Warum kann es gefährlich sein, operiert zu werden?

Eine Operaition birgt zum einen die Risiken des chirurgischen Eingriffs selbst, zum anderen die Gefahren, die mit einer Narkose einhergehen können. Grundsätzlich ist eine lokale oder eine regionale Betäubung (also nur des Operationsgebiets) weniger risikoreich als eine Vollnarkose. Daher nutzen Anästhesisten wenn möglich erstere Verfahren; viele Operationen erfordern allerdings eine Vollnarkose.

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Trotz bedeutender Fortschritte in der Anästhesie (Betäubung/Narkose) und der Chirurgie bedeuten größere operative Eingriffe immer noch ein gewisses Risiko, Schäden davonzutragen oder gar zu sterben. Trotz hochentwickelter Technik sind also völlig risikofreie Operationen nicht möglich, was an mehreren komplexen Ursachen liegt. Diese reichen unter anderem von einer möglichen Funktionsbeeinträchtigung von Organen vor der Operation und der Stressreaktion des Körpers auf die eigentliche Operation über die Kompetenz der Chirurgen und Anästhesisten bis zur Organisation der Pflege und Behandlung nach der Operation.

Geschwächte Gesundheit vor der Operation

Bei einem geschwächten Gesundheitszustand vor einer Operation ist das Risiko für Komplikationen erhöht, außerdem verlängert sich damit wahrscheinlich der erforderliche Krankenhausaufenthalt. Chronische Erkrankungen von Herz und Blutgefäßen, der Leber, der Nieren, des Immunsystems u.a. Krankheiten erhöhen das Risiko für Komplikationen einer Operation. Auch Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und sehr starkes Übergewicht sind Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für Probleme während oder nach einer Operation einhergehen. Eine wichtige Aufgabe des Operationsteams ist daher die gründliche Beurteilung vor der Operation und die Durchführung entsprechender Maßnahmen in der Vorbereitung auf den Eingriff.

Stress durch die Operation

Jede Operation bringt eine komplexe Stressreaktion in Form von umfangreichen Stoffwechselveränderungen und Reaktionen des Körpers auf ein Entzündungsgeschehen mit sich. Unter anderem wird auch die Immunabwehr beeinträchtigt. Diese Stressreaktion umfasst v.a. Schmerzreaktionen, einen veränderten Abbau von Soffwechselprodukten (Katabolismus), eine verminderte Lungenfunktion, erhöhte Anforderungen an das Herz-Kreislauf-System, eine Lähmung der Darmfunktion, Störungen der Blutgerinnung und Störungen des Flüssigkeitshaushalts im Körper. All diese Faktoren erhöhen das Risiko einer Funktionsbeeinträchtigung verschiedener Organe und bedeuten damit eine höhere Anfälligkeit für körperliche Schäden und weitere Komplikationen.

Die wichtigste Maßnahme gegen mögliche Komplikationen ist offenbar die Beschränkung der Betäubung auf eine Lokal- oder Regionalanästhesie statt einer Vollnarkose, falls dies möglich ist. Weitere Maßnahmen sind die Anwendung minimalinvasiver Operationsverfahren und der Einsatz bestimmter Medikamente, wie z. B. Kortison. Es gibt umfangreiche Forschungsarbeiten zur vorteilhaftesten Kombination verschiedener Maßnahmen zur Dämpfung der mit einer Operation verbundenen Stressreaktion.

Qualität der Anästhesie und Chirurgie

Es ist klar, dass die Kompetenz der Anästhesisten und Chirurgen einen wichtigen Einfluss auf das Operationsergebnis hat. Dies gilt sowohl für kleinere als auch für größere Operationen. Größere Eingriffe setzen allerdings auch mehr Ressourcen im Krankenhaus voraus, z. B. eine Intensivstation, fortschrittliche Diagnoseausrüstung und Operationstechniken unter Röntgenüberwachung. Diese Bedingungen stehen im Zentrum der Diskussion darüber, sehr spezielle Operationsverfahren nur an bestimmten Kliniken durchführen zu lassen. Umfangreichere Erfahrungen des Operationsteams sowie der Zugang zu fortschrittlicher technischer Ausrüstung versprechen im Allgemeinen bessere Ergebnisse. Auf der anderen Seite werden, indem bestimmte Operationen gebündelt nur noch an wenigen Kliniken möglich sind, die Verfügbarkeit von Operationen verringert und die Transportwege verlängert, was wiederum das Risiko von Komplikationen erhöht.

Postoperative Versorgung

Die Behandlung nach der Operation zielt darauf ab, Schmerzen und Stress auf ein Minimum zu begrenzen. Verschiedene Organfunktionen möglichst umgehend wieder wiederherzustellen, ist entscheidend für ein optimales Ergebnis. Dafür sollten die Patienten unter anderem so früh wie möglich wieder normale Nahrung über den Mund zu sich nehmen und so schnell wie möglich ihre Mobilität wiedererlangen. Dafür wird auch versucht, den Einsatz von Sonden, Drainagen, Kathetern und aktivitätseinschränkenden Apparaten so weit wie möglich zu begrenzen.

Herausforderungen

Wie oben erläutert, gibt es viele Gründe dafür, warum es immer noch gefährlich sein kann, operiert zu werden. Entscheidend ist es, solange dafür genügend Zeit bleibt, die Funktion von wichtigen Organen wie Lunge, Herz-Kreislauf, Leber und Nieren eines Patienten vor der Operation möglichst zu optimieren. Eine "einfache", aber wirksame Maßnahme ist es z.B., möglichst einige Wochen zuvor mit dem Rauchen aufzuhören. Auch der Verzicht auf Alkohol bereits einige Zeit vor dem Eingriff wirkt sich wahrscheinlich positiv auf den Verlauf nach der Operation aus. Bestehende Krankheiten, wie Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit, sollten gut eingestellt sein, bestimmte Medikamente müssen manchmal vor der Operation abgesetzt werden. Hierüber wird Sie die Ärztin informieren.

Aufseiten der Kliniken ist die genaue Beurteilung der entsprechenden Abteilungen und Kliniken in Bezug auf die Ergebnisse des Eingriffs wichtig. Die kontinuierliche Registrierung der Operationen sowie Analysen und Auswertungen von Maßnahmen zur Verbesserung der Ergebnisse sollten eine zentrale Rolle bei der Planung und Ausführung weiterer Operationen spielen. Wichtig ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Anästhesisten, Chirurgen und dem weiteren Operationsteam. Ebenfalls wichtig ist eine gute Überwachung in der postoperativen Phase, also nach der Operation .

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med. Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W