Hämolytisch-urämisches Syndrom

Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist eine Erkrankung, die meist von einer speziellen Art der E. coli-Infektion (EHEC) hervorgerufen wird. Es handelt sich um eine schwere Blut- und Nierenerkrankung, die vor allem bei Kleinkindern und Säuglingen auftritt.

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Fakten zum hämolytisch-urämischen Syndrom

  • Das hämolytisch-urämische Syndrom, HUS, ist eine schwere Blut- und Nierenerkrankung, die vor allem bei Kleinkindern und Säuglingen auftritt.
  • Eine bekannte Ursache für HUS ist eine von EHEC-Bakterien verursachte Darminfektion.
  • In den meisten Fällen beginnt die Erkrankung mit einer Magen-Darm-Infektion mit blutiger Diarrhö (Durchfall). Es kann zu Blutungen kommen, die als blaue Flecke auf der Haut zu sehen sind, sowie zu Blutarmut und Nierenversagen.
  • HUS ist eine lebensbedrohliche Erkrankung – erkrankte Personen müssen auf der Intensivstation des Krankenhauses behandelt werden.
  • Viele Kinder werden aber ohne Therapie wieder gesund und es treten auch keine Folgeerkrankungen auf.

Was ist das hämolytisch-urämische Syndrom?

Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), auch Gasser-Syndrom genannt, ist eine schwere Blut- und Nierenerkrankung, die vor allem bei Kleinkindern und Säuglingen auftritt, aber auch bei Erwachsenen vorkommen kann. Sie führt zu Fieber, Schädigungen der kleinen Blutgefäße und Nierenversagen. Die Anzahl der Blutplättchen sinkt und die roten Blutplättchen werden zerstört, was zu Blutarmut, Anämie, führt.

In den meisten Fällen beginnt die Erkrankung mit einer Magen-Darm-Infektion mit blutiger Diarrhö. Nach ca. einer Woche verschlechtert sich der Zustand, wenn die Erkrankung auch die Niere angreift. Das Kind kann Fieber bekommen und schwach und reizbar werden. Bei manchen Kindern treten Krämpfe, Schweratmigkeit und Herzklopfen auf. Die Verringerung der Anzahl der Blutplättchen führt zu Blutungen in den Schleimhäuten und unter der Haut. Diese Blutungen treten meist als Nasenbluten oder sichtbare blaue Flecke auf der Haut auf. Verringert sich die Urinmenge, kann dies ein Zeichen für Nierenversagen sein.

Die Erkrankung ist selten. Immer wieder kommt es zu gehäuftem Auftreten, bei dem viele Kinder und Erwachsene mit Verdacht auf hämolytisch-urämisches Syndrom ins Krankenhaus eingeliefert wurden, in Deutschland etwa 2011. Die Ursache konnte meist auf eine Infektionsquelle zurückgeführt werden.

Ursache

Eine bekannte Ursache für HUS ist eine Darminfektion, die durch EHEC, eine Variante der E. coli-Bakterien, verursacht wurde. Die Bakterien werden beim Braten und Kochen abgetötet. Darum erkranken nur Personen, die unzureichend erwärmte Lebensmittel zu sich genommen haben.

Von allen Personen, die mit EHEC infizierte Lebensmittel gegessen haben, zeigt nur ein kleiner Teil Symptome wie Diarrhö. Von diesem Teil erkranken weniger als 20 Prozent an HUS.

Die E. coli-Bakterien, welche die Erkrankung verursachen, produzieren einen Giftstoff (Toxin), wodurch das Immunsystem überreagiert. Es werden Antikörper gebildet, welche die kleinen Blutgefäße schädigen. Schädigungen der Blutgefäße, Blutplättchen und roten Blutkörperchen führen zu Blutungen und einer schlechteren Durchblutung. Dies passiert auch in den Blutgefäßen der Nieren, wodurch sich die Nierenfunktion verschlechtert und im schlimmsten Fall versagt.

Diagnostik

Hat Ihr Kind eine Mageninfektion mit blutiger Diarrhö, sollte Sie einen Arzt aufsuchen. Kommt es zu Blutungen unter der Haut mit deutlicher Schwäche und Schweratmigkeit, sollte schnell mit einer Therapie begonnen werden. Blutproben können zeigen, ob die Anzahl der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen gesunken ist und ob sich die Nierenfunktion verschlechtert hat.

Therapie

HUS ist eine lebensbedrohliche Erkrankung – erkrankte Personen müssen auf der Intensivstation des Krankenhauses behandelt werden. Es konnte noch keine wirksame medikamentöse Behandlung gefunden werden, daher besteht die Therapie darin, die Symptome zu lindern, z. B. durch Bluttransfusionen und Flüssigkeitszufuhr. Bei einem Nierenversagen kann eine Dialyse notwendig sein, bei der das Blut künstlich gereinigt wird.

Prävention

Die folgenden Maßnahmen verringern das Risiko einer Darminfektion durch E. coli-Bakterien:

  • Alle Lebensmittel, die Hackfleisch enthalten (wie Hamburger, Frikadellen u. ä.), müssen durchgebraten oder vollständig gekocht sein.
  • Andere Fleischprodukte müssen äußerlich durchgebraten sein.
  • Meiden Sie unpasteurisierte Milch und unpasteurisierte Milchprodukte.
  • Verwahren Sie Lebensmittel im Kühlschrank (+5 °C) – vergessen Sie im Sommer die Kühltasche nicht.
  • Waschen Sie die Hände, nachdem Sie auf der Toilette waren, nach Kontakt mit Tieren und vor der Essenszubereitung und den Mahlzeiten.
  • Waschen Sie Messer, Schneidebrettchen und Küchengeräte ab, mit denen Sie rohe Lebensmittel bearbeitet haben, bevor Sie diese für andere Lebensmittel verwenden.

EHEC-Infektionen und Kindergärten

Kinder mit diagnostizierter EHEC-Infektion müssen fünf negative Kontrollproben mit einer Pause von mindestens 48 Stunden nachweisen, bevor sie wieder in den Kindergarten oder die Schule gehen dürfen. Kinder, in deren Familie ein Familienmitglied an einer EHEC-Infektion erkrankt ist, dürfen (unabhängig von den eigenen Symptomen) erst wieder in den Kindergarten, wenn das Kind drei negative Stuhlproben abgegeben hat.

Prognose

Die Erkrankung erfordert eine intensive Therapie im Krankenhaus und kann in seltenen Fällen lebensbedrohlich sein. Viele Kinder werden jedoch ohne Therapie wieder gesund und es treten auch keine Folgeerkrankungen auf. In manchen Fällen kann chronisches Nierenversagen auftreten, d. h. die Nieren sind nicht mehr richtig in der Lage, Stoffe auszufiltern und das Blut von Abfallstoffen zu reinigen. In Deutschland ist HUS die häufigste Ursache für Akutes Nierenversagen bei Kleinkindern und Säuglingen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln
  • Terje Johannessen, Professor für Allgemeinmedizin, Universität Trondheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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