Lymphgefäßentzündung (Lymphangitis)

Eine Lymphgefäßentzündung (Lymphangitis) ist eine Entzündung der Lymphkanäle aufgrund einer Infektion, die sich von einer entzündeten Wunde zu den lokalen Lymphknoten ausbreitet. Eine Lymphgefäßentzündung wird im Volksmund oft auch fälschlicherweise als Blutvergiftung bezeichnet.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Fakten

  • Eine Lymphgefäßentzündung (Lymphangitis) ist eine Entzündung der Lymphgefäße aufgrund einer Infektion, die sich von einer entzündeten Wunde zu den Lymphknoten in der Nähe ausbreitet.
  • Symptome und Beschwerdebilder können variieren, aber typisch sind die roten Streifen auf der Haut, Schmerzen und die schnelle Ausbreitung zu den lokalen, geschwollenen Lymphknoten.
  • Mögliche Krankheitserreger sind Bakterien, Mykobakterien, Viren, Pilze oder Parasiten.
  • Ziel der Therapie ist es, die Krankheitserreger abzutöten, welche die Entzündung hervorrufen. Dies gelingt in den meisten Fällen.
  • Die Entzündung kann sich innerhalb weniger Stunden ausbreiten. Eine fehlende oder verspätete Therapie der Lymphgefäßentzündung kann dazu führen, dass sich die Bakterien auch im Blut vermehren; es kann zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Was ist eine Lymphgefäßentzündung?

Eine Lymphgefäßentzündung (Lymphangitis) ist eine Entzündung der Lymphgefäße aufgrund einer Infektion, die sich von einer entzündeten Wunde zu den Lymphknoten in der Nähe der Wunde ausbreitet. Auslöser sind häufig infizierte kleinere Hautverletzungen oder Insektenstiche. Die dort vorhandenen Mikroorganismen können Entzündungen verursachen, die sich schnell auf die Lymphbahnen ausbreiten. Mögliche Krankheitserreger sind Bakterien, Mykobakterien, Viren, Pilze oder Parasiten. In manchen Fällen ist die Ursache aber nicht infektiös, sondern beruht beispielsweise auf einer allergischen Reaktion.

Eine Lymphgefäßentzündung wird im Volksmund oft auch als Blutvergiftung bezeichnet. Dies ist allerdings falsch. Es sind die Lymphbahnen, die entzündet sind (der „rote, warme und druckschmerzhafte Streifen"). Wird die Entzündung allerdings nicht behandelt, können sich z. B. die Bakterien mit der Zeit in den Blutkreislauf ausbreiten und dann kann es zu einer den ganzen Körper beeinträchtigenden Infektion kommen, oft verbunden mit hohem Fieber, Schüttelfrost (sogenannte Sepsis, also eine echte Blutvergiftung).

Lymphknoten

Lymphsystem
Das Lymphsystem

Das Lymphysystem ist ein Netz aus Gefäßen, Drüsen (Lymphknoten) und Organen, das sich durch den gesamten Körper zieht. Die Hauptfunktion des Lymphsystems besteht darin, Flüssigkeit und Proteine aus dem Gewebe und Zwischenräumen zwischen den Blutbahnen aufzunehmen und abzutransportieren. Die Lymphknoten haben die einzigartige Fähigkeit, Flüssigkeit und Proteine „aufzusaugen“, die von den Blutgefäßen nicht aufgenommen werden können. Die Lymphgefäße liegen tief unter der Haut und verlaufen parallel zu den Venen. Sie verfügen über Klappen, die dafür sorgen, dass sich die Flüssigkeit in der richtigen Richtung durch den Körper bewegt. Die Lymphflüssigkeit wird über nach innen gerichtete Lymphgefäße zu den lokalen Lymphknoten geleitet, wo die Filterung erfolgt. Von dort wird die Lymphflüssigkeit über Lymphgefäße, die schließlich im Blutkreislauf enden, weitergeleitet.

Ursache

Eine Lymphgefäßentzündung tritt meist auf, nachdem Mikroorganismen in die Haut und von dort in die Lymphgefäße eingedrungen sind und sich bis zu den lokalen Lymphknoten ausgebreitet haben. Die Organismen können über eine Hautverletzung direkt oder als Folge einer Komplikation einer Infektion in beispielsweise Hand oder Fuß in die Lymphgefäße eindringen. Durch z. B. eine Operation oder einen Unfall verletzte Lymphgefäße sind empfindlicher gegenüber infektiösen Erregern als gesunde Lymphgefäße.

Bei Personen mit einem gesunden Immunsystem sind die häufigsten mikrobiologischen Ursachen Beta-hämolysierende A-Streptokokken und in manchen Fällen eventuell auch Bakterien vom Typ Staphylococcus aureus. Bei Personen mit einer geschwächten Immunabwehr können auch andere (gramnegative) Erreger zu einer Lymphgefäßentzündung führen. Im Übrigen können viele verschiedene Viren und Bakterien eine akute Lymphgefäßentzündung hervorrufen. In tropischen Länder kommen besondere Erreger vor und verursachen die sogenannte Filarienlymphangitis

Sind die Lymphgefäße durch wiederholte Entzündungen, Verletzungen oder auch z. B. Operation bei Tumoren geschädigt, können sie ihre Funktion nicht mehr so gut ausüben: daher kann sich Lymphflüssigkeit im betroffenen Gebiet im Gewebe anstauen, es kommt zum Lymphödem und fester, unelastischer Haut. Dies vereinfacht das Eindringen von Mikroorganismen und damit erneute Lymphgefäßentzündungen.

Eine Lymphgefäßentzündung kann auch ohne infektiöse Erreger entstehen: Breiten sich Krebszellen im Lymphsystem aus, spricht man von Lymphangitis carcinomatosa. Ein anderer Auslöser ist ein sogenanntes Extravasat; so bezeichnen Ärzte die (seltene) Komplikation einer Infusion, die eigentlich in die Vene fließen soll, versehentlich aber direkt ins Gewebe strömt. Manche Medikamente führen dann zu einer entzündlichen Reaktion des Lymphsystems.

Symptome und Beschwerdebilder

Eine Lymphgefäßentzündung kann sich durch unterschiedliche Symptome zeigen. In der Regel liegt eine äußere Hautverletzung (möglicherweise sehr klein und unauffällig) oder eine Infektion vor, z. B. eine Pilzinfektion zwischen den Zehen oder eine Hautentzündung im unteren Teil des Unterschenkels. Die Symptome können variieren, aber typisch sind die roten Striemen/Streifen auf der Haut, Schmerzen und die schnelle Ausbreitung zu den lokalen, geschwollenen Lymphknoten. In Ausnahmefällen treten knötchenartige Schwellungen entlang der Lymphbahnen (noduläre Lymphangitis) auf. Körperliche Symptome können in Form von Fieber, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen auftreten.

Diagnostik

Die Diagnose wird in den meisten Fällen aufgrund einer typischen Krankengeschichte und einem Befund gestellt, bei dem sich rote Striemen auf der Haut von einer Wunde oder Entzündung zu den lokalen Lymphknoten ziehen.

Bei unkomplizierter Lymphgefäßentzündung sind keine anderen Tests oder Untersuchungen notwendig, der Arzt kann allerdings auch eine Bakterienprobe von der Wunde nehmen. Auf diese Weise erfährt man innerhalb weniger Tage, welche Bakterienart die Entzündung verursacht hat. Sollte die antibiotische Therapie nicht anschlagen, kann sie aufgrund dieser Informationen im Verlauf angepasst werden. Möglicherweise wird auch das Blut auf Entzündungsmarker untersucht.

Tritt eine Lymphangitis bei Personen mit schwerwiegenden Erkrankungen und / oder im geschwächten Zustand auf, werden umfassendere Untersuchungen notwendig (z. B. bei alten Menschen, Tumorerkrankungen, Diabetes mellitus, Immunschwäche u. Ä.). Leidet eine Person häufiger oder dauerhaft an einer Lymphgefäßentzündung, so wird der Arzt mit verschiedenen Untersuchungen nach einer evtl. zugrunde liegenden chronischen Krankheit fahnden.

Therapie

Ziel der Therapie ist Eliminierung der Krankheitserreger, welche die Entzündung hervorrufen. Dies geschieht bei Bakterien in der Regel mithilfe von Antibiotika. Die häufigsten Erreger sind Streptokokken und eventuell Staphylokokken, die gut auf eine Penicillinbehandlung ansprechen. Ansonsten hängt die Art des geeigneten Medikaments von dem jeweiligen anderen Erreger ab: Bei Fällen der Lymphgefäßentzündung, die in den Tropen entstanden sind, sind wegen der speziellen Auslöser nur bestimmte Medikamente wirksam.

Der betroffene Bereich sollte hochgelegt und ruhiggestellt werden, damit Schwellung und Schmerzen zurückgehen können, und sich die Infektion nicht weiter ausbreiten kann. Oft sind auch Schmerzmittel hilfreich.

In seltenen Fällen sind operative Maßnahmen zur Therapie einer Lymphgefäßentzündung notwendig.

Prognose und Verlauf

Eine Lymphgefäßentzündung kann sich schnell innerhalb weniger Stunden ausbreiten. Eine fehlende oder verspätete Therapie der Lymphgefäßentzündung kann zu einer Ausbreitung der Bakterien im Blut führen, und es kann zu einer Blutvergiftung kommen.

Die Prognose bei einer Lymphgefäßentzündung ohne Komplikationen ist gut – eine Antibiotikatherapie schlägt in der Regel bei unkomplizierter Erkrankung an. Eine unbehandelte Lymphgefäßentzündung kann jedoch zur Zerstörung der betroffenen Gewebe oder in manchen Fällen über eine nicht zu behandelnde Sepsis sogar zum Tod führen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Lymphangitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Kostman JR, DiNubile MJ. Nodular lymphangitis: a distinctive but often unrecognized syndrome. Ann Intern Med 1993; 118: 883. PubMed
  2. Altmeyers Enzyklopädie Dermatologie www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  3. Garfein ES, Borud LJ, Warren AG, Slavin SA. Learning from a lymphedema clinic: an algorithm for the management of localized swelling. Plast Reconstr Surg 2008; 121: 521. PubMed