Non-Hodgkin-Lymphom

Das Non-Hodgkin-Lymphom ist eine Krebserkrankung, die mit einer unkontrollierten Vermehrung von Zellen des Lymphgewebes einhergeht. In Deutschland erkranken jährlich etwa 11.000–14.000 Personen an einem Lymphom, bei rund 87 % der Fälle handelt es sich um ein Non-Hodgkin-Lymphom.

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Was ist ein Non-Hodgkin-Lymphom?

Das Non-Hodgkin-Lymphom ist eine Krebserkrankung, die durch eine unkontrollierte Vermehrung veränderter Zellen des Lymphgewebes gekennzeichnet ist. Das lymphatische Gewebe ist an der körpereigenen Immunabwehr beteiligt und besteht hauptsächlich aus Lymphknoten, Knochenmark, Blut und Milz. Die Krebszellen sind oftmals über den ganzen Körper verstreut.

Unter dem Oberbegriff Non-Hodgkin-Lymphom fassen Mediziner viele verschiedene Arten von Lymphkrebs zusammen, die oft einen recht unterschiedlichen Krankheitsverlauf zeigen.

In den meisten Fällen äußert sich die Erkrankung im Frühstadium durch eine schmerzlose Lymphknotenvergrößerung. Auch Begleitsymptome wie Fieber, nächtliches Schwitzen, Juckreiz, unerklärlicher Gewichtsverlust und allgemeine Abgeschlagenheit können auftreten. Ein Befall des Knochenmarks kann zu Anämie (Blutarmut), Hauteinblutungen und erhöhter Infektionsanfälligkeit führen.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 11.000–14.000 Personen an einem Lymphom, bei rund 87 % der Fälle handelt es sich um ein Non-Hodgkin-Lymphom, bei den anderen um ein Hodgkin-Lymphom. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, die meisten Betroffenen sind bei Diagnosestellung allerdings älter als 40 Jahre.

Ursache

Es kommt zu einem unkontrollierten Wachstum bösartig veränderter Zellen des Immunsystems (sog. B-Zellen, T-Zellen oder auch Non-Killer-Zellen), die das gesunde Gewebe nach und nach verdrängen. Welche Ursache dieser unkontrollierten Zellteilung zugrunde liegt, ist bislang ungeklärt. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zur Ausbreitung der Erkrankung kommen; eine Schädigung der Blutkörperchen kann dazu führen, dass diese ihre gesunden Funktionen verlieren. Folge davon sind Blutarmut oder auch die erhöhte Anfälligkeit für Infektionen. Zum Zeitpunkt der Diagnose haben Non-Hodgkin-Lymphome oftmals bereits auf Gewebe außerhalb des lymphatischen Systems übergegriffen. Dies ist bei rund 70 % der Patienten der Fall.

Die genaue Ursache für die Entstehung eines Non-Hodgkin-Lymphoms ist nicht bekannt. Gewisse Risikofaktoren begünstigen jedoch die Krankheitsentstehung, so z. B. die Infektion mit verschiedenen Viren – u. a. den Retroviren HTLV-1 und HIV (AIDS), dem Epstein-Barr-Virus (Erreger des Pfeiffer-Drüsenfiebers), dem Herpesvirus 8 oder auch dem Hepatitis-C-Virus – und Bakterien – z. B. Helicobacter pylori (Erreger von Magenschleimhautentzündungen) –, aber auch Zöliakie (Glutenintoleranz) und die Behandlung mit Arzneimitteln zur Unterdrückung der Immunabwehr (Immunsuppressiva), etwa nach einer Organtransplantation. Auch bei sog. Autoimmunkrankheiten, u. a. rheumatoider ArthritisMorbus Sjögren oder Dermatitis herpetiformis, tritt häufiger auch ein Non-Hodgkin-Lymphom auf. 

Diagnostik

Die Krankengeschichte (Anamnese) kann den Verdacht auf ein Non-Hodgkin-Lymphom erwecken, genügt aber nicht zur sicheren Diagnosestellung. Allgemeine Beschwerden sind z. B. Erschöpfung, häufige Infektionen, Gewichtsverlust, nächtliches Schwitzen/Fieber. Bei der ärztlichen Untersuchung lassen sich oftmals geschwollene Lymphknoten, Gewichtsverlust und Anzeichen einer Anämie – wie Blässe, Entzündungen in den Mundwinkeln und brüchige Nägel – feststellen, zudem können Leber und Milz vergrößert sein.

Drückt der Tumor auf umliegendes Gewebe, kann dies spezifische Symptome hervorrufen. Gesichtsödeme verweisen auf einen Tumor, der den Lymphabfluss aus dem Bereich des Schädels behindert. Magen- und Rückenschmerzen können durch Lymphknotenschwellungen im Bauchraum, die evtl. Druck auf das Rückgrat ausüben, verursacht werden. Durch Lymphdrüsentumoren im Bauchraum sind auch Verddaungsstörungen bis zum Darmverschluss möglich. Eine Blockierung des Lymphflusses kann zur Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum führen. Befinden sich vergrößerte Lymphknoten im Bereich von Luftröhre oder Lungen, können Husten oder ein auffälliges Atemgeräusch die Folge sein. Hat der Krebs auch Absiedlungen innerhalb des Schädels entwickelt, sind Kopfschmerzen oder neurologische Auffälligkeiten mögliche Folgen.

Zu den üblichen Untersuchungen gehören die Bestimmung der Werte von Hämoglobin (Hb), Blutplättchen (Thrombozyten), weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie die Überprüfung der Leber- und Nierenfunktion, um zu ermitteln, inwiefern sich die Erkrankung auf andere Organe oder die Funktion des Blutes ausgewirkt hat. Eine Untersuchung des Blutes unter dem Mikroskop ist wichtig, um andere Erkrankungen ausschließen zu können, und gehört bei Verdacht auf ein Non-Hodgkin-Lymphom ebenfalls zu den Standarduntersuchungen. Zur Sicherung der Diagnose werden eine Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) des Tumors und eine Knochenmarkbiopsie (Entnahme einer Knochenmarkprobe) vorgenommen. Anschließend wird eine histologische Untersuchung beider Proben durchgeführt.

Darüber hinaus muss der Schweregrad der Erkrankung ermittelt werden, dies geschieht mittels Röntgen, Ultraschall oder auch computertomografischer Untersuchungen von Thorax, Bauchraum und Becken. In manchen Fällen sind weitere Untersuchungen nötig, um das Ausmaß des Lymphoms genau beschreiben zu können (Echokardiografie: Untersuchung des Herzmuskels). Bei neurologischen Symptomen sind Untersuchungen des Gehirns bzw. Liquors angezeigt.

Möglicherweise werden im Rahmen einer Operation des Bauchraums zum einen das Ausmaß des Lymphoms genauer bestimmt, zum anderen befallene einzelne Lymphknoten entfernt.

Therapie

Etwa gut die Hälfte der Betroffenen kann geheilt werden. Weist die Auswertung der Untersuchungsergebnisse auf gute Heilungschancen hin, wird eine Intensivtherapie gestartet. Es kommen je nach genauem Lymphomtyp, Alter und Allgemeinzustand des Patienten verschiedene Chemotherapeutika, andere Wirkstoffen (gezielt wirkende sog. monoklonale Antikörper) sowie Bestrahlung zum Einsatz. In manchen Fällen ist eine Knochenmarktransplantation sinnvoll bzw. erforderlich. Sind nur wenige Lymphknoten mit einem bestimmten Lymphomtyp befallen, kann es auch sinnvoll sein, diese chirurgisch zu entfernen. Meist ist dies aber keine Option, weil es bereits zu viele Tumorherde gibt.

Bei Patienten, bei denen eine Heilung unrealistisch erscheint, ist die Behandlung auf eine Linderung der Beschwerden und die weitestgehende Erhaltung der Lebensqualität für die verbleibende Lebenszeit ausgerichtet.

Da Erkrankung und Therapie gleichermaßen mit einer Herabsetzung der körpereigenen Immunabwehr einhergehen, gilt es für den Patienten, jegliche Infektionsrisiken nach Möglichkeit zu vermeiden. Da die Therapie die Fertilität einschränken kann, besteht die Möglichkeit Spermien vor Therapiebeginn für eine evtl. spätere Zeugung einzufrieren. Hier kann Sie Ihr Arzt beraten.

Prognose

Je nachdem, ob es sich um eine aggressive, hochmaligne Lymphomart oder eine niedrig maligne Variante handelt, kann der Krankheitsverlauf erheblich variieren. Bei etwa 70 % der Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom hat die Erkrankung bei Diagnosestellung bereits auf Gewebe außerhalb des lymphatischen Systems übergegriffen. Die Prognose hängt erheblich davon ab, wie weit die Erkrankung bei Behandlungsbeginn fortgeschritten ist und welche Variante des Non-Hodgkin-Lymphoms vorliegt. Handelt es sich um eine niedrig maligne Art, zeigt etwa die Hälfte der Patienten eine Überlebenschance von über 10 Jahren. Nur etwa 40–50 % der hochmalignen Lymphome können geheilt werden.

Zu den Komplikationen zählen zum einen Probleme, die durch das Tumorwachstum bedingt sind (Druck auf andere Organe, z. B. Speiseröhre, Harnleiter). Als Komplikation ist aber auch die Entstehung anderer Krebserkrankungen des Blutes oder in anderen Organen zu nennen. Auch Strahlen- und Chemotherapie bergen das Risiko gewisser Folgeschäden in sich. Dazu zählen Sterilität, Schädigungen an Darm, Herz, Lunge und Haut infolge einer Bestrahlung sowie Infektionen.

Leben mit Non-Hodgkin-Lymphom

Non-Hodgkin-Lymphome gehören zu den schweren Erkrankungen, weshalb Patienten mitunter unter psychischen Problemen leiden. In diesem Fall sollte unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Ein mögliches Knochenmarkversagen führt zu ausgeprägter Müdigkeit und Abgeschlagenheit, diese Symptome können sich durch eine Infektion zusätzlich verstärken. Aus dem Grund ist oftmals nur eine eingeschränkte Aktivität möglich. Sofern sich der Patient nicht einem direkten Infektionsrisiko aussetzt, sind jegliche Aktivitäten im Rahmen der eigenen Kräfte jedoch durchaus empfehlenswert.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Non-Hodgkin-Lymphom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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