer gewissen Schädigung des Sehnervs und somit einer Herabsetzung des Sehvermögens kommen. Dieses Risiko kann eine möglichst rasche fachärztliche Therapie verringern. Eine korrekte Weiterbehandlung und regelmäßige Kontrollen beugen weiteren Episoden vor.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Glaukom, akutes. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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