Typ-1-Diabetes, Reisen

Auch mit Diabetes können Sie reisen. Damit die Reise aber so sicher und angenehm wie möglich wird, ist etwas Planung nötig.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

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Es gibt eigentlich keine Reiseziele oder Transportmittel, die für Personen mit Typ-1-Diabetes grundsätzlich ungeeignet sind. Am wichtigsten ist, den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu messen und die Insulindosis je nach Bedarf anzupassen. Durch das Stillsitzen in Flugzeug, Auto, Schiff oder Zug sowie ein z. B. kohlenhydratreicheres Essen kann es zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel kommen. Auch der Gefühlszustand kann Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel haben. So kann beispielsweise Anspannung oder Stress zu erhöhten Blutzuckerwerten führen. Durch einen höheren Alkoholkonsum als gewöhnlich kann ebenfalls ein erhöhter Insulinbedarf entstehen. Damit es nicht zur Unterzuckerung kommt, sollten Sie Alkohol nur mäßig konsumieren. Zudem sollten Sie einige Vorbereitungen vor der Reise  treffen, um eine Blutzuckerentgleisung durch die veränderten Umstände während der Reise zu verhindern.

Vor der Reise

Vor der Reise müssen Sie sich ein Attest besorgen, mit dem Sie nachweisen können, dass Sie Diabetes haben. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse über Ihren Versicherungsstatus in den Ländern, die Sie bereisen möchten. Gegebenenfalls müssen Sie sich um die Abdeckung zusätzlicher Leistungen kümmern. Dies hängt unter anderem von Ihrer Krankenkasse, den Reisezielen und gewünschten medizinischen Leistungen ab. Für Reisen innerhalb Europas sind bei gesetzlich Versicherten aus Deutschland zum Beispiel akute Erkrankungen sowie Unfälle meist durch die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) abgedeckt, die auf der Rückseite Ihrer normalen Krankenversicherungskarte vermerkt ist. Eine Versorgung bei Diabetes ist bei gesetzlich versicherten Patienten mit der Europäischen Krankenversicherung teilweise möglich, aber nicht immer gewährleistet. Setzen Sie sich daher auf jeden Fall mit Ihrer Krankenversicherung in Kontakt.

Außerdem sollten Sie sich darüber informieren, welche Impfungen für Ihr Reiseziel empfohlen werden. Lassen Sie sich rechtzeitig vor der Reise impfen. Dafür können Sie zu Ihrem Allgemeinmediziner gehen bzw. kann dieser Sie, wenn nötig, zu einem Reisemediziner überweisen. Fragen Sie Ihren Arzt, wie Sie sich bei Durchfall, Erbrechen oder Fieber verhalten müssen. Nehmen Sie Medikamente zur Vorbeugung oder Behandlung von Durchfall mit.

Lesen Sie auch unsere Checkliste zu Insulin und der weiteren Ausrüstung, die Diabetiker mit Typ 1 auf Reisen einpacken sollten (Reisen mit Typ-1-Diabetes: Checkliste).

Wärme erhöht das Risiko niedriger Blutzuckerwerte

Für unseren Urlaub wählen wir gern ein warmes Reiseziel. Denken Sie aber daran, dass Wärme die Durchblutung in der Unterhaut stimuliert und zu einer schnelleren Aufnahme von Insulin führt. Sonnen und Baden können damit das Risiko eines niedrigen Blutzuckerspiegels (Unterzuckerung) erhöhen. Im Urlaub sind wir oft aktiver und ernähren uns häufig anders als im Alltag. Darum kann es unter diesen Umständen sinnvoll sein die normale Insulindosis um 10–20 % zu senken. Es kann auch zu einem niedrigen Blutzuckerspiegel kommen, wenn Sie bei Wärme zu wenig trinken und Ihr Körper austrocknet. Dadurch wird das Insulin langsamer aufgenommen. Trinken Sie später mehr, wird das Insulin auch wieder schneller aufgenommen – und der Blutzuckerspiegel sinkt. Achten Sie deshalb darauf, ausreichend Wasser zu trinken. Sie sollten zudem immer Traubenzucker oder andere zuckerhaltige Nahrung gegen Unterzuckerung bei sich haben.

Aufbewahrung von Insulin bei Wärme

Gehen Sie zum Strand oder unternehmen Sie einen Ausflug, müssen Sie das Insulin beispielsweise in einer Kühltasche oder einem Thermobehälter aufbewahren (keine Eiswürfel!). Lassen Sie das Insulin bei sehr hohen oder sehr niedrigen Temperaturen nicht im Auto liegen. Das Insulin darf weder Frost, direkter Sonneneinstrahlung noch hohen Temperaturen ausgesetzt werden. Die Wirksamkeit von normalem, schnell wirkendem Insulin sinkt lediglich um 2 %, wenn es ein Jahr bei 25 Grad Celsius aufbewahrt wird. Wird es aber bei 40 Grad Celsius gelagert, hat es nach 14 Wochen bereits 5 % seiner Wirksamkeit verloren.

Wenn es in Ihrem Hotelzimmer nicht heiß ist, müssen Sie das Insulin nicht im Kühlschrank aufbewahren. Die kleinen Hotelkühlschränke haben oft eine schlechte Temperaturregulierung, sodass das Insulin gefrieren kann. In diesem Fall müssen Sie es wegwerfen. Bei einem längeren Aufenthalt sollten Sie das Insulin aber im Kühlschrank aufbewahren. Nehmen Sie ein eigenes Thermometer mit, damit Sie die Kühlschranktemperatur kontrollieren können.

Extrem hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme können sich auch auf Blutzuckermessgerät und Teststreifen auswirken. Blutzuckermessgeräte funktionieren am besten bei Temperaturen zwischen 15 und 35 Grad Celsius. Durch Kälte können zu niedrige Werte angezeigt werden, bei Wärme zu hohe Werte.

Richtige Spritze für die richtige Dosis

Können Sie nachweisen, dass Sie an Diabetes leiden, sollte es kein Problem sein, überall auf der Welt Insulin in der Apotheke zu erhalten. Bedenken Sie aber, dass in anderen Ländern eventuell andere Konzentrationen als zu Hause verkauft werden.

In verschiedenen Ländern kann die Konzentration 100 IE/ml, 80 IE/ml oder 40 IE/ml sein. Die internationale Einheit lautet IU/ml (International Unit/Milliliter); wir verwenden IE/ml (Internationale Einheit/Milliliter). Müssen Sie eine andere Konzentration als 100 IE/ml verwenden, müssen Sie auch die passenden Spritzen kaufen. Verwenden Sie eine 100-ml-Spritze für ein Präparat mit einer Konzentration von 40 IE/ml oder 80 IE/ml, erhalten Sie die falsche Dosis. Mit den richtigen Spritzen stellen Sie sicher, dass Sie die passenden Einheiten spritzen.

In einigen Ländern wird der Blutzucker in Millimol pro Liter (mmol/l) angegeben. Zur Umrechnung auf Milligramm pro Deziliter (mg/dl) müssen Sie den Wert mal 18 nehmen.

Reisen Sie Richtung Osten oder Westen und durchqueren dabei mehrere Zeitzonen, müssen Sie die Insulindosis über den Tag anpassen. Weitere Informationen finden Sie im Artikel Flugreisen und Typ-1-Diabetes.

Reisen Sie in einer Gruppe, sollten Sie Ihren Mitreisenden kurz erklären, was ein niedriger Blutzuckerspiegel und Unterzuckerung bedeutet und wie Glukagon verwendet wird. So können sie Ihnen im Notfall helfen.

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Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg