Gerstenkorn (Hordeolum)

Ein Gerstenkorn ist eine Entzündung der Talgdrüse eines Haares (Wimper) am Lidrand. Ein Gerstenkorn heilt oft unter Therapie mit Augensalben vollständig wieder ab.

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Was ist ein Gerstenkorn?

Das Gerstenkorn wird in der medizinischen Fachsprache als Hordeolum bezeichnet. Es handelt sich um eine rote, schmerzhafte Schwellung am Lidrand, die aussieht wie ein kleiner Furunkel oder Pickel. Das Gerstenkorn ist häufig mit Eiter gefüllt. In den meisten Fällen bildet sich das Gerstenkorn an der Außenseite des Augenlids, manchmal entsteht es aber auch auf der Innenseite des Augenlids. Das Augenlid schwillt an, es kommt häufig zu vermehrtem Tränenfluss, und es können sich Verkrustungen entlang der Kante des Augenlids bilden, insbesondere über Nacht.

Die meisten Fälle von Gerstenkorn sind harmlos und wirken sich nicht auf das Sehvermögen aus. Sie können zunächst eine eigene Behandlung versuchen, z. B. indem Sie wiederholt einen sauberen warmen Waschlappen 10–15 Minuten lang aufs Auge legen. Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn das Gerstenkorn Schmerzen verursacht, auch nach einigen Tagen nicht weggeht oder wenn sich die Schwellung und Rötung auf den Bereich um das Auge ausbreitet.

Das Gerstenkorn ist eine sehr häufige Erkrankung und kommt bei Patienten jeden Alters vor.

Ursache

An der Lidkante sitzen Haare, die Wimpern. Jedes Haar wächst aus einem sogenannten Haarfollikel, das einige Millimeter tief ins Augenlid reicht. Mit dem Follikel verbunden ist eine Talgdrüse. Der Ausführungsgang zum Haar oder die Talgdrüse selbst setzen sich manchmal zu, und es bildet sich eine Entzündung in Form eines Gerstenkorns.

Meist verursachen Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken die Entzündung dieser Drüsen. Es entsteht eine Augenlidentzündung oder ein Gerstenkorn. Das Risiko steigt, wenn man sich häufig mit unsauberen Händen die Augen reibt.

Von einem Gerstenkorn sind andere Krankheiten am Augenlid zu unterscheiden: Eine chronische Entzündung an der Lidkante ist eine Erkrankung mit der Bezeichnung Blepharitis; ein Hagelkorn ist eine schmerzlose Verstopfung eines Drüsengangs am Augenlid. Manchmal entwickelt sich ein Hagelkorn aus einem Gerstenkorn heraus. Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) am Auge kann ebenfalls sehr schmerzhaft sein. Auch andere ausgedehntere Entzündungen am Auge kommen vor.

Therapie

In manchen Fällen beginnt ein Gerstenkorn im Laufe weniger Tage bei sorgfältiger Hygiene der Augenlider von selbst zu verschwinden. In dieser Zeit können Sie die Schmerzen oder Beschwerden lindern, indem Sie wiederholt Wärme anwenden, also einen warmen Waschlappen jeweils ein paar Minuten aufs Auge legen. Wenn eine Behandlung erforderlich wird, hat sie zum Ziel, die Bakterien zu vernichten, die für die Entzündung verantwortlich sind, sowie die Beschwerden zu lindern.

Es ist wichtig, das Auge sauber zu halten. Man sollte vermeiden, sich die Augen zu reiben. Die Erkrankung kann sich sonst leicht aufs andere Auge oder auf andere Personen ausbreiten.

Einträufeln ins Auge

Wenn eine medikamentöse Behandlung erforderlich ist, erfolgt normalerweise eine Antibiotikatherapie mit Augentropfen und Augensalbe. Diese Medikamente sind rezeptpflichtig. Die Augentropfen werden tagsüber in vorgeschriebener Häufigkeit ins Auge getropft. In der Nacht kommt eine Salbe zum Einsatz (weil die Salbe zu einer „verschleierten" Sicht führt, was tagsüber stören würde). Anwendungshinweise zu den Augentropfen und der Augensalbe erhalten Sie in der Apotheke zusammen mit den Medikamenten. Bei ungewöhnlich schweren Infektionen können Antibiotika in Tablettenform angebracht sein.

Wirkt die Antibiotikatherapie nicht ausreichend, muss das Gerstenkorn vom Augenarzt in einer kleinen Operation geöffnet werden.

Prognose

Wie viele Betroffene wissen, geht diese Art von Entzündung meist nach 1–2 Wochen von alleine wieder vorbei, kann aber sehr lästig sein. Bei einigen kehrt das Gerstenkorn häufig wieder. Durch eine Antibiotikatherapie wird die Genesung beschleunigt. Manchmal ist eine solche Therapie auch notwendig, um eine Entzündung loszuwerden, die nie ganz abheilt und oft wieder aufflammt.

In seltenen Fällen leidet der Allgemeinzustand ein wenig mehr, man kann sich krank fühlen und Fieber haben. In solchen Situationen kann eine Antibiotikatherapie sinnvoll sein.

Falls Sie sehr häufig an einem Gerstenkorn leiden, wird der Arzt evtl. überprüfen, ob Sie an Diabetes mellitus erkrankt sind oder einer anderen Grundkrankheit leiden, bei der es häufiger als sonst zu Entzündungen kommt.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hordeolum. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Ehrenhaus MP. Hordeolum. Medscape, last updated Dec 04, 2015. emedicine.medscape.com
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  3. Lindsley K, Nichols JJ, Dickersin K. Non-surgical interventions for acute internal hordeolum. Cochrane Database of Systematic Reviews 2017, Issue 1. Art. No.: CD007742. DOI: 10.1002/14651858.CD007742.pub4 DOI
  4. Halvorsen F, Vik I, Johannessen HB. Blefaritt og Hordeolum. Lindbæk M (red.) Nasjonale faglige retningslinjer for antibiotikabruk i primærhelsetjenesten. Oslo: Antibiotikasenteret for primærmedisin og Helsedirektoratet. Sist oppdatert 11.2016