Gesichtsrose, Komplikationen am Auge (Zoster ophthalmicus)

Herpes zoster, eine Viruserkrankung, tritt infolge einer Reaktivierung des Windpockenvirus (Varizella-Zoster-Virus, VZV) auf. Kommt es zu einem Ausschlag im oberen Bereich des Gesichts, so spricht man von einem Zoster ophthalmicus; dabei kann es auch zu Komplikationen am Auge kommen.

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Zoster ophthalmicus – was ist das?

Bei der Gürtelrose, Herpes zoster, handelt es sich um einen Hautausschlag mit Bläschen- und Schorfbildung, der auf einer Reaktivierung des Windpockenvirus (Varizella-Zoster-Virus, VZV) beruht. Der charakteristische Ausschlag tritt normalerweise einseitig am Körper auf und folgt dabei dem Nervenverlauf. Die Gürtelrose tritt typischerweise an der Taille auf (daher der Name), kann aber in sämtlichen Körperregionen vorkommen. Sind Stirn und Nase betroffen, so droht aufgrund der Versorgung durch denselben Nerv (Nervus ophthalmicus) auch ein Ausschlag auf der Hornhaut des Auges. Es handelt sich um eine schwerwiegende Augenerkrankung, weshalb bei Verdacht auf eine Gesichtsrose mit Augenbeteiligung umgehend ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Häufigkeit

Von einer Gürtelrose sind jährlich etwa 2 pro 1000 Personen betroffen. 10–25% der Fälle eines Herpes Zoster betreffen den Nervus ophthalmicus, aber nur bei wenigen dieser Patienten erkrankt auch das Auge selbst. 

Ursachen

Gürtelrose und Windpocken werden durch dieselben Viren hervorgerufen (Varizella-Zoster-Virus, auch bekannt als humanes Herpesvirus 3). Die meisten Menschen erkranken im Kindesalter an Windpocken. Die Infektion verläuft häufig undramatisch und geht mit einem roten Hautausschlag und Bläschenbildung am Körper und im Gesicht einher. Nach der Infektion mit Windpocken verbleibt das Virus lebenslang in den Nervenganglien des Rückenmarks, wo es die meiste Zeit in einer harmlosen Variante vorliegt (latente Form).

In bestimmten Situationen, etwa im hohen Alter, bei Vorliegen einer Immunschwäche oder in Stresssituationen, kann das Virus erneut aktiviert werden. Es beginnt sich zu vermehren und gelangt über die Nervenbahnen bis zur Haut. Der daraufhin auftretende einseitige Hautausschlag wird als Gürtelrose oder Herpes zoster bezeichnet und tritt genau in dem Versorgungsgebiet des Nervs auf, in dem das reaktivierte Virus zur Haut gelangt ist. Im Falles des Gesichts ist der Gesichtsnerv (Nervus trigeminus) betroffen, der sich in 3 Äste teilt, von denen einer den Bereich Stirn und Auge versorgt (Nervus ophthalmicus). 

Jeder, der eine Windpockeninfektion durchstanden hat, kann an einer Gürtelrose erkranken. Insbesondere Personen mit einem geschwächten Immunsystem sind betroffen, aber auch bei gesunden Menschen kann es ohne ersichtliche Ursache zu einer Infektion kommen. Das Risiko für das Auftreten eines Herpes zoster erhöht sich mit zunehmendem Alter. Während die Erkrankung bei jungen, gesunden Menschen meist einen milden Verlauf zeigt, kommt es bei älteren Personen nicht selten zu erheblichen Beschwerden, vor allem starken Schmerzen.

Diagnostik

Zu den klassischen Frühsymptomen einer Gesichtsrose zählen Taubheit und Schmerzen in dem vom Nervus ophthalmicus versorgten Hautareal auf einer Seite des Gesichts. Manchmal gehen diesen Beschwerden einige Tage mit Erschöpfung und Fieber voraus.  Es kann zu brennenden oder juckenden, mäßigen bis stark ausgeprägten Schmerzen kommen. Nach einigen Tagen kann in der entsprechenden Region ein typischer Hautausschlag beobachtet werden. Anfangs bilden sich kleine, rötliche Flecken, die sich recht schnell zu flüssigkeitsgefüllten Bläschen entwickeln.

Der Ausschlag tritt einseitig im Bereich von Stirn, Nase und Augen auf. Meist ist eine klare Grenze zur Mitte des Gesichts hin zu erkennen. Bei Bläschen auf der Nasenspitze besteht ein erhöhtes Risiko, dass auch die Hornhaut des Auges betroffen ist. Zu den typischen Symptomen am Auge zählen Tränenfluss, Lichtscheu und Sehschwäche sowie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen.

Die Diagnosestellung erfolgt anhand der Anamnese, des typischen Ausschlags und des Auftretens von Augenschmerzen und -rötungen im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf. Nur selten sind weitere Untersuchungen zur Identifikation des Virus erforderlich. Die Augenärztin wird besonders sorgfältig untersuchen, inwieweit das Auge selbst an der Erkrankung beteiligt ist. 

Therapie

Die Behandlung des Zoster ophthalmicus sollte durch einen Augenspezialisten erfolgen. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist, dass mit der antiviralen Therapie (z.B. Valaciclovir oder Famciclovir) so früh wie möglich, idealerweise innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome, begonnen wird. Für Kinder ist Aciclovir zugelassen. Durch diese Therapie lassen sich Krankheitsdauer und Beschwerden sowie das Risiko für Komplikationen erheblich verringern. Zusätzlich zur systemischen Behandlung in Tablettenform kann eine lokale Behandlung mit virushemmender Augensalbe erfolgen. Je nach Beschwerden sind Schmerzmittel oder bei einer zusätzlichen bakteriellen Infektion auch Antibiotika nötig.

Auf das Tragen von Kontaktlinsen sollte im akuten Stadium und bis zur kompletten Abheilung der Hornhaut unbedingt verzichtet werden.

Verlauf und Prognose

Die Augen können mehr oder weniger stark betroffen sein. Es kann zu anhaltenden Beschwerden mit über mehrere Jahre periodisch auftretenden Schüben kommen. In den meisten Fällen tritt allerdings nach einer Behandlungsdauer von einigen Wochen eine Besserung ein.

Im späteren Krankheitsverlauf platzen die Bläschen und trocknen aus, es kommt zur Krustenbildung. Der Ausschlag dauert normalerweise zwei bis drei Wochen an, die Symptome gehen meist vollständig zurück.

Rückfälle sind beim Zoster ophthalmicus eher selten. Sofern Sie bereits eine Infektion mit Augenbeteiligung durchstanden haben, sollten Sie dies stets erwähnen, wenn Sie wegen Beschwerden der Augen einen Arzt aufsuchen. Konsultieren Sie umgehend einen Augenarzt, sollten Sie verschwommenes Sehen bei sich beobachten.

Es besteht eine Ansteckungsgefahr für Menschen, die keine Windpocken hatten oder nicht dagegen geimpft wurden; diese können sich an den Viren in den flüssigkeitsgefüllten Bläschen eines Patienten mit Herpes zoster infizieren.

Komplikationen

Zu den häufigen Komplikationen eines Zoster ophthalmicus zählt die Entzündung der Regenbogenhaut (Iritis/Uveitis). Dies kann zur Entwicklung eines grauen oder auch grünen Stars führen. Auch eine Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis) oder der Hornhaut (Keratitis) kann auftreten. Durch diese Veränderungen besteht die Gefahr, dass sich das Sehvermögen deutlich verschlechtert oder es durch Hornhautschäden zu Folgeerkrankungen am Auge kommt, daher ist eine frühzeitige geeignete Therapie besonders wichtig.

Einige wenige Patienten (etwa 7%) entwickeln eine postherpetische Neuralgie, bei der die Schmerzen über mehrere Monate oder Jahre anhalten, ehe sie allmählich zurückgehen. In manchen Fällen sind mehrere Nerven betroffen; es kann auch zu Lähmungen der Augenmuskeln kommen (Doppelbilder) oder zur akuten Entzündung des Sehnervs mit Erblindung.

Vorbeugung

Gegen Windpocken ist seit einigen Jahren ein Impfstoff zugelassen und wird für Kinder ab 11 Monaten empfohlen (z.B. gemeinsam mit Masern-, Mumps-, Rötelnimpfung); im Alter von 1,5 bis 2 Jahren ist eine 2. Impfung erforderlich. Zur Verfügung steht für Personen ab 50 Jahren auch ein Impfstoff gegen Herpes zoster; diese Impfung wird derzeit aber nicht offiziell empfohlen.

 

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Versorgungsgebiete der Äste des Nervus trigeminus
Versorgungsgebiete der Äste des Nervus trigeminus
 
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Zoster ophthalmicus
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Zoster ophthalmicus 

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Zoster ophtalmicus. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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