Leistenbruchoperation bei Kindern

Ein Leistenbruch bei Kindern und Jugendlichen wird im Allgemeinen auch bei geringen Beschwerden stets operiert, weil das Risiko einer Einklemmung des Bruchinhalts recht hoch ist und sich durch den Eingriff verhindern lässt.

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Was ist ein Leistenbruch?

 

Leistenbruch
Leistenbruch

 

Mit dem Leistenbruch können Fettgewebe, aber auch Anteile des Darms durch eine angeborene oder neu entstandene Lücke in der Bauchwand (bis unter die äußere Haut) treten. Zunächst bestehen oft keine Beschwerden, es lässt sich jedoch die Vorwölbung erkennen. Liegt das Kind, verschwindet die Schwellung oft, d. h. der Inhalt lässt sich den in Bauchraum zurückbewegen. Wenn sich jedoch Bauchgewebe, Darmschlingen (oder bei Mädchen auch evtl. ein Eierstock) im Bruch einklemmen und sich nicht mehr auf ihren Platz in der Bauchhöhle zurückschieben lassen, spricht man von einem eingeklemmten Bruch. Dann wird die Schwellung häufig rot, lässt sich nicht zurückschieben und verursacht starke Schmerzen. Säuglinge fallen dann jedoch oft „nur" durch anhaltendes Weinen oder Reizbarkeit auf. Im weiteren Verlauf kommt es häufig zu Übelkeit und Erbrechen. Durch die Einklemmung kann die Durchblutung des Gewebes im Bruchsack so stark eingeschränkt sein, dass es abstirbt. Dies erfordert eine Notfalloperation, um schwere Komplikationen zu vermeiden.

Der Bruch tritt als kugelige Vorwölbung im Bereich der Leiste hervor, wenn das Kind aufrecht steht, hustet oder Druck im Bauch aufbaut (wie beim Stuhlgang oder auch beim Weinen) (auf dem Foto rechts oberhalb des Hodens zu sehen). Nach einiger Zeit kann der Bruch größer werden und zu stärkeren Beschwerden führen. Der Bruch kann auch im Hoden oder bei Mädchen in der Schamlippe als Schwellung sichtbar werden. Häufiger ist die rechte Seite betroffen, in einigen Fällen auch beide Seiten.

Leistenbrüche treten bei Jungen etwa 4- bis 8-mal häufiger auf als bei Mädchen. Bei etwa 1–4,5 % der Kinder kommt es zu einem Bruch, bei Frühgeborenen deutlich häufiger. Bei Jungen befindet sich der Bruch meist in dem Kanal, durch den der Hoden während der Entwicklung des Fetus im Mutterleib aus dem Bauch in den Hodensack wandert (Leistenkanal). Schließt sich dieser Kanal nicht, wie normalerweise üblich, kann es zu einem angeborenen Leistenbruch kommen. Der Bruch ist dann entweder oberhalb des Hodens in der Leiste zu tasten oder zu sehen (Leistenbruch) oder auch im Hoden selbst.

Wie wird ein Leistenbruch behandelt?

Die Behandlung soll verhindern, dass sich der Bruchinhalt einklemmt, außerdem sollen die Beschwerden gelindert werden. Leistenbrüche bei Kindern und Jugendlichen müssen immer operiert werden, am besten so früh wie möglich nach der Entdeckung des Leistenbruchs.

Bestehen keine Beschwerden, sollte die Operation innerhalb eines Monats erfolgen. Klagt das Kind über Schmerzen, so wird die Ärztin/der Arzt zunächst prüfen, ob Gewebe/Darmschlingen im Bruchsack zu finden sind und diese zurückdrücken. Anschließend sollte der Bruch innerhalb von 1–2 Tagen operiert werden.

Betroffene Frühgeborene sollten möglichst vor Entlassung aus der Klinik behandelt werden. Hat sich Gewebe eingeklemmt, und es droht eine Mangeldurchblutung, dann ist eine Notfalloperation nötig.

Operation

Bei kleinen Brüchen, die erst seit kurzer Zeit bestehen, wird der Bruchsack entfernt und die betroffene Stelle in der Bauchwand wieder zugenäht. Bei größeren Leistenbrüchen wird die Chirurgin/der Chirurg ggf. Gewebe zurück in die Bauchhöhle drücken und die Bauchwand sorgfältig schließen bzw. ggf. noch verstärken, um einen erneuten Bruch zu verhindern. Die Operation erfolgt bei Kindern üblicherweise unter Vollnarkose.

In Deutschland wird die Operation bei Kindern im offenen Verfahren (konventionell) oder mittels Bauchspiegelung (laparoskopisches Verfahren, Schlüsselloch-Operation) durchgeführt. 

Nach der Operation

Kleinere Eingriffe können ambulant durchgeführt werden, und in diesem Fall kann das Kind nach einigen Stunden wieder nach Hause. Wichtig ist zu prüfen, ob die Operationswunde gut verheilen wird und zu beobachten, ob das Kind evtl. Nachwirkungen der Anästhesie entwickelt. Davon abhängig ist es, wie früh ein Kind nach der Operation wieder nach Hause entlassen werden kann. Meist können Kinder nach ein paar Tagen wieder zur Schule gehen, sie müssen aber körperliche Belastungen während der ersten 1–2 Wochen vermeiden. Kinder unter 5 Jahren erholen sich meist sehr schnell und sind in der Regel innerhalb von 24–48 Stunden wieder normal aktiv, sollten sich aber natürlich trotzdem noch schonen. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie darüber beraten.

In den ersten paar Tagen nach dem Eingriff benötigt das Kind mäßig starke Schmerzmittel. Die Schmerzen lassen mit der Zeit nach, das Kind kann aber noch mehrere Wochen lang leichtere Beschwerden haben.

Kontrolluntersuchung

Die Kinderchirurgen werden bei Bedarf einen Kontrolltermin mit Ihnen vereinbaren. Die Prognose ist bei den meisten Kindern ausgezeichnet; bei der überwiegenden Mehrheit aller Patienten wird das Problem völlig behoben. Wenige Patient/innen, die als Kind an einem Leistenbruch operiert wurden, leiden als Erwachsene an chronischen Schmerzen in diesem Bereich (etwa 3 %). 

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Leistenhernie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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