Das Auge

Malignes Melanom des Auges (Aderhautmelanom)

Das maligne Melanom ist ein bösartiger, frühzeitig metastasierender Tumor, der von bestimmten Pigmentzellen ausgeht und auch im Auge vorkommen kann. Die Prognose ist relativ gut, allerdings kommt es in 1 von 4 Fällen zum Tod infolge einer Metastasierung der Tumorzellen.

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Malignes Melanom des Auges – was ist das?

Das maligne Melanom ist ein bösartiger Tumor, der von bestimmten Pigmentzellen, den sogenannten Melanozyten, ausgeht. Die meisten malignen Melanome entstehen in der Haut, aber auch das Auge kann betroffen sein.

Das maligne Melanom ist die häufigste Variante der Krebstumoren im Auge, in Deutschland erkranken ca. 700 jährlich. Das häufigste Erkrankungsalter beim Aderhautmelanom liegt im 6. bis 7. Lebensjahrzehnt. Ein Aderhautmelanom kann auch im jüngeren Erwachsenenalter und vereinzelt sogar bei Kindern auftreten. In den meisten Fällen (95 %) kommt das maligne Melanom des Auges in der mittleren Augenhaut - lateinisch Uvea, bestehend aus der Regenbogenhaut (Iris), dem Ziliarkörper (Corpus ciliare) und Aderhaut (Choroidea) vor, die übrigen Fälle betreffen die äußere Hautschicht des Auges, die Konjunktiva. Die Uvea, auch mittlere Augenhaut genannt, ist eine pigmenttragende Gewebeschicht unterhalb von Lederhaut (Sklera) und Hornhaut (Kornea), die unter anderem für die Versorgung der weiter innen liegenden Netzhaut (Retina) mit Sauerstoff und Nährstoffen zuständig ist.

Ursachen

Uveale Melanome gehen von den Melanozyten der Uvea aus, normalerweise von pigmentierten Muttermalen. Sie können in umliegende Gewebestrukturen innerhalb oder außerhalb des Auges einwachsen, aber auch über das Blut metastasieren. Häufig kommt es zu Metastasen (Tochtergeschwulsten) in der Leber.

Personen mit hellen Augen, heller Haut und/oder einer erhöhten Tendenz zu Sonnenbrand tragen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung maligner Melanome des Auges. Auch das Vorhandensein von Muttermalen auf der Haut sowie Sommersprossen und Muttermalen in der Regenbogenhaut (Iris) geht mit einem erhöhten Risiko einher.

Symptome

Bei manchen Patienten wird der Tumor zufällig bei einer Routineuntersuchung beim Augenarzt festgestellt. Manche Patienten gehen zum Augenarzt, weil sie einen Schatten, eine Sehverschlechterung, oder ein Flimmern auf dem betroffenen Auge bemerken.

Symptome treten erst spät auf. Wächst der Tumor in das Zentrum der höchsten Sehschärfe (Makula, „gelber Fleck“) ein, so kann es zu Sehstörungen wie hellen oder dunklen Flecken im Gesichtsfeld kommen. Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf kann eine Netzhautablösung zu einem dramatischen und plötzlichen Sehverlust führen.

Diagnostik

Bei der ärztlichen Untersuchung lassen sich oftmals Veränderungen im Bereich der Augen nachweisen. Die Augenuntersuchung erfolgt mithilfe eines Ophthalmoskops, einem speziellen Untersuchungsgerät mit Lichtquelle. Bilddiagnostische Maßnahmen wie Ultraschall, CT oder MRT können genutzt werden, um eine detaillierte Darstellung des Tumors zu erhalten.

Therapie

Die Therapie des Aderhauttumors ist grundsätzlich von seiner Größe, d. h. Höhe und Durchmesser des Tumors, sowie von seiner Lage abhängig. Es wird versucht, das Auge und möglichst viel Sehvermögen zu erhalten.

Als augenerhaltende Therapien stehen zur Verfügung:

  • Strahlentherapie mit einem Applikator
  • operative Entfernung nach vorheriger Bestrahlung von außen bei Tumoren mit kleinem Durchmesser
  • Die Protonentherapie stellt eine weitere Therapieoption dar.

In einigen Fällen muss jedoch das Auge entfernt werden, um das Tumorwachstum zu stoppen. Tumoren, die bereits metastasiert haben, sprechen normalerweise nur minimal auf andere Therapiemaßnahmen als solche zur Symptomlinderung an.

Prognose

Bei sehr kleinen Melanomen mit einem Durchmesser von weniger als 10 mm ist die Prognose normalerweise sehr gut. Die zehnjährige Überlebensrate beträgt 80–95 %. Etwa 1 von 4 behandlungsbedürftigen Patienten stirbt an den Folgen der Metastasierung.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Malignes Melanom des Auges. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Gragoudas ES, Lane AM, Shih HA, Carvajal RD. Uveal and conjunctival melanomas. UpToDate, last updated Oct 29, 2013. UpToDate
  2. Shields CL, Furuta M, Berman EL, et al. Choroidal nevus transformation into melanoma: analysis of 2514 consecutive cases. Arch Ophthalmol 2009; 127:981. PubMed
  3. Weis E, Shah CP, Lajous M, et al. The association between host susceptibility factors and uveal melanoma: a meta-analysis. Arch Ophthalmol 2006; 124:54. PubMed
  4. Weis E, Shah CP, Lajous M, et al. The association of cutaneous and iris nevi with uveal melanoma: a meta-analysis. Ophthalmology 2009; 116:536. PubMed
  5. Shah CP, Weis E, Lajous M, et al. Intermittent and chronic ultraviolet light exposure and uveal melanoma: a meta-analysis. Ophthalmology 2005; 112:1599. PubMed
  6. Collaborative Ocular Melanoma Study Group. The COMS randomized trial of iodine 125 brachytherapy for choroidal melanoma: V. Twelve-year mortality rates and prognostic factors: COMS report No. 28. Arch Ophthalmol 2006; 124:1684. PubMed