Infektanfälligkeit

Unter Infektanfälligkeit versteht man das gehäufte Auftreten von Infektionskrankheiten, meist in Zusammenhang mit einem vorübergehend oder dauerhaft geschwächten Immunsystem.

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Fakten

Unter Infektanfälligkeit versteht man das gehäufte Auftreten von Infektionskrankheiten, meist in Zusammenhang mit einem vorübergehend oder dauerhaft geschwächten Immunsystem.

Ein dauerhaft geschwächtes Immunsystem (Immundefekt) deutet auf eine ernst zu nehmende Grunderkrankung hin.

Die bekanntesten Ursachen für einen Immundefekt sind HIV/AIDS, Krebserkrankungen oder eine Chemotherapie.

Bei häufig auftretenden Infektionen sollte stets der Arzt aufgesucht werden.

 

Was versteht man unter Infektanfälligkeit?

  • Besonders anfällig für Infekte können Menschen sein, die vorübergehend unter Stress stehen, wegen chronischer Krankheiten oder auch Mangelernährung einen schlechten Allgemeinzustand aufweisen und/oder an einer Abwehrschäche (Immundefekt, Immundefizienz) leiden.

Häufigkeit

  • Kleinkinder erkranken häufig an Infektionserkrankungen, auch ohne dass ein geschwächtes Immunsystem zugrunde liegt. Bisweilen fällt die Unterscheidung zwischen einem normalen und einem auffällig gehäuften Auftreten der Infektionen schwer. Meist sind es Erkältungen von Nase, Rachen oder Ohren.
  • Gleiches gilt für Infektionen der Harnwege (Harnblase, Harnröhre) bei Frauen – Infektionen, die bei ansonsten völlig gesunden Personen mitunter häufig in Erscheinung treten.
  • Wiederholt auftretende Infektionen im Körper sind oft auf eine lokale Ursache zurückzuführen. Eine enge Nasenpassage kann beispielsweise eine Veranlagung für Nebenhöhlenentzündungen darstellen.

Geschwächtes Immunsystem

  • Das Immunsystem ist in den körpereigenen Blutzellen (Blut und Knochenmark) und in den Lymphozyten (Blut, Lymphe, Lymphknoten, Milz) angesiedelt.
  • Diese Zellen können mithilfe verschiedener Mechanismen Bakterien, Viren oder andere Erreger erkennen, die in den Körper eingedrungen sind, und diese bekämpfen. 
  • Immunzellen bilden Antikörper gegen viele Krankheitserreger, die z.T. auch nach der akuten Infektion im Körper verbleiben. Damit verfügt der Körper über eine wirksame Abwehr, falls die gleichen Mikroorganismen zu einem späteren Zeitpunkt erneut in den Körper eindringen.
  • Ein geschwächtes Immunsystem weist meist darauf hin, dass eine schwerwiegende Grunderkrankung im Körper besteht, die für die verschlechterte Immunabwehr verantwortlich ist. In einem solchen Fall sprechen Ärzte von einer sekundären Immunschwäche. Die häufigsten Ursachen für einen solchen Immundefekt sind Krebs oder auch andere chronische Erkrankungen, HIV/AIDS oder auch eine Chemotherapie.
  • Seltener als ein sekundärer Immundefekt ist eine primäre Schwäche des Immunsystems, z.B. durch angeborene Funktionsstörungen der Abwehrzellen selbst.

Was verursacht Infektanfälligkeit?

Häufige Ursachen

  • Kleinkinder:
    • Im Alter von circa sechs Monaten nimmt die Menge an mütterlichen Antikörpern, die das Kind mit der Muttermilch aufgenommen hat, im Blut des Kindes ab. Von nun an muss das Kind alleine zurechtkommen; sein Körper muss jetzt eigene Antikörper bilden. Häufige Infektionen sind oft die Folge. Auch ein grundsätzlich gesundes Kind kann während des ersten Lebensjahres häufig an Infektionen erkranken.
  • Wiederkehrende Infektionen in einem bestimmten Organ:
    • Sehr häufige Entzündungen der Ohren oder Nasennebenhöhlen sind beispielsweise fast immer auf Besonderheiten im betroffenen Organ zurückzuführen und gewöhnlich harmlos. Mit zunehmendem Alter des Kindes verschwindet das Problem in der Regel.
  • Schwere Verletzungen, Unfälle, Operationen, dauerhaft liegende Katheter (z.B. Blasenkatheter), Mangelernährung und einige chronische Krankheiten (z.B. Zuckerkrankheit) können die Ursache für eine Infektanfälligkeit sein.

Seltene Ursachen

Was können Sie selbst tun?

  • Wiederholt auftretende Atemwegsinfektionen sind bei Kleinkindern meist normal. Kindergartenkinder erkranken über eine gewisse Zeitdauer häufig, da sie sich leicht bei anderen Kindern anstecken können. Dies ist ganz normal und begünstigt darüber hinaus den Aufbau des kindlichen Immunsystems; dieser Prozess sorgt dafür, dass die Erkrankungshäufigkeit im späteren Leben zurückgeht. Über allgemeine Maßnahmen hinaus ist keine besondere Behandlung erforderlich – die Kinder sollten vernünftig gekleidet werden, sodass sie im Freien vor Kälte geschützt sind und in Innenräumen nicht schwitzen. Gesunde Ernährung und körperliche Aktivität tragen ebenfalls zur Stärkung des Immunsystems bei.
  • Erwachsene, die plötzlich gehäuft an Infektionen leiden, sollten zunächst dafür sorgen, dass sie ausreichend schlafen, nicht zu viel Sport machen, sich ausgewogen ernähren und genügend Erholungsphasen haben. Treten die Erkrankungen weiterhin auf oder sind schwer und langanhaltend, ist ein Besuch beim Arzt erforderlich. 

Wann sollten Sie einen Arzt konsultieren?

  • Bei häufig wiederkehrenden Infektionskrankheiten sollte der Arzt konsultiert werden, um abklären zu lassen, dass keine Grunderkrankung vorliegt.
  • Bei manchen Kindern weisen häufige Atemwegsinfektionen (mit Husten) darauf hin, dass eine Allergie bzw. Asthma vorliegt. Dies sollte möglichst früh erkannt und geeignet behandelt werden. 
  • Fällt Ihnen auf, dass Ihr Kind neben den häufigen Infektionen nicht wie seine Altersgenossen wächst und/oder eher dünn ist oder die Infektionskrankheiten trotz Antibiotika nicht gut ausheilen, sollten sie einen Termin beim Kinderarzt vereinbaren.
  • Grundsätzlich ist eine ärztliche Untersuchung bei jeder schweren Infektion (hohes Fieber über mehrere Tage, starke Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit etc) zu empfehlen, und zwar auch unabhängig davon, wie häufig diese auftritt.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Wie oft treten die Infektionen auf?
  • Was für Infektionen haben Sie/hat das Kind im vergangenen Jahr gehabt?
  • Haben Sie/hat das Kind noch andere Erkrankungen?
  • Haben Sie/hat das Kind das Impfprogramm durchlaufen und alle Impfungen erhalten?
  • Wurden Sie/wurde das Kind in der Vergangenheit operiert?
  • Nehmen Sie/nimmt das Kind regelmäßig Arzneimittel ein?
  • Rauchen Sie oder ist Ihr Kind zu Hause Tabakrauch ausgesetzt?
  • Besteht die Möglichkeit, dass Sie HIV-infiziert sind?

Ärztliche Untersuchung

  • Wenn offensichtlich keine ungewöhnliche Infektanfälligkeit vorliegt und die körperliche Untersuchung keine Auffälligkeiten ergibt, besteht eigentlich kein Grund für eine umfassendere Untersuchung.
  • Besteht Unsicherheit über einen möglicherweise auffälligen gesundheitlichen Zustand, wird der Arzt eine sorgfältige körperliche Untersuchung vornehmen und in diesem Zusammenhang eingehend das Lymphsystem beurteilen.
  • Bei wiederholt auftretenden Infektionen eines bestimmten Organsystems, zum Beispiel Ohren oder Nebenhöhlen, wird eine gründliche Untersuchung des betreffenden Organs durchgeführt.

Weitere Untersuchungen

  • Meist werden Blutproben entnommen und bestimmte Werte wie Hämoglobin (Hb), Blutsenkung (BSG), C-reaktives Protein (CRP) sowie bestimmte Parameter des Immunsystems kontrolliert.
  • Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Erkrankung ist eine umfassendere Blutuntersuchung indiziert.
  • Unter Umständen muss das entsprechende Organ geröntgt oder durch eine andere bildgebende Methode genauer untersucht werden.
  • Möglicherweise wird ein HIV-Test gemacht.
  • Je nach Lokalisation der Infektion werden Urin, Hirnwasser, Sputum (Schleim aus der Lunge) oder andere Flüssigkeiten auf Krankheitserreger hin getestet.

Überweisung an einen Spezialisten

  • Besteht weiterhin erhebliche Unklarheit bezüglich einer möglichen Grunderkrankung oder wenn der Befund den Verdacht einer ernst zu nehmenden Erkrankungen nahe legt, werden Sie an einen Spezialisten (z. B. an einen HNO-Facharzt, Rheumatologen oder Hämatologen, d.h. einen Arzt mit einer anderen Fachrichtung als ein Allgemeinmediziner) überwiesen oder ins Krankenhaus eingewiesen.
  • Bei lokalisierten, wiederholt auftretenden Infektionen eines bestimmten Organsystems (z. B. der Ohren), ist eine Untersuchung durch einen Spezialisten erforderlich.
  • Besteht der Verdacht auf eine angeborene (primäre) Immundefizienz, wird ein Facharzt Blut und Knochenmark mit speziellen Verfahren untersuchen, um die Ursache der Fehlfunktion zu finden. Falls sich eine Diagnose stellen lässt, ist es sinnvoll auch die Eltern/Geschwister zu untersuchen.

 

Behandlung und Vorbeugung

  • Je nach Art und Schweregrad der akut vorliegenden Infektion ist eine Therapie zuhause oder die Einweisung in eine Klinik erforderlich.
  • Stellt sich im Rahmen der speziellen Untersuchungen eine chronische Grundkrankheit und/oder Immundefizienz heraus, wird diese durch einen Facharzt therapiert.
  • Älteren Personen, Menschem mit chronischen Krankheiten oder angeborenen Immundefekten werden zusätzlich zu den allgemein empfohlenen Impfungen noch weitere Impfungen angeboten (Grippe, Pneumokokken, Meningokokken etc). Ihre Ärztin kann Sie hier individuell beraten. 

 

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Infektanfälligkeit. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Stiehm ER. Approach to the child with recurrent infections, UpToDate, last updated Dec 19, 2017. UpToDate
  2. de Vries E; Clinical Working Party of the European Society for Immunodeficiencies (ESID). Patient-centred screening for primary immunodeficiency: a multi-stage diagnostic protocol designed for non-immunologists. Clin Exp Immunol 2006; 145: 201-3. PubMed
  3. Subbarayan A, Colarusso G, Hughes SM, et. al. Clinical features that identify children with primary immunodeficiency diseases. Pediatrics 2011; 127: 810-6. Pediatrics
  4. Pasternack MS. Approach to the adult with recurrent infections, UpToDate, last updated May 21, 2014. UpToDate