Diabetes und Magen-Darm-Beschwerden

Diabetes kann verschiedenen Beschwerden des Magen-Darm-Trakts als Folgekrankheiten verursachen. Eine der häufigsten Beschwerden ist Verstopfung, die sich manchmal mit Durchfall abwechselt.

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Magen-Darm-Trakt

Beschwerden des Magen-Darm-Trakts aufgrund von Diabetes sind u. a. eine eingeschränkte Muskelfunktion von Magen und Darm (Gastroparese), Störungen des Nervensystem im Magendarmtrakt (intestinale Neuropathie, die zu Durchfall, Verstopfung und Inkontinenz führen kann). Bei Diabetikern kann es auch zu Funktionsstörungen der Leber kommen (nicht-alkoholinduzierte Fettleber); allerdings ist nicht ganz geklärt, inwieweit die Zuckerkrankheit hierfür die eigentliche Ursache darstellt.

Diese Komplikationen im Verdauungsssystem treten allgemein immer häufiger auf, da sich das Vorkommen von Diabetes erhöht hat.

Diabetes und damit einhergehende Beschwerden des Magen-Darm-Trakts treten meist auf, weil die Funktion der Muskulatur von Magen und Darm beeinträchtigt ist. Diese Muskeln sorgen dafür, dass der Nahrungsbrei gleichmäßig weitertranportiert wird. Kommt es im Rahmen des Diabetes mellitus zu Schädigungen des vegetativen Nervensystems (autonome diabetische Neuropathie), wird auch die durch Nervensignale gesteuerte Magendarmmuskulatur beeinträchtigt; es kommt zu einer eingeschränkten Motilität. Weitere Folgen der gestörten Nervenfunktion sind die eingeschränkte Freisetzung von Verdauungssekreten oder auch die beeinträchtigte Aufnahme von Nährstoffen in den Verdauungsorganen.

Ursache für eine Schädigung der Nerven bei Diabetes mellitus ist der erhöhte Blutzucker. Je höher die durchschnittlichen Blutzuckerwerte sind und je länger eine Zuckerkrankheit andauert, desto höher wird das Risiko, dass sich bei dem Betroffenen Störungen des Verdauungssystems entwickeln.

Wenn die Nerven des Magens geschädigt sind, kann es zu einer Magenentleerungsstörung kommen: Der Magen entleert sich zu langsam oder – was seltener auftritt – zu schnell. Der Fachbegriff dafür ist „diabetische Gastropathie/Gastroparese“. Bei mehr als der Hälfte aller Menschen mit Typ-1-Diabetes entwickelt sich eine gestörte Magenentleerung. Bei Typ-2-Diabetes sind ungefähr 30 von 100 Menschen betroffen.

Andere Probleme mit den Verdauungsorganen sind ebenfalls häufig:

  • Schluckstörungen und Sodbrennen aufgrund einer beeinträchtigten Funktion der Speiseröhre.
  • Bis zu 20 von 100 Menschen mit Diabetes leiden an Durchfall.
  • Eine Verstopfung (Obstipation) tritt bei bis zu 60 von 100 Menschen mit Diabetes mit langjähriger Erkrankung auf.
  • Die Bildung von Gallensteinen wird begünstigt.

Sind im Verlauf des Diabetes solche Veränderungen der Magendarmfunktionen eingetreten, ist es besonders wichtig, die Einstellung des Blutzuckers sorgfältig zu kontrollieren, d.h. Ernährung und Einnahme von Medikamenten genau zu beachten. Zum einen nämlich sind Magen-Darm-Beschwerden als Folge von Schäden des Nervensystems ein Zeichen dafür, dass auch andere Nerven im Körper bereits beeinträchtigt sein können (wie bei langjährigem Diabetes häufig: Augen, Nerven der Haut etc.). Zum anderen hängen Nahrungsaufnahme und Verdauung mit der Steuerung des Zuckerhaushalts sehr eng zusammen: Wird Nahrung verzögert oder sehr plötzlich in den Darm transportiert, so ist eine gleichmäßige Regulierung des Blutzuckers noch schwieriger als dies bei Diabetes sowieso schon ist. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist es daher besonders wichtig, Magendarmstörungen möglichst gut zu behandeln und den Blutzucker ggf. noch genauer zu kontrollieren.  

Veränderungen in der Speiseröhre

Kontraktionsstörungen (Peristaltik) der Speiseröhre und ein geschwächter Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen können zu Sodbrennen und Schluckbeschwerden (Refluxbeschwerden) führen. Solche Beschwerden treten allerdings nur bei sehr wenigen Diabetespatienten auf. Andere Auslöser für Sodbrennen bei Diabetes sind Übergewicht, ein hoher Blutzuckerspiegel und eine verringerte Absonderung von Bikarbonat aus der Bauchspeicheldrüse zur Säureneutralisierung.

Zur Diagnostik kann der Arzt die Muskelfunktion in der Speiseröhre durch eine Druckmessung beurteilen. Die Therapie umfasst die Kontrolle des Blutzuckerspiegels sowie die Verabreichung von Medikamenten gegen Sodbrennen.

Verlängerte Magenentleerungszeit: Gastroparese

Diese Motilitätsstörung (Gastroparese, Gastropathie) äußert sich durch ein rasch einsetzendes Sättigungsgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Blähbauch, Völlegefühl nach Mahlzeiten und Schmerzen im oberen Bauch. Bei bis zu 30–60 % der Patienten mit Diabetes treten Symptome der Gastroparese auf. Neben einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung sind auch Blutuntersuchungen, eine Gastroskopie, eventuell Röntgenaufnahmen des Dünndarms und Ultraschall- oder nuklearmedizinische Untersuchungen mit einer Gammakamera (Szintigrafie), die die Leerung des Magens zeigen, notwendig.

Der Arzt wird andere Ursachen ausschließen, den Schweregrad beurteilen, einen eventuellen Nahrungsmangel korrigieren und die Symptome lindern. Dabei muss der Arzt auch Ihre Medikamente kennen, da bestimmte Beschwerden durch Nebenwirkungen von Medikamenten entstehen können.

Eine Ernährungsumstellung und niedrig dosierte Medikamente gegen Übelkeit können die Symptome unter Kontrolle bringen. Trinken Sie viel: Eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme unterstützt die Entleerung des Magens, da Flüssigkeit im Gegensatz zu fester Nahrung nicht verzögert ausgeschieden wird. Essen Sie lieber weniger, dafür aber öfter, um einem Blähbauch nach den Mahlzeiten vorzubeugen. Hilfreich ist es außerdem, die Nahrung gut zu kauen,  in aufrechter Haltung zu essen und sich anschließend nicht gleich hinzulegen (30 Minuten aufrecht bleiben). Diese Maßnahmen sind auch bei Sodbrennen (s. oben) hilfreich. Raucher sollten aufhören zu rauchen. Sinnvoll ist es, weniger ballaststoffreiche und fettreiche Nahrung zu essen und wenig Alkohol zu trinken. Diese Nahrungsmittel können die Entleerung des Magens stören.

Es gibt auch Medikamente, die den Transport der Nahrung in Speiseröhre und Magen beschleunigen (Prokinetika) und häufig die Beschwerden effektiv lindern können.

Veränderungen im Dünn-und Dickdarm

In der Fachsprache werden diese Veränderungen als intestinale Neuropathie bezeichnet. Durch die Schädigungen des Nervensystems, das die Darmfunktionen steuert, wird die Regulation der Verdauung beeinträchtigt, es kann zu Durchfall, Verstopfung oder Inkontinenz kommen.

Rund 20 % aller Diabetespatienten leiden unter Durchfall. Die Therapie zielt auf eine Linderung der Symptome ab. Dabei werden der Flüssigkeits- und Salzhaushalt korrigiert, die Ernährung und der Blutzuckerspiegel kontrolliert und ggf. andere zugrunde liegende Ursachen behandelt. Durchfallpräparate sollten vorsichtig eingesetzt werden.

Neben Durchfall kann es auch zu Verstopfung (Obstipation) kommen. Dies ist eine der häufigsten Komplikationen bei Diabetes. Laut Studien leiden bis zu 60 % der Diabetiker unter Verstopfung und nehmen häufig Abführmittel ein. Damit treten Verstopfungen in dieser Gruppe signifikant häufiger auf als in der restlichen Bevölkerung. Der Arzt muss andere Ursachen ausschließen, wie Nebenwirkungen von Medikamenten oder einen niedrigen Stoffwechsel. Die Therapie umfasst eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige körperliche Aktivitäten und eine erhöhte Zufuhr von Ballaststoffen. Abführmittel (Lactulose) können ebenfalls eingesetzt werden.

Eine Funktionsstörung des inneren und äußeren Schließmuskels aufgrund von Neuropathie kann zu Stuhlinkontinenz führen.

Zur genaueren Untersuchung der Beschwerden können Blutuntersuchungen, Ultraschall oder Röntgenaufnahmen der Bauchorgane, Stuhluntersuchungen bei Durchfall, Darmspiegelung sowie weitere speziellere Untersuchungen zum Einsatz kommen, v.a. um mögliche andere zugrunde liegende Krankheiten auszuschließen.

Diabetes und nicht-alkoholinduzierte Fettleber

Diese Lebererkrankung ähnelt der alkoholinduzierten Fettleber, allerdings konsumiert der Patient keine großen Mengen Alkohol. Die Ursache ist unbekannt, aber die Erkrankung tritt oft in Verbindung mit Typ-2-Diabetes und/oder erhöhten Blutfettwerten auf. Bei manchen Betroffenen entwickelt sich im Verlauf eine Entzündung der Leber (Steatohepatitis) bis hin zu einer Schrumpfleber (Leberzirrhose). 

Die Diagnose erfolgt aufgrund von erhöhten Leberwerten im Blut (Transaminasenanstieg) über einen längeren Zeitraum. Es werden zudem weitere Blutuntersuchungen sowie Untersuchungen per Ultraschall und Computertomografie durchgeführt.

Die meisten Patienten mit einer Fettleber haben keine Symptome. Bei einigen Patienten treten Schmerzen oder eine Schwellung im oberen Bauch auf. Patienten mit nicht-alkoholinduzierter Steatohepatitis wird eine langsame Gewichtsreduzierung und eine gute Kontrolle des Blutzuckerspiegels, meist durch Antidiabetika, empfohlen.

Weiterführende Informationen

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Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln (Deximed)
  • Björn Eliasson, adjungerad professor och överläkare, Diabetescentrum, Sahlgrenska universitetssjukhuset, Göteborg