Organtransplantation

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Allgemeine Informationen

Definition

  • Organtransplantation/-spende: Übertragung eines oder mehrerer Organe von einem Organspender auf einen Organempfänger
  • Gewebetransplantation/-spende: Dabei wird kein ganzes Organ, sondern Gewebe übertragen, wie die Augenhornhaut, Herzklappen, Haut, Sehnen oder Bänder.
    • Je nach Gewebe kommt dafür nur eine Spende nach dem Tod oder auch eine Lebendspende infrage.
  • Lebend(organ)spende: Spende durch eine lebende Person – Sonderform Dominospende:
    • Wenn das bei einem Organempfänger entnommene Organ noch funktionsfähige Teile enthält, z. B. Herzklappen, dann können diese auf einen weiteren Organempfänger übertragen werden.
    • Wenn eine Lungentransplantation aus operationstechnischen Gründen in Kombination mit einer Herztransplantation erfolgt, kann das gesunde Herz des ersten Organempfängers einem zweiten Organempfänger transplantiert werden.
  • Als Spende nach dem Tod (postmortal) bei Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben, die je nach Staat, in dem sich der potenzielle Organspender aufhält, sehr unterschiedlich sind.

Voraussetzungen

Die Voraussetzungen für eine Organspende in Deutschland sind im Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Gewebe (Transplantationsgesetz, TPG) geregelt.

Zwei unabdingbare Voraussetzungen sind danach die Einwilligung der spendenden Person und – für die Spende nach dem Tod – die Feststellung des Hirntods; Näheres s. u.).

Statistik

Rund 9.400 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan, davon 7.000 auf eine Niere (Stand März 2019). Etwa drei Viertel aller Deutschen bestätigen in Umfragen, dass sie zu einer postmortalen Spende bereit wären. Der Anteil derer, die einen Organspendeausweis besitzen, lag vor 2012 bei etwa 25 % und ist auf 36 % in 2018 gestiegen.

In Deutschland von Verstorbenen entnommene Organe pro Jahr (durchschnittlich etwa 3 entnommene Organe pro Spender):

  • 2018: 3.113
  • davor: kontinuierlicher Rückgang von 5.094 in 2010 auf 2.594 in 2017
  • davor: kontinuierlicher Anstieg von 3.944 in 2002 auf 4.711 in 2009.

In Deutschland transplantierte Organe (nach Spende von Verstorbenen aus einem Eurotransplant-Mitgliedsstaat)

  • 2018: 3.264
  • davor: kontinuierlicher Rückgang von 3.706 in 2012 auf 2.765 in 2017.

Art der in Deutschland transplantierten Organe im Jahr 2018:

  • Niere: 1.653
  • Leber: 820
  • Lunge: 375
  • Herz: 318
  • Bauchspeicheldrüse: 95
  • Dünndarm: 3.

Gewebespende – viel häufiger als Organspenden, z. B.:

  • Transplantation der Augen-Hornhaut ca. 6.000/Jahr.

Spende nach dem Tod

Koordination der Organspende

Ist der Hirntod eines Organspenders festgestellt, und kommt eine Organentnahme aus medizinischer Sicht infrage, dann wird der Organspender dem zuständigen Transplantationszentrum oder der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO) gemeldet.

Der örtliche Koordinator der DSO veranlasst dann Laboruntersuchungen, in denen unter anderem Blutgruppe und Gewebemerkmale des Spenders ermittelt werden und geprüft wird, ob eventuelle Infektionen, etwa mit HIV oder Hepatitisviren, eine Organspende von vornherein ausschließen. Im nächsten Schritt werden die Daten des Spenders, einschließlich der genauen Gewebemerkmale, an die Koordinationsstelle Eurotransplant in Holland übermittelt. Sobald die Mitarbeiter von Eurotransplant den Organempfänger ermittelt haben, kontaktieren sie das Transplantationszentrum, an dem die Transplantation erfolgen soll.

Einwilligung

Gesetzlicher Rahmen

Entscheidungslösung: Dabei hat die potenziell spendende Person ihre Einwilligung oder ihre Ablehnung gegenüber einer Spende nach dem Tod bereits zu Lebzeiten schriftlich dokumentiert – klassischerweise in Form eines Organspendeausweises oder einer Patientenverfügung. Der Gesetzgeber hat 2012 in einer Änderung des Transplantationsgesetzes bekräftigt, dass es sich dabei um die bevorzugte Lösung handelt.

Es wird allen Versicherten nahegelegt, eine informierte Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu treffen. Längerfristig ist es geplant, dass die Entscheidung für oder gegen die Organspende auf der elektronischen Gesundheitskarte der Versicherten festgehalten werden kann. Diese Entscheidung bleibt freiwillig, soll aber von den Krankenversicherungen durch die regelmäßige Zusendung von Informationsmaterial gefördert werden.

Nur wenn jemand seinen Willen nicht dokumentiert hat, gilt weiterhin die erweiterte Zustimmungslösung, das heißt, die Angehörigen werden nach dem mutmaßlichen Willen der verstorbenen Person gefragt. Das ist nicht nur ethisch umstritten, sondern stellt eine zusätzliche Belastung der Person dar, die gerade einen nahe stehenden Menschen verloren hat.

Die Einführung einer Widerspruchslösung wird derzeit diskutiert (Stand März 2019). Das würde bedeuten, dass Organentnahmen nach dem Tod auch an Personen legal wären, die dem zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen haben. Eine ebenfalls diskutierte Variante ist die doppelte Widerspruchslösung. Dabei könnten auch die Angehörigen der verstorbenen Person einer Organentnahme widersprechen. Ein solches Einspruchsrecht der Angehörigen gilt derzeit in Belgien, Estland, Finnland, Litauen und Norwegen. (Stand März 2019)

Hilfen zur persönlichen Entscheidung

Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende nach dem Tod kann nur jede Person für sich selbst treffen. Dabei spielen ethische und philosophische Fragen eine Rolle, die auch unter Fachleuten sehr kontrovers diskutiert werden oder die in der öffentlichen Diskussion noch zu wenig bedacht wurden, wie:

  • Ist der mit unseren medizinisch-technischen Mitteln feststellbare Hirntod identisch mit dem Ende des Sterbeprozesses?
  • Stehen die intensivmedizinische Aufrechterhaltung von Herz- und Lungenfunktion oder die Organ- und Gewebeentnahme einem friedvollen Sterben im Weg? In meiner eigenen Vorstellung und in der meiner nächsten Angehörigen?
  • Ist mein Gehirn alleiniger Sitz meiner Identität? Löst sich diese mit dem Ende messbarer Hirnaktivität vollständig auf?
  • Wie erleben Hinterbliebene der Spendenden deren Organspende? Welche Langzeitfolgen hat das für deren Seelenleben? 

Darüber hinaus gibt es Fragen, die jede Person aus ihrem persönlichen und evtl. auch religiösen Empfinden heraus anders beantwortet, wie:

  • Welche Rolle spielt ein ungestörter Sterbeprozess in meiner persönlichen Haltung zum Sterben und in meinen Vorstellungen darüber, was nach dem Tod ist?
  • Hat die Aussicht, anderen Menschen durch die Spende eines Organs oder von Geweben zu helfen, für mich mehr Gewicht als eventuelle Vorbehalte gegenüber einer Organentnahme?
  • Habe ich das Gefühl, dass ein Teil von mir in der Person, die mein Organ erhält, weiterlebt und – falls ja – erlebe ich diese Vorstellung eher positiv oder negativ? Wie erleben meine Angehörigen die Vorstellung, dass ein Stück von mir nach meinem Tod in einem andern Körper weiterlebt?
  • Wie ist das für mich selbst in der Vorstellung und wie wird es gegebenenfalls für meine Angehörigen in der realen Situation sein, wenn meinem noch warmen Körper, in dem noch ein Herz schlägt und der beatmet wird, Organe entnommen werden sollen?

Feststellung des Hirntods

Das Gehirn ist das Organ des bewussten Denkens und Fühlens, und es übernimmt lebenswichtige Steuerungsaufgaben, die sich auf das Funktionieren aller anderen Organe auswirken. Fällt das Gehirn komplett aus, dann führt dies ohne unterstützende Maßnahmen zu einem Atem- und Kreislaufstillstand und zum Tod. Nur die Intensivmedizin macht es dann möglich, Kreislauf, Herzschlag, Atmung, Sauerstoffversorgung des Blutes, Leber- und Nierenfunktion aufrecht zu erhalten, nachdem das Gehirn für immer ausgefallen ist. Ein „Zurückkehren ins Leben“ kann jedoch hierdurch nicht mehr erreicht werden.

Die Feststellung des Hirntodes nach medizinischen Maßstäben gilt daher auch als offizieller Todestermin. Ziel der Hirntoddiagnostik ist es, ein zweifelsfreies Bild vom Zustand der Patienten zu bekommen. Besteht auch nur der geringste Anhaltspunkt für anhaltende Gehirnaktivitäten, wird keine Hirntoddiagnostik durchgeführt.

Ob das Versiegen der mit unseren technischen Mitteln messbaren Hirnaktivitäten mit dem Ende des Sterbeprozesses gleichzusetzen ist, kann nicht mit endgültiger Sicherheit beantwortet werden und ist Gegenstand vieler Diskussionen unter Fachleuten aus Gehirnforschung, Medizinethik, Philosophie und Religionswissenschaften.

Klinische Anzeichen

Zeigt das Gehirn trotz aller intensiven Wiederbelebungsversuche keine Aktivität mehr, dann ist die Hirntoddiagnostik von zwei erfahrenen Ärzten aus den Fachgebieten Anästhesie, Neurochirurgie, Neurologie, Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Neuropädiatrie oder von Ärzten anderer Fachgebiete mit Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin durchzuführen.

Das Transplantationsgesetz schreibt in § 3 (3) vor, dass eine Entnahme von Organen nur zulässig ist, wenn „vor der Entnahme bei dem Organ- oder Gewebespender der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms nach Verfahrensregeln, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen, festgestellt ist."

Die dafür notwendigen Untersuchungen sind in den Richtlinien der Bundesärztekammer genau festgelegt. Angehörige des Organspenders können, sofern sie dies wünschen, bei der Hirntoddiagnostik mit im Raum bleiben. Sich selbst über den Hirntod des Spenders Gewissheit zu verschaffen, hilft manchen bei der Verarbeitung der psychisch sehr belastenden Situation, einen nahen Angehörigen zu verlieren und sich gleichzeitig mit der Frage der Organspende auseinanderzusetzen. Die Feststellung des Hirntodes nach den Regeln der Bundesärztekammer umfasst unter anderem die Prüfung von Reflexen und weiteren Reaktionen, die bei Hirntoten nicht auslösbar sind.

Apparative Untersuchungen

Sind in den genannten Untersuchungen keine Reaktionen des Gehirns auszumachen, dann wird unter apparativer Überwachung versucht, das Atemzentrum im Hirnstamm anzuregen, in dem die Patienten mit reinem Sauerstoff beatmet werden. Um die Unumkehrbarkeit des Hirnfunktionsausfalls nachzuweisen, sind die genannten Untersuchungen entweder nach einer bestimmten Zeit, je nach Ursache der Hirnschädigung nach mindestens 12 oder 72 Stunden, zu wiederholen, oder es kommen spezielle apparative Untersuchungen zum Einsatz. Dazu zählen:

  • EEG (Aufzeichnung der Hirnströme)
  • Evozierte Potenziale: Dabei wird die elektrische Aktivität bestimmter Nervenbahnen nach Stimulation, z. B. durch Geräusche oder Schmerzreize, aufgezeichnet.
  • Darstellung von Hirngefäßen, z. B. in speziellen Ultraschalluntersuchungen oder nach Gabe von Kontrastmitteln in der Computertomografie (CT).

Feststellung des Todes

Die Ergebnisse der Hirntoddiagnostik werden in einem Protokoll von beiden untersuchenden Ärzten dokumentiert. Bei Feststellung des Hirntodes wird eine Todesbescheinigung (Totenschein) ausgestellt.

Beatmung und Kreislaufstabilisierung bis zur Organentnahme

Die nächsten Angehörigen werden nun über den Hirntod der Person informiert, die für die Organspende infrage kommt. Die Angehörigen sind ebenso wie die behandelnden Ärzte an die zu Lebzeiten getroffene Entscheidung des Verstorbenen gebunden. Liegt die Einwilligung zur Organspende vor, dann werden alle intensivmedizinischen Maßnahmen bis zur erfolgten Organentnahme fortgeführt. Das heißt unter anderem, dass die spendende Person weiter beatmet wird und dass Herztätigkeit und Kreislauffunktionen mithilfe von Medikamenten aufrechterhalten werden.

In allen anderen Fällen wird die Behandlung eingestellt, das heißt, das Beatmungsgerät wird dann ausgeschaltet. In der Regel nach wenigen Minuten hört dann auch das Herz auf, zu schlagen.

Organentnahme

Die Organentnahme wird entweder von krankenhauseigenen Chirurgen oder von einem Entnahmeteam durchgeführt, das in der Regel aus dem Transplantationszentrum des von Eurotransplant ermittelten Empfängers anreist.

Für die Entnahmeoperation bei einem Hirntoten wird nach deutschen Richtlinien eine Vollnarkose nicht für erforderlich gehalten, da man davon ausgeht, dass alle Funktionen des Gehirns, die eine Schmerzwahrnehmung ermöglichen würden, unwiederbringlich ausgefallen sind. Trotzdem ist ein Narkosearzt an der Organentnahme beteiligt. Er sorgt für Beatmung und Kreislauffunktionen der spendenden Person. Mit Medikamenten verhindert er, dass bei ihr über Schmerzrezeptoren vermittelte Rückenmarksreflexe aktiviert werden. Diese könnten nämlich zu Muskelzuckungen oder zu einem unkontrollierten Anstieg des Blutdrucks oder zu einer beschleunigten Herzaktivität führen.

Meistens werden im Rahmen der Organentnahmeoperation mehrere Organe, beispielsweise Herz, Leber und Nieren sowie Körpergewebe, z. B. beide Augäpfel für die Transplantation der Hornhaut, entnommen. Die Entnahme mehrerer Organe und Gewebe ist dann möglich, wenn der Organspender seine Einwilligung nicht ausdrücklich auf ein bestimmtes Organ beschränkt hat.

Die entnommenen Organe werden auf ca. 4 °C heruntergekühlt, verpackt und auf schnellstem Weg zum Transplantationszentrum des Empfängers gebracht. Nach der Organentnahme werden die Operationswunden zugenäht. Wenn die Augäpfel entnommen wurden, werden diese durch spezielle Prothesen ersetzt und die Augenlider fest verschlossen, um die Leiche nicht zu entstellen. Nach dem Verbinden der Operationswunden sieht man es dem Leichnam nicht mehr an, dass Organe entnommen wurden. Je nach Wunsch der Angehörigen kann dann die Leiche aufgebahrt und später bestattet werden.

Bei neuen Hinweisen auf eine nicht-natürliche Todesursache oder eine bisher unentdeckte Erkrankung des Patienten kann eine Obduktion angezeigt sein, und soll laut Richtlinien der Bundesärztekammer zur Organtransplantation angestrebt werden, zum Schutz des Organempfängers, z. B. vor übertragbaren Krankheiten.

Lebendspende

Wann ist eine Lebendspende sinnvoll?

Unter bestimmten Voraussetzungen ist Organspende in Deutschland auch in Form der Lebendspende durch einen nahen Angehörigen möglich und sinnvoll. Das bedeutet, dass eine von zwei funktionstüchtigen Nieren, ein Teil der Leber, der Lunge oder des Darms, durch eine Operation bei der spendenden Person entnommen und dem erkrankten Familienmitglied eingepflanzt wird. Aus rein organmedizinischer Sicht erscheint die Lebendspende naheliegend: Bei nahen Verwandten besteht eine große Chance, dass die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger sich in den Labortests als weitgehend übereinstimmend erweisen. Im statistischen Durchschnitt ist die Lebensdauer der transplantierten Organe bei Lebendspenden etwas höher als bei Spenden nach dem Tod. Für manche Menschen – etwa mit einem Leberversagen im Endstadium – die vergeblich auf ein Organ warten, kann es sogar lebensrettend sein, wenn sich ein Angehöriger zur Spende bereit erklärt.

Voraussetzungen

Aus mehreren Gründen erlaubt das Transplantationsgesetz die Lebendspende nur unter eng eingegrenzten Bedingungen:

  • In Deutschland ist jegliche Form von Organhandel verboten. Wäre die Lebendspende auch durch anonyme Spendende erlaubt, dann würde das einen illegalen Organhandel ermöglichen.
  • Es besteht die Gefahr, dass eine Lebendspende mit einem erheblichen psychischen Druck, Abhängigkeiten, unausgesprochenen Konflikten oder übersteigerten Erwartungen an den derart Beschenkten einhergeht. In anderen Fällen fühlt sich vielleicht ein Familienmitglied zur Organspende überredet und befürchtet den Bruch mit dem Erkrankten für den Fall, dass er ihm die Bitte ausschlägt.

Gesetzlicher Rahmen

Das Transplantationsgesetz § 8 Abs. 1 gestattet die Lebendspende eines nicht regenerierungsfähigen Organs nur an „Verwandte ersten oder zweiten Grades, Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Verlobte oder andere Personen, die dem Spender in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahe stehen“. Zu den weiteren Voraussetzungen, unter denen eine Lebendspende erlaubt ist, zählen unter anderem:

  • Volljährigkeit der spendenden Person
  • ausführliche Aufklärung der spendenden Person über die möglichen Folgen einer Organentnahme, einschließlich möglicher Spätfolgen (s. u.)
  • Freiwillige Zustimmung der spendenden Person: Weil die Freiwilligkeit eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Lebendspende ist, wird sie von einer unabhängigen Gutachter-Kommission geprüft.
  • Eine Lebendspende wird nur gestattet, wenn zum Zeitpunkt der Organentnahme kein Organ eines verstorbenen Spenders zur Verfügung steht. Der potenzielle Organempfänger ist daher frühzeitig auf die Warteliste für Organe von verstorbenen Spendern zu setzen.
  • Bei Menschen, die nicht deutsch sprechen, dürfen sämtliche Gespräche über die Lebendspende nur unter Mitwirkung eines Dolmetschers erfolgen. 

Persönliche und freiwillige Entscheidung

Sollten Sie sich mit dem Gedanken tragen, einem erkrankten Angehörigen ein Organ zu spenden, dann behalten Sie immer im Auge, dass es Ihre ganz persönliche Entscheidung ist, ob Sie das tun wollen oder nicht! Niemand hat ein Recht auf ein Spenderorgan, und über Ihren eigenen Körper sollten Sie immer frei entscheiden können, vor allem wenn es um einen operativen Eingriff in einen gesunden Körper geht, der mit einem – zwar relativ geringen, aber auch nicht völlig nichtigen – Risiko einhergeht.

Falls Sie sich nach eingehender Prüfung und nach einer ausführlichen Aufklärung durch einen Transplantationsexperten für eine Lebendspende entschieden haben, können Sie diese Entscheidung zu jedem Zeitpunkt bis zur Organentnahmeoperation widerrufen und müssen dafür keine Gründe angeben. Auch die Möglichkeit, Ihre Entscheidung diskret, in einem vertraulichen Gespräch mit der Ärztin/dem Arzt, zurückzunehmen, sollte Ihnen nach den Empfehlungen der Bundesärzteärztekammer eingeräumt werden.

Selbstverständlich unterliegt alles, was Sie mit den Ärzten besprechen, der ärztlichen Schweigepflicht, auch gegenüber allen Familienmitgliedern, einschließlich dem erkrankten.

Versicherungsrechtliche Fragen

Die Kosten der Lebendorganspende, ihrer Vorbereitung und der erforderlichen Nachbehandlung gelten als Behandlungskosten des Empfängers und werden daher von dessen Krankenversicherung übernommen.

Einzelheiten können bei verschiedenen gesetzlichen und privaten Versicherungen unterschiedlich geregelt sein. Die Ärzte holen daher vor der Transplantation von der Versicherung des Empfängers eine detaillierte schriftliche Kostenübernahmeerklärung ein. Folgende beim Spender anfallende Kosten sind laut Empfehlungen der Bundesärzteärztekammer zur Lebendorganspende  von der Versicherung des Empfängers zu übernehmen:

  • die erforderlichen Voruntersuchungen
  • die Beurteilung durch die Kommission nach § 8 Abs. 3 TPG
  • die erforderlichen Fahrten
  • der stationäre Aufenthalt
  • die Organentnahme
  • die unmittelbare Nachbehandlung
  • die ärztlich empfohlene Nachbetreuung
  • der nachgewiesene Ausfall des Nettoverdienstes.

Weitere Informationen

Positionen in verschiedenen Religionen

  • Gorse C. Organverpflanzung – Religiöse Positionen zur Organspende. www.planet-wissen.de
  • Position der christlichen Kirchen in Deutschland
    • Organtransplantationen – Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD. www.dbk.de
    • Evangelische Landeskirche in Baden: Entscheidungshilfe zur Organtransplantation. www.ekiba.de
  • Positionen im Islam
    • Eich T, Grundmann J. Muslimische Rechtsmeinungen zu Hirntod, Organtransplantation und Leben. Zeitschrift für medizinische Ethik 2003; 49: 302-309. www.zfme.de
  • Positionen im Judentum
  • Positionen im Buddhismus
    • Schwerpunkt-Thema: Sterbeprozess, Organspende, Interview mit dem Dalai Lama. Tibet & Buddhismus 2009; (4). www.tibet.de

Autoren

  • Thomas M. Heim, Dr. med., Wissenschaftsjournalist, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Organtransplantation, Beratung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Organspende - Die Entscheidung zählt! www.organspende-info.de
  2. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben. Stand 18.7.2017 www.gesetze-im-internet.de
  3. Deutsche Stiftung Organtransplantation. Jahresbericht Organspende und Transplantation in Deutschland 2017. Frankfurt 2018. www.dso.de
  4. Deutsche Stiftung Organtransplantation. Koordinierung der Organspende in Deutschland. Frankfurt 2019. www.dso.de
  5. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Statistiken zur Organspende. Frankfurt 2019. www.organspende-info.de
  6. Deutsche Stiftung Organtransplantation. Warteliste und Vermittlung. Frankfurt 2019. www.dso.de
  7. Richter T, Buhse S, Kupfer R, Gerlach A, Mühlhauser I, Lenz M. Entwicklung einer Entscheidungshilfe ,,Organspende nach demTod‘‘- im Spannungsfeld zwischen Evidenz, Ungewissheit, Ängsten und ethisch-moralischen Wertvorstellungen. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes 2013; 107(9-10): 622-31. PMID: 24315333 PubMed
  8. BZgA-Umfrage 36 Prozent besitzen einen Organspendeausweis. dpa, Berlin 8.5.2018. www.deutsche-apotheker-zeitung.de
  9. Deutsches Register für Stammzelltransplantationen. Jahresbericht 2017. Essen 2018. www.drst.de
  10. Bundesärztekammer. Richtlinie gemäß § 16 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 TPG für die Regeln zur Feststellung des Todes nach § 3 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 TPG und die Verfahrensregeln zur Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 TPG, Vierte Fortschreibung; 30.01.2015. www.bundesaerztekammer.de
  11. Bundesministerium für Gesundheit. „Widerspruchslösung ist die Pflicht, sich mit der Organspende auseinanderzusetzen.“ 24.11.2018 www.bundesgesundheitsministerium.de
  12. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Gesetzliche Regelungen in Europa. Download am 26.03.2019 www.organspende-info.de
  13. Karl I. Organspende - Was sollen Hausärztinnen mit ratsuchenden Patienten besprechen? Z Allg Med 2019; 95: 42 www.online-zfa.de
  14. Bundesministerium für Gesundheit. Organspende. Rechtliche Grundlagen. 12. Oktober 2018. www.bundesgesundheitsministerium.de
  15. Deutsche Stiftung Organtransplantation. Leitfaden für die Organspende. Frankfurt am Main 2016. www.dso.de
  16. Bundesärztekammer. Empfehlungen zur Lebendorganspende. 1.12.2000. www.bundesaerztekammer.de