Typ-1-Diabetes, Flugreisen

Personen, die Typ-1-Diabetes haben und eine Flugreise planen, sollten wissen, wie sich eine solche Reise auf den Insulinbedarf auswirkt, und wie das Insulin auf der Reise verwahrt werden sollte.

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Flugreisen bei Typ-1-Diabetes mit Verwendung von Insulin stellen in der Regel kein Problem dar, allerdings müssen einige Dinge beachtet werden. Die meisten Hinweise beziehen sich darauf, wie Patienten das Insulin und ihre andere Diabetesausrüstung auf der Reise verwahren müssen.

Das Insulin muss im Handgepäck mitgeführt werden. Es darf sich nicht im Reisegepäck befinden. Fliegt das Flugzeug in großer Höhe, kann es zu Minustemperaturen im Gepäckraum kommen. Solche Temperaturen verträgt das Insulin nicht. Es ist möglich, Flüssigkeiten im Handgepäck mitzuführen, die aus medizinischen Gründen notwendig sind. Laut der Verkehrsbehörde gilt dies für alle Medikamente, die während der gesamten Reise benötigt werden – also auch während des Aufenthalts am Reiseziel. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten muss eventuell nachgewiesen werden, dass der Patient auf die Medikamente angewiesen ist. Dies können Sie über den Aufkleber mit Ihrem Namen auf den rezeptpflichtigen Medikamenten, das Rezept selbst oder einen Nachweis der Apotheke bzw. ein ärztliches Attest nachweisen. Nehmen Sie darum immer einen Nachweis mit, z. B. ein ärztliches Attest (auf Englisch), in dem die Medikamente und Geräte aufgeführt sind, die Sie benötigen. In vielen Ländern muss ein solches Attest einen offiziellen Stempel tragen, z. B. von einem Krankenhaus.

Originalverpackung mitführen

Laut Artikel Flying with Diabetes in der Zeitschrift Clinical Diabetes dürfen Patienten Spritzen und Insulinpens nur mit in das Flugzeug nehmen, wenn die Ampullen und Verpackungen des Insulins mit einem Etikett mit der persönlichen Dosieranweisung (und dem Namen des Patienten) der Apotheke versehen sind. Nehmen Sie darum die Originalverpackung mit. Auf dieser ist normalerweise der Aufkleber angebracht. Die Nadeln für die Messung des Blutzuckerspiegels müssen durch eine Kappe geschützt sein. Der Herstellername des Blutzuckermessgeräts muss deutlich lesbar sein. Die Glukagonspritze muss sich ebenfalls in der Originalverpackung mit dem Etikett der Apotheke befinden. Weitere Informationen finden Sie in Passengers with Diabetes or other Medical Conditions der amerikanischen Transportation Security Administration (TSA).

Röntgenstrahlen ohne Auswirkung auf Insulin

Laut einem Artikel in Clinical Diabetes aus dem Jahr 2003 haben Röntgenstrahlen, die bei Sicherheitskontrollen am Flughafen verwendet werden, keine Auswirkungen auf Insulin, Blutzuckermessgeräte, Insulinpumpen oder andere Diabetesausrüstung. Haben Sie dennoch Zweifel, können Sie das Sicherheitspersonal bitten, Ihre Medikamente manuell zu untersuchen.

Auf Flugreisen sitzen Sie oft eine lange Zeit still, mitunter nehmen Sie viele Kohlenhydrate zu sich. Dies führt zu einem erhöhten Insulinbedarf. Der Blutzuckerspiegel kann auch durch Stress oder Anspannung steigen. Darum sollten Sie den Blutzucker während des Fluges häufig messen. Durch den Druck in der Kabine können sich Luftbläschen im Behälter des Insulinpens bilden. Um dies zu vermeiden, sollten Sie die Kanüle nach der Injektion sofort entfernen.

Insulin mit der Mahlzeit spritzen

Essen Sie im Flugzeug ein normales Gericht. Spezielle Gerichte für Diabetiker enthalten in der Regel sehr wenige Kohlenhydrate. Diese Gerichte sind geeignet für Diabetiker mit Typ-2-Diabetes, die abnehmen müssen. Spritzen Sie schnell wirkendes Insulin erst, wenn Sie das Essen tatsächlich erhalten haben. Manchmal dauert die Essensausgabe eine Weile.

Achten Sie darauf, dass Sie etwas Zuckerhaltiges bei sich haben, falls der Blutzuckerspiegel fallen sollte. Packen Sie auch normales Essen ein. So sind Sie gerüstet, wenn es zu Verspätungen kommt oder Sie während der Reise oder nach der Ankunft nicht sofort etwas zu essen bekommen.

Fliegen Sie in ein Land mit einer anderen Zeitzone, verwenden Sie während der Reise zwei Uhren. Eine Uhr zeigt die „neue“ Zeit, die andere die Zeit zu Hause. So ist es einfacher, den Zeitpunkt für Mahlzeiten und Insulindosen zu bestimmen.

Trinken Sie während der Reise ausreichend und meiden Sie Alkohol. Durch den Verzehr von Alkohol steigt das Risiko eines niedrigen Blutzuckerspiegels. Dieses Risiko sollten Sie im Flugzeug nicht eingehen.

Zeitzonen

Wenn Sie eine lange Flugreise vor sich haben, bei der Sie mehrere Zeitzonen durchfliegen, sollten Sie den Insulinbedarf anpassen: Reisen Sie nach Osten oder Westen mit mehr als fünf Zeitzonen, ist die Dosis anzupassen. Fliegen Sie in den Norden oder Süden, ist dies normalerweise nicht notwendig. In Richtung Osten werden die Tage kürzer und die Insulindosen häufiger, was zu einem niedrigen Blutzuckerspiegel führen kann. Reisen Sie Richtung Westen, werden die Tage länger und die Insulindosen müssen erhöht werden. Der Verfasser des Artikels „Have Insulin, will fly“ in der Zeitschrift Clinical Diabetes weist jedoch darauf hin, dass diese Faustregel nicht immer gilt. Unabhängig davon, ob Sie an Diabetes leiden oder nicht, haben Sie wahrscheinlich mit einem Jetlag zu kämpfen, wenn Sie durch verschiedene Zeitzonen fliegen.

Auch wenn Sie normalerweise kein schnell wirkendes Insulin einnehmen, kann es ratsam sein dieses auf die Reise mitzunehmen, um eventuell auftretende hohe Glukosespiegel zu behandeln. Es ist ratsam dies mit Ihren Ärzten zu besprechen. Mit schnell wirkendem Insulin können Sie zudem am Reiseziel sofort zum normalen Tagesrhythmus übergehen.

Zubehör für die Pumpe nicht vergessen

Verwenden Sie eine Insulinpumpe, setzen Sie die normale Routine mit festen Dosen und Dosen vor Mahlzeiten fort. Sind Sie am Reiseziel angelangt, können Sie die Zeiteinstellung der Pumpe ändern. Es ist sicherer, in den ersten Tagen einen etwas höheren Blutzuckerspiegel als normalerweise zu haben, als einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel zu riskieren. Neben der Pumpe müssen Sie langsam wirkendes Insulin und normales oder schnell wirkendes Insulin sowie die entsprechende Ausrüstung mitnehmen. Denken Sie auch an einen zusätzlichen Insulinpen und Batterien für die Pumpe, für den Fall, dass die Pumpe kaputtgeht oder die Batterien leer sind.

Und zu guter Letzt: eine angenehme Reise!

Weitere Informationen

Literatur

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg