Maligne Lymphome im Kindesalter

Beim Lymphdrüsenkrebs unterscheidet man zwei Varianten: Das Hodgkin-Lymphom und das Non-Hodgkin-Lymphom. Sowohl Erwachsene als auch Kinder können an einem Lymphom erkranken. Bei Kindern ist die Prognose dank moderner Therapiemöglichkeiten gut.

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Was sind maligne Lymphome im Kindesalter?

Maligne bedeutet bösartig, es handelt sich um eine Krebserkrankung. Zu den malignen Lymphomen gehören das Hodgkin-Lymphom und das Non-Hodgkin-Lymphom. Bei beiden Varianten handelt es sich um eine Krebserkrankung des lymphatischen Systems. Hierzu zählen Lymphknoten, Blut, Knochenmark und Milz. Die beiden Hauptgruppen des malignen Lymphoms werden in weitere Varianten unterteilt.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 300–400 Kinder an einem Lymphom. Bei Kindern kommt das Non-Hodgkin-Lymphom etwas häufiger vor als das Hodgkin-Lymphom, bei Jugendlichen ist jedoch eine Zunahme an Hodgkin-Lymphom-Erkrankungen zu verzeichnen.

Ursache

Die Krebszellen werden im Lymphgewebe gebildet und vermehren sich unkontrolliert. Nach und nach wird das gesunde Gewebe von den Krebszellen verdrängt. Welche Ursache dieser unkontrollierten Zellteilung zugrunde liegt, ist bislang ungeklärt. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zur Ausbreitung der Erkrankung kommen; eine Schädigung der Blutkörperchen kann dazu führen, dass diese nicht mehr richtig funktionieren.

Gesicherte Ursachen für die Entstehung der Erkrankung sind bislang nicht bekannt. Als mögliche Krankheitsauslöser gelten u. a. bestimmte Mikroorganismen. Vor allem das Epstein-Barr-Virus (Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers) steht im Verdacht, die Krankheitsentstehung zu begünstigen, gesicherte Forschungsergebnisse dazu gibt es allerdings nicht.

Symptome

In den meisten Fällen äußert sich die Erkrankung im Frühstadium durch eine schmerzlose Lymphknotenschwellung. Oftmals handelt es sich um einen Lymphknoten im Nacken oder in einer der Achselhöhlen. Das Problem ist, dass fast alle Kinder geschwollene Lymphknoten im Nacken- oder Halsbereich haben. Daher wartet man üblicherweise einige Wochen, ehe weitere Untersuchungen angesetzt werden, um zu sehen, ob die Schwellung von allein wieder zurückgeht. Etwa 25 % der Kinder zeigen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung weitere Symptome wie Fieber, Gewichtsverlust, nächtliches Schwitzen, Juckreiz oder Müdigkeit. Liegt ein Non-Hodgkin-Lymphom vor, stehen die zu beobachtenden Symptome häufig mit der Ausbreitung der Erkrankung auf andere Organe wie Zentralnervensystem, Haut, Skelett oder Lunge in Zusammenhang.

Lymphknoten Kopf und Hals
Lymphknoten Achselhöhle

Diagnostik

Häufig erfolgt die Verdachtsdiagnose anhand der vorhandenen Symptome. Viele der betroffenen Kinder zeigen auch eine Wachstumsverzögerung. Kinder, die bereits längere Zeit unter der Erkrankung leiden, weisen oftmals Symptome auf, die aus dem Übergreifen des Lymphoms auf das Knochenmark resultieren:

  • Infolge einer Anämie (Blutarmut) wirken die Kinder sehr blass, kraftlos und müde.
  • Die herabgesetzte Immunabwehr führt zu einer erhöhten Infektionsanfälligkeit.

Bei der ärztlichen Untersuchung lässt sich oftmals eine schmerzlose Lymphknotenschwellung ertasten. Einige Kinder zeigen Symptome, die auf eine Streuung des Lymphoms hinweisen. Hierzu gehören Ausschlag, Nervenausfälle, Atembeschwerden, Nebengeräusche der Lunge und Skelettschmerzen.

Bei einer Blutuntersuchung werden Menge und Verteilung der verschiedenen Blutbestandteile ermittelt. Einen hohen Stellenwert hat auch die mikroskopische Untersuchung des Blutes in Form eines sogenannten Blutausstrichs. Sie ermöglicht die Abgrenzung eines Lymphoms gegenüber ähnlichen Krankheitsbildern wie z. B. der Leukämie oder Infektionen. Auch das Knochenmark wird mikroskopisch untersucht. Eines der wichtigsten Diagnoseverfahren ist die Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe von einem geschwollenen Lymphknoten (Biopsie), um beurteilen zu können, ob es sich um ein Lymphom handelt oder nicht. Zu den üblichen bilddiagnostischen Verfahren gehören das Thoraxröntgen sowie die Computertomographie von Bauchraum und Becken, die Aufschluss darüber geben, ob in den entsprechenden Regionen Lymphknotenschwellungen vorliegen und sich die Erkrankung dorthin ausgebreitet hat.

Therapie

Lymphome lassen sich bei Kindern mitunter schwerer als andere Krebsarten behandeln. Dies gilt insbesondere für das Non-Hodgkin-Lymphom. Die Therapie zielt auf die vollständige Genesung des Kindes ab, ist aber oftmals belastend und birgt ein hohes Risiko für Folgeschäden. Die Behandlung kann in Form einer Chemotherapie und mittels Bestrahlung erfolgen.

Bei Hodgkin-Lymphomen besteht die herkömmliche Therapie aus einer Kombination beider Behandlungsvarianten. Wird das Risiko der Erkrankung als gering oder mäßig bewertet, erfolgt die Behandlung über eine Kombination verschiedener Zytostatika mit niedriger Bestrahlung. Besteht ein hohes Risiko, so wird eine Hochdosis-Chemotherapie mit adjuvanter (unterstützender) Strahlentherapie in geringer oder Standarddosierung eingeleitet.

Bei Non-Hodgkin-Lymphomen besteht die Therapie erster Wahl aus einer Kombination verschiedener Zytostatika. Die Strahlentherapie zeigt hier im Frühstadium nur geringe Wirksamkeit. Zusätzlich erfolgt die Gabe von Zytostatika direkt in die Gehirnflüssigkeit, um einer Lymphombildung im Gehirn vorzubeugen.

Prognose

Der Krankheitszustand wird in Abhängigkeit von der Ausbreitung des Lymphoms in vier verschiedene Stadien unterteilt (Staging). Das Staging ist für die Therapiewahl und die Prognose von Bedeutung.

  • Im Stadium I ist nur eine einzige Lymphknotenregion befallen.
  • Im Stadium II sind mehrere Lymphknotenregionen auf der gleichen Seite des Zwerchfells betroffen.
  • Im Stadium III liegt ein Befall von mehreren Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells vor, auch die ebenfalls zum lymphatischen System zählende Milz kann betroffen sein.
  • Im Stadium IV, dem schwersten und letzten Stadium, sind auch Körperregionen außerhalb des lymphatischen Systems befallen.

Die Prognose hängt erheblich davon ab, wie weit die Erkrankung bei Behandlungsbeginn fortgeschritten ist. Von jenen Patienten, bei denen ein Hodgkin-Lymphom Grad I oder II diagnostiziert wurde, überleben etwa 90 % die Erkrankung, bei Grad III und IV beträgt die Überlebensrate rund 85 %. Aus der Patientengruppe mit Non-Hodgkin-Lymphom können etwa 85 % der Kinder geheilt werden.

Eine derart schwere Erkrankung kann Ängste vor einem Rückfall hervorrufen. Die schwierige Therapie und ihre Folgeschäden können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Dies sollte stets bedacht werden. Es sollte keine Mühe gescheut werden, um den Alltag des Kindes so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Therapie selbst kann diverse Komplikationen nach sich ziehen. In den bestrahlten Körperteilen kann es zu lokalen, leichteren Gewebeschädigungen kommen. Die Haut wird oft trocken und ledrig. Hormonelle Funktionsstörungen können auftreten. Die Funktionen des Zentralnervensystems – Gedächtnis, Aufmerksamkeits- und Lernvermögen – können beeinträchtigt sein. Auch die spätere Erkrankung behandelter Kinder an anderen Krebsarten ist nicht ausgeschlossen. Ob hier ein direkter Zusammenhang mit der Lymphomtherapie besteht oder es auch so zu einer Erkrankung gekommen wäre, lässt sich allerdings nur schwer beurteilen.

Leben mit malignem Lymphom bei Kindern

Oftmals kommt es durch die Erkrankung zu Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen, weshalb spezielle Bemühungen darauf abzielen sollten, den daraus resultierenden potentiellen Problemen im späteren Leben des Kindes entgegenzuwirken. Auch sollten Sie sich dessen bewusst sein, dass einige Kinder im Zusammenhang mit der Erkrankung psychische Störungen entwickeln.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Malignes Lymphom bei Kindern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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