Schmerzen

Schmerzen sind ein unangenehmes Gefühl meist in Verbindung mit einer bestehenden oder drohenden Gewebeverletzung in einem Teil des Körpers. Schmerzen können aber auch vorliegen, ohne dass eine Verletzung oder körperliche Krankheit nachzuweisen ist.

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Die Schmerzwahrnehmung ist subjektiv, das heißt, dass die gleiche auslösende Ursache bei verschiedenen Individuen zu einem unterschiedlichen Grad an Schmerzen führen kann.

Welche Faktoren beeinflussen unsere Schmerzwahrnehmung?

Die Wahrnehmung von Schmerzen hängt nicht nur von der auslösenden Ursache der Schmerzen, sondern auch von den individuellen Eigenschaften der jeweiligen Person ab. Die Schmerzwahrnehmung ist also ein Ergebnis aus den auslösenden Faktoren, psychischen Faktoren, sozialen Faktoren, früheren Erlebnissen und existenziellen Faktoren.

Der Körper verfügt über Mechanismen zur Dämpfung eingehender Schmerzimpulse, während andere Systeme wiederum die Schmerzen in bestimmten Situationen verstärken. All diese Systeme werden durch psychische Faktoren beeinflusst. Da die Schmerzwahrnehmung so komplex ist, variiert sie von Person zu Person und kann auch bei derselben Person je nach Zeit, Ort und Situation verschieden sein. Ein gutes Beispiel hierfür ist, dass jemand, der vor einer Gefahr flüchtet, den Schmerz durch eine Schnittverletzung etwa an einem Eisenzaun nicht so stark spüren wird wie jemand, der nur aus Spaß auf solch einen Zaum klettert.

Zu bedenken ist auch: Auf der einen Seite können scheinbar geringe Verletzungen bei bestimmten Personen sehr starke Schmerzen auslösen, auf der anderen Seite kann es schwierig sein zu erkennen, dass manche Personen an Schmerzen leiden. Geistig beeinträchtigte Menschen können beispielsweise Schwierigkeiten haben, ihre Schmerzen auszudrücken und reagieren stattdessen scheinbar aggressiv, unruhig oder verschlossen.

Verschiedene Schmerztypen

Es gibt verschiedene Schmerztypen: nozizeptiver, neuropathischer und somatoformer Schmerz. Hier folgt eine kurze Beschreibung der verschiedenen Schmerztypen.

Nozizeptiver Schmerz

Der nozizeptive Schmerz ist der, den wir normalerweise mit dem Begriff Schmerz verbinden, nämlich das Unbehagen, das wir bei einer Verletzung oder drohenden Verletzung in einem Teil des Körpers spüren. Dieser Schmerz wird dadurch verursacht, dass die Schmerzsensoren (Nozizeptoren) gereizt werden, die sich fast überall im Körper befinden. Diese Reizung kann durch Wärme, Schläge, Verletzungen, Entzündungen und alle anderen Arten schmerzverursachender Reize verursacht werden. Der nozizeptive Schmerz kann sowohl an der Körperoberfläche als auch im Inneren ausgelöst werden. So können z. B. Blähungen im Darm oder Durchblutungsstörungen etwa am Herzmuskel nozizeptive Schmerzen auslösen.

Betroffene beschreiben nozizeptive Schmerzen meist als dumpf, drückend, stechend oder auch krampfartig.  

Ein besonderer Umstand bei diesem Schmerztyp ist, dass das Gehirn in gewissen Fällen den Ort des Reizes, der den Schmerz auslöst, sozusagen falsch interpretiert. Diese Fehlinterpretation folgt oft bestimmten Mustern (auch abhängig vom Verlauf der Nervenfasern), wie z. B. dass ein Herzinfarkt oft Schmerzen an der linken Halsseite und in der linken Schulter verursacht, während Gallensteine zu Schmerzen auf der Rückseite der rechten Schulter führen können. 

Neuropathischer Schmerz

Ein neuropathischer Schmerz ist ein Schmerz aufgrund von Verletzungen an Nerven oder am Gehirn. Dieser Schmerztyp unterscheidet sich dadurch vom nozizeptiven Schmerz, dass kein schmerzauslösender Reiz erforderlich ist. Die Schmerzen entstehen stattdessen aufgrund einer Erkrankung bzw. Schädigung der Nerven selbst, etwa bei verschiedenen chronischen Krankheiten des Nervensystems oder auch akuter Schädigung eines bestimmten Nervs (z. B. durch Druck beim Karpaltunnelsyndrom). Darüber hinaus kann durch eine Nervenschädigung eine Überempfindlichkeit der Haut entstehen, sodass selbst Reize, die früher keinen Schmerz ausgelöst haben, dann zu einer Schmerzwahrnehmung führen. Dann kann selbst eine schwache Berührung eines bestimmten Hautbereichs zu schmerzhaften Missempfindungen führen.

Betroffene beschreiben neuropathische Schmerzen typischerweise als einschießend, brennend oder ziehend.

Ein spezielles Beispiel für neuropathische Schmerzen findet sich manchmal bei Patienten, denen ein Körperteil amputiert wurde: Sie können später Schmerzen in dem Teil des Körpers empfinden, der nicht mehr vorhanden ist (Phantomschmerz). Außerdem können Personen, die eine schwere Verletzung eines Körperteils erlitten haben, in diesem Körperteil chronische Schmerzen bekommen, weil Nerven geschädigt wurden.

Somatoformer Schmerz

Als somatoformer Schmerz werden Schmerzen bezeichnet, für die sich keine körperliche Ursache finden lässt. Es ist seit Langem bekannt, dass sich der Körper und die Psyche gegenseitig beeinflussen. Dies bedeutet, dass körperliche Probleme psychische Wirkungen haben können und dass sich psychische Beschwerden in Form körperlicher Symptome manifestieren können. Beispiele für solche körperlichen Symptome können Muskelschwäche, Magenbeschwerden oder Schmerzen sein. Mit dem Begriff somatoformer Schmerz bezeichnet man also körperliche Symptome, die eigentlich Ausdruck psychischer Störungen sind. Die psychischen Probleme können unterschiedlichster Art sein, es ist aber nicht ungewöhnlich, dass Depressionen oder Ängste zu körperlichen Symptomen wie z. B. Schmerzen führen.

Der somatoforme Schmerz ist daher aber nicht weniger unangenehm für den Patienten als andere Schmerztypen. Darüber hinaus besteht bei allen Schmerzen meist eine psychische Komponente, die das Schmerzempfinden auch bei Beschwerden, die im Grunde rein körperliche Ursachen haben, verstärkt oder verlängert.

Unterschied zwischen akuten und chronischen Schmerzen

Akute und chronische Schmerzen unterscheiden sich nicht nur in Hinblick auf ihre Dauer, sondern auch dadurch, wie die Betroffenen den Schmerz wahrnehmen.

Akute Schmerzen erfüllen eine wichtige Funktion: Sie sollen uns vor schädlichen Ereignissen in unserer Umgebung schützen. Durch Schmerzen werden wir auch darüber informiert, dass wir eine Verletzung haben, die behandelt werden muss. Es ist ganz normal, dass akute Schmerzen ein gewisses Gefühl der Angst auslösen. Die eigentliche Schmerzwahrnehmung beruht hauptsächlich auf der zugrunde liegenden Ursache, z. B. einer Verbrennung, aber auch das Gefühl von Angst kann in die Empfindung einfließen. Bei akuten Schmerzen ist im Gegensatz zu chronischen Schmerzen häufig eine gute Reaktion auf schmerzstillende Medikamente zu verzeichnen.

Als chronischen Schmerz bezeichnen Ärzte in der Regel Schmerzen, die länger als 3–6 Monate anhalten. Am weitesten verbreitet sind chronische Schmerzen des Bewegungsapparats, nämlich Schultern, Nacken, Rücken und Gelenke oder auch Kopfschmerzen. Auftreten und Ausmaß chronischer Schmerzen sind meist nicht mehr an einen Auslöser gekoppelt (im Gegensatz zum akuten Schmerz). Beim chronischen Schmerz entwickelt sich meist ein Teufelskreis aus körperlichen und psychischen Faktoren. Chronische Schmerzen verursachen häufig depressive Verstimmungen und können zu Symptomen wie Energielosigkeit, Verdauungsproblemen und Schlafstörungen beitragen. Typisch ist, dass die Schmerzwahrnehmung zunehmend von psychischen und sozialen Faktoren geprägt ist, was wiederum dazu beiträgt, dass Schmerzmittel geringere Wirkung zeigen.

Daher ist häufig eine unterschiedliche Behandlung akuter und chronischer Schmerzen erforderlich. Bei akuten Schmerzen sind schmerzstillende Medikamente häufig die wichtigste Behandlung, während bei chronischen Schmerzen neben der Medikation die psychischen und sozialen Faktoren, die die Schmerzwahrnehmung beeinflussen, stärker berücksichtigt werden müssen.

Diagnostik und Therapie

Akute Schmerzen lassen sich in der Regel schnell lokalisieren und einer Ursache zuordnen und entsprechend behandeln.

Patienten mit chronischen Schmerzen wird der Arzt ausführlich und genau nach Beginn, Art, Stärke, evtl. zeitlichen Veränderungen, bisherigen Therapien und deren Effekt fragen. Zudem wird der Arzt eine sorgfältige Untersuchung aller Organe, v. a. mit neurologischen Tests durchführen, ggf. unterstützt durch Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren etc. Möglicherweise wird er den Patienten je nach Schmerzlokalisation zum Facharzt überweisen: bei Kopfschmerzen zum Neurologen, Gelenkschmerzen zum Orthopäden oder Rheumatologen, bei Bauchschmerzen zum Internisten etc. Hier geht es zunächst darum, eine evtl. zugrunde liegende Krankheit nachzuweisen oder auszuschließen und dann den Schmerz gezielt zu therapieren.

Naturgemäß ist es für einen Arzt sehr schwierig, das Ausmaß von Schmerzen objektiv einschätzen zu können. Nicht nur für die Diagnostik, sondern auch für die Erfolgskontrolle einer Therapie ist es jedoch wichtig zu prüfen, ob sich Schmerzen im Verlauf (z. B. der Behandlung) verringern oder verstärken. Daher stehen viele verschiedene Fragebögen und Tests zur Verfügung, die Patienten beantworten können oder sollen. 

Therapeutisch kommen wie oben erwähnt bei akuten Schmerzen übliche Schmerzmittel unterschiedlicher Wirkstärke zum Einsatz; zusätzlich erfolgt z. B. die chirurgische Versorgung einer Verletzung oder Schädigung eines Organs, um die Ursache der Schmerzen zu beheben. Beim chronischen Schmerz werden ebenfalls Medikamente verordnet, je nach Schmerztyp kommen hier unterschiedliche Wirkstoffe infrage. Begleitend sind meist zusätzliche Therapien hilfreich, wie Physiotherapie, Massage, bestimmte Sportangebote, Entspannungsverfahren sowie Techniken, die Wärme, elektrischen Strom etc. zur Schmerzstillung nutzen oder auch Formen der psychologischen Schmerztherapie.   

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken. Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.