Diabetes-Risiko

Der Begriff Diabetes mellitus , umgangssprachlich Zuckerkrankheit oder kurz Diabetes genannt, bezeichnet eine Gruppe von Stoffwechselkrankheiten, die alle durch erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet sind. Aktuell sind etwa 6 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes erkrankt. Die beiden bekanntesten Formen sind Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes. Am häufigsten tritt Typ-2-Diabetes auf (in 80–90 % der Fälle), seltener Typ-1-Diabetes (etwa 9–10 %).

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Fakten

  • Typ-1-Diabetes tritt vor allem im Kindes- und Jugendalter auf und ist eine Autoimmunerkrankung. Das eigene Immunsystem greift die körpereigene Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört die insulinproduzierenden Zellen (Beta-Zellen): Es entsteht ein „absoluter Insulinmangel“.
    • Erbanlagen spielen eine gewisse Rolle. Aber nur etwa 10 % aller neu diagnostizierten Typ-1-Diabetiker sind familiär vorbelastet.
  • Typ-2-Diabetes ist durch eine zu niedrige Insulinproduktion oder eine beeinträchtigte Insulinwirkung gekennzeichnet.
    • Eine ererbte Veranlagung bildet die Grundlage, auf der ein ungesunder Lebensstil die Erkrankung begünstigt.
    • Typ-2-Diabetes wird sehr oft mit falscher Ernährung mit zu viel Zucker und Fett, zu wenig Bewegung und Bluthochdruck in Verbindung gebracht.
  • Typ-1-Diabetes kann nicht wirkungsvoll vorgebeugt werden, ein Typ-2-Diabetes lässt sich jedoch in vielen Fällen durch gesunde Lebensweise vermeiden oder zumindest mildern.

Was ist Diabetes?

Diabetes ist eine chronische, unheilbare Stoffwechselstörung durch Insulinmangel. Das Wort „Diabetes“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Hindurchfließen“ (unbehandelte Zuckerkranke haben ständig Durst und müssen regelmäßig Wasser lassen), das Wort „mellitus“ ist lateinisch und bedeutet „honigsüß“. Diabetes mellitus wird auch als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet. Es wird geschätzt, dass in Deutschland ca. 7 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sind. Das entspricht etwa 9 % der erwachsenen Bevölkerung; Tendenz steigend. Häufig wird die Diagnose Typ-2-Diabetes erst recht spät gestellt, weil die Beschwerden sich langsam entwickeln bzw. nicht so auffällig sind. Es gibt also viele Menschen, die noch gar nicht wissen, dass sie an Typ-2-Diabetes leiden; zudem gibt es viele Patienten (Schätzungen gegen von 15 Millionen aus), deren Zuckerwerte einer Vorstufe des Diabetes entsprechen1.

Der Diabetes mellitus wird nach Ursache und Verlauf in mehrere Untergruppen eingeteilt. Gemeinsam ist allen Formen beim Neuauftreten der zu hohe Blutzucker (Überzuckerung, Hyperglykämie).

Die am häufigsten auftretenden Diabetestypen sind Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes, früher insulinabhängiger bzw. nicht-insulinabhängiger oder auch jugendlicher bzw. Alters-Diabetes mellitus genannt. Daneben gibt es andere Formen, die seltener auftreten, z. B. den Schwangerschafts- oder Gestations-Diabetes.

Allen Diabetesformen ist gemeinsam, dass der Körper nicht ausreichend das Hormon Insulin produziert oder nicht mehr auf das Hormon reagiert. Insulin wird in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse hergestellt (den Betazellen) und sorgfältig abgestimmt auf die Nahrungszufuhr bzw. den Zuckerspiegel im Blut freigesetzt. Insulin ist entscheidend dafür, dass die Zellen aller Organe Zucker aus dem Blut aufnehmen können, um daraus Energie zu gewinnen. Ist zu wenig Insulin vorhanden oder können die Körperzellen auf die Insulinwirkung nicht ausreichend reagieren, so gelangt zu wenig oder kein Zucker mehr in die Zellen und der Blutzucker bleibt dauerhaft erhöht. Dies kann bei extrem hohen Zuckerspiegeln zu lebensgefährlichen Symptomen führen und langfristig zu Folgekrankheiten des Herz-Kreislauf-Systems sowie von Augen, Nerven und Nieren.

Der Typ-1-Diabetes wird durch eine Zerstörung der Betazellen in der Bauchspeicheldrüse hervorgerufen, wodurch der Körper im Verlauf gar kein Insulin mehr produzieren kann.

Typ-2-Diabetes wird durch eine zu geringe Insulinproduktion oder eine beeinträchtigte Insulinwirkung verursacht. Die häufigste Erklärung ist, dass sich die Betroffenen (bei gewisser Veranlagung) zu lange ungesund ernährt haben und übergewichtig geworden sind. Dadurch muss die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin als normalerweise produzieren. Die Bauchspeicheldrüse kann die Überproduktion von Insulin über ein paar Jahre hinweg aufrechterhalten. Mit der Zeit sinkt die Insulinproduktion aber und kann den Bedarf nicht mehr decken. Dann kommt es zu Typ-2-Diabetes.

Gehöre ich zur Risikogruppe?

Typ-2-Diabetes

Am verbreitetsten ist Typ-2-Diabetes, 80–90 % aller Diabetiker leiden unter dieser Form. Grundlage sind erbliche Veranlagung und ungesunde Lebensweise. Die Krankheit entwickelt sich schleichend über Jahre und wird üblicherweise im mittleren bis höherem Alter diagnostiziert – häufig zufällig bei ärztlichen Untersuchungen. Typische erste Krankheitszeichen sind vermehrter Harndrang, Durstgefühl, Abgeschlagenheit.

Typ-2-Diabetes ist besonders bei Personen zu beobachten,

  • in deren Familie bereits eine Diabetes-Erkrankungen aufgetreten ist.
  • die übergewichtig sind.
  • die sich zu wenig bewegen.
  • die einen hohen Blutdruck haben.

Das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, wird durch Erbanlagen bestimmt, aber wohl auch durch die Weitergabe bzw. das Erlernen von ungesunder Ernährung, zu wenig Bewegung bzw. einem ungesunden Lebensstil in betroffenen Familien. 

Während der Typ-2-Diabetes früher nur bei Erwachsenen vorkam, leiden seit einiger Zeit immer mehr Kinder und Jugendliche daran. Dies ist wahrscheinlich eine Folge des zunehmenden Übergewichts auch in dieser Altersgruppe.

Typ-1-Diabetes

In Deutschland sind derzeit schätzungsweise mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche in der Altersgruppe 0 bis 19 Jahre von einem Typ-1-Diabetes betroffen1. Die Zahl der Typ-1-Diabetiker im Kindes-/Jugendalter nimmt seit Jahren zu.

Der Typ-1-Diabetes tritt bevorzugt in Kindheit und Jugend auf, kann aber auch im späteren Lebensalter erstmalig festgestellt werden. In der Regel führt er innerhalb von Tagen bis Wochen zu plötzlich einsetzenden Beschwerden und Symptomen wie vermehrtem Harndrang, Durst, Gewichtsverlust. Ein lebensbedrohendes Zuckerkoma als erstes Krankheitszeichen ist nicht ungewöhnlich.

Auch für die Entstehung von Typ-1-Diabetes spielen Erbanlagen eine Rolle. Das Risiko, an Typ-1-Diabetes zu erkranken, beträgt bei Kindern von Vätern mit Typ-1-Diabetes bei 1 von 17. Ist die Mutter erkrankt, liegt das Risiko des Kindes bei 1 von 25 (1 von 100), wenn das Alter der Mutter bei Geburt des Kindes unter (über) 25 Jahren lag. Sind beide Eltern Typ-1-Diabetiker, liegt das Erkrankungsrisiko zwischen 1 von 10 und 1 von 4.2

Ursache des Typ-1-Diabetes ist eine Fehlfunktion des Immunsystems, durch die die Betazellen zerstört werden. Warum es zu dieser Fehlfunktion kommt, ist jedoch nicht genau geklärt. Neben der genetischen Veranlagung könnten Ernährung oder auch Virusinfektionen eine Rolle spielen. Es gibt aber keine bekannten Maßnahmen, durch die man sich vor einem Typ-1-Diabetes schützen könnte.

Wie kann ich das Risiko verringern?

Typ-1-Diabetes kann nicht vorgebeugt werden. Hingegen gibt es viele Möglichkeiten, Typ-2-Diabetes vorzubeugen.

Durch eine Veränderung des persönlichen Lebensstils lässt sich der Ausbruch von Typ-2-Diabetes häufig verhindern – oder zumindest deutlich hinauszögern. Die drei wichtigsten Säulen zur Vermeidung von Diabetes und für ein gesundes Leben sind:

  • ausgewogene, gesunde Ernährung
  • regelmäßige (am besten tägliche) und ausreichende körperliche Bewegung
  • Normalgewicht bzw. spürbare Reduzierung des Körpergewichts.

Insbesondere Personen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes (Risikotest) sollten versuchen, ihre Lebensführung auf diese Weise gesünder zu gestalten. Aber auch Menschen, die schon Diabetes haben, können durch eine Lebensstiländerung entscheidend zur Verbesserung ihres Stoffwechsels beitragen, sodass sie weniger oder keine Medikamente mehr nehmen müssen. Denn Bewegung und bewusste Ernährung helfen, die langfristigen Folgeerkrankungen, wie diabetischen Fuß (mit dem Risiko einer Amputation), Schlaganfall oder Herzinfarkt, zu vermeiden oder zumindest deutlich hinauszuzögern.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Diabetesinformationsdienst München www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de
  2. American Diabetes Association, Genetics of Diabetes. Alexandria (VA) USA, 2014 www.diabetes.org
  3. Deutsche Diabetes Hilfe. Diabetes in Zahlen, Berlin 2015 www.diabetesde.org

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Professor für Innere Medizin, Uniklinikum Köln