Lymphom

Beim Lymphdrüsenkrebs (Lymphom) unterscheidet man zwischen zwei Varianten: Hodgkin-Lymphom und Non-Hodgkin-Lymphom. In Deutschland erkranken jährlich etwa 11.000–14.000 Personen an einem Lymphom.

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Fehler bei der Vermehrung von Zellen

Die Organe des Körpers sind aus verschiedenen Zellarten aufgebaut. Die Zellen unterscheiden sich in ihren Eigenschaften sowie in Form und Aussehen, je nachdem, woher sie stammen.

Der Körper benötigt ununterbrochen neue Zellen – die Organe befinden sich bis zum Erwachsenenalter in ständigem Wachstum, aber auch danach müssen beschädigte oder abgestorbene Zellen fortwährend ersetzt werden. Diese Erneuerung geschieht mittels Zellteilung. Das Zellwachstum wird normalerweise von verschiedenen Kontrollmechanismen im Körper gesteuert; dadurch wird unkontrollierter Zellvermehrung – wie bei Krebs – vorgebeugt.

Bei einigen Zellen kommt es mitunter zu Veränderungen in den Genen – der Erbinformation, die die Zellteilung regelt. Solche Veränderungen, sog. Mutationen, können z. B. durch radioaktive Strahlung, Gifte oder Viren ausgelöst werden. Meist lässt sich die genaue Ursache jedoch nicht ermitteln. Wenn die Mutationen eine ungewöhnlich schnelle Zellteilung bewirken, kann dies dazu führen, dass mehr Zellen gebildet werden, als das entsprechende Organ benötigt. Ein Tumor entsteht. Tumoren müssen nicht unbedingt gefährlich sein, meist werden einzelne unkontrolliert wachsende fehlerhafte Zellen von körpereigenen Mechanismen zerstört. Zuweilen aber funktionieren die Kontrollmechanismen des Körpers nicht richtig. Dann wachsen die Tumorzellen unkontrolliert und nehmen eine atypische Form und Größe an. Diese Zellen werden Krebszellen genannt.

Wachstum und Ausbreitung

Ein aus Krebszellen bestehender Tumor wächst – im Gegensatz zu einer Geschwulst aus gesunden Zellen – unkontrolliert über die natürlichen Grenzen zwischen Organen und Gewebeschichten hinaus. Durch das Tumorwachstum können daher sowohl das vom Tumor befallene Organ als auch benachbarte Organe geschädigt und zerstört werden. Darüber hinaus besitzt Krebs die Fähigkeit, sich auch auf entferntere Bereiche des Körpers auszubreiten. Dies geschieht, wenn es Krebszellen gelingt, die Gefäßwände von Blut- oder Lymphgefäßen zu durchdringen. Mit dem Flüssigkeitsstrom werden die bösartigen Zellen mitgeführt und können sich in anderen Regionen vermehren. Es entstehen Tochtergeschwulste, sog. Metastasen, die weiter an Größe zunehmen und manchmal erheblicheren Schaden anrichten als der ursprüngliche Tumor.

Was ist ein Lymphom?

In Deutschland erkranken jährlich etwa 11.000–14.000 Personen an einem Lymphom (Lymphdrüsenkrebs). Es handelt sich um eine Erkrankung des lymphatischen Systems. Dazu zählt das Knochenmark, wo die Lymphzellen gebildet werden, sowie die Lymphknoten, die Milz und die Thymusdrüse, wo sie zu den funktionstüchtigen Zellen heranreifen, die dann im Blut zirkulieren. Da sich im gesamten Körper verstreut Lymphzellen in kleineren und größeren Lymphknoten befinden, kann diese bösartige Erkrankung im Prinzip überall auftreten. Häufig beginnt sie zunächst in einem Lymphknoten.

Das bösartige Zellwachstum kann von verschiedenen Typen von Lymphzellen ausgehen, meist den B-Zellen, aber auch den T-Zellen und anderen Lymphzellen. Da diese Zellen wichtige Funktionen im Immunsystem ausüben, leiden Patienten mit einem Lymphom häufig auch an schlecht ausheilenden bzw. chronischen Infektionen.

Beim Lymphdrüsenkrebs unterscheidet man zwischen zwei Varianten: Hodgkin-Lymphom und Non-Hodgkin-Lymphom. Um welche Variante es sich jeweils handelt, wird bestimmt, indem man den Patienten einen befallenen Lymphknoten entnimmt und einer histologischen (mikroskopischen) Untersuchung unterzieht: Nur beim Hodgkin-Lymphom sind im Gewebe besonders geformte Krebszellen zu finden, die sog. Sternberg-Reed-Zellen.

Hodgkin-Lymphom

Etwa 2.000 Deutsche erkranken jährlich an dieser Variante des Lymphoms (früher auch Lymphogranulomatose genannt). Es handelt sich um eine relativ seltene Erkrankung, die bei Männern etwas häufiger vorkommt als bei Frauen. Das Hodgkin-Lymphom befällt hauptsächlich die Lymphknoten und die Milz.

Die ersten spürbaren Anzeichen sind über einen kürzeren oder längeren Zeitraum hinweg geschwollene, meist schmerzlose Lymphknoten meist am Hals, in den Achselhöhlen oder im Leistenbereich, aber auch in anderen Regionen. Falls die Erkrankung sich in dem Raum zwischen den Lungenflügeln (Mediastinum) manifestiert, können die ersten Anzeichen aus Husten oder Atembeschwerden bestehen. Weitere mögliche Symptome des Hodgkin-Lymphoms sind Fieber, Gewichtsverlust, Juckreiz am ganzen Körper und verstärktes Schwitzen, besonders nachts.

Häufig erkranken eher junge Menschen im Alter von 20–30 Jahren. Im mittleren Alter nimmt das Erkrankungsrisiko ab, steigt aber ab einem Alter von 50 Jahren wieder an.

Die Ursachen für die Entstehung eines Hodgkin-Lymphom sind nicht ganz geklärt. Es spielt aber sehr wahrscheinlich die Infektion mit bestimmten Viren, vor allem dem Epstein-Barr-Virus, eine Rolle für die Veränderungen der Lymphzellen.

Non-Hodgkin-Lymphom

Die meisten Patienten mit diagnostiziertem Lymphdrüsenkrebs in Deutschland leiden an einem Non-Hodgkin-Lymphom; jährlich kommt es zu etwa 9.000–12.000 Neuerkrankungen. Wie auch das Hodgkin-Lymphom tritt diese Erkrankung zunächst in den Lymphknoten und der Milz auf. In rund 70 % der Fälle sind aber auch noch andere Organe befallen. Knochenmark, Haut, Magen oder das Verdauungssystem können betroffen sein.

Im eigentlichen Sinne handelt es sich beim Non-Hodgkin-Lymphom also um einen Oberbegriff für verschiedene Unterarten von Lymphdrüsenkrebs. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Die Anzahl an Neuerkrankungen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Das Erkrankungsrisiko nimmt mit dem Alter zu.

Beim Non-Hodgkin-Lymphom gibt es grundsätzlich zwei Varianten: bei der einen Form vermehren sich die Krebszellen nur langsam und über lange Zeit unbemerkt (indolente Form), bei der anderen sehr rasch.

Auch hier ist die Ursache bislang nicht genau geklärt, sowohl bezüglich der Zunahme an Krankheitsfällen als auch darüber, wieso es überhaupt zu einer Erkrankung kommt. Man weiß aber, dass eine geschwächte Immunabwehr und vorangegangene Strahlenbehandlungen das Risiko für die Entstehung eines Lymphoms erhöhen. Dies trifft z. B. auf Menschen mit HIV-Infektion zu und auf Personen, die infolge einer Organtransplantation mit Immunsuppressiva behandelt werden.

Verschiedene Stadien von Lymphdrüsenkrebs

Beim Non-Hodgkin-Lymphom haben sich die Krebszellen zum Zeitpunkt der Diagnose bei der Mehrheit der Betroffenen schon außerhalb der Lymphknoten im Körper ausgebreitet. Dann geht es bei der Wahl der Therapie vor allem um die Bestimmung der biologischen Untergruppe des Lymphoms.

Staging

Beim Hodgkin-Lymphom hingegen ist die Bestimmung des Krankheitsstadiums (Staging) bei fast allen Patienten von großer Bedeutung für die Therapiewahl. Im Stadium I ist nur eine einzige Lymphknotenregion befallen, entweder oberhalb oder unterhalb des Zwerchfells. Im Stadium II sind mehrere Lymphknotenregionen auf der gleichen Seite des Zwerchfells betroffen. Im Stadium III liegt ein Befall von mehreren Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells vor, auch die ebenfalls zum lymphatischen System zählende Milz kann betroffen sein. Im Stadium IV, dem schwersten und letzten Stadium, sind auch Körperregionen außerhalb des lymphatischen Systems wie Leber, Lunge oder Knochenmark befallen.

 

Lymphom-Staging (Information zu den einzelnen Stadien)
Lymphom-Staging (Information zu den einzelnen Stadien)
  • Stadium I: Die Lymphknoten innerhalb einer begrenzten Region sind betroffen.
  • Stadium II: Mehrere Lymphknotenregionen auf einer Seite des Zwerchfells sind befallen (die Linie demonstriert die Lage des Zwerchfells).
  • Stadium III: Mehrere Lymphknotenregionen beidseitig des Zwerchfells sind betroffen, evtl. auch die Milz.
  • Stadium IV: Die Erkrankung ist auf andere Organe im Körper außerhalb des lymphatischen Systems übergetreten.

Weitere Symptome

Darüber hinaus erfolgt je nach Begleitsymptomen noch eine weitere Einteilung in ein A- oder B-Stadium. Der Zusatz A bedeutet, dass keine Begleitsymptome vorhanden sind. Liegen Begleitsymptome wie unerklärliches Fieber höher als 38 °C über einen Zeitraum von mindestens einer Woche, Gewichtsverlust von mehr als 10 % des ursprünglichen Körpergewichts innerhalb von 6 Monaten oder starker Nachtschweiß vor, befindet sich die Erkrankung im Stadium B.

Untersuchungen

Besteht der Verdacht auf Lymphdrüsenkrebs, so wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt Sie an einen Spezialisten oder eine Klinik überweisen, wo eine Biopsie (Gewebeprobe, also Entnahme eines oder mehrerer Lymphknoten) entnommen werden kann. Eine sichere Diagnose für Lymphdrüsenkrebs erlangt man ausschließlich über die Biopsie eines verdächtigen Lymphknotens oder anderen Gewebes. Die Biopsie wird unter örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) vorgenommen. Mittels einer histologischen Untersuchung der Gewebeprobe unter dem Mikroskop lässt sich feststellen, ob ein Hodgkin- oder ein Non-Hodgkin-Lymphom vorliegt. Durch Ultraschalluntersuchungen, Röntgenbilder, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie lässt sich feststellen, wie weit sich der Krebs im Körper bereits ausgebreitet hat.

Therapie

Je nach Art des Lymphoms, Stadium der Krankheit sowie Gesundheitszustand und Alter des Patienten behandeln Ärzte ein Lymphom mit ganz verschiedenen Chemotherapeutika und/oder Strahlentherapie oder auch einer Stammzelltransplantation. Bei letzterem Verfahren werden dem Patienten aus dem Knochenmark Stammzellen entnommen, aus denen sich neue Lymphzellen entwickeln können, und im Labor „gereinigt", das heißt Krebszellen werden entfernt und die gesunden Stammzellen bleiben übrig. Anschließend erhält die Patientin/der Patient zunächst eine sehr starke Chemotherapie, um alle Krebszellen zu töten und danach ihre/seine gesunden Stammzellen als Infusion. Diese vermehren sich wieder im Körper.

Für das Hodgkin-Lymphom sind in den letzten Jahren zudem sehr zielgerichtet wirkende Medikamente zur Therapie zugelassen worden, sog. monoklonale Antikörper.

Prognose

Die Überlebens- bzw. Heilungschancen bei einem Lymphom sind sehr unterschiedlich: Während z. B. eher junge Menschen mit einem schnell fortschreitenden Non-Hodgkin-Lymphom oder einem Hodgkin-Lymphom in einem eher frühen Stadium in der Mehrheit geheilt werden können, leben manche ältere Betroffene, die bereits sehr starke Beschwerden durch das Lymphom haben, oft nur wenige Monate oder Jahre nach der Diagnose. Da sich die Therapie und die Beschwerden der Krankheit oft sehr lange hinziehen, ist eine psychotherapeutische Begleitung ratsam. Diese kann bei der Krankheitsbewältigung unterstützen, krankheitsbezogene Ängste und Depressionen lindern und ggf. die Rückkehr in den beruflichen Alltag und das gewohnte Lebensumfeld erleichtern.

Weitere Informationen

Autoren

  • Thomas M. Heim, Dr. med., Wissenschaftsjournalist, Freiburg
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen