Thymom

Der Thymus ist ein lymphatisches Organ, das sich im vorderen Teil der Brusthöhle direkt hinter dem Brustbein und vor den großen Blutgefäßen und dem Herz befindet. Ein Thymom ist ein Tumor, der vom Thymusgewebe ausgeht.

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Was ist ein Thymom?

Der Thymus (deutsch: Bries) ist ein lymphatisches Organ, das sich im vorderen Teil der Brusthöhle direkt hinter dem Brustbein und vor den großen Blutgefäßen und dem Herz befindet. Im frühen Lebensstadium ist der Thymus teilweise für die Bildung und Entwicklung des Immunsystems verantwortlich. Der Thymus spielt u. a. eine große Rolle bei der Bildung der sogenannten T-Zellen, die als Zellgruppe eine wichtige Funktion in der Immunabwehr haben. Der Thymus erreicht sein maximales Gewicht in der Pubertät und bildet sich danach zurück.

Brusthöhle

Ein Thymom ist die häufigste Tumorart, die im vorderen Teil der Brusthöhle auftreten kann. Der Tumor hat seinen Ursprung in Restzellen des Thymus. Bei einem Thymom handelt es sich meist um einen eingekapselten Tumor, der lokal wächst. Es kann gutartig oder bösartig sein. In drei Viertel der Fälle sind Thymome gutartig.

Ein Thymom ist ein seltener Tumor. Bösartige Thymome machen etwa 0,2 bis 1,5 Prozent aller Krebserkrankungen aus. Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 0.2 bis 0.4 Einwohner von 100.000. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Thymome können in jedem Lebensalter auftreten. Am häufigsten treten sie zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf. Ein Thymom kann auch bei Kindern auftreten, ist aber selten.

Thymome machen 20 bis 25 % der Tumoren im Mittelteil der Brusthöhle (dem Mediastinum) und 50 % im vorderen Mediastinum aus.

Ursache

Ein Thymom tritt in drei von vier Fällen im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auf, z. B. Myasthenia gravis, fehlende oder verringerte Bildung roter Blutkörperchen (Aplasie), Pemphigus, Dermatomyositis, systemischer Lupus erythematodes, Störung mit einer unzureichenden Sekretion des antidiuretischen Hormons (regelt den Wasserhaushalt im Körper) und Immunglobulinmangel. Diese Gruppe der Erkrankungen wird paraneoplastisches Syndrom genannt. Rund die Hälfte der Patienten mit einem Thymom hat Myasthenie und circa 15 % der Patienten mit Myasthenie hat ein Thymom.

Es gibt keine deutliche Abgrenzung zwischen einem gutartigen und einem bösartigen Thymom. Ein Tumor, der in das umgebende Gewebe und die Organe einwächst, wird aber als bösartig bezeichnet. Als Folge des Wachstums kann der Tumor auf Lunge, Herz und Speiseröhre drücken und dadurch Symptome in diesen Organen verursachen.

Diagnostik

Ein Drittel aller Patienten mit einem Thymom ist symptomfrei. In diesen Fällen wird die Diagnose oft zufällig gestellt, wenn beispielsweise auf einem Röntgenbild der Brusthöhle eine Verengung zu sehen ist. Ein Drittel leidet unter Symptomen, die aufgrund des Drucks vom Tumor auf die umgebenden Organe entstehen, z. B. Schweratmigkeit, Husten, Schluckbeschwerden, Heiserkeit oder Brustschmerzen. Ein Drittel zeigt Symptome, die auf eine andere Erkrankung hinweisen, z. B. Myasthenia gravis.

Eine Blutprobe zeigt in einigen Fällen einen niedrigen Blutwert, eine niedrige Anzahl weißer Blutkörperchen bzw. eine niedrige Anzahl Blutplättchen.

Die Diagnose stützt sich auf Röntgenbilder und Computertomographie. Die Ergebnisse der verschiedenen Tests sind meist so typisch, dass die Diagnose eindeutig ist. Mit der Computertomographie kann die Schwere der Erkrankung festgestellt werden. In manchen Fällen muss dennoch eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem Tumor entnommen werden, um die Diagnose mikroskopisch zu bestätigen.

Therapie

Durch eine rechtzeitige Behandlung eines gutartigen und eingekapselten Tumors ist es möglich, den gesamten Tumor chirurgisch zu entfernen. Rückfälle treten nur selten auf.

Bösartige Tumoren werden mit einer Kombination aus chirurgischem Eingriff, Chemotherapeutika und Bestrahlung behandelt. Dabei muss der Chirurg darauf achten, möglichst große Teile des Tumors zu entfernen, ohne andere Organe zu verletzen. Während der Operation kann der Chirurg den Schweregrad des Tumors feststellen, der für eventuelle Zusatztherapien ausschlaggebend ist.

Prognose

Ein Thymom ist ein langsam wachsender Tumor. Nach einer Operation kann es mindestens zehn Jahre dauern, bis er eventuell zurückkehrt. Es können Komplikationen auftreten, wenn der Tumor in umgebende Organe einwächst oder im Körper streut. Eine Bestrahlung kann in manchen Fällen Herz und Lunge schädigen.

Die Prognose ist für Patienten schlechter, die Symptome aufgrund des Tumors zeigen, da ein höheres Risiko besteht, an einem bösartigen Thymom zu leiden.

Da ein Rückfall auch noch nach 10 bis 20 Jahren auftreten kann, müssen Patienten mit einem Thymom lebenslang zu Nachsorgeuntersuchungen gehen.

Weiterführende Informationen

  • Thymom – für ärztliches Personal

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln
  • Günter Ollenschläger, Professor für Innere Medizin, Uniklinikum Köln
  • Terje Johannessen, Professor für Allgemeinmedizin, Trondheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Thymom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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