Wundinfektion

Eine Wunde in der Haut kann die Folge einer Verletzung, eines Bisses oder eines chirurgischen Eingriffs sein. Solche Wunden können sich mit Bakterien infizieren und eine Wundinfektion auslösen.

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Was ist eine Wundinfektion?

Eine Wunde in der Haut kann die Folge einer Verletzung, eines Bisses oder eines chirurgischen Eingriffs sein. Trotz richtiger Behandlung kommt es vor, dass einige Wunden nur langsam verheilen. Ist die Wunde sauber und nicht gereizt (gerötet oder überwärmt), so soll unter weiterer Beobachtung abgewartet werden. Ursache einer verzögerten Heilung kann aber auch eine Wundinfektion sein. Dann ist es sowohl für die Patient*innen als auch für die Ärzt*innen wichtig, die Infektion frühzeitig zu erkennen und zu entscheiden, ob eine Antibiotikabehandlung erforderlich ist. Eine Wundinfektion ist eine durch Bakterien verursachte Entzündung.

Wundinfektionen kommen relativ häufig vor, insbesondere dann, wenn die Wunde unter unhygienischen Bedingungen entstanden ist, z. B. durch einen Sturz in schmutziges Gelände. Wundinfektionen, die nach Operationen auftreten, sind in der Regel schwieriger zu behandeln, wenn sie im Krankenhaus entstanden sind, denn dort hat man es in der Regel mit aggressiveren" Bakterien zu tun als in der häuslichen Umgebung.

Ursachen

Staphylokokken und Streptokokken sind die Bakterien, die am häufigsten oberflächliche Infektionen außerhalb des Krankenhauses verursachen. Seltenere Keime können sich in Bisswunden befinden. Wenn offene Wunden in Kontakt zu Meerwasser kommen, können Vibrionen Wundinfektionen hervorrufen.

Bei Wundinfektionen nach einem chirurgischen Eingriff variiert der Befund der pathogenen Bakterien, je nachdem an welcher Stelle des Körpers der Eingriff durchgeführt wurde (postoperative Wundinfektion). Insbesondere in Krankenhäusern kommt es häufig vor, dass die verantwortlichen Bakterien Resistenzen gegenüber den meisten Antibiotika ausgebildet haben, sogenannte multiresistente Erreger (z. B. MRSA).

Diagnostik

In vielen Fällen ist eine Wundinfektion leicht zu diagnostizieren. Typischerweise ist die Wundheilung verzögert. Allmählich treten Rötung, Schwellung, Überwärmung und Schmerzen auf, und evtl. kommt es zu Eiterbildung in und um die Wunde herum. In einigen Fällen ist die Infektion so weit fortgeschritten, dass die Bakterien sich weiter im Körper ausbreiten und die Betroffenen Fieber bekommen können.

Die Ärzt*innen entscheiden, ob es nötig ist, einen Abstrich aus der Wunde zu entnehmen, um diese auf Bakterien hin zu überprüfen. Üblicherweise werden solche Abstriche nur von offensichtlich entzündeten (infizierten) Wunden entnommen und von Wunden, an denen infiziertes Gewebe großflächig abstirbt, die an Größe zunehmen, oder die sich trotz guter Heilungsbedingungen nicht verbessern. Der Abstrich wird vorzugsweise mit einem Wattestäbchen aus der Wunde entnommen und an ein mikrobiologisches Labor geschickt. Dort wird das Material einige Tage lang kultiviert, und das Labor identifiziert die Art der Bakterien und testet, welche Antibiotika am besten gegen genau diese Bakterienart wirken. Es dauert nach der Entnahme meist einige Tage bis eine Woche, bis das Ergebnis aus dem Labor vorliegt. Möglicherweise wird es auch nötig, Blut zu entnehmen und dies zu untersuchen.

Therapie

Die meisten Wundinfektionen werden durch eine gründliche Reinigung der Wunde behandelt. Falls sich Eiter gebildet hat, der nicht abfließen kann, eröffnen Ärzt*innen die Wunde. Abgestorbenes Gewebe und Beläge werden entfernt. Antibiotika sind oft nicht notwendig. Zur Reinigung können einfache Kochsalzlösung oder lokale, keimtötende Mittel (Antiseptika) verwendet werden, während lokale Antibiotika selten einen besonderen Nutzen haben. Sollte sich zeigen, dass dieser Behandlungsansatz nicht ausreicht, werden Sie in der Regel Antibiotika in Tablettenform bekommen. Bei Infektionen nach einer Operation kann es in einigen Fällen notwendig sein, Antibiotika direkt in den Blutkreislauf (per Infusion) zu verabreichen.

Tiefe Wundinfektionen, die Entzündungen der Haut über einen größeren Bereich verursachen oder die zu einer Erkrankung des gesamten Körpers mit Fieber führen, erfordern bereits eine Antibiotikabehandlung mit Tabletten oder per Infusion, während Sie auf das Ergebnis der Bakterienkultur warten. Die Wahl der Therapie ist abhängig von der vermuteten Bakterienart und der Lokalisation der Wunde, davon, ob Sie kürzlich eine ähnliche Hautentzündung gehabt haben und dazu mikrobiologische Untersuchungsergebnisse vorliegen und ob Sie allergisch auf bestimmte Antibiotika reagieren. Wenn das Ergebnis der Bakterienkultur vorliegt, kann es in einigen Fällen notwendig sein, das Antibiotikum zu wechseln.

Der Infektion von Operationswunden wird durch Hygienemaßnahmen vor, während und nach der Operation vorgebeugt. In bestimmten Fällen werden vorbeugend Antibiotika verabreicht.

Seltene Komplikationen

In sehr seltenen Fällen tritt eine sehr aggressive Infektion auf, die sich schnell in das umgebende Gewebe „frisst“ (nekrotisierende Weichteilinfektion). Typisch für eine solche Erkrankung sind starke Schmerzen, die nicht im Verhältnis zu dem äußeren Erscheinungsbild der Wunde stehen. Dazu kommt der Verlust der Empfindung in dem entzündeten Bereich und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Bei Verdacht auf eine solche Infektion muss sofort eine umfassende chirurgische Reinigung und Versorgung der Wunde erfolgen.

Eine Osteomyelitis kann entstehen, wenn Bakterien direkt vom Infektionsherd oder über den Blutweg in den Knochen eindringen. Dies kann eine schwere Komplikation einer Wundinfektion sein und sollte im Krankenhaus behandelt werden.

In seltenen Fällen kann sich aus einer Wundinfektion eine Sepsis (Blutvergiftung) entwickeln.

MRSA-Infektion

Obwohl dies eine seltene Komplikation ist, nimmt die Häufigkeit solcher Infektionen zu. Die Identifikation antibiotikaresistenter Staphylokokken (MRSA), z. B. an der Haut von Patient*innen, ist an sich noch keine Indikation für eine Behandlung. Nur bei einer offensichtlichen Infektion wird mit einer Behandlung begonnen. Wenn die Infektion begrenzt ist, können lokale Präparate verwendet werden. Wenn eine allgemeine Erkrankung vorliegt, muss diese mit speziellen Antibiotika behandelt werden, vorzugsweise mit einer Kombination aus zwei Wirkstoffen. Im Umgang mit betroffenen Patient*innen müssen Ärzt*innen und Pflegende, aber auch Angehörige besondere Hygienemaßnahmen einhalten, damit die Keime sich nicht weiter verbreiten. Hierüber werden Sie ggf. genau informiert.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Wundinfektionen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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