Therapie von Lymphomen

Bei einer Lymphomerkrankung besteht die Therapie der Wahl aus einer Kombination von Chemo- und Strahlentherapie. Zur Chemotherapie wird meist eine Kombination von vier verschiedenen Wirkstoffen (Zytostatika) eingesetzt. Die Anzahl der Zyklen und Strahlendosen sowie die Dauer der Behandlung richten sich nach Stadium und Ausbreitung der Erkrankung.

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Was ist ein Lymphom?

Lymphome sind bösartige Tumoren, die aus Zellen des lymphatischen Systems (v. a. Lymphdrüsen, Milz, Knochenmark) bestehen. Ärzte unterscheiden zwei große Gruppen: das Hodgkin-Lymphom ist gekennzeichnet durch bestimmte Charakteristika der bösartigen Lymphomzellen; diese Zeichen weisen die Krebszellen des Non-Hodgkin-Lymphoms nicht auf. Letzeres umfasst mehrere verschiedene Lymphomtypen und kommt deutlich häufiger vor als das Hodgkin-Lymphom.

Therapie des Hodgkin-Lymphoms

Ein Hodgkin-Lymphom wird fast immer mit einer Kombination aus Strahlentherapie und Zytostatika behandelt. Die Wahl der Zytostatika und die Anzahl der Zyklen kann zuweilen erheblich variieren und orientiert sich am Erkrankungsstadium (Ausbreitung) und dem Alter des Patienten. Auch ungünstige Faktoren für die Prognose (Risikofaktoren) finden Berücksichtigung. Sinnvoll ist es, dass Patienten im Rahmen von Therapiestudien in spezialisierten Kliniken behandelt werden.

Die Therapie eines Hodgkin-Lymphoms beginnt in der Regel mit der intravenösen Verabreichung von Zytostatika über einen Tropf in eine der Armvenen. Es handelt sich um eine Kombination verschiedener zellwachstumshemmender Medikamente; die Behandlung erfolgt in Zyklen mit bestimmten Abständen zwischen den einzelnen Gaben. Wiederholte Untersuchungen der Tumorveränderungen während der Therapie tragen dazu bei, die therapeutische Wirksamkeit akkurat einzuschätzen. Eine solche Chemotherapie kann oftmals ambulant erfolgen, der Patient muss nicht unbedingt stationär in einem Krankenhaus aufgenommen werden. Im Anschluss an die Chemotherapie erfolgt häufig eine gezielte Bestrahlung des ursprünglichen Tumorbereichs oder möglicher Regionen mit übrig gebliebenen Krebszellen. Die Planung einer Strahlentherapie nimmt viel Zeit in Anspruch, die Behandlung selbst dauert allerdings nur wenige Minuten. Normalerweise werden 5 Bestrahlungen pro Woche vorgenommen, oftmals erfolgen insgesamt 20 Einzelsitzungen (Fraktionen). Die Therapiedauer beträgt also ungefähr 4 Wochen. Beim Hodgkin-Lymphom lassen sich in der Regel sehr gute Behandlungserfolge erzielen.

Zur Therapie des Hodgkin-Lymphoms wurden in den letzten Jahren gezielt wirksame Medikamente zugelassen, sog. monoklonale Antikörper, die bei einigen Patienten zum Einsatz kommen.

Grundsätzlich sollten Sie als Patient, falls Sie Raucher sind, den Nikotinkonsum beenden, da Rauchen gerade bei Patienten mit einem Lymphom das Risiko für einen anderen Tumor erhöht. Zudem ist es wichtig, den Arzt genau zu informieren, falls Sie alternative Heilmittel (Mistel, Gingko etc.) einnehmen, da diese Substanzen zum Teil das Abwehrsystem des Körpers beeinflussen können (das ja durch die Krebserkrankung bereits in seiner Funktion gestört ist). Achten Sie während der Therapie auf eine wirksame Verhütung, weil die Wirkstoffe Schäden bei einem sich entwickelnden Embryo hervorrufen können. 

Nebenwirkungen der Strahlentherapie

Wie auch die meisten anderen Krebstherapien birgt eine Lymphombehandlung das Risiko diverser Nebenwirkungen. Entgegen der Befürchtung vieler Patienten wird man durch die Strahlentherapie nicht radioaktiv belastet und kann direkt im Anschluss normalen Kontakt zu anderen Menschen haben. Von der Bestrahlung selbst spürt man nichts, während man unter dem Apparat liegt.

Üblicherweise wird zwischen akuten und chronischen Nebenwirkungen einer Strahlentherapie unterschieden.

Die akuten Nebenwirkungen zeigen sich in der Regel während oder kurz nach der Bestrahlung und stehen im Zusammenhang mit der bestrahlten Region. Eine Bestrahlung von Mund- und Halsbereich hat oft Mundtrockenheit, Reizung der Schleimhäute sowie Schluckbeschwerden zur Folge.

Ist die Behandlung auf den Magen ausgerichtet, kommt es häufig zu Übelkeit und Durchfall, auch Erbrechen ist möglich. Eine Bestrahlung der Haut führt zu Rötungen wie bei einem Sonnenbrand (Verbrennung ersten Grades), in Einzelfällen sind auch schwerere Verbrennungen möglich. Eines der häufigsten Symptome ist Haarausfall. Die akuten Nebenwirkungen lassen allerdings meist nach einigen Monaten nach. Mögliche Nebenwirkungen in dieser Zeit sollten Sie stets mit dem ärztlichen Personal besprechen, das Ihnen Ratschläge zur Linderung der Beschwerden geben kann.

Nach einer Bestrahlung der Haut ist besonders auf ausreichenden UV-Schutz zu achten. War die Therapie auf den Halsbereich ausgerichtet, so kann dies langfristig zu einer Verschlechterung der Schilddrüsenfunktion führen. Diese sollte daher jährlich von einem Spezialisten überprüft werden. Nach einer Strahlenbehandlung der Atemwege sollte das Rauchen unbedingt vermieden werden, da es unter anderem das Risiko für Lymphdrüsenkrebs (Lymphom) zusätzlich erhöht. Eine Bestrahlung der Bauchregion kann zu Darmbeschwerden führen. Bei anhaltenden Problemen sollten weitere Untersuchungen erfolgen.

Viele der Nebenwirkungen legen sich mit der Zeit. Andere bleiben über einen längeren Zeitraum bestehen. Bestrahlte Haut zeigt eine leichte rötliche Sprenkelung und fühlt sich möglicherweise etwas dicker an. Betroffene Patienten sollten daher äußerst vorsichtig sein, wenn sie Ihre Haut der Sonne aussetzen. Im Lungengewebe kann es infolge einer Bestrahlung zu Narbenbildungen kommen. Für Nichtraucher sind diese in der Regel komplikationsfrei. Raucher riskieren allerdings auf lange Sicht Lungenkomplikationen. Die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung derartiger Probleme ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Nach Bestrahlung der Mundschleimhaut kommt es oft zur Kariesbildung. Daher werden regelmäßige zahnärztliche Kontrollen empfohlen.

Nebenwirkungen von Zytostatika

Auch bei gesunden Zellen können Zytostatika zeitweilig Schäden verursachen. Übliche Nebenwirkungen sind allgemeine Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit bis hin zum Erbrechen und Haarausfall. Nach Beendigung der Therapie verschwinden diese Nebenwirkungen von allein. Die Haare beginnen wieder zu wachsen. Die mit der Immunabwehr in Zusammenhang stehenden Blutkörperchen sind von der Wirkung der Zytostatika ebenfalls betroffen. Aufgrund der herabgesetzten Immunabwehr zeigen Patienten eine erhöhte Infektionsanfälligkeit. Solche Infektionen können einen sehr ernsten Verlauf nehmen. Sie erhalten detaillierte Informationen, was im Falle von Fieber zu tun ist.

Durch Zytostatika (und Bestrahlung) können Keimzellen (Eizellen der Frau, Spermien des Mannes) geschädigt werden. Um bei einem ggf. späteren Kinderwunsch funktionsfähige Keimzellen zur Verfügung zu haben, können diese vor Beginn der Therapie entnommen und kryokonserviert werden. Lassen Sie sich hierfür von Ihrem Arzt beraten.

Langfristig steht die Behandlung mit Zytostatika im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko, an Leukämie (verschiedene Krebserkrankungen des blutbildenden Systems) oder auch anderen Tumoren zu erkranken. Auch Herz- und / oder Lungenerkrankungen können infolge einer Chemotherapie auftreten.

Behandlung eines Non-Hodgkin-Lymphoms

Die Therapie bei einem Non-Hodgkin-Lymphom besteht in erster Linie aus der Verabreichung von Zytostatika. Wie auch beim Hodgkin-Lymphom, wird die Chemotherapie ausgehend von Erkrankungsstadium, Ausbreitung des Tumors (Streuung), Zellart, Alter des Patienten und diversen Prognosefaktoren an die jeweilige Behandlungssituation angepasst. Bei einigen Patienten genügt eine recht milde Chemotherapie in Tablettenform, während andere einer sehr starken Behandlung bedürfen, z. B. bei Leukämie. Die Nebenwirkungen variieren daher erheblich. Inzwischen kommen bei einigen Lymphomtypen auch sehr gezielt wirkende Substanzen zum Einsatz, monoklonale Antikörper.

Auch bei Non-Hodgkin-Lymphomen erfolgt zuweilen nach vorangegangener Behandlung mit Zytostatika eine ergänzende (adjuvante) Strahlentherapie. Die Prinzipien für eine Bestrahlung entsprechen im Großen und Ganzen denen bei der Behandlung eines Hodgkin-Lymphoms, allerdings ist das zu bestrahlende Areal oftmals etwas kleiner. Die Prognose für Patienten mit non-Hodgkin-Lymphom hat sich zunehmend verbessert, ist allerdings insgesamt immer noch schlechter als beim Hodgkin-Lymphom. Unter dem Begriff „Non-Hodgkin-Lymphom“ werden sehr unterschiedliche Tumoren zusammengefasst, was sich auch in der Überlebenswahrscheinlichkeit niederschlägt, die von 25 % bis hin zu 80–90 % betragen kann.

Hochdosis-Chemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation

Diese Therapieform hat zum Ziel, das Knochenmark, in dem die bösartig veränderten Lymphzellen ihren Ursprung haben, durch gesunde Zellen zu ersetzen. Demzufolge müssen als erster Schritt Knochenmarkzellen bzw. Stammzellen (die auch im Blut zu finden sind) entnommen und im Labor "gereinigt" werden. Bei der anschließenden Hochdosis-Chemotherapie ist die Zytostatikadosis um ein Vielfaches höher als bei einer herkömmlichen Krebsbehandlung. Durch die hohe Dosierung wird die Blutbildungsfunktion des Knochenmarks empfindlich gestört und es kommt innerhalb von 2–6 Wochen zum Knochenmarkversagen (schließlich soll das erkrankte Knochenmark absterben) – Immunschwäche und erhöhte Blutungsneigung sind die Folge. Um das körpereigene Knochenmark und damit das Immunsystem wieder aufzubauen, müssen dem Patienten direkt im Anschluss an die Hochdosistherapie seine gereinigten, gesunden Knochenmarkzellen zugeführt werden. Diese wurden nach der Aufbereitung im Labor tiefgefroren und nach Beendigung der Hochdosistherapie aufgetaut. Über eine intravenöse Transfusion werden sie dem Blutkreislauf des Patienten wieder zugeführt. Die Stammzellen finden ihren Weg vom Blut ins Knochenmark allein, sie wachsen dort an und beginnen sich zu teilen. Das auf diese Weise neu gebildete Knochenmark bewahrt den Patienten vor einem tödlichen Knochenmarkversagen infolge der Hochdosistherapie und ersetzt die krankhaft veränderten bösartigen Lymphzellen. Die Behandlung ist allerdings beschwerlich und mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Eine Hochdosis-Strahlentherapie mit autologer Stammzelltransplantation ist nur bei einigen wenigen Lymphomarten indiziert, gilt aber in den entsprechenden Fällen als Therapie erster Wahl.

Kommt es beim Non-Hodgkin-Lymphom zu Rückfällen (Rezidiven) in fortgeschrittene Stadien, besteht die Standardbehandlung in einigen Fällen auch aus einer solchen stammzellunterstützten Hochdosistherapie. Beim Hodgkin-Lymphom ist sie im Falle eines Rezidivs bei bestimmten Patienten indiziert, bzw. auch dann, wenn durch die Erstbehandlung keine vollständige Heilung erreicht wurde. Darüber hinaus findet sie als experimentelle Therapie Verwendung. Dabei werden eigene Behandlungsprotokolle mit vorgegebenen Problemstellungen für die Durchführung einer Untersuchung entwickelt. Ob die Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation in diesen Fällen eine positive Wirkung hat, ist bislang unklar.

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Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen