Chronische lymphatische Leukämie

Die chronische lymphatische Leukämie ist eine Krebserkrankung, bei der sich reife, bösartige veränderte Lymphozyten unkontrolliert vermehren. Sie gehört zu den sogenannten niedrigmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen.

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Fakten

  • Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist eine Krebserkrankung, bei der sich reife, bösartig veränderte Lymphozyten unkontrolliert vermehren. Sie gehört zu den niedrigmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen.
  • Anfangs treten bei der CLL oft keine Symptome auf; die Erkrankung wird eher zufällig nach einer Blutentnahme im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt. Zu den möglichen Frühsymptomen zählen Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, eine erhöhte Infektanfälligkeit, geschwollene Lymphknoten und eine vergrößerte Milz.
  • Jährlich kommt es in Deutschland zu etwa 5000 Neuerkrankungen; meist sind Patienten über 70 Jahre betroffen.
  • Zwar kann eine gewisse familiäre Häufung beobachtet werden, die auf eine erbliche Veranlagung schließen lässt, die Erkrankung selbst ist jedoch nicht erblich. Umweltfaktoren wie Strahlung und bestimmte chemische Substanzen stehen im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen. Oftmals lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache für die Entstehung einer CLL feststellen.
  • Die CLL ist meist durch einen langsamen Krankheitsverlauf gekennzeichnet. Einige der Betroffenen leben auch ohne Behandlung viele Jahre beschwerdefrei und zeigen keinerlei Symptome.
  • Bei Patienten mit Krankheitssymptomen zielt die Behandlung darauf ab, die vorhandenen Symptome und Beschwerden sowohl kurz- als auch langfristig zu lindern.

Was ist eine chronische lymphatische Leukämie?

Chronische lymphatische Leukämie (x 100)

Bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) handelt es sich um eine Krebserkrankung des lymphatischen Systems, bei der sich reife, bösartige Lymphozyten unkontrolliert vermehren. Lymphozyten gehören zur Gruppe der weißen Blutkörperchen, der Leukozyten, und haben verschiedene Funktionen im Abwehrsystem.

Die massive Vermehrung der Lymphozyten kann zu einer Vergrößerung von Lymphknoten oder Milz sowie zu Blutarmut und Immunschwäche führen. Zu Beginn der Erkrankung treten die veränderten Lymphozyten überwiegend im lymphatischen Gewebe (Lymphknoten, Milz) auf. Nach einiger Zeit greifen die veränderten Lymphozyten auf das Knochenmark über. Hier, am Ort der Blutbildung, verdrängen sie nach und nach die gesunden Vorläuferzellen der Blutzellen. Über Blut- und Lymphbahnen breiten sich die Krebszellen im Körper aus und lassen sich in verschiedenen Gewebestrukturen nachweisen. Bei diesen Zellen handelt es sich um veränderte, funktionsuntüchtige B-Lymphozyten. Die ursprüngliche Aufgabe der B-Lymphozyten ist die Bildung von Antikörpern (Immunglobulinen), welche für die Immunabwehr von zentraler Bedeutung sind.

Die meisten Patienten weisen bei Diagnosestellung keine Beschwerden auf; oft ist die CLL ein Zufallsbefund bei einer Blutuntersuchung. Zu den möglichen Frühsymptomen der CLL zählen Müdigkeit und Schwäche, Gewichtsverlust, eine erhöhte Infektanfälligkeit, geschwollene Lymphknoten und eine vergrößerte Milz. Im fortgeschrittenen Stadium entwickeln Betroffene auffällige Werte im Blutbild.

  • Ein niedriger Hb-Wert (Hb = Hämoglobin) bzw. eine verringerte Zahl roter Blutkörperchen ruft Müdigkeit und allgemeine Schwäche hervor.
  • Ein Mangel an gesunden weißen Blutkörperchen äußert sich durch eine erhöhte Infektionsanfälligkeit.
  • Ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) kann zu spontanen Haut- und Schleimhautblutungen führen (ohne adäquate Verletzung).

Jährlich kommt es in Deutschland zu etwa 3000 Neuerkrankungen bei Männern und 2000 neuen Diagnosen bei Frauen. Meist tritt die CLL im höheren Lebensalter auf, das durchschnittliche Alter bei Diagnosestellung beträgt 70 Jahre. Bei Personen unter 40 Jahren kommt sie eher selten vor. Die CLL ist die häufigste Leukämieform, sie macht etwa 40 % aller Fälle von Blutkrebs aus.

Ursachen

Infolge der unkontrollierten Vermehrung der bösartigen Lymphozyten kommt es nach und nach zur Verdrängung gesunder Blutbestandteile (Blutplättchen sowie rote und weiße Blutkörperchen) in Knochenmark, Blut und lymphatischem Gewebe. Dies führt seinerseits zu Blutarmut (Anämie, Mangel an roten Blutkörperchen), einer Herabsetzung der Immunabwehr (Leukozytopenie, Mangel an funktionstüchtigen weißen Blutkörperchen) und einer gestörten Blutgerinnung (Thrombozytopenie, Mangel an Blutplättchen).

Eine gewisse familiäre Häufung lässt auf eine erbliche Veranlagung schließen, es gibt aber keine nachweisbar auslösenden, erblichen Faktoren. Im Gegensatz zu vielen anderen Krebsarten haben Umweltfaktoren wie Strahlung und bestimmte chemische Substanzen offenbar keinen Einfluss auf die Entstehung einer CLL.

Diagnostik

Häufig wird die Erkrankung eher zufällig nach einer Blutentnahme im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt. Sie macht sich durch eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen im Blutbild bemerkbar. Bei etwa der Hälfte der Patienten lassen sich tastbar vergrößerte Lymphknoten am Hals, in den Achselhöhlen und in der Leistengegend nachweisen. Diese Lymphknotenschwellungen sind weich und schmerzlos. Blässe, Hautblutungen (Hämatome) und eine erhöhte Infektionsanfälligkeit weisen darauf hin, dass im Knochenmark nicht mehr genügend gesunde Vorläuferzellen aller Blutzellen gebildet werden (Knochenmarkinsuffizienz). Dies tritt eher selten im Frühstadium der CLL auf, das Risiko steigt allerdings im Laufe der Erkrankung. Bei einigen Patienten sind Leber und Milz aufgrund der unkontrollierten Vermehrung der B-Lymphozyten vergrößert. Haben sich bei der CLL Lymphknoten im Bereich der Lunge oder in der Milz vergrößert, können Reizhusten und Druckgefühl im Bauch die Folge sein.

Haben sich die Krebszellen bereits stark ausgebreitet, können sich Symptome wie Nachtschweiß, Fieber oder auch ungewollter Gewichtsverlust zeigen. Diese Beschwerden können bei sehr vielen Krebsarten auftreten, sind also unspezifisch. 

Das Differenzialblutbild zeigt stets einen erhöhten Lymphozytenwert, während die Werte anderer Blutzellen nicht erhöht bzw. erniedrigt sind. Im Blutausstrich lässt sich eine erhöhte Anzahl kleiner Lymphozyten nachweisen, die meist wie normale Lymphozyten aussehen. Sie unterscheiden sich von letzteren allerdings durch spezifische Merkmale (Eiweiße) an der Zelloberfläche. Diese für die CLL typischen Oberflächenmarker lassen sich durch eine sogenannte Immunphänotypisierung feststellen. Im frühen Krankheitsstadium zeigen sich oftmals normale Werte für Hämoglobin (Hb-Wert) und Thrombozyten (Blutplättchen), die mit Fortschreiten der Erkrankung allerdings sinken. Auch die Anzahl an Immunglobulinen (die von gesunden B-Lymphozyten produzierten Eiweißstoffe, die wichtig für das Immunsystem sind) im Blut ist im fortgeschrittenen Stadium deutlich verringert.

Mitunter kann eine Knochenmarkpunktion sinnvoll sein, die im Krankenhaus erfolgt. Bei der mikroskopischen Untersuchung des Knochenmarks kann eine deutlich erhöhte Anzahl kleiner Lymphozyten festgestellt werden. Möglicherweise ist es auch sinnvoll, eine Gewebeprobe aus einem Lymphknoten zu untersuchen, die Lungen zu röntgen und Milz und Leber mittels Ultraschall zu beurteilen.

Therapie

Sofern die Erkrankung nur langsam voranschreitet und der Patient beschwerdefrei ist, muss nicht unbedingt sofort eine Behandlung erfolgen. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind in dem Fall genügend. Je nach Blutwerten und Beschwerden wird der Arzt anhand definierter Parameter bewerten, wie wahrscheinlich das Fortschreiten des Krebs ist. Manchmal wird erst dann eine Therapie eingeleitet, wenn der Patient krankheitsbedingte Symptome zeigt oder sich die Blutwerte verschlechtern. Allerdings gilt seit einiger Zeit die Empfehlung (anders als früher), eher schon früh im Krankheitsverlauf mit einer Therapie zu beginnen. Je nachdem, wie alt und wie körperlich fit der Patient ist, werden entsprechend verschiedene Zytostatika ausgewählt. Die Behandlung zielt darauf ab, den Krankheitsverlauf zu bremsen und die Lebensqualität sowie die Lebenserwartung des Patienten langfristig zu erhöhen.

Die medikamentöse Behandlung erfolgt auf verschiedene Weise. Üblich ist eine Chemotherapie mit mehreren Behandlungszyklen, der Behandlungszeitraum variiert dabei zwischen einigen Monaten bis zu einem halben Jahr. Es können aber auch tägliche Tabletteneinnahmen verordnet werden. Bei der Behandlung der CLL mit Zytostatika haben sich einige Kombinationen bewährt, z. B. Fludarabin zusammen mit Cyclophosphamid. Mitunter erfolgt eine kombinierte Behandlung mit sogenannten monoklonalen Antikörpern wie z. B. Rituximab, die sich noch gezielter gegen die krankhaften B-Lymphozyten richten. In einigen Fällen empfiehlt sich eine Behandlung mit Chlorambucil, das ebenfalls zu den Zytostatika zählt. Die Chemotherapie zielt auf eine Wachstumshemmung der Tumorzellen ab.

Ist nach einer zunächst erfolgreichen Therapie ein Rückfall aufgetreten, so steht eine Reihe weiterer Zytostatika zur Auswahl. In bestimmten schweren Fällen ist die Stammzellentransplantation eine sinnvolle Option. Hierbei werden Stammzellen, also gesunde Zellen aus dem Knochenmark, aus denen sich alle Blutzellen entwickeln, von einem Spender auf den Patienten übertragen. Diese Therapie ist sehr belastend und nicht ohne Risiko für Komplikationen, daher wird der Arzt genau abwägen, ob sie im Einzelfall zu empfehlen ist.

Infolge der Behandlung kann es (wie bei vielen Krebstherapien) zur Freisetzung von großen Mengen an Harnsäure kommen, wodurch Gicht ausgelöst werden kann. Aus dem Grund sollten Sie bei Therapiebeginn viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Gleichzeitig wird ein Mittel zur Verringerung der Harnsäure im Blut (Allopurinol) eingesetzt. 

Prognose

Viele Patienten mit CLL leben ohne Behandlung viele Jahre beschwerdefrei und zeigen keinerlei Symptome. Bei einigen der Betroffenen schwellen die Lymphknoten stark an und die Blutwerte verschlechtern sich. Bei Patienten, die bei Diagnosestellung bereits ausgeprägte Symptome aufweisen, sollte ohne Verzögerung mit der Behandlung begonnen werden. Aber auch in anderen Fällen sollte eine Therapie recht frühzeitig beginnen. Die CLL ist bislang nicht heilbar, kann aber in den meisten Fällen (mit oder ohne Behandlung) über viele Jahre gut kontrolliert werden. Die Lebenserwartung ist abhängig vom Zeitpunkt der Diagnose und beträgt bei frühzeitiger Diagnose im Durchschnitt oft mehr als 10 Jahre. Bei einer Diagnose im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ist die Prognose deutlich schlechter, in dem Fall beträgt die durchschnittliche Überlebenszeit nur noch 2 bis 7 Jahre. Auch eine frühe Knochenmarkinsuffizienz verschlechtert die Prognose.

Im fortgeschrittenen Stadium sowie nach mehreren Behandlungszyklen besteht aufgrund der herabgesetzten Immunabwehr ein deutlich erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Infektionen. Auch das Risiko für andere Krebserkrankungen ist bei einer CLL etwas höher.

Leben mit chronischer lymphatischer Leukämie

Obwohl es sich bei der CLL um eine Krebserkrankung handelt, schreitet sie oftmals nur langsam voran, so dass die meisten Patienten über viele Jahre hinweg beschwerdefrei (manche auch ohne Behandlung) leben können. Dennoch ist das Leben mit einer solch schweren Erkrankung für viele Patienten eine große Herausforderung. Auch wenn die Krankheit zu Beginn harmlos und leicht zu behandeln ist, kann sie langfristig einen komplizierten und lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Viele Patienten leiden unter einer herabgesetzten Immunabwehr und sollten sich daher nicht unnötig Risiken aussetzen, die zu einer Infektion führen können.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Chronische lymphatische Leukämie (CLL). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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