Milzverletzungen

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Was sind Milzverletzungen?

Die Milz ist das am häufigsten geschädigte Organ bei stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Bauch. Die Milz befindet sich in der oberen linken Seite der Bauchhöhle hinter den unteren Rippen. Die Milz kann durch stumpfe oder spitze Gewalteinwirkung gegen den Bauch und durch die linken unteren Rippen verletzt werden, aber auch bei diagnostischen Verfahren. Die Milz ist von einer Kapsel umschlossen. Daher kann die Verletzung allein die Kapsel betreffen, allein das Milzgewebe (subkapsuläre Verletzung) oder beides.

Was passiert bei einer Milzverletzung?

Die Milz ist kräftig durchblutet. Daher führt jede Verletzung der Milz zu einer Blutung. Ist die Kapsel unverletzt, bleibt das Blut im Inneren der Kapsel. Das Blut kann allerdings in den Raum zwischen der Kapsel und dem Milzgewebe eindringen, wo es sich ansammelt  und ein Hämatom bildet.In manchen Fällen kann diese Blutansammlung größer als die eigentliche Milz sein. In den meisten Fällen bleibt die Kapsel intakt und die Blutansammlung löst sich im Laufe der Zeit auf.

In Ausnahmefällen, bei etwa 5 % der Fälle, reißt die Kapsel jedoch, in der Regel im Verlauf weniger Wochen nach der Verletzung. Dann fließt das angesammelte Blut und weiteres Blut aus der Milz in die Bauchhöhle, was wegen des hohen Blutverlustes zu einem Schock führen kann. Falls die Kapsel früh reißt und die Blutung langsam erfolgt, sammelt sich das Blut lediglich um die Milz an und wird in bestimmten Fällen auch eingekapselt. Falls die Blutung stärker ist, strömt das Blut in die Bauchhöhle und kann einen Schock verursachen.

Symptome

Bei langsamen Blutungen können die Verletzten mäßige Schmerzen in der oberen linken Bauchseite verursachen, die manchmal bis in den linken Schulterbereich ausstrahlen. Gelegentlich kommt es zu Übelkeit und Erbrechen. Bei schweren Blutungen kann es zu einem großen Blutverlust kommen, sodass die Patienten infolge des Blutverlusts einen Schockzustand entwickeln können.

Bei der ärztlichen Untersuchung lässt sich bei einer langsamen Blutung eine leichte Berührungsempfindlichkeit des Bauchs und eine Tendenz zur Anspannung der Bauchmuskeln bei Druck auf den oberen linken Bereich des Bauches feststellen. Manchmal kann der Arzt eine Raumforderung tasten. Bei schwereren Blutungen zeigt sich die Entwicklung eines Schockzustandes durch schnellen, schwachen Puls, erniedrigten Blutdruck und Kaltschweißigkeit. Der Bauch kann dann aufgrund der hohen Blutmenge aufgebläht sein.

Diagnose

Mit einer Ultraschalluntersuchung kann festgestellt werden, ob sich freie Flüssigkeit (Blut) in der Bauchhöhle befindet. Mit einer Computertomografie des Bauchraums kann die Schwere der Verletzung beurteilt werden, um die geeignete Behandlungsmethode zu wählen.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist es, die laufende Blutung zu stoppen, die Entwicklung eines Schockzustandes zu verhindern und die Funktion der Milz zu erhalten. Die Wahl der Behandlung hängt vom Ausmaß der Verletzung und dem Zustand des Patienten ab. Wenn keine Anzeichen für eine aktive Blutung vorliegen, wird der Patient einige Tage lang in Ruhe im Krankenhaus beobachtet. Der Verlauf wird mit wiederholten Computertomografien oder Ultraschalluntersuchungen kontrolliert. Bei kleineren Verletzungen stoppt die Blutung häufig von selbst, und erneute Blutungen sind sehr ungewöhnlich.

Bei Anzeichen der Entwicklung eines Schocks infolge der starken Blutung ist eine Operation erforderlich, um die Blutung zu stillen. Bei der Operation wird vor allem bei Kindern versucht, so große Teile der Milz zu erhalten wie möglich, indem nur Teile des Organs entfernt werden. Der Grund dafür, die Milz nach Möglichkeit zu erhalten, ist, dass sie eine wichtige Rolle im Abwehrsystem des Körpers gegen Infektionen spielt.

In den letzten 20 Jahren ging der Trend immer mehr in Richtung einer nicht-operativen Behandlung. Man versucht abzuwarten und kontrolliert den Zustand mit Ultraschall oder Computertomografie. In manchen Fällen können auch die blutenden Blutgefäße verschlossen werden, indem Substanzen zugeführt werden, die die Blutgefäße verschließen und die Blutung stoppen. Dieses Verfahren kann entweder an einem kleineren Blutgefäß durchgeführt werden, das einen Teil der Milz versorgt, sodass nur dieser Teil der Milz durch die Minderdurchblutung geschädigt wird, oder auch an Hauptgefäßen zur Milz, was die Blutung stoppt. Die Durchblutung der Milz wird dadurch stark herabgesetzt, die Milz stirbt aber nicht vollständig ab.

Prognose

Die Prognose bei Milzverletzungen ist gut, sowohl mit als auch ohne Operation. Die Gesamtprognose hängt von weiteren Verletzungen ab.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Milz
Milz

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med. Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Milzruptur. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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