Maligne Hyperthermie

Die maligne Hyperthermie ist eine sehr seltene, akut lebensbedrohliche Komplikation einer Narkose, die während der eigentlichen Narkose und in den ersten 24 Stunden danach auftreten kann.

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Was ist maligne Hyperthermie?

Bei einer malignen Hyperthermie handelt es sich um eine akut lebensbedrohliche Komplikation einer Narkose, die während der eigentlichen Narkose und in den ersten 24 Stunden danach auftreten kann. Maligne bedeutet bösartig und Hyperthermie bedeutet die Überwärmung des Körpers im Sinne von Fieber. Es handelt sich bei der malignen Hyperthermie um einen Zustand mit gefährlich hohem Fieber. Das Fieber und seine Begleiterscheinungen beruhen auf einer akuten Stoffwechselentgleisung in der Skelettmuskulatur. Es handelt sich um eine sehr seltene Erkrankung. Je nachdem, welches Anästhetikum verwendet wurde, kann der Verdacht auf diese Komplikation bei etwa 1 von 4000 Narkosen entstehen, tatsächlich tritt eine maligne Hyperthermie bei nur 1 von 60.000 Narkosen auf.

Genetische Disposition

Die Neigung zur malignen Hyperthermie beruht auf genetischen Faktoren. Bei einer familiären Vorgeschichte dürfen bestimmte Anästhetika demnach nicht verwendet werden. Wenn Sie oder andere Familienmitglieder bereits bei einer Narkose eine maligne Hyperthermie entwickelt haben, ist es äußerst wichtig, die Ärzte im Rahmen der Operationsvorgespräche darüber zu informieren!

Diagnose

Personen mit maligner Hyperthermie entwickeln einen schnellen und unregelmäßigen Puls, einen Krampf der Kiefermuskulatur, instabilen Blutdruck, eine zunehmende Blaufärbung der Schleimhäute (Zyanose), Muskelsteifheit und einen Temperaturanstieg. Die Analyse der Blutgase zeigt eine Erhöhung des Kohlendioxidspiegels und einen niedrigen pH-Wert. Die Erkrankung muss sofort behandelt werden.

Behandlung

Beim Verdacht auf eine maligne Hyperthermie wird sofort eine entsprechende Behandlung eingeleitet. Wenn die Komplikation während einer Operation eintritt, müssen die Narkose und die Operation so schnell wie möglich abgebrochen werden. Gegen die maligne Hyperthermie wird das Medikament Dantrolen als Infusion verabreicht,  falls erforderlich, wird das Medikament wiederholt infundiert. Auch nach Stabilisierung der Situation wird as Medikament zunächst weiter gegeben, um dem Rückfall der Beschwerden vorzubeugen.

Die Störungen der chemischen Zusammensetzung des Blutes werden ebenfalls behandelt. Es ist wichtig, über die Vene (intravenös) ausreichend Flüssigkeit zu verabreichen, um Nierenschäden zu verhindern. Bei hohem Fieber oder schnell steigender Temperatur wird eine aktive Kühlung eingeleitet. Es ist eine sorgfältige Beobachtung über 48 Stunden erforderlich, weil die Hyperthermie erneut auftreten kann.

Alle Patienten, die bereits eine maligne Hyperthermie oder auch lediglich den Verdacht auf diese Erkrankung hatten, müssen vor einer erneuten Narkose genau untersucht werden. Es wird auch empfohlen, andere Familienmitglieder zu untersuchen. Wenn sich bei der Untersuchung herausstellt, dass eine genetische Disposition zur Entwicklung der Erkrankung vorliegt, werden die Betroffenen darüber mündlich und schriftlich informiert.

Wenn sich ein betroffener Patient einer Vollnarkose unterziehen muss, bevor eine Untersuchung vorgenommen werden kann, werden Narkosemittel verwendet, die erfahrungsgemäß nur ein geringes Risiko für die Entwicklung einer malignen Hyperthermie mit sich bringen. Die Anästhesisten müssen allerdings besonders wachsam sein und jederzeit Zugang zu Dantrolen und Möglichkeiten zur sofortigen Kühlung haben.

Prognose

Ohne rechtzeitige Behandlung führt eine maligne Hyperthermie zum Tode. Durch die rasche, zielgerichtete Behandlung der Komplikation kann die Sterblichkeit drastisch reduziert werden.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Julia Trifyllis, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Allgemeinanästhesie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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