Morbus Waldenström

Der Morbus Waldenström, auch Waldenström-Makroglobulinämie genannt, ist eine Krebserkrankung, die von einer bestimmten Zellart des lymphatischen Systems (B-Lymphozyten) ausgeht. Sie ist durch die überschießende Produktion eines Plasmaproteins gekennzeichnet.

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Was ist Morbus Waldenström?

Der Morbus Waldenström, auch Waldenström-Makroglobulinämie genannt, ist eine Krebserkrankung, die von einer bestimmten Zellart des lymphatischen Systems (B-Lymphozyten) ausgeht. Sie ist durch die überschießende Produktion eines Plasmaproteins gekennzeichnet, des sogenannten Immunglobulin M (IgM). Die Überproduktion von Immunglobulin M führt zur Hyperviskosität des Blutes – es wird zäh und dickflüssig.

Charakteristisch für die Erkrankung sind die folgenden zwei Krankheitsbilder:

  • Zähes Blut (Hyperviskositätssyndrom): Die Hyperviskosität des Blutes führt zu einer Verschlechterung der Blutzirkulation, bei kleinen Blutgefäße kann dies u. U. zum Gefäßverschluss führen. Darüber hinaus kann das abnorme Protein Abwehrreaktionen des Immunsystems provozieren, die zu Nervenschmerzen, Störungen der Blutgerinnung (Koagulation) und weiteren Phänomenen führen können.
  • Ungehemmtes Wachstum entarteter Zellen in Knochenmark, Milz, Leber, Lymphknoten, Magen-Darm-Trakt, Nieren, Haut, Augen und Gehirn: Milz und Leber sind oftmals vergrößert.

Der Morbus Waldenström ist mit rund einer Neuerkrankung pro 100.000 Einwohner pro Jahr eine eher seltene Erkrankung. Oftmals sind ältere Personen im Alter von 60 bis 70 Jahren betroffen.

Ursache

Die Ursache für die Entstehung des Morbus Waldenström ist bislang ungeklärt. Umwelteinflüsse, familiäre und erbliche Faktoren sowie bestimmte Viren begünstigen allerdings die Krankheitsentstehung.

Symptome

Es handelt sich um eine Erkrankung, die vorwiegend ältere Personen betrifft. Sie ist durch einen schleichenden Krankheitsbeginn mit diffusen Symptomen wie verstärkter Müdigkeit, Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit gekennzeichnet. Die Erkrankung kann nahezu alle Organe des Körpers befallen. Die Symptome variieren daher erheblich.

Einige Patienten klagen über Schmerzen in Fingern und Zehen, besonders bei Kälteexposition. Auch Nervenschmerzen in Händen und Füßen sind nicht ungewöhnlich. Zuweilen kommt es zu ungeklärtem Fieber. Auch mentale Veränderungen können beobachtet werden. Einige der Betroffenen zeigen Anzeichen von Verwirrung, Gedächtnisstörungen und Desorientierung. Sehstörungen sowie ein verschlechtertes Sehvermögen sind recht üblich. Eine Vergrößerung von Milz und Leber kann ein Völlegefühl hervorrufen. Die Lymphknoten können anschwellen. Auch Hautveränderungen kommen zuweilen vor. Weitere mögliche Symptome sind Magenschmerzen, Durchfall und Blutungen.

Diagnostik

Der Nachweis hoher Mengen des spezifischen Plasmaproteins (IgM) im Blut mittels Elektrophorese legt den Verdacht auf Morbus Waldenström nahe. Werden im Rahmen einer Knochenmarkbiopsie Krebszellen gefunden, gilt die Diagnose oftmals als gesichert. Häufig wird das Blut des Patienten einer Reihe labordiagnostischer Untersuchungen unterzogen. Röntgenaufnahmen geben Aufschluss über das Ausmaß des Lymphknotenbefalls. Darüber hinaus werden mittels Computertomografie (CT) Aufnahmen von Thorax, Bauchraum und Becken gemacht.

Therapie

Die Therapie zielt im Idealfall auf die vollständige Genesung des Patienten ab, allerdings ist dies oftmals nicht möglich. Darüber hinaus hat sie die Vermeidung weiterer potentieller Komplikationen zum Ziel.

Einige Patienten sind bei Diagnosestellung symptomlos. In dem Fall ist eine Therapie nicht notwendig. Symptomlose Patienten werden in regelmäßigen Abständen untersucht, und Blutproben werden entnommen, um die Viskosität des Blutes zu kontrollieren.

Geht die Erkrankung mit Symptomen einher, ist die Behandlung auf eine Senkung des IgM-Spiegels im Blut ausgerichtet. Dies geschieht normalerweise mittels Plasmapherese. Das Blut wird maschinell gereinigt und das IgM ausgefiltert. Diese Behandlung erfolgt in der Regel über einen längeren Zeitraum in ein- bis zweiwöchigen Intervallen. In Einzelfällen kann die operative Entfernung der Milz indiziert sein.

Zur Behandlung der Krebserkrankung erfolgt eine Chemotherapie.

Prognose

Der Morbus Waldenström zeigt einen langsamen Krankheitsverlauf. Mehr als die Hälfte der Patienten erfahren durch die Behandlung eine Besserung. Schlägt die Therapie gut an, so können Sie noch viele Jahre leben. Andernfalls ist die Prognose weniger günstig, die mittlere Überlebenszeit liegt dann bei ungefähr zwei Jahren.

Weiterführende Informationen

Literatur

  1. Leukämiehilfe Rhein-Main. Morbus Waldenström - Patientenratgeber. LHRM, Rüsselsheim 2014 www.leukaemiehilfe-rhein-main.de
  2. Onkopdedia. Morbus Waldenström. Berlin, Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie DGHO. Zugriff: 25.8.2015 www.onkopedia.com

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist Köln
  • Günter Ollenschläger, Professor für Innere Medizin, Uniklinikum Köln
  • Terje Johannessen, Professor für Allgemeinmedizin, Universität Trondheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Makroglobulinämie Waldenström. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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