Diabetischer Fuß, Charcot-Fuß

Der Charcot-Fuß ist eine seltene Spätfolge bei Typ-1 und Typ-2-Diabetes, bei der es zu Knochenbrüchen im Fuß kommt. Der Fuß verformt sich hierdurch unter Umständen dauerhaft. Die Patienten verspüren meist keine Schmerzen, sind aber durch die Deformierung im Gang behindert.

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Fakten

  • Der Charcot-Fuß ist eine seltene Erkrankung, bei der es zu Brüchen der Fußknochen und hierdurch zu einer Deformierung des Fußes oder Knöchels kommt. Betroffen sind hierzulande fast ausschließlich Patienten mit langjährig unzureichend behandeltem Diabetes mellitus. Der Charcot-Fuß zählt zum Formenkreis des sogenannten diabetischen Fußsyndroms.
  • Typische Symptome sind Schwellungen und eine erhöhte Hauttemperatur des Fußes. Später kommt es zu Verformungen: Die Wölbung an der Unterseite des Fußes nimmt ab (Plattfuß). In einigen Fällen kann sich die Fußsohle nach außen wölben. Betroffene fühlen sich häufig unsicher beim Gehen. Da im Rahmen der Diabetes-Erkrankung die Nerven geschädigt werden, verspüren die Patienten meist keine Schmerzen.
  • Die Diagnose basiert auf der Krankengeschichte des Patienten sowie der körperlichen Untersuchung. Außerdem werden Aufnahmen der Füße mittels Röntgen und Magnetresonanztomografie (MRT) angefertigt.
  • Die Behandlung besteht in einer Entlastung des Fußes mittels Gips oder Zwei-Schalen-Orthese (Lauf-Orthese) für mehrere Monate. Langfristig ist außerdem speziell angepasstes Schuhwerk sowie eine gute Einstellung des Blutzuckers entscheidend.

Was ist der Charcot-Fuß?

Der Charcot-Fuß ist eine seltene Erkrankung, bei der es zu einer Zerstörung des Knochens und Knorpels im Fuß und hierdurch zu einer Deformierung des Fußes oder Knöchels kommt. Betroffen sind hierzulande fast ausschließlich Patienten mit langjährig unzureichend behandeltem Typ 1- oder Typ 2-Diabetes mellitus.

Die Bezeichnung Charcot-Fuß wird sowohl für den akuten Zustand als auch einen chronisch deformierten Fuß verwendet. Die Erkrankung ist nach Jean-Martin Charcot (1825–1893) benannt, der den Zustand detailliert beschrieb und mögliche Krankheitsmechanismen benannte.

In Deutschland sind etwa 0,1 % der Patienten mit Diabetes mellitus betroffen. Unter Patienten, die schon Nervenschäden als Folge des Diabetes mellitus aufweisen, ist der Anteil deutlich höher. 

Ursachen

Ein Charcot-Fuß entwickelt sich über Monate und Jahre hinweg. Bei Diabetes mellitus kommt es, insbesondere bei dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten, zu einer Schädigung der Nerven. Dies wirkt sich über verschiedene Wege auf die Knochen des Fußes aus: Da die Durchblutung durch die geschädigten Nerven nicht mehr korrekt reguliert wird, kommt es zu einer lokal gesteigerten Durchblutung der Knochen und hierdurch zu einem Abbau des Knochens. Der Fuß fühlt sich taub an und die Muskulatur kann nicht mehr so empfindlich angesteuert werden, weshalb der Fuß fehlbelastet wird. Gleichzeitig wird durch Schädigungen der Schmerz-leitenden Nervenfasern dieser nicht mehr wahrgenommen. Kleinere Knochenbrüche sind die Folge, wodurch im Laufe der Zeit der Fuß verformt wird. 

Akuter und chronischer Charcot-Fuß

Man unterscheidet zwischen dem akuten und dem chronischen Charcot-Fuß.

Beim akuten Charcot-Fuß können Symptome im Zusammenhang mit besonders belastenden Aktivitäten auftreten, z. B. bei langen Spaziergängen. Der Zustand kann auch auftreten, wenn das Fußskelett aufgrund einer Ruhigstellung geschwächt ist, z. B. nach einer Knöchelfraktur oder Fußoperation. Die Patienten bemerken dies durch eine einseitige Schwellung, Überwärmung und eventuelle Rötung sowie eine Unsicherheit beim Gehen. Einige Patienten klagen über anhaltende Schmerzen, aber in vielen Fällen verläuft die Erkrankung aufgrund der geschädigten Nerven schmerzfrei. Es besteht das Risiko, dass es schon in der Anfangszeit zu einer Deformierung des Fußes kommt.

Ein chronischer Charcot-Fuß entwickelt sich hingegen allmählich oder ist das Ergebnis eines nicht erfolgreich behandelten akuten Charcot-Fußes. Es kommt mit der Zeit zu einem Bruch der Fußknochen, Verformung des Fußes, Schwellungen und zu einer Gangunsicherheit.

Diagnostik

Die Diagnose basiert auf der Krankengeschichte des Patienten, dem Befund der ärztlichen Untersuchung sowie auf Aufnahmen. Typische Symptome sind Schwellungen eines Fußes oder Knöchels und eine erhöhte Hauttemperatur im Vergleich zum anderen Fuß. Allerdings können auch beide Füße betroffen sein. Im fortgeschrittenen Stadium fehlt die Wölbung an der Unterseite des Fußes. In einigen Fällen wölbt sich die Fußsohle nach außen oder der Fuß ist andererweitig deformiert. 

Aufgrund der veränderten Form kommt es zu einer abnormalen Druckverteilung auf den Fuß (höherer Druck auf den Vorderfuß). Dies kann zu Druckstellen und offenen Wunden führen.

In der Regel wird eine Röntgenaufnahme des betroffenen Fußes angefertigt. Allerdings zeigt diese in einer frühen Phase des Krankheitsverlaufs oft noch keine Auffälligkeiten. Empfindlichere Untersuchungen sind die Szintigrafie oder Magnetresonanztomografie (MRT). Darüber hinaus wird der Langzeit-Blutzucker (HbA1c) bestimmt, um die die Qualität der Diabetes-Einstellung zu ermitteln.

Therapie

Die Behandlung bei Charcot-Fuß ist komplex und umfasst eine Entlastung des Fußes, Fußpflege und Behandlung von Wunden sowie eine Einstellung des Diabetes mellitus mittels Medikamenten. Patienten mit Charcot-Fuß werden deshalb in der Regel von einem Team aus Diabetologen/Endokrinologen, Orthopäden, Fußpflegespezialisten, Orthopädie- und Gipstechnikern behandelt. Wichtig ist ein früher Beginn der Therapie. Nicht zuletzt erfordert eine Behandlung auch ein großes Maß an Mitarbeit durch den Patienten, wenn sie erfolgreich sein soll. 

Ziel der Therapie ist es, eine Verformung und somit dauerhafte Behinderung zu verhindern. Außerdem soll versucht werden, die Entstehung von Wunden an den Füßen zu verhindern, da diese bei Patienten mit Diabetes oft schlecht heilen.

Besteht der Verdacht auf einen Charcot-Fuß, wird der Fuß des Patienten sofort entlastet, um weitere Schäden zu vermeiden. Auch wenn der Röntgenbefund negativ ist, sollte die Entlastung fortgesetzt werden, bis ein Charcot-Fuß sicher mittels MRT oder Szintigrafie ausgeschlossen wurde.

Konservative Behandlung

Entlastung

Der erste Schritt besteht aus der Entlastung des Fußes. Das Anlegen eines Gipses war in der Vergangenheit die Therapie der Wahl. Heutzutage werden meist Spezial-Schienen oder -Schuhe verwandt, z. B. sogenannte Lauf-Orthesen. Die Patienten sollten den Fuß möglichst ruhig halten, da auch mit Schienung die Belastung nicht vollständig aufgehoben ist. Im Haus können Gehhilfen verwendet werden, ansonsten sollte die Fortbewegung mittels Rollstuhl erfolgen. Um in Bewegung zu bleiben, können Patienten beispielsweise ein Fahrrad-Ergometer verwenden.

Es gibt keine allgemeingültige Richtlinie für die Dauer der Ruhigstellung. In der Regel erfolgt diese mindestens, bis die Schwellung und Überwärmung vollständig zurückgegangen sind und sich mittels MRT oder Szintigrafie keine Hinweise auf eine Schädigung der Knochen finden lassen. Im Durchschnitt wird der Fuß für 4 - 8 Monate entlastet. Danach kann allmählich mit Bewegung und einer leichten Belastung begonnen werden. Dabei sollte die Orthese weiterhin getragen werden, um das Fußgewölbe zu unterstützen. Ein Teil der Patienten erleidet einen Rückfall und der Fuß muss erneut ruhiggestellt werden.

Nach Abschluss der Entlastung erfolgt der schrittweise Übergang zu speziell angepassten Schuhen. Auch wenn nur ein Fuß betroffen ist, sollten Spezial-Schuhe für beide Füße angefertigt werden, um der Entwicklung eines Charcot-Fußes auf der anderen Seite vorzubeugen.

Darüber hinaus ist eine optimale Behandlung des Diabetes mellitus wichtig, um weitere Folgeschäden durch die Erkrankung zu verhindern.

Operative Behandlung

Eine chirurgische Behandlung erfolgt bei Charcot-Fuß selten und nur, wenn bereits eine dauerhafte Fehlstellung eingetreten ist, die dem Patienten starke Beschwerden bereitet. In der akuten Phase der Erkrankung erfolgt keine Operation. 

Gelegentlich werden hervorstehende Knochenspitzen entfernt oder ein instabiler Knöchel wird versteift. Solche Eingriff sind jedoch kompliziert, erfordern eine aufwändige Nachbehandlung und sollten nur von Spezialisten durchgeführt werden.

Prognose

Ein Patient mit Charcot-Fuß ist von einer schwerwiegenden Folgeerkrankung eines Diabetes mellitus betroffen. Der Formenkreis des diabetischen Fußsyndroms gehört zu den häufigsten Komplikationen bei Diabetes. Schlimmstenfalls münden diese in einer Amputation des Fußes. Einen wichtigen Beitrag können Patienten selbst durch Wahl eines geeigneten Schuhwerks und gute Fußhygiene leisten. Patienten, die wegen eines Charcot-Fußes in Behandlung waren, sollten lebenslang speziell angefertigtes Schuhwerk tragen und zu Kontrolluntersuchungen gehen.

Durch einen langjährig unzureichend eingestellten Diabetes tragen Patienten auch ein erhöhtes Risiko für zahlreiche weitere Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall), chronisches Nierenversagen und Augenschäden. Die Behandlung bei Diabetes mellitus hat sich jedoch in den zurückliegenden Jahren deutlich verbessert. Durch eine gute Einstellung des Blutzuckers mittels Medikamenten, regelmäßige Kontrolluntersuchungen und Rauchstopp kann die Prognose deutlich verbessert werden.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Dietrich August, Arzt, Freiburg im Breisgau
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Diabetischer Fuß, Charcot-Fuß. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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