Typ-1-Diabetes

Typ-1-Diabetes tritt in der Regel akut auf, obwohl sich die Krankheit über einen langen Zeitraum entwickeln kann.

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Fakten

  • Es handelt sich um eine Erkrankung mit hohen Blutzuckerwerten aufgrund eines Mangels an dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin.
  • Typ-1-Diabetes ist eine Insulinmangelerkrankung. Das Immunsystem des Körpers greift die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an.
  • Die Erkrankung tritt in der Regel bei Kindern und Jugendlichen auf, sie manifestiert sich akut mit einem hohen Blutzuckerspiegel und nicht selten einem Blutzuckerkoma. Die Krankheit besteht dann meist schon länger unerkannt.
  • Häufig kommt es in der frühen Phase zu einem verschlechterten Allgemeinzustand, Durst, erhöhtem Harndrang und Gewichtsabnahme.
  • Die Diagnose wird aufgrund von Messungen des Blutzuckers gestellt.
  • Ziel der Therapie sind Symptomfreiheit, hohe Lebensqualität und eine normale Lebenserwartung.
  • Um dies zu erreichen, müssen sich Betroffene gesund ernähren, darauf achten, dass sie sich ausreichend bewegen, auf Rauchen verzichten und sich regelmäßig Insulin spritzen.

Was ist Typ-1-Diabetes?

Typ-1-Diabetes ist eine Erkrankung mit anhaltend hohen Blutzuckerwerten (Plasmaglukose) aufgrund eines Mangels an dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin. Es handelt sich um eine lebenslange Erkrankung, mit der Betroffene heute jedoch ganz normal leben können und auch eine annähernd normale Lebenserwartung haben. Dies setzt eine adäquate Therapie voraus.

In der Anfangsphase haben die Patienten oft einen verschlechterten Allgemeinzustand, vermehrten Durst, erhöhten Harndrang und nehmen ab. Der Blutzuckerspiegel kann so hoch steigen, dass der Patient bewusstlos wird oder ins Koma fällt. Gerade die erste Phase, wenn die Erkrankung noch nicht bekannt ist, zeigt oft unspezifische Symptome.

Auf der anderen Seite kann unter Insulintherapie der Blutzuckerspiegel auch so weit fallen, dass dies zu Persönlichkeitsstörungen und Insulinkoma (Bewusstlosigkeit) führt.

Der Krankheitsbeginn von Typ-1-Diabetes kann in jedem Alter auftreten, in der Regel jedoch vor dem 20. Lebensjahr. Die Häufigkeit des Typ-1-Diabetes beträgt in Mitteleuropa etwa 0,3 %. Jedes Jahr treten in Deutschland 15 neue Fälle pro 100.000 Einwohner auf. Die höchste Erkrankungsrate findet sich zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr. Die Fälle von Typ-1-Diabetes scheinen weltweit zuzunehmen, vor allem bei sehr jungen Kindern, der Grund hierfür ist nicht bekannt. 

Ursache

Zucker (Glukose) ist ein wichtiger Brennstoff des Körpers; das Hormon Insulin spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Zuckerhaushalts. Durch das Insulin wird u. a. die Glukose in die Zellen transportiert. Dadurch erhalten die Zellen Brennstoff und der Blutzucker bleibt auf dem richtigen Niveau.

Typ-1-Diabetes ist eine reine Insulinmangelerkrankung. Dabei greift das Immunsystem des Körpers die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an, danach verlieren sie die Fähigkeit, Insulin zu produzieren. Die Ausbildung der Krankheit erfolgt schrittweise, die ersten Symptome treten jedoch meist innerhalb weniger Wochen auf.

Bei vielen Betroffenen liegt eine erbliche Vorbelastung für Diabetes vor. Das Risiko von Diabetes steigt mit dem Vorkommen bestimmter Zellmarker (Eiweiße auf der Zelloberfläche). Bei einer ungünstigen Kombination dieser Zellmarker ist das Risiko, an Typ-1-Diabetes zu erkranken, 12 %. Bei der normalen Bevölkerung liegt dieses Risiko lediglich bei 1 %. Äußere Faktoren, die wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle beim Vorkommen von Diabetes spielen, sind Infektionen mit einem Darmvirus (Enterovirus) während der Schwangerschaft, wobei die Daten hier nicht eindeutig sind. 

Diagnostik

Der Typ-1-Diabetes entwickelt sich schleichend, Anfangssymptome sind unspezifisch, dann jedoch treten schwere Symptome akut auf,  bis hin zum Koma (Manifestationskoma). Betroffene haben einen sehr hohen Blutzuckerspiegel. Meist kommt es davor zu einem verschlechterten Allgemeinzustand, erhöhtem Harndrang, Durst und einer Gewichtsabnahme.

Akute Phase mit hohem Blutzuckerspiegel

In dieser Phase atmet der Patient schnell und schwer (Hyperventilation) und der Atem kann nach Aceton (Obstessig) riechen. Das Blut hat dann nämlich einen höheren Säuregehalt (niedriger pH-Wert), und es werden sogenannte Ketonkörper produziert. Ketonkörper werden bei einem niedrigen Insulinspiegel produziert. Da Insulin benötigt wird, um Glukose in die Körperzellen zu transportieren, muss der Körper nun Fett anstelle von Glukose verbrennen. Ein Nebenprodukt der Fettverbrennung ist die Bildung saurer Ketonkörper.

Wird jetzt nicht schnell behandelt, tritt eine Bewusstseinstrübung ein, und der Patient kann ins Koma fallen.

Laboruntersuchungen

Die Diagnose Diabetes mellitus wird aufgrund von Messungen des Blutzuckers gestellt. Der Nüchternblutzucker ist höher als 126 mg/dl (7 mmol/l). Bei hohen Blutzuckerwerten treten gleichzeitig auch große Veränderungen im Säuregrad des Blutes auf. Der Zucker kann auch im Urin nachgewiesen werden und der Langzeit-Blutzucker HbA1c ist erhöht.

Therapie

Ziel der Therapie sind Symptomfreiheit, hohe Lebensqualität und eine normale Lebenserwartung. Die Therapie soll auch akute Komplikationen wie ernste Hypoglykämie (zu niedriger Blutzucker) oder Hyperglykämie (zu hoher Blutzucker) verhindern. Die Therapie trägt auch dazu bei, dass spätere Komplikationen (an Gefäßen, Nieren, Augen, Füßen usw.) verringert werden. Kern der Therapie bei Diabetes mellitus sind eine gesunde Ernährung, Bewegung, Verzicht auf Rauchen und Spritzen von Insulin durch den Patienten selbst.

Ernährung

Diabetiker müssen auf eine gesunde Ernährung achten. Sie sollten mehr ungesättigte Fettsäuren (pflanzliches Fett, Fisch) und weniger gesättigte Fettsäuren (Fleisch) zu sich nehmen. Vollkorn-Getreideprodukte mit einem hohen Ballaststoffanteil sind Weißmehlprodukten und schnellresorbierbaren Kohlenhydraten zu bevorzugen. Lebensmittel mit einem hohem Zuckergehalt sollten gemieden werden, insbesondere ist auch auf den Zuckergehalt von Getränken zu achten. Bei Gemüse gibt es keine Einschränkungen. Spezielle Diabetikernahrung ist nicht sinnvoll. Bestimmte Ernährungsformen oder Diäten sind für Menschen mit Typ-1-Diabetes nicht erforderlich. Für sie gelten die allgemeinen Empfehlungen für eine gesunde Kost.

Von entscheidender Bedeutung für die Therapie des Typ-1-Diabetes ist, dass die Patienten in die Lage versetzt werden, den Kohlenhydratgehalt ihrer Nahrung einzuschätzen, um die Insulindosierung entsprechend anpassen zu können.

Bewegung

Eine vermehrte körperliche Aktivität führt bei Typ-1-Diabetes nicht zwangsläufig zu einer verbesserten Kontrolle über den Blutzuckerspiegel.
Mäßige körperliche Aktivität kann zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels führen.
Intensive körperliche Aktivität kann dagegen mit einer Erhöhung der Blutglukose einhergehen (relativer Insulinmangel und vermehrte Mobilisierung von Glukose).
Die Insulindosis muss je nach Aktivitätsniveau gesenkt werden: Hier bestehen große individuelle Unterschiede.

Um einer Hypoglykämie während oder nach dem Training vorzubeugen, müssen selbst Erfahrungen gesammelt und häufige Messungen durchgeführt werden.
Aufgrund der nach dem Training dauerhaft erhöhten Insulinsensitivität wird empfohlen, in dieser Phase stets schnell resorbierbare Kohlenhydrate mit sich zu führen.

Insulintherapie

Durch die Insulintherapie erholt sich zu Therapiebeginn die eigene Insulinproduktion des Körpers meist etwas. In dieser ersten Phase ist eine geringe Insulindosis ausreichend. Die Besserungsphase kann über Wochen, Monate oder Jahre anhalten. Danach geht sie jedoch meist in einen fast vollständigen Insulinmangel über, bei dem hohe Dosen Insulin zugeführt werden müssen. Durch die Insulintherapie soll der Blutzuckerhaushalt über den Tag reguliert werden. Der Insulinspiegel nach den Mahlzeiten muss hoch und zwischen den Mahlzeiten niedrig sein.

Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes soll der angestrebte HbA1c-Wert < 7,5 % (58 mmol/mol) sein, ohne dass schwerwiegende Hypoglykämien auftreten.
Die Insulintherapie ist bei Typ-1-Diabetes die Standardtherapie, und die bevorzugte Methode ist die intensivierte Therapie mit mehrmals täglichen Injektionen (Basis-Bolus-Prinzip). Zunehmend häufiger werden Insulinpumpen eingesetzt, ggf. in Kombination mit einer automatischen Glukosemessung im Gewebe.
Patienten mit gleichzeitigem hohen Blutdruck und erhöhten Blutfetten benötigen eine intensivere Behandlung und Kontrolle.

Prognose

Ist der Diabetes schlecht eingestellt, können bei Kindern und Jugendlichen Wachstums- und Entwicklungsstörungen sowie Spätfolgen auftreten. Eine schlechte Kontrolle über viele Jahre erhöht das Risiko, dass Herzerkrankungen (Herzinfarkt) und Gefäßerkrankungen (Schlaganfall und Durchblutungsstörungen in den Beinen) früher auftreten. Eine gute Kontrolle verringert das Risiko dieser Komplikationen erheblich und sorgt für eine nahezu normale Lebenserwartung.

Akute Komplikationen sind zu hoher Blutzucker (Hyperglykämie) oder zu niedriger Blutzucker (Hypoglykämie). Spätfolgen sind vor allem ein erhöhtes Risiko von Herzgefäßerkrankungen.

Auch bei Diabetikern, wie bei allen anderen Menschen, kann es zu Bluthochdruck und hohen Blutfettwerten kommen. Neben der Gabe von Insulin ist es genauso wichtig, mit dem Rauchen aufzuhören und den Bluthochdruck sowie die Blutfettwerte zu behandeln.

Verlaufskontrolle

Diabetiker sollten ihren Gesundheitszustand regelmäßig von einem Arzt kontrollieren lassen, zudem sind Selbstkontrollen durchzuführen.

Selbstkontrolle

Alle Diabetiker mit Typ 1 müssen den Blutzuckerspiegel selbst messen können. Über die Ernährung sollte Tagebuch geführt werden. Der Blutzucker muss mehrmals am Tag gemessen werden: vor den Mahlzeiten, vor dem Zubettgehen und vor größeren körperlichen Anstrengungen. Mithilfe dieser Blutzuckerwerte kann die Insulindosis reguliert und angepasst werden. Regelmäßige Messungen des Blutzuckerspiegels sind für den Therapieerfolg darum ausschlaggebend.

Viele Patienten berechnen die Kohlenhydrate (Broteinheiten BE), um die Insulindosis anzupassen und den Stoffwechsel besser zu kontrollieren. 

Einige Patienten können mit einer Insulinpumpe versorgt werden. Eine Insulinpumpe ermöglicht eine kontinuierliche Versorgung mit schnell wirkendem Insulin. Die Pumpe wird auf eine festgelegte Dosis pro Stunde eingestellt. Außerdem wird den Patienten zu jeder Mahlzeit eine zusätzliche Dosis über die Pumpe verabreicht. Dadurch entfällt die reguläre Insulininjektion, jedoch nicht die Glukosemessungen. Relativ neu sind Geräte, die eine eigenständige Blutzuckermessung im Gewebe vornehmen und mit einer Insulinpumpe kombiniert sind (sogenannte Real-time-Messgeräte). 

Kontrolle beim Arzt

In der Regel erfolgen diese Kontrollen alle drei Monate. Es werden unter anderem Blutzucker, Blutdruck und Gewicht kontrolliert sowie die Menge an glykosyliertem Hämoglobin (HbA1c) bestimmt. Bei der jährlichen Kontrolle wird geprüft, ob es zu Komplikationen gekommen ist. Kontrolliert werden: Blutdruck, Herz, Lunge und die Durchblutung der Füße. Zudem schaut der Arzt, ob Nervenschädigungen in den Füßen aufgetreten sind und untersucht den Urin auf Mikroalbuminurie. Eventuell wird zusätzlich ein EKG durchgeführt. Bei Typ-1-Diabetes sollte ein Augenarzt die Augen alle ein bis zwei Jahre kontrollieren.

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg