Anämie (Blutarmut)

Anämie ist die Fachbezeichnung für Blutarmut. Von Blutarmut spricht man, wenn das Blut weniger rote Blutkörperchen (Erythrozyten) oder roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) enthält, als es normalerweise der Fall ist. Für eine Anämie gibt es unterschiedliche Ursachen.

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Fakten

  • Von Anämie (Blutarmut) spricht man, wenn das Blut weniger rote Blutkörperchen oder roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) enthält, als es normalerweise der Fall ist.
  • Die Menge an Hämoglobin wird bei Blutuntersuchungen als Hb-Wert angegeben.
  • Die häufigsten Anämien sind Eisenmangelanämien und Anämien bei chronischen Erkrankungen.

Was ist eine Anämie?

Eine Anämie bedeutet, dass sich zu wenig Hämoglobin (Hb) im Blut befindet. Hämoglobin ist ein Stoff, der für den Sauerstofftransport im Blut zuständig ist. Die Menge an Hämoglobin wird bei Blutuntersuchungen als Hb-Wert angegeben. Der Normalwert für Hämoglobin variiert je nach Alter und Geschlecht. Es gibt viele unterschiedliche Ursachen für eine Anämie.

Eine geringe Sauerstoff-Transportfähigkeit führt zu blasser Haut, Erschöpfung, Schwindel, schlechter Konzentration und einer geringeren Leistungsfähigkeit.

Die häufigsten Anämien sind in Deutschland Eisenmangelanämien und Infektanämien/Anämien bei chronischen Erkrankungen. Andere Anämieursachen sind seltener.

Ursache

Die Eisenmangelanämie

Eisen ist ein Mineral, das wir mit der Nahrung zu uns nehmen. Ein Kind im Wachstum hat einen höheren Eisenbedarf als ein Erwachsener. Frauen, die eine starke Regelblutung haben, verlieren viel Eisen. Eisen wird normalerweise in gleichem Maße aufgenommen, wie es verloren geht. Bei niedrigen Eisenwerten in der Nahrung oder starken Verlusten kommt es zu einem Ungleichgewicht. 

Anämie bei chronischen Erkrankungen

Aufgrund bestimmter Entzündungsparameter, die durch die zugrunde liegende Erkrankung vermehrt gebildet werden, kommt es zu einer Anämie ohne echten Eisenmangel, jedoch mit schlechterer Eisenverwertung. Siehe auch Anämie bei chronischen Erkrankungen.

Bei Kindern spricht man häufig von einer Infektanämie. Kinder haben bei einer Infektion und Fieber häufig eine Blutarmut. Wie ausgeprägt die Blutarmut ist, hängt unter anderem von der Länge und Schwere der Krankheit ab. Diese Art von Blutarmut wird nicht durch einen Eisenmangel verursacht. Der Hb-Wert normalisiert sich eigenständig, sobald die Fiebererkrankung vorüber ist.

Diagnostik

Mit Hilfe der Krankheitsgeschichte versucht der Arzt, den Grund für die Anämie zu finden. Es sind Blutuntersuchungen nötig; neben der Untersuchung von Hämoglobin gibt es noch zahlreiche andere Bluttests, die exakt besagen, um welche Form der Blutarmut es sich bei dem Patienten handelt.

Weitere Untersuchungen können ebenfalls notwendig sein. Beispielsweise kann eine Eisenmangelanämie auf chronischen Blutungen der Schleimhäute (etwa des Magens), auf Polypen im Dickdarm, Tumoren und Nierenschäden beruhen. Hierzu kann die Sonographie und ggf. Endoskopie hilfreich sein. 

Behandlung

Die Ernährung ist bei einer Eisenmangelanämie wichtig. Die Zuführung folgender Lebensmittel ist wichtig:

  • Eisenhaltige Nahrungsmittel: Eisen ist in allen Nahrungsmitteln enthalten, die Verwertbarkeit von Eisen aus Fleischprodukten ist jedoch viel besser als aus pflanzlicher Kost.
  • Lebensmittel mit einem hohen Eisengehalt sind z. B. Leber oder Fleisch, dunkelgrünes Gemüse und Vollkorn-Getreideprodukte.
  • Vitamin-C-haltige Lebensmittel verbessern die Eisenaufnahme.
  • Milch, Kaffee und Tee bilden mit Eisen unlösliche Komplexe und behindern die Aufnahme im Darm. Kinder mit Eisenmangel sollten daher nicht zu viel Milch trinken. 

Wenn die Nahrung zur Besserung der Anämie nicht ausreicht, kann Eisen in Form von Tropfen oder Tabletten zugeführt werden. Bei sehr schwerem Mangel kann auch eine Eiseninfusion Abhilfe schaffen. 

Liegt eine Blutungsanämie vor, sollte die Blutungsquelle gefunden und gestoppt werden. Bei sehr starker Menstruationsblutung kann über eine hormonelle Verhütungsmethode nachgedacht werden, die die Menstruation reduziert. 

Bei chronischen Erkrankungen oder Infekten bessert sich die Anämie sobald die Grunderkrankung erfolgreich behandelt wurde. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg