Erhöhte Blutgerinnung (Thromboseneigung)

Thrombose ist der Fachausdruck für ein Blutgerinnsel. Eine erhöhte Thromboseneigung (Thrombophilie) bezeichnet also einen Zustand mit einer vermehrten Neigung zu Blutgerinnseln. Spricht man von Thrombophilie, ist damit oft die Neigung zu Blutgerinnseln in den Körpervenen gemeint, d. h. in den Blutgefäßen, die das Blut zurück zum Herz führen.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Fakten

  • Thrombose ist der Fachausdruck für ein Blutgerinnsel.
  • Eine erhöhte Thromboseneigung ist ein Zustand mit einer vermehrten Neigung zu Blutgerinnseln.
  • Erbliche Ursachen für eine Thrombose können APC-Resistenz (Faktor-V-Leiden-Mutation), Antithrombin-III-Mangel, Protein-C-Mangel oder Protein-S-Mangel sein.
  • Große chirurgische Eingriffe, lange Bettlägerigkeit, Krebs, schwere Verletzungen, die Antibabypille oder eine Schwangerschaft erhöhen das Risiko eines Blutgerinnsels.
  • Thrombosen in den Venen entstehen hauptsächlich im Bein und Oberschenkel (tiefe Venenthrombose) und in der Lunge (Lungenembolie).
  • Gerinnsel in den Arterien können zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gewebsnekrose im Bein führen.

Was bedeutet eine erhöhte Thromboseneigung?

Thrombose ist der Fachausdruck für ein Blutgerinnsel. Eine erhöhte Thromboseneigung (Thrombophilie) ist ein Zustand mit einer vermehrten Neigung zu Blutgerinnseln. Beim gesunden Menschen bilden sich Blutgerinnsel nur im Falle einer Verletzung eines Blutgefäßes; schließlich soll es wieder verschlossen werden, damit der Körper nicht unnötig viel Blut verliert. Ist die Wunde verheilt, fließt das Blut wieder normal durch die Gefäße ohne ein Gerinnsel zu bilden. An den fein regulierten Mechanismen der Gerinnselbildung und -auflösung sind zahlreiche Substanzen beteiligt, so genannte Gerinnungsfaktoren. Kommt es zu einer Störung in diesem System mit der Neigung zu Blutgerinnseln auch ohne einen Auslöser wie eine Gefäßverletzung, spricht man von Thrombophilie. Dies zeigt sich an Gerinnseln meist in den Körpervenen, d. h. in den Blutgefäßen, die das Blut zurück zum Herz führen.

Für eine erhöhte Thromboseneigung gibt es viele verschiedene Ursachen, u. a. auch eine Reihe von erblichen Ursachen. Einige der wichtigsten Erbkrankheiten Ursachen sind APC-Resistenz, Antithrombin-III-Mangel, Protein-C-Mangel und Protein-S-Mangel (also Veränderungen mancher Gerinnungsfaktoren). Es gibt darüber hinaus auch eine Reihe von anderen chronischen Krankheiten, die das Risiko für Thrombosen erhöhen.

Darüber hinaus können große chirurgische Eingriffe, lange Bettlägerigkeit bzw. Ruhigstellung von Extremitäten (Gips), Krebs, schwere Verletzungen, starker Flüssigkeitsmangel, Rauchen, die Antibabypille oder andere Hormontherapien sowie eine Schwangerschaft ebenfalls Ursachen für ein erhöhtes Risiko eines Blutgerinnsels sein.

Die genannten Krankheiten und Umstände machen zusammen eine verstärkte Neigung zu Blutgerinnseln aus, und die Summe der Risikofaktoren bestimmt, ob sich eine Thrombose entwickelt oder nicht. Darum sollten Personen mit einem Risikofaktor versuchen, die anderen Faktoren zu vermeiden. Frauen wird beispielsweise oft empfohlen, die Antibabypille 4–6 Wochen vor einer Operation nicht mehr zu nehmen und nicht zu rauchen.

Ein Blutgerinnsel bildet sich vor allem bei älteren Menschen recht häufig, auch ohne dass eine Krankheit oder auch erblich bedingte Thrombophilie vorliegt. Eine Störung des Blutgerinnungsystems wird daher v.a. dann vermutet, wenn junge, gesunde Menschen ein Blutgerinnsel bekommen, eine Person wiederholt unter einem Blutgerinnsel leidet oder sich an ungewöhnlichen Stellen ein Thrombus gebildet hat.

Häufigkeit

In der normalen Bevölkerung (ohne Patienten, die in der Klinik behandelt werden), wird jährlich durchschnittlich bei rund 130 von 100.000 Männern eine tiefe Beinvenenthrombose diagnostiziert, bei Frauen etwas seltener. Ab dem 40.–50. Lebensjahr jedoch steigt die Häufigkeit von Thrombosen deutlich an und ist v.a. bei noch älteren Personen und Bewohnern von Pflegeheimen im Vergleich besonders hoch.  

Symptome

Die Symptome eines Blutgerinnsels hängen davon ab, wo das Gerinnsel entsteht. Meist handelt es sich um Thrombosen in den Venen. Diese entstehen hauptsächlich im Bein und Oberschenkel (siehe tiefe Venenthrombose) oder seltener auch im Bereich der Schulter und Arme. Bei einer tiefen Venenthrombose können Unterschenkel oder Oberschenkel schmerzempfindlich, geschwollen, rot und warm sein. Die Muskulatur kann verhärtet sein und manchmal sind die äußeren Venen besonders ausgeprägt. Stehen und Gehen verursacht Schmerzen, die oft beim Hochlagern des Beins etwas nachlassen. Ähnliche Beschwerden treten auch bei einer Thrombose in einer Armvene im entsprechenden Bereich auf.

Venenthrombosen, v. a. in den Beinen, können jedoch auch unbemerkt entstehen, also ohne Symptome zu verursachen. Da auch von diesen jedoch eine Lungenembolie ausgehen kann, ist eine sorgfältige Diagnostik selbst bei sehr leichten Beschwerden nötig.

In einigen Fällen kann sich ein Blutgerinnsel aus der Vene lösen und mit dem Blut zur Lunge geführt werden, wo es sich festsetzt (Lungenembolie). Die Symptome einer Lungenembolie sind plötzlich einsetzender Husten, Brustschmerzen und unterschiedlich stark ausgeprägte Luftnot. Betrifft die Lungenembolie einen großen Teil der Lunge, verstärken sich die Symptome sehr schnell, die Erkrankung ist dann lebensgefährlich und erfordert sofortige ärztliche Hilfe.

Eine Thrombose kann sich auch in Venen der Bauchorgane bilden, was zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber führen kann. Tritt eine Thrombose in einer Hirnvene auf, zeigt sich dies je nach Lokalisation an Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörung, evtl. Krämpfen oder sogar neurologischen Symptomen wie bei einem Schlaganfall. 

Im Gegensatz zu Blutgerinnseln in den Venen können Gerinnsel in den Arterien (den Gefäßen, die das Blut vom Herz in den Körper leiten) zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gewebsnekrose im Bein oder Arm führen. Die oben genannten Risikofaktoren sind für diese Erkrankungen nur von untergeordneter Bedeutung.

Diagnostik

Die oben beschriebenen Beschwerden lenken den Verdacht auf eine Thrombose. Der Arzt wird zudem nach Risikofaktoren und eventuell bereits bekannten Thrombosen fragen.

Im Bein beispielsweise lässt sich ein Blutgerinnsel in der Vene oft mittels Ultraschall nachweisen. Eine genauere Diagnostik ist durch eine Darstellung der Venen im Röntgenbild (mit Kontrastmittel) möglich (Phlebografie), bei Verdacht auf eine Lungenembolie ist die speziellere Methode der Szintigrafie eine mögliche Untersuchung, um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen.

Der Arzt wird zudem eine körperliche Untersuchung durchführen und mittels Blutuntersuchung bestimmte Marker bestimmen (D-Dimere), die für eine Thrombose sprechen. Die erblichen Krankheiten, die das Risiko eines Blutgerinnsels erhöhen, können ebenfalls mithilfe von Blutproben nachgewiesen werden. Die genaue Diagnose solcher Krankheiten ist wichtig, um die richtige Therapie wählen zu können.

Therapie

Patienten mit einer tiefen Venenthrombose werden normalerweise mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt (Antikoagulationstherapie), z. B. Heparin. Die Behandlung beginnt dabei oft mit Injektionen. Danach werden meist über drei bis sechs Monate Tabletten mit gerinnungshemmenden Medikamenten verabreicht. Neben verschiedenen Arten von Heparin gibt es inzwischen eine Reihe weiterer Medikamente für diesen Zweck, die je nach Gesundheitszustand des Patient bzw. bestimmten Begleiterkrankungen zum Einsatz kommen.

Bei Patienten, die bereits einmal oder öfter ein Blutgerinnsel hatten, ist meist eine langandauernde Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten, z. B. Warfarin oder Kumarin, angezeigt, manchmal für den Rest des Lebens. Zusätzlich sind unterstützende Maßnahmen zur Vorbeugung weiterer Thrombosen sinnvoll (s. Prävention).

Handelt es sich um eine Lungenembolie, muss meist sehr schnell versucht werden, das Gerinnsel mit Medikamenten aufzulösen. Hier ist auch eine gezielte Therapie mit speziellen Medikamenten per Gefäßkatheter möglich (Thrombolyse) oder die Entfernung des Thrombus aus dem Blutgefäß in einer Operation (Thrombektomie). Da dieser Eingriff jedoch selbst mit Komplikationen wie etwa einer Verschleppung von Thrombusmaterial in andere Gefäße oder einer Blutung verbunden ist, wird der Arzt Risiken und Nutzen sehr sorgfältig im Einzelfall abwägen, bevor er sich zu einem solchen Vorgehen entscheidet.

Prävention

Ob eine Vorbeugung vor Thrombosen erfolgt, ist v. a. abhängig von dem Risiko einer Person, eine Thrombose zu bekommen. Die o. g. Erbkrankheiten können nicht geheilt werden, das Risiko von Thrombosen lässt sich jedoch durch Gabe von Medikamenten senken.

Häufig wird eine Thromboseprophylaxe (Prävention) bei ansonsten gesunden Personen nötig, wenn diese operiert werden. Die Ärzte können dann mit bestimmten Verfahren abschätzen, wie hoch das Thromboserisiko im Einzelfall ist. Hier spielen Alter, Umfang der Operation, Zeit der Bettruhe, Vorerkrankungen des Patienten u.a. eine Rolle.

Auch ohne erfolgte Operation oder Verletzung kommt eine Prophylaxe v. a. bei Patienten infrage, die schon einmal oder mehrmals ein Blutgerinnsel hatten, insbesondere wenn ein erblicher Risikofaktor nachgewiesen wurde. Eine langandauernde Behandlung mit den dann angewendeten Blutverdünnern, z. B. Kumarin, ist allerdings nicht ungefährlich, da das Medikament das Risiko ernster Blutungen, darunter Hirnblutungen, erhöht. Deshalb wird der Arzt sorgfältig prüfen, ob eine solche Therapie sinnvoll ist und regelmäßige Kontrollen der Blutwerte wöhrend der Therapie durchführen, damit die Blutungsgefahr nicht übermäßig ansteigt.

Grundsätzlich gilt es, die Risikofaktoren möglichst gering zu halten. Daher wird beispielsweise Frauen mit einer erblichen Thromboseneigung geraten, nicht zu rauchen und keine Verhütungsmittel mit Östrogen verwenden, d. h. Kombinationspillen, Vaginalringe und Verhütungspflaster. Ihr Arzt kann Sie darüber informieren, welche Art der homonellen Verhütung oder welche anderen Methoden als Alternative infrage kommen. Auch ansonsten gesunde Frauen, die mittels Kombinationspille verhüten, sollten täglich ausreichend Wasser trinken und nicht rauchen, um das Thromboserisiko niedrig zu halten.

Bei chirurgischen Eingriffen wird empfohlen, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Dies gilt auch bei langwieriger Bettlägerigkeit. Grundsätzlich ist es wichtig, möglichst schnell nach der Operation in Bewegung zu kommen (Mobilisation), u. a. durch Krankengymnastik, kleine Rundgänge auf Station etc. Eine Kompression der Venen in den Beinen durch angepasste Kompressionsstrümpfe erfolgt in den meisten Fällen, nützt aber neueren Studien zufolge nicht so gut wie früher gedacht. Darüber hinaus kann der Arzt entscheiden, vorbeugend Heparin oder ähnliche Wirkstoffe während der Zeit zu verordnen, in der z. B. ein Bein im Gips ruhiggestellt werden muss.

Grundsätzlich sind für alle Personen regelmäßige Bewegung (v.a. bei langem Sitzen oder auf Reisen regelmäßig aufstehen und ein paar Schritte gehen) sowie bei langen Reisen oder bereits erlebter Thrombose auch Kompressionsstrümpfe zu empfehlen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Thrombophilie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Rosendaal FR. Venous thrombosis: a multicausal disease. The Lancet 1999; 353: 1167-73. The Lancet
  2. Federman DG, Kirsner RS. Rewiew article: An update on hypercoagulable disorders. Arch Intern Med 2001; 161: 1051-1056. PubMed
  3. Lijfering WM, Rosendaal FR, Cannegieter SC. Risk factors for venous thrombosis - current understanding from an epidemiological point of view. Br J Haematol 2010; 149:824. PubMed
  4. Lane DA, Mannucci PM, Bauer KA, et al: Inherited thrombophilia: Part 1. Thromb Haemost 1996 Nov; 76(5): 651-62. PubMed
  5. AWMF Arbeitsgem. der Wiss. Medizin. Fachgesellschaften. S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE). Stand 2015. AWMF-Leitlinie Nr. 003-001. www.awmf.org
  6. Robert Koch-Institut. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 44. Venenerkrankungen der Beine. Berlin, Stand 2009. www.rki.de
  7. Luxembourg B, Krause M, Lindhoff-Last E. Basiswissen Gerinnungslabor. Dtsch Arztebl CME kompakt 2009. www.aerzteblatt.de
  8. Bauer KA, Lip GYH. Overview of the causes of venous thrombosis. UpToDate, last updated Jan 30, 2015. UpToDate
  9. Rosing J, Middeldorp S, Curvers J, Christella M et al. Low-dose oral contraceptives and aquired resistance to activated protein C: a randomised cross-over study. The Lancet 1999; 354: 2036-40. The Lancet
  10. Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. (DGA). Venenthrombose und Lungenembolie: Diagnostik und Therapie. Stand 2015. AWMF-Leitlinie Nr. 065-002. www.awmf.org
  11. Cushman M, O'Meara ES, Folsom AR, Heckbert SR. Coagulation factors IX through XIII and the risk of future venous thrombosis: the Longitudinal Investigation of Thromboembolism Etiology. Blood 2009; 114: 2878-83. doi:19617576 www.ncbi.nlm.nih.gov
  12. Meijers JCM, Tekelenburg WLH, Bouma BN, Bertina RM, Rosendal FR. High levels of coagulation factor XI as a risk factor for venous thrombosis. N Engl J Med. 2000; 342: 696-701. PubMed
  13. Levine JS, Branch DW, Rauch J: The antiphospholipid syndrome. N Engl J Med 2002 Mar 7; 346(10): 752-63. PubMed
  14. Myones BL, McCurdy D: The antiphospholipid syndrome: immunologic and clinical aspects. Clinical spectrum and treatment. J Rheumatol 2000 Apr; 27 Suppl 58: 20-8.
  15. Wilson WA: Classification criteria for antiphospholipid syndrome. Rheum Dis Clin North Am 2001 Aug; 27(3): 499-505. PubMed
  16. Miyakis S, Lockshin M, Atsumi T et al. . International consensus statement on an update of the classification criteria for definite antiphospholipid syndrome (APS). J Thromb Haemost 2006; 4: 295-306. pmid:16420554 PubMed
  17. Greaves M. Antiphospholipid antibodies and thrombosis. The Lancet 1999; 353: 1348-53. The Lancet
  18. Heegaard NHH, Locht H. Immunbetinget trombofili. Ugeskr Læger 2005; 167: 2861-4. PubMed
  19. Christiansen SC, Cannegieter SC, Koster T, Vandenbroucke JP, Rosendaal FR. Thrombophilia, clinical factors, and recurrent venous thrombotic events. JAMA 2005; 293: 2352-61. pmid:15900005 PubMed
  20. Lidegaard Ø, Nielsen LH, Skovlund CW, et al. Risk of venous thromboembolism from use of oral contraceptives containing different progestogens and oestrogen doses: Danish cohort study, 2001-9. BMJ 2011; 343: d6423. BMJ (DOI)