Erhöhte Blutgerinnung (Thromboseneigung)

Thrombose ist der Fachausdruck für ein Blutgerinnsel. Eine erhöhte Thromboseneigung (Thrombophilie) bezeichnet also einen Zustand mit einer vermehrten Neigung zu Blutgerinnseln. Spricht man von Thrombophilie, ist damit oft die Neigung zu Blutgerinnseln in den Körpervenen gemeint, d. h. in den Blutgefäßen, die das Blut zurück zum Herz führen. Aber auch in Arterien können sich Thrombosen bilden.

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Fakten

  • Thrombose ist der Fachausdruck für ein Blutgerinnsel.
  • Eine erhöhte Thromboseneigung ist eine Erkrankung mit einer vermehrten Neigung zu Blutgerinnseln.
  • Erbliche Ursachen für eine Thrombose können Gerinnungsstörungen wie APC-Resistenz (Faktor-V-Leiden-Mutation), Antithrombin-III-Mangel, Protein-C-Mangel oder Protein-S-Mangel sein.
  • Große chirurgische Eingriffe, lange Bettlägerigkeit, Krebs, schwere Verletzungen, verschiedene chronische Krankheiten, die Einnahme der „Pille“ oder Hormontabletten in den Wechseljahren, eine Schwangerschaft erhöhen das Risiko eines Blutgerinnsels.
  • Thrombosen in den Venen entstehen hauptsächlich im Bein und Oberschenkel (tiefe Venenthrombose); als Folge hiervon kann es zu einem Gefäßverschluss durch einen Thrombus in der Lunge kommen (Lungenembolie; hierbei handelt es sich um eine Lungenarterie).
  • Gerinnsel in den Arterien können zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gewebsnekrose in der betroffenen Extremität führen.

Was bedeutet eine erhöhte Thromboseneigung?

 

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Thrombose ist der Fachausdruck für ein Blutgerinnsel. Eine erhöhte Thromboseneigung (Thrombophilie) ist eine Erkrankung mit einer vermehrten Neigung zu Blutgerinnseln. Beim gesunden Menschen bilden sich Blutgerinnsel nur im Falle einer Verletzung eines Blutgefäßes; schließlich soll es wieder verschlossen werden, damit der Körper nicht unnötig viel Blut verliert. Ist die Wunde verheilt, fließt das Blut wieder normal durch die Gefäße ohne ein Gerinnsel zu bilden. An den fein regulierten Mechanismen der Gerinnselbildung und -auflösung sind zahlreiche Substanzen beteiligt, sog. Gerinnungsfaktoren. Kommt es zu einer Störung in diesem System mit der Neigung zu Blutgerinnseln auch ohne einen Auslöser wie eine Gefäßverletzung, spricht man von Thrombophilie. Dies zeigt sich an Gerinnseln meist in den Körpervenen, d. h. in den Blutgefäßen, die das Blut zurück zum Herz führen. Eine Lungenembolie, also die Verlegung eines Lungengefäßes durch einen Thrombus, hingegen betrifft eine Lungenarterie. Dies ist oft die Folge davon, dass ein Teil eines Thrombus aus z. B. einer Beinvene mit dem Blut durchs Herz hindurch bis in die Lungengefäße strömt und dort ein kleineres Gefäß verstopft (Embolie). Auf ähnliches Weise kann unter bestimmten Umständen auch ein Schlaganfall entstehen. Während jedoch bei einer Thrombophilie Blutgerinnsel in den Venen enstehen und langsam größer werden können, ist dies wegen des meist schnellen Blutflusses in den Arterien sehr selten.  

Für eine erhöhte Thromboseneigung gibt es viele verschiedene Ursachen, u. a. auch eine Reihe von erblichen Ursachen. Einige der wichtigsten Erbkrankheiten Ursachen sind APC-Resistenz, Antithrombin-III-Mangel, Protein-C-Mangel und Protein-S-Mangel (also Veränderungen mancher Gerinnungsfaktoren). Es gibt darüber hinaus auch eine Reihe von anderen chronischen Krankheiten, die das Risiko für Thrombosen erhöhen.

Darüber hinaus können große chirurgische Eingriffe, lange Bettlägerigkeit bzw. Ruhigstellung von Extremitäten (Gips), Krebs, schwere Verletzungen, starker Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung), die „Pille“ oder andere Hormontherapien sowie eine Schwangerschaft ebenfalls Ursachen für ein erhöhtes Risiko eines Blutgerinnsels sein.

Die genannten Krankheiten und Umstände machen zusammen eine verstärkte Neigung zu Blutgerinnseln aus, und die Summe der Risikofaktoren bestimmt, ob sich eine Thrombose entwickelt oder nicht. Darum sollten Personen mit einem Risikofaktor versuchen, die anderen Faktoren zu vermeiden. Frauen wird beispielsweise oft empfohlen, die „Pille“ 4–6 Wochen vor einer Operation nicht mehr zu nehmen und nicht zu rauchen.

Ein Blutgerinnsel bildet sich vor allem bei älteren Menschen recht häufig, auch ohne dass eine chronische Krankheit oder auch erblich bedingte Thrombophilie vorliegt. Eine Störung des Blutgerinnungsystems wird daher v. a. dann vermutet, wenn junge, eigentlich gesunde mobile Menschen ein Blutgerinnsel bekommen, eine Person wiederholt unter einem Blutgerinnsel leidet oder sich an ungewöhnlichen Stellen ein Thrombus gebildet hat.

Häufigkeit

In der normalen Bevölkerung (ohne Patienten, die in der Klinik behandelt werden), wird jährlich durchschnittlich bei rund 1 von 1.000 Personen eine tiefe Beinvenenthrombose diagnostiziert. Ab dem 40.–50. Lebensjahr jedoch steigt die Häufigkeit von Thrombosen deutlich an und ist v. a. bei noch älteren Personen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen im Vergleich besonders hoch.  

Symptome

Die Symptome eines Blutgerinnsels hängen davon ab, wo das Gerinnsel entsteht. Meist handelt es sich um Thrombosen in den Venen. Diese entstehen hauptsächlich im Bein und Oberschenkel (siehe Artikel Tiefe Venenthrombose) oder seltener auch im Bereich der Schulter und Arme. Bei einer tiefen Venenthrombose können der betroffene Unterschenkel oder Oberschenkel schmerzempfindlich, geschwollen, rot und warm sein. Die Muskulatur kann verhärtet sein und manchmal sind die äußeren Venen besonders ausgeprägt. Stehen und Gehen verursacht Schmerzen, die oft beim Hochlagern des Beins etwas nachlassen. Ähnliche Beschwerden treten auch bei einer Thrombose in einer Armvene im entsprechenden Bereich auf.

Venenthrombosen, v. a. in den Beinen, können jedoch auch unbemerkt entstehen, also ohne Symptome zu verursachen. Da auch von diesen jedoch eine Lungenembolie ausgehen kann, ist eine sorgfältige Diagnostik bei Verdacht auf eine Thrombose selbst bei sehr leichten Beschwerden nötig.

In einigen Fällen kann sich ein Blutgerinnsel aus der Vene lösen und mit dem Blut zur Lunge geführt werden, wo es sich festsetzt (Lungenembolie). Die Symptome einer Lungenembolie sind plötzlich einsetzender Husten, Brustschmerzen und unterschiedlich stark ausgeprägte Atemnot. Betrifft die Lungenembolie einen großen Teil der Lunge, verstärken sich die Symptome sehr schnell, die Erkrankung ist dann lebensgefährlich und erfordert sofortige ärztliche Hilfe.

Eine Thrombose kann sich auch in Venen der Bauchorgane bilden, was zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber führen kann. Tritt eine Thrombose in einer Hirnvene auf, zeigt sich dies je nach Lokalisation an Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörung, evtl. Krämpfen oder sogar neurologischen Symptomen wie bei einem Schlaganfall.

Im Gegensatz zu Blutgerinnseln in den Venen können Gerinnsel in den Arterien (den Gefäßen, die das Blut vom Herz in den Körper leiten) zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gewebsnekrose im Bein oder Arm führen. Die oben genannten Risikofaktoren sind für diese Erkrankungen nur von untergeordneter Bedeutung; hier spielen hauptsächlich andere Mechanismen eine Rolle: Während nämlich u. a. infolge des langsamen Blutflusses Venenthrombosen auch in eigentlich intakten Venen entstehen können, bilden sich bei einer Thrombophilie Blutgerinnsel in Arterien in der Regel vor allem, wenn die Gefäßwand geschädigt/verändert ist (Arteriosklerose) oder ein Fremdkörper vorliegt (z. B. ein Gefäßstent). Der schnelle Blutfluss und die stärkere Kontraktion der Arterien im Vergleich zu Venen sind Gründe dafür, dass in Arterien insgesamt deutlich seltener Thrombosen auftreten als in Venen.

Diagnostik

Die oben beschriebenen Beschwerden lenken den Verdacht auf eine Thrombose. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird zudem nach Risikofaktoren und eventuell bereits bekannten Thrombosen fragen.

Die Ärztin/der Arzt wird zunächst eine körperliche Untersuchung insbesondere der betreffenden Extremität durchführen und mittels Blutuntersuchung bestimmte Marker bestimmen (D-Dimere), die für eine Thrombose sprechen.

Im Bein beispielsweise lässt sich ein Blutgerinnsel in der Vene oft mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung (Kompressionssonografie) nachweisen. Eine genauere Diagnostik ist durch eine Darstellung der Venen im Röntgenbild (mit Kontrastmittel) möglich (Phlebografie), bei Verdacht auf eine Lungenembolie ist die speziellere Methode der Szintigrafie eine mögliche Untersuchung, um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen.

Die erblichen Krankheiten, die das Risiko eines Blutgerinnsels erhöhen, können ebenfalls mithilfe von Blutproben nachgewiesen werden. Die genaue Diagnose solcher Krankheiten ist wichtig, um die richtige Therapie wählen zu können.

Ist die Ursache für die Thrombose nicht offensichtlich, so wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt auch nach evtl. zugrunde liegenden chronischen Krankheiten fahnden.

Therapie

Patienten mit einer tiefen Venenthrombose werden normalerweise mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt (Antikoagulationstherapie), z. B. Heparin. Die Behandlung beginnt dabei oft mit Injektionen für mehrere Tage. Danach werden meist über 3–6 Monate Tabletten mit gerinnungshemmenden Medikamenten verabreicht. Neben verschiedenen Arten von Heparin gibt es inzwischen eine Reihe weiterer Medikamente für diesen Zweck, die je nach Gesundheitszustand der Patienten bzw. bestimmten Begleiterkrankungen zum Einsatz kommen. Zu unterscheiden sind hier die Vitamin-K-Antagonisten von den neueren direkten oralen Antikoagulanzien (NOAK oder DOAK). Die Wirkung der Ersteren kann und muss über regelmäßige Kontrollen des INR-Werts beurteilt werden, damit zum einen der Effekt gemessen werden kann und zum anderen eine zu starke Wirkung, also sehr hohe Blutungsgefahr, vermieden wird. Bei NOAK/DOAK ist ein solcher Test nicht erforderlich (und auch nicht möglich); für diese Wirkstoffe bestehen jedoch noch nicht so viele Daten und Erfahrungen wie für die anderen und sie kommen für Patienten mit bestimmten Krankheiten nicht infrage.

Schwangere mit einer Thrombose erhalten für die gesamte Schwangerschaft und einige Wochen darüber hinaus Heparinspritzen.

Bei Patienten, die bereits einmal oder öfter ein Blutgerinnsel hatten, ist meist eine langandauernde Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten, z. B. Warfarin oder Kumarin bzw. NOAK, angezeigt, manchmal für den Rest des Lebens. Zusätzlich sind unterstützende Maßnahmen zur Vorbeugung weiterer Thrombosen sinnvoll (sihe Abschnitt Prävention).

Handelt es sich um eine Lungenembolie, muss meist sehr schnell versucht werden, das Gerinnsel mit Medikamenten aufzulösen. Hier ist auch eine gezielte Therapie mit speziellen Medikamenten per Gefäßkatheter möglich (Thrombolyse) oder die Entfernung des Thrombus aus dem Blutgefäß in einer Operation (Thrombektomie). Solche Verfahren kommen grundsätzlich auch bei anderen arteriellen Thrombosen (Herzinfarkt, Schlaganfall) in Betracht. Da dieser Eingriff jedoch selbst mit Komplikationen wie etwa einer Verschleppung von Thrombusmaterial in andere Gefäße oder einer Blutung verbunden ist, wird die Ärztin/der Arzt Risiken und Nutzen sehr sorgfältig im Einzelfall abwägen, bevor sie/er sich zu einem solchen Vorgehen entscheidet.

Prävention

Ob eine Vorbeugung vor Thrombosen erfolgt, ist v. a. abhängig von dem Risiko einer Person, eine Thrombose zu bekommen. Die o. g. Erbkrankheiten können nicht geheilt werden, das Risiko von Thrombosen lässt sich jedoch durch Gabe von Medikamenten senken.

Häufig wird eine Thromboseprophylaxe (Prävention) bei ansonsten gesunden Personen nötig, wenn diese operiert werden. Die Ärzte können dann mit bestimmten Verfahren abschätzen, wie hoch das Thromboserisiko im Einzelfall ist. Hier spielen Alter, Umfang der Operation, Zeit der Bettruhe, Vorerkrankungen des Patienten u. a. eine Rolle.

Auch ohne anstehende Operation oder stattgehabte Verletzung kommt eine Prophylaxe v. a. bei Patienten infrage, die schon einmal oder mehrmals ein Blutgerinnsel hatten, insbesondere wenn ein erblicher Risikofaktor nachgewiesen wurde. Eine langandauernde Behandlung mit den dann angewendeten Blutverdünnern, z. B. Cumarin, ist allerdings nicht ungefährlich, da das Medikament das Risiko ernster Blutungen erhöht. Deshalb werden die Ärzte sorgfältig prüfen, ob eine solche Therapie sinnvoll ist und regelmäßige Kontrollen der Blutwerte während der Therapie durchführen, damit die Blutungsgefahr nicht übermäßig ansteigt. Solche Messungen können Patienten auch zuhause durchführen.

Grundsätzlich gilt es, die Risikofaktoren möglichst gering zu halten. Daher wird beispielsweise Frauen mit einer erblichen Thromboseneigung geraten, nicht zu rauchen und keine Verhütungsmittel mit Östrogen verwenden, d. h. Kombinationspillen, Vaginalringe und Verhütungspflaster. Ihre Ärztin/Ihr Arzt kann Sie darüber informieren, welche Art der hormonellen Verhütung oder welche anderen Methoden als Alternative infrage kommen. Auch ansonsten gesunde Frauen, die mittels Kombinationspille verhüten, sollten täglich ausreichend Wasser trinken und nicht rauchen, um das Thromboserisiko niedrig zu halten.

Bei chirurgischen Eingriffen wird empfohlen, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Dies gilt auch bei langwieriger Bettlägerigkeit. Grundsätzlich ist es wichtig, möglichst schnell nach der Operation in Bewegung zu kommen (Mobilisation), u. a. durch Krankengymnastik, kleine Rundgänge auf Station etc. Eine Kompression der Venen in den Beinen durch angepasste Kompressionsstrümpfe erfolgt in den meisten Fällen, nützt aber neueren Studien zufolge nicht so gut wie früher gedacht. Darüber hinaus kann die Ärztin/der Arzt entscheiden, vorbeugend Heparin oder ähnliche Wirkstoffe während der Zeit zu verordnen, in der z. B. ein Bein im Gips ruhiggestellt werden muss.

Grundsätzlich sind für alle Personen regelmäßige Bewegung (v. a. bei langem Sitzen oder auf Reisen regelmäßig aufstehen und ein paar Schritte gehen) sowie bei langen Reisen oder bereits erlebter Thrombose auch Kompressionsstrümpfe zu empfehlen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Thrombophilie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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