Akute myeloische Leukämie

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine Krebsform, bei der unreife Blutzellen, die sogenannten Myeloblasten, im Knochenmark wachsen und sich unkontrolliert vermehren.

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Fakten

  • Bei dieser Krebsform wachsen und verbreiten sich unreife Blutzellen vom myeloischen Typ unkontrolliert. Dies führt zu einer Verringerung der normalen Blutzellen.
  • Mit Ausnahme auffällig veränderter Anzahl gesunder Blutzellen (Blutbild) liegen oft keine besonderen Anzeichen vor, die den Verdacht auf akute myeloische Leukämie (AML) stärken. Die Erkrankung kann sich wie eine normale Infektion wie z. B. Erkältung oder Grippe bemerkbar machen.
  • Häufige Symptome sind Müdigkeit, Infektionen sowie Blutungen in der Haut und den Schleimhäuten.
  • AML kommt am häufigsten bei älteren Patienten vor.
  • Die Behandlung zielt darauf ab, alle Krebszellen im Blut und im Knochenmark zu beseitigen, damit sich wieder gesunde Zellen bilden können.

Was ist eine akute myeloische Leukämie?

Abbildung: Unreife Blutzellen, die für Blutkrebs typisch sind
Abbildung: Unreife Blutzellen, die für Blutkrebs typisch sind

Bei dieser Krebsform wachsen und verbreiten sich unreife Blutzellen, sogenannte myeloische Zellen, unkontrolliert. Die Erkrankung greift die frühen Vorstadien der Blutbildung an, wodurch sich Blutzellen verschiedener Art nicht wie üblich weiter zu speziellen Zelltypen ausdifferenzieren, sondern sich im unreifen Stadium vermehren. Der ungehemmte Zuwachs an Blutkrebszellen bewirkt, dass sich die Anzahl der normalen, gesunden Blutzellen, d.h. der weißen und roten Blutkörperchen sowie Blutplättchen, verringert. Die Krebserkrankung kann nach dem Aussehen und den biochemischen Eigenschaften der Krebszellen in verschiedene Gruppen unterteilt werden. Die bösartig veränderten Zellen kommen meistens im Knochenmark und Blut vor.

Symptome

Die Symptome entstehen meistens während einer relativ kurzen Zeit, sie können sich aber auch über einen längeren Zeitraum entwickeln. Häufige Symptome sind:

  • Müdigkeit, die sich teilweise auf Blutarmut (einen niedrigen Hämoglobinwert infolge zu weniger roter Blutkörperchen) zurückführen lässt.
  • Infektionsanfälligkeit aufgrund von weniger gesunden Immunzellen (weiße Blutkörperchen).
  • Blutungen in der Haut und den Schleimhäuten, die auf weniger Blutplättchen (Thrombozyten) zurückzuführen sind.
  • Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit

Weitere, weniger häufige Symptome sind Probleme mit der Sehschärfe oder Doppeltsehen (Diplopie), Ausschlag, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen (aufgrund der Reizung der Hirnhäute). Manche Patienten leiden unter Bein- und Gelenkschmerzen.

Häufigkeit

AML kommt meistens bei Erwachsenen vor. Bei dieser Krankheit werden jährlich ca. 3,5 neue Fälle pro 100.000 Personen in Deutschland diagnostiziert. AML kann in jedem Alter ausbrechen, tritt aber häufiger im fortgeschrittenen Alter (zwischen 70 und 80 Jahren) auf.

Ursache

Den Krebszellen fehlt die Fähigkeit auszureifen, dadurch können sie nicht so wie gesunde Zellen funktionieren. Das unkontrollierte Wachstum behindert auch die Bildung normaler Zellen, sodass sich ein Mangel an einigen anderen Zelltypen im Blut bemerkbar macht: Dies gilt für rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und verschiedene weiße Blutkörperchen (Leukozyten). Strahlung, bestimmte Chemikalien und Chemotherapien erhöhen das Risiko für eine Leukämie, doch bei den meisten Patienten bleibt die auslösende Ursache ungeklärt.

Diagnostik

Bei allgemeinen Symptomen, wie Müdigkeit, Erschöpfung und Blässe, sowie Anzeichen von Blutungen oder unerklärbarer Infektionen kann eine Blutuntersuchung Aussage über eine eventuelle Blutarmut (Anämie) und andere Abweichungen geben, die den Verdacht auf diese Erkrankung stärken. Eine genauere Untersuchung einer Blut- und Knochenmarkprobe kann Befunde zeigen, die auf AML hindeuten. Eine körperliche Untersuchung wird durchgeführt, bringt aber in der Regel keine weiteren speziellen Erkenntnisse.

Untersuchungen des Blutes und des Knochenmarks sind ausschlaggebend, um eine Diagnose stellen zu können. Die wichtigste Untersuchung erfolgt mithilfe der Mikroskopie eines Blut- oder Knochenmarkausstrichs. Bei einem Blutausstrich wird ein Tropfen Blut auf eine Glasscheibe gegeben. Der Tropfen wird auf der Scheibe ausgestrichen und danach mikroskopisch untersucht.

Ein typischer Befund ist der Anstieg unreifer Zellen (Blasten) (>20 %) im Blut und/oder Knochenmark. Bei AML weist die Blutprobe auch manchmal erhöhte Harnsäurewerte auf. Die Erkrankung kann die Gerinnung (Koagulation) des Blutes stören, was sich ebenfalls durch spezielle Tests nachweisen lässt. Im Krankenhaus entnimmt man eine Probe des Knochenmarks zur Mikroskopie (oft aus dem hinteren Hüftknochenkamm). Bei AML stellt man eine hohe Zelldichte und einen erhöhten Anteil unreifer Zellen (Blasten) fest.

Behandlung

Die Behandlung zielt, wenn möglich, auf die Heilung der Erkrankung und die Vorbeugung von Rückfällen ab. Im ersten Schritt der Behandlung versucht man, durch eine bestimmte Chemotherapie die Krebszellen zurückzudrängen, um ein normales Blutbild, eine normale Zellverteilung im Knochenmark und den gesundheitlichen Allgemeinzustand wieder herzustellen. Die weiterführende Behandlung konzentriert sich auf die Vorbeugung von Rückfällen. In jedem Fall erfolgt eine Behandlung zur Linderung der Schmerzen und Symptome, auch wenn keine Heilung möglich ist.

Die medizinische Behandlung wird mit einer intensiven Kombination aus Zellgiften (sogenannte Induktionstherapie, Chemotherapie) eingeleitet, die neben den Krebszellen leider vorübergehend auch das Wachstum normaler Blutzellen im Knochenmark hemmt. Oft sind daher Bluttransfusionen nötig. Im Anschluss regenerieren sich die gesunden Knochenmarkzellen wieder, was etwa 2 bis 3 Wochen dauert. In dieser Zeit erfolgt oft eine vorbeugende Behandlung, um Bakterien-, Pilz- und Virusinfektionen zu vermeiden. Nach der einleitenden Behandlung wird mit der Nachbehandlung (Konsolidierungstherapie) fortgefahren.

Die Stammzelltransplantation, auch Knochenmarktransplantation genannt, kommt für Personen in Frage, die sich in einem guten Allgemeinzustand befinden und jünger als ca. 65 Jahre sind, und bei denen das Risiko eines Rückfalls sehr hoch ist. Der Spender ist oft ein Familienmitglied oder ein Spender aus einem internationalen Spenderregister. Der Gewebetyp (HLA) des Spenders muss genetisch dem des Empfängers ähneln. Eine Stammzelltransplantation erfolgt oft als Teil der Frühbehandlung von Patienten mit Hochrisikoerkrankung. Sie kann auch bei der Behandlung von Rückfällen durchgeführt werden. Bei der Planung einer eventuellen Stammzelltransplantation muss man jederzeit Chancen gegen Risiken abwägen, da diese Therapie in der Regel sehr belastend ist. Bei der Entscheidung werden also die individuellen Faktoren des Patienten sorgfältig berücksichtigt.

Prognose

Die Erkrankung bricht oft schnell aus. Meist entwickeln sich die Beschwerden im Liafe weniger Wochen, obwohl auch langwierige Verläufe zu beobachten sind. Bei 70 bis 80 % aller Erwachsenen unter 60 Jahren wird eine komplette Remission erreicht, d.h. eine Normalisierung der Blutwerte und des Knochenmarks. Bei Personen über 70 Jahren liegt die Quote niedriger. Bei Rückfällen sind die Ergebnisse bedeutend schlechter, und eine langfristige Heilung ist nur durch Stammzelltransplantationen zu erreichen.

Die Behandlung ist intensiv und kraftraubend; Komplikationen wie Infektionen oder Blutungen können zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Typisch für die Erkrankung sind auch psychosoziale Nachwirkungen, die sich durch Angst, Depression, Trauer, Enttäuschung, Protest und Wut äußern können. Während der Behandlung muss mit körperlichen Reaktionen wie Gewichtsabnahme, Reizung der Schleimhäute und temporärem Haarausfall gerechnet werden. Lange andauernde Therapien stellen zudem eine psychische Belastung dar. Diese Probleme gehen aber bei den meisten Patienten vorüber.

Den Alltag mit akuter myeloischer Leukämie meistern

AML ist eine schwere Erkrankung. Sie hat nicht nur Auswirkungen auf den Patienten, sondern aufgrund der schwerwiegenden Symptome und der damit verbundenen lebensverändernden Situation auch auf seine Angehörigen. Eine psychologische Unterstützung ist oft wichtig und hilfreich.

Der Patient muss zeitweise isoliert werden, um Infektionen zu vermeiden. Auch wenn die Krankheit zurückgeht, können Rückfälle auftreten.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Akute myeloische Leukämie (AML). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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