Das Lymphsystem

Das Lymphsystem unterstützt den Blutkreislauf. Es sorgt dafür, dass überflüssige Flüssigkeit sich nicht ansammelt, nimmt größere Partikel auf, die nicht zurück in das Blut gelangen können, und spielt eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Infektionen.

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Aufgaben des Lymphsystems

Das Lymphsystem ergänzt den Blutkreislauf und bewirkt, dass Flüssigkeit aus dem Gewebe außerhalb der Blutgefäße in das Blut übergehen kann. Die Lymphgefäße können Proteine und größere Partikel aus dem Gewebe abtransportieren, wenn diese nicht direkt vom Blut aufgenommen werden können. Diese Rückführung von Proteinen in das Blut aus dem Körpergewebe ist eine lebenswichtige Funktion. Ohne diese Funktion würden wir binnen kurzer Zeit sterben.

Das Lymphsystem hat drei wichtige Aufgaben:

  • Es soll überflüssige Flüssigkeit aufnehmen.
  • Es soll verschiedene Stoffe aufnehmen, die durch die Blutgefäße ausgetreten sind.
  • Es ist zuständig für die körpereigene Abwehr von Viren, Bakterien und Krebs.

Das Lymphsystem ist auch Transportmittel für die wichtigen weißen Blutkörperchen. Die weißen Blutkörperchen gelangen in alle Teile des Körpers und bekämpfen Fremdstoffe, die unter Umständen den Körper angreifen könnten. Die weißen Blutkörperchen besitzen die einzigartige Fähigkeit, Infektionen, die bereits früher den Körper angegriffen haben, wiedererkennen zu können. Außerdem sind sie in der Lage, gegen verschiedene Krankheitserreger wirksame Antikörper zu produzieren.

Das Lymphsystem besteht aus Lymphgefäßen, den Lymphknoten, der Milz und anderem lymphoiden Gewebe in verschiedenen Organen. Die Lymphknoten sind in Gruppen in der Nähe von Blutgefäßen angeordnet. In der Leiste, in den Achselhöhlen, im Hals und im Bauch befinden sich die größten Lymphknoten. An diesen Stellen werden die Stoffe beseitigt, die dem Körper schaden können, wenn sie nicht ausgeschieden werden. Das können Abfallstoffe wie Mikroorganismen, verbrauchte Blutzellen und kleine Rußpartikel sein.

Kann das Immunsystem Krebs bekämpfen? Es ist unwahrscheinlich, dass das Immunsystem/Lymphsystem in der Lage ist, eine ausgeprägte Krebserkrankung ohne die Unterstützung einer konventionellen Krebsbehandlung zu bekämpfen, auch wenn es seltene Fälle gibt, bei denen der Krebs einfach verschwindet (spontane Besserung). Jedoch geht man davon aus, dass das Immunsystem bei der Verhinderung einer Krebserkrankung eine wichtige Rolle spielt. Das wird bei den Fällen deutlich, in denen eine Immuninsuffizienz vorliegt und das Risiko für die Entwicklung einer Krebserkrankung erheblich angestiegen ist.

Die Lymphgefäße

Das Lymphsystem des Körpers ähnelt optisch einem Spinnennetz. Nahezu sämtliches Gewebe im Körper verfügt über spezielle Lymphbahnen, die überschüssige Flüssigkeit abtransportieren. Ausgenommen sind die oberflächlichen Teile der Haut, das zentrale Nervensystem, Teile des Muskelsystems und des Knochengewebes.

Die Lymphgefäße im unteren Teil des Körpers münden in den Milchbrustgang (Ductus thoracicus), der wiederum in das Venensystem des Blutes am Hals mündet. Auch die Lymphe aus der linken Kopfseite, dem linken Arm und Teilen der Brustregion mündet in den Milchbrustgang, bevor dieser in die Venen mündet. Die Lymphe von der rechten Kopf- und Halsseite, aus dem rechten Arm und Teilen der rechten Seite der Brustwand münden in die rechte Lymphbahn (dieser ist viel kleiner als der Milchbrustgang), der wiederum in das Venensystem auf der rechten Seite des Halses mündet.

Lymphkreislauf

Der größte Teil der Flüssigkeit, die am arteriellen Ende der Blutkapillaren in das Gewebe gefiltert wird, fließt zwischen den Zellen und wird schließlich über das venöse Ende der Kapillaren zurück in das Blut absorbiert. Doch durchschnittlich wird ca. ein- von zehnmal diese Flüssigkeit in das Lymphsystem gelangen, zunächst in die winzig kleinen Lymphkapillaren, danach in die größeren Lymphgefäße und schließlich in den Ductus thoracicus (größtes Lymphgefäß des menschlichen Körpers). Die Gesamtmenge dieser Lymphe macht jedoch nicht mehr als 2 bis 3 Liter pro Tag aus.

Entlang der Lymphbahnen finden sich im Körper verteilt Lymphknoten. In den Lymphknoten werden Fremdkörper wie Bakterien von einem Zelltyp, der Makrophagen genannt wird, unschädlich gemacht. Sie fressen (phagozytieren) die Bakterien und verhindern auf diese Weise eine Ausbreitung der Bakterien im Körper.

Lymphknoten in der Achsel

Lymphknoten an Kopf und Hals

Lymphknoten am Hals

Lymphknoten in der Leiste

Die Lymphflüssigkeit, die zurück in den Blutkreislauf gelangt, ist besonders wichtig, da sie Stoffe mit hohem Molekulargewicht wie z.B. Proteine enthält, die auf keine andere Weise vom Gewebe absorbiert werden können.

Lymphflüssigkeit

Der Begriff „Lymphe“ stammt aus dem Lateinisch (lympha = klares Wasser; Fluss-,Quellwasser). In den Lymphgefäßen wird eine wässrige hellgelbe Flüssigkeit bewegt, die Lymphe. Die Lymphknoten werden durch die Bewegung des Körpers zusammengedrückt. Auf diese Weise wird die Flüssigkeit in Bewegung gehalten. Im Blutkreislauf ist das anders, da funktioniert das Herz wie eine Pumpe, die das Blut im System bewegt. Das Lymphsystem besteht aus Lymphgefäßen und Lymphknoten, die sich überall im Körper befinden.

Die Lymphe bildet sich aus der Gewebeflüssigkeit (Interzellularflüssigkeit), die durch die Lymphgefäße fließt. Daher weist die Lymphe, wenn sie in die winzig kleinen Lymphgefäße (Lymphkapillaren) gelangt, nahezu die gleiche Zusammensetzung wie die Gewebeflüssigkeit auf. Die Proteinkonzentration in nahezu sämtlichem Interzellulargeweben des Körpers beträgt ca. 2 Gramm pro Deziliter. Die Lymphe aus diesem Gewebe weist eine Proteinkonzentration auf, die diesem Wert entspricht. Dagegen enthält die Lymphe, die in der Leber gebildet wird, Proteinkonzentrationen von bis zu 6 Gramm pro Deziliter, und die Lymphe aus der Darmwand weist sogar eine Proteinkonzentration von 3‒4 Gramm pro Deziliter auf. Da 2/3 der Lymphe aus der Leber und dem Darm kommen, weist die Mischung sämtlicher Lymphe im Ductus thoracicus eine Proteinkonzentration von 3‒5 Gramm pro Deziliter auf.

Das Lymphsystem ist außerdem einer der Hauptwege für aus dem Verdauungstrakt absorbierte Nährstoffe, dies gilt insbesondere für die Fettbestandteile der Nahrung. Nach einer fettreichen Mahlzeit kann die Lymphe im Ductus thoracicus ganze 1‒2 % Fett enthalten.

Auch größere Partikel wie Bakterien können in das Lymphsystem vordringen. In den Lymphknoten werden diese Partikel entfernt und zerstört.

Entstehen Gewebeschäden – verursacht von Bakterien, Traumata, Chemikalien, Hitze oder einem anderen Phänomen – setzt das beschädigte Gewebe eine Reihe von Stoffen frei, die zu erheblichen Veränderungen im umliegenden unbeschädigten Gewebe führen. Es kommt zu einer Entzündung. Die Entzündung besteht aus einer Kette von Ereignissen:

  1. Erweiterung der lokalen Blutgefäße und erhöhter lokaler Blutfluss
  2. erhöhte Permeabilität in den Kapillaren, was zu einem Austritt großer Mengen Flüssigkeit in das Gewebe zwischen den Zellen führt
  3. (häufig verklumpt die Flüssigkeit aufgrund der Ansammlung größerer Mengen Fibrinogen und anderer Proteine)
  4. Zuströmen größerer Mengen weißer Blutkörperchen, Granulozyten und Monozyten
  5. Ansammlung von Gewebezellen
  6. Aktivierung der Makrophagen, die anfangen, die schädlichen Stoffe in den Lymphknoten zu zerstören.

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Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln