Leistenbruchoperation bei Erwachsenen

Ein Leistenbruch, auch als Leistenhernie bezeichnet, ist eine Vorwölbung von Gewebe aufgrund einer Schwächung der Bauchwand in der Leiste. Eine Operation wird durchgeführt, um die damit verbundenen Beschwerden zu lindern und zu verhindern, dass im Bereich des Leistenbruchs Gewebe eingeklemmt wird.

Willkommen auf den Seiten der Deximed-Patienteninformationen!

Unsere Patienteninformationen in laiengerechter Sprache stehen Ihnen auch ohne ein Abonnement zur Verfügung.

Sind Sie Arzt? Dann testen Sie unsere Experteninformationen 30 Tage lang kostenlos.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin – ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

30 Tage kostenlos testen!

Was ist ein Leistenbruch?

Schenkelbruch

Ein Leistenbruch macht sich als Vorwölbung im Bereich der Leiste bemerkbar; Ursache ist eine Schwächung der Bauchwand in der Leiste. Der Bruch erscheint als kugelförmige Schwellung, wenn Sie aufrecht stehen, husten oder Druck im Bauchraum aufbauen (sog. Bauchpresse, als wenn Sie Stuhlgang hätten). In ausgeprägten Fällen lässt sich die Vorwölbung ständig tasten. Nach einiger Zeit kann der Bruch größer werden und zu stärkeren Beschwerden führen.

Durch den Leistenbruch können Fettgewebe, aber manchmal auch Anteile des Darms oder andere innere Organe durch Lücken der festen Bauchwand nach außen treten und wölben sich dann unter der Haut vor. Oft lassen sich die Gewebe vorsichtig wieder zurück an ihren Platz drücken oder ziehen sich von selbst zurück. Wenn sich aber z.B. Darmschlingen im Bruch eingeklemmt haben, sie sich also nicht mehr auf ihren Platz in der Bauchhöhle zurückschieben lassen, spricht man von einem eingeklemmten Bruch. Ein solcher Zustand ist mit starken Schmerzen verbunden und muss sofort operiert werden, weil die Durchblutung der Darmanteile gefährdet ist.

Leistenbrüche treten bei Jungen/Männern etwa 5-mal häufiger auf als bei Mädchen/Frauen. Der Bruch befindet sich (bei Jungen) in den meisten Fällen in dem Kanal, durch den der Hoden während der Entwicklung des Fetus im Mutterleib aus dem Bauchraum in den Hodensack wandert. Manchmal verschließt sich dieser Gang nämlich anschließend nicht richtig. Daher kann der Inhalt des Bruchsacks entweder im Hodensack liegen oder ein kleines Stück neben oder oberhalb des Hodens in der Leiste zu tasten sein. Selten tritt der Bruch unterhalb des Leistenbandes hervor (Oberschenkelbruch, siehe Abb.), was oft erst bei der Operation genau festgestellt werden kann. Bei größeren Brüchen, die schon längere Zeit bestehen, ist der Bruch so breit, dass das eigentlich feste Gewebe der Bauchwand erheblich geschwächt ist.

Wie wird ein Leistenbruch behandelt?

Der Zweck der Leistenbruchbehandlung ist es zu verhindern, dass Gewebe eingeklemmt wird. Zudem sollen die Beschwerden gelindert werden, die mit einem Leistenbruch verbunden sind. Ist der Bruch klein und verursacht keine Schmerzen, können Männer mit der Operation noch warten, solange sie regelmäßig ärztlich untersucht werden. Allerdings wird bei erwachsenen Männern der Bruch mit der Zeit meist immer größer. Frauen mit einem Leistenbruch sollten in der Regel recht zügig nach Stellung der Diagnose operiert werden.

Operative Behandlung

Kleine Brüche, die erst seit kurzer Zeit bestehen, bedürfen in der Regel keiner anderen Behandlung, als dass der Bruchsack entfernt und die betroffene Stelle in der Bauchwand zugenäht wird. Sind Gewebe oder gar Darmanteile enthalten, muss der Arzt diese wieder an den richtigen Platz schieben. Bei größeren Brüchen muss außerdem die Bauchwand verstärkt werden, um zu verhindern, dass der Bruch wiederkehrt und sich möglicherweise zu einem eingeklemmten Bruch entwickelt. Die Bauchwand wird üblicherweise unterstützt, indem die Chirurgin ein Kunststoffnetz einnäht, das die betroffene Stelle der Bauchwand verschließt und verstärkt. Die Operation kann unter lokaler Betäubung, häufig durch Peridural- oder Spinalanästhesie, seltener unter Vollnarkose durchgeführt werden.

Die traditionelle Behandlungsmethode ist eine offene Operation. Heutzutage sind auch Leistenbruchoperationen im laparoskopischen Verfahren möglich, also in einer sogenannten Schlüsselloch-Operation statt im offenen Verfahren. Das laparoskopische Verfahren stellt hohe Anforderungen an den Chirurgen, bietet aber für den Patienten den Vorteil einer schnelleren Erholung und geringerer Beschwerden nach der Operation.

Nach der Operation

Für eine Leistenbruchoperation ist nur ein kurzfristiger Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich. Oft können Sie schon am gleichen Tag, spätestens nach drei Tagen wieder nach Hause gehen. Früher sollten sich die Patienten noch mehrere Wochen nach einer Leistenbruchoperation schonen. Mit den modernen Operationstechniken, die häufig unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden, sind die Patienten in der Regel aber bereits nach drei Tagen relativ schmerzfrei, können nach sieben Tagen ihre normalen Tätigkeiten wieder aufnehmen und nach zehn Tagen wieder zur Arbeit gehen. Allerdings sollte in der ersten Zeit Vorsicht bei größeren körperlichen Belastungen oder schnellen Bewegungen herrschen, denn solche Aktivitäten könnten dazu führen, dass sich der Bruch wieder öffnet. Wenn Sie einen Beruf haben, der mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden ist, sollten Sie möglicherweise ein wenig länger krankgeschrieben werden. Die oben genannten Erholungszeiten sind lediglich übliche Werte; ganz individuell werden Sie dazu genaue Informationen von dem Chirurgen erhalten, der Sie operiert.

In den ersten paar Tagen nach der Operation benötigen Sie möglicherweise ein mäßig starkes Schmerzmittel. Die Schmerzen lassen mit der Zeit nach, allerdings können Sie noch mehrere Wochen lang leichtere Beschwerden spüren. Bis zu 3 % der Betroffenen entwickeln nach einer Leistenbruchoperation möglicherweise chronische Schmerzen in der Leiste.

Weitere mögliche Nebenwirkungen in der ersten Zeit nach der Operation sind Schwellungen oder Blutungen im Hodensack oder an der Wunde oder eine Infektion der Operationswunde. Diese Nebenwirkungen sind aber selten und treten in der Regel bei weniger als 1 % aller Fälle auf. Wenn es nach dem Eingriff zu einer ausgeprägten Schwellung kommt, wenden Sie sich an den behandelnden Arzt.

Kontrolle

Manchmal ist keine über ein Telefongespräch hinausgehende Kontrolle nötig, viele  Chirurgen vereinbaren aber einen Kontrolltermin einige Wochen nach der Operation.

Studien haben gezeigt, dass es bei etwa 3 % der an einem Leistenbruch Operierten zu chronischen Schmerzen kommen kann und bei 1–4 % das Risiko eines Rückfalls besteht.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hernie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Gesundheitsberichterstattung des Bundes (RKI und DESTATIS), Krankheiten/Diagnosedaten, Hernien www.gbe-bund.de
  2. BNC (Berufsverband niedergelassener Chirurgen), Hernienchirurgie: Online-Operationsregister für mehr Transparenz und Qualität, Fachartikel 2009 archiv.bncev.de
  3. de Goede B, Timmermans L, van Kempen BJ, et al. Risk factors for inguinal hernia in middle-aged and elderly men: Results from the Rotterdam Study. Surgery 2015; 157: 540-6. pmid:25596770 PubMed
  4. Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie. Leistenhernie, Hydrozele. AWMF-Leitlinie Nr.006 - 030, Stand 2014. www.awmf.org
  5. Simons MP et al. European Hernia Society guidelines on the treatment of inguinal hernia in adult patients. Hernia. 2009; 13(4): 343–403. www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. LeBlanc KE, LeBlanc LL, LeBlanc KA. Inguinal hernias: diagnosis and management. Am Fam Physician 2013; 87: 844-8. American Family Physician
  7. Johannessen H-O, Johnson E, Clausen T, Mjåland O. Smerter og rehabiliteringsforløp etter lyskebrokkirurgi hos voksne menn. Tidsskr Nor Lægeforen 2004; 124: 1916-8. PubMed
  8. Kingsnorth A (editorial). Treating inguinal hernias. BMJ 2004; 328: 59-60. PubMed
  9. Fitzgibbons RJ, Giobbie-Hurder A, Gibbs JO, et al. Watchful waiting vs repair of inguinal hernia in minimally symptomatic men. JAMA 2006; 295: 285-92. PubMed
  10. Flum DR. The asymptomatic hernia. JAMA 2006; 295: 328-9. PubMed
  11. O'Dwyer PJ, Norrie J, Alani A, Walker A, Duffy F, Horgan P. Observation or operation for patients with an asymptomatic inguinal hernia: a randomized clinical trial. Ann Surg 2006; 244: 167-73. PubMed
  12. The HerniaSurge Group. World Guidelines for Groin Hernia Management. EHS 2016. www.europeanherniasociety.eu
  13. Cheek CM, Black NA, Devlin HB et al. Groin hernia surgery: a systematic review. Ann R Coll Surg Engl 1998; 80 (suppl 1): S1-80. www.ncbi.nlm.nih.gov
  14. Kark AE, Kurzer MN, Belsham PA. Three thousand one hundred seventy-five inguinal hernia repairs: Advantage of ambulatory open mesh repair using local anaesthesia. J Am Coll Surg 1998; 186: 447-56. PubMed
  15. Mjåland O, Bakken IJ, Skjeldestad FE, Johnson E. Operasjon for lyske- og lårbrokk i Norge 1990-2003. Tidsskr Nor Lægeforen 2005; 125: 1338-40. PubMed
  16. McCormack K, Scott N, Go PM, Ross SJ, Grant A, Collaboration the EU Hernia Trialists. Laparoscopic techniques versus open techniques for inguinal hernia repair. Cochrane Database of Systematic Reviews 2003, Issue 1. Art. No.: CD001785. DOI: 10.1002/14651858.CD001785. DOI
  17. Neumayer L, Giobbie-Hurder A, Jonasson O, et al. Open mesh versus laparoscopic mesh repair of inguinal hernia. N Engl J Med 2004; 350: 1819-27. PubMed
  18. OʼReilly EA, Burke JP, Oʼconnell PR. A meta-analysis of surgical morbidity and recurrence after laparoscopic and open repair of primary unilateral inguinal hernia. Ann Surg 2012; 255: 846-53. PubMed
  19. Zib M, Gani J. Inguinal hernia repair: where to next? ANZ J Surg 2002; 72: 573-9. PubMed
  20. Cunningham J, Temple WJ, Mitchell P et al. Cooperative hernia study. Pain in the postrepair patient. Ann Surg 1996; 224: 598-602. PubMed
  21. Mjåland O, Johnson E, Myrvold H. Lyskebrokkirurgi i Norge. Tidsskr Nor Lægeforen 2001; 121: 2481-3. PubMed
  22. EU Hernia Trialists Collaboration Laparoscopic compared with open methods of groin hernia repair: systematic review of randomized trials Br J Surg 2000;87: 860-7. www.ncbi.nlm.nih.gov
  23. Bay-Nielsen M, Kehlet H, Strand L, Malmstrom J, Andersen FH, Wara P, et al Quality assessment of 26,304 herniorrhaphies in Denmark: a prospective nationwide study. Lancet 2001;358: 1124-8. PubMed
  24. EU Hernia Trialists Collaboration. Mesh compared with non-mesh methods of open groin hernia repair: systematic review of randomized controlled trials. Br J Surg 2000;87: 854-9. PubMed
  25. Scott N, Go PM, Graham P, McCormack K, Ross SJ, Grant AM. Open Mesh versus non-Mesh for groin hernia repair. Cochrane Database of Systematic Reviews 2001, Issue 3. Art. No.: CD002197. DOI: 10.1002/14651858.CD002197. DOI
  26. Sanabria A, Dominguez LC, Valdivieso E, Gomez G. Prophylactic antibiotics for mesh inguinal hernioplasty: a meta-analysis. Ann Surg 2007; 245: 392-6. PubMed
  27. Zinther NB, Wara P, Friis-Andersen H. Laparoskopisk operation for incisionelt hernie. Ugeskr Læger 2007; 169: 3559. PubMed
  28. Burger JW, Luijendijk RW, Hop WC et al. Long-term follow-up of a randomized controlled trial of suture versus mesh repair of incisional hernia. Ann Surg 2004; 240: 578-83. PubMed
  29. Goodney PP, Birkmeyer CM, Birkmeyer JD. Short-term outcomes of laparoscopic and open ventral hernia repair: a meta-analysis. Arch Surg 2002; 137: 1161-5. PubMed
  30. Page B, Paterson C, Young D, O'Dwyer PJ. Pain from primary inguinal hernia and the effect of repair on pain. Br J Surg 2002;89: 1315-8. PubMed