Postoperative Wundinfektionen

Wundinfektionen sind relativ häufige Komplikationen nach operativen Eingriffen im Krankenhaus.

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Was sind Wundinfektionen?

Im Rahmen einer Operation ist es trotz höchster Hygienemaßnahmen unmöglich, die eröffneten Gewebe des Körpers völlig frei von Keimen zu halten. Grundsätzlich können sich zum einen die „Wunden“ im Inneren des Körpers (z. B. nach Durchtrennung und Wiederverschluss eines Darmanteils) als auch die Hautnähte entzünden. Meist besiedeln dann Bakterien der Umgebung die Wunden. Ist jedoch z.B. der Darm schon vor dem Eingriff infiziert oder liegen etwa nach einem Unfall oder Tierbiss offene, verunreinigte Hautwunden vor, sind von Vornherein Keime vorhanden. In solchen Fällen ist das Risiko einer Wundinfektion sehr hoch; entsprechende vorbeugende Maßnahmen werden getroffen.

Insgesamt aber kommt es nicht so häufig zu Infektionen von Wunden nach einer Operation. Studien zufolge entwickelt sich bei etwa 4–5% der Patienten während des Klinikaufenthalts eine Infektion, wovon etwa ein Viertel Wundinfektionen nach einer Operation ausmachen.

Ursache

Mehrere Faktoren sind entscheidend dafür, ob es zu einer Infektion kommt. Der Allgemeinzustand des Patienten ist ein wichtiger Aspekt. Patienten mit mehreren Grunderkrankungen, allgemein geschwächte und/oder mangelernährte Patienten oder solche mit geschwächtem Immunsystem haben ein höheres Risiko für Wundinfektionen als Patienten, die vor der Operation im Allgemeinen gesund sind. Allerdings schwächt jede größere Operation die Abwehrkräfte des Körper, sodass auch bei sonst Gesunden eine Operation schon per se mit einem erhöhten Risiko für Entzündungen einhergeht.

Weiterhin spielt es eine Rolle, an welcher Körperregion die Operation durchgeführt wird. Bei Operationen im Bauchraum kommt es häufiger zu anschließenden Wundinfektionen als bei Eingriffen in anderen Regionen. Dies gilt insbesondere bei operativen Eingriffen in Notsituationen aufgrund von Blutungen, bei Magen- oder Darmdurchbrüchen oder auch bereits vorher schon infiziertem Operationsgebiet. In diesen Fällen besteht ein hohes Risiko, dass sich Bakterien sowohl vor als auch während und nach dem Eingriff ausbreiten. Je steriler, also „reiner“ das Verfahren ist und das ärztliche Personal arbeitet, desto geringer ist die Gefahr einer Wundinfektion. Auch Operationen, die mehrere Stunden lang dauern, erhöhen das Risiko einer bakteriellen Verunreinigung.

Es ist immer eine Herausforderung für die Chirurgen, den Eingriff so schonend und keimarm wie möglich durchzuführen, um unter anderem eine spätere Infektion zu verhindern. Die Haut und andere Körpergewebe sollen bei operativen Eingriffen so wenig wie möglich beschädigt werden. Die Wunde sollte mit einer geeigneten Anzahl von Stichen geschlossen werden. Manchmal eignen sich Tapes oder Klammern besser zum Wundverschluss als eine Naht.

Symptome

Normalerweise bemerkt man erst fünf bis zehn Tage nach der Operation die Anzeichen einer Wundinfektion. Die typischsten Anzeichen sind zunehmende Schmerzen im Bereich der Wunde und möglicherweise Fieber. Nach und nach kommt es zu Schwellungen, Rötungen, lokaler Erwärmung und möglicherweise einem Nässen der Wunde. Wenn sich eine Infektion entwickelt hat, muss möglicherweise ein Teil der Naht geöffnet werden, damit Eiter aus der Wunde ablaufen kann.

Behandlung

 Bei den meisten Menschen schaffen es die körpereigenen Abwehrkräfte zu verhindern, dass sich eine größere Wundinfektion entwickelt. Daher richtet sich die Behandlung darauf, die körpereigenen Abwehrkräfte zu stärken und den Belastung des Körpers infolge der Wundinfektion zu reduzieren. Der Körperteil, der infiziert ist, muss ruhiggestellt werden, und möglicherweise muss der Patient Bettruhe einhalten. Infusionen, also eine Flüssigkeitszufuhr direkt ins Blut, haben bei vielen Patienten eine gute Wirkung. Schmerzstillende Medikamente, die stärkere Beschwerden verhindern, sind von entscheidender Bedeutung für ein gutes Ergebnis. Bei einigen Patienten ist zusätzlich eine Sauerstoffgabe erforderlich, um eine möglichst optimale Sauerstoffversorgung der Wunde selbst und ihrer Umgebung zu gewährleisten.

Falls weitere Maßnahmen notwendig sind, ist es am wichtigsten, die Wunde zu öffnen, damit Eiter und Wundsekret ablaufen können. Manchmal muss nur ein Teil der Naht geöffnet werden, in anderen Fällen ist die Öffnung eines größeren Bereichs erforderlich. Häufig wird dann ein Drainageschlauch oder eine Gummilasche eingesetzt, mit deren Hilfe weiterhin Eiter auslaufen kann, falls sich ein Abszess gebildet hat, der punktiert wurde. Auf diese Weise wird verhindert, dass sich die Wunde zu schnell verschließt und Eiter eingeschlossen wird.

Manchmal ist der Einsatz von Antibiotika notwendig, um Bakterien abzutöten. Antibiotika werden meist in Tablettenform verabreicht, bei schweren Infektionen erfolgt die Antibiotikagabe aber als Infusion direkt in den Blutkreislauf. Wenn feststeht, welche Bakterien die Infektion verursacht haben, muss manchmal ein Wechsel zu einem besser geeigneten Antibiotikum erfolgen. In vielen Fällen können Infektionen mit modernen antiseptischen Präparaten behandelt werden.

Manchmal ist bereits während der Operation klar, dass ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Wundinfektion besteht. Dies gilt vor allem bei verunreinigten Verletzungen nach einem Unfall oder gar einem Tierbiss. In diesem Fall wird die Wunde nur in der Tiefe verschlossen, Haut und Unterhaut aber nicht zusammengenäht. Erfahrungsgemäß lässt sich in diesen Fällen ein besseres Ergebnis erzielen, wenn die Wunde optimal gespült und gereinigt wird und dann unter einem Gazeverband offen liegen bleibt. Wenn die Wunde nach etwa fünf Tagen offensichtlich sauber und nicht entzündet ist, kann sie vernäht werden.

Häufige und unnötige Verbandwechsel nach der Operation fördern Infektionen. Wenn alles normal verläuft, wechselt das Pflegepersonal den Wundverband daher nach Möglichkeit nicht häufig. In anderen Fällen kann bereits kurz nach der Operation ganz auf den Verband verzichtet werden.

Prognose

Eine Wundinfektion verzögert den Heilungsprozess und kann in einigen Fällen den Krankenhausaufenthalt verlängern. Bei einigen Patienten kann eine Infektion auch dazu führen, dass die Operationsnarbe eine Zeit lang größer und auffälliger ist als sonst üblich. In schweren Fällen, wenn die Infektion den gesamten Blutkreislauf erfasst, kann sich eine Wundinfektion zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickeln, dies betrifft aber vor allem Patienten, die bereits vorher schwer erkrankt und geschwächt waren.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Postoperative Wundinfektion. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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