Typ-2-Diabetes, Antidiabetika

Antidiabetika sind Medikamente, die beim Typ-2-Diabetes eingesetzt werden. Sie können den Blutzucker, d. h. den Glukosespiegel im Blut, senken.

Willkommen auf den Seiten der Deximed-Patienteninformationen!

Unsere Patienteninformationen in laiengerechter Sprache stehen Ihnen auch ohne ein Abonnement zur Verfügung.

Sind Sie Arzt? Dann testen Sie unsere Experteninformationen 30 Tage lang kostenlos.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin – ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

30 Tage kostenlos testen!

Was sind Antidiabetika bei Typ-2-Diabetes?

Antidiabetika sind Medikamente, die beim Typ-2-Diabetes eingesetzt werden. Sie können den Blutzucker, d. h. den Glukosespiegel im Blut, senken.

Medikamente werden vor allem dann eingesetzt, solange die Bauchspeicheldrüse immer noch Insulin produziert. Dies ist zu Beginn bei Typ-2-Diabetes der Fall, aber nicht beim Typ-1-Diabetes. Für den Typ-2-Diabetes gibt es daher die Möglichkeit, Antidiabetika einzusetzen. Später ist es auch hier manchmal notwendig, Insulin zu geben. 

Metformin

Metformin ist das Medikament der ersten Wahl, insbesondere, wenn der Patient übergewichtig ist. Es verbessert die Wirkung des Insulins. Dabei wird die Aufnahme von Insulin in die Muskeln gesteigert und die Ausschüttung von Glukose aus der Leber verringert. Darüber hinaus kann Metformin die Menge an Cholesterin und freien Fettsäuren im Blut über den verbesserten Zuckerstoffwechsel senken. Das Präparat führt nur selten zu einem zu niedrigen Blutzucker und es kommt zu einer geringeren Gewichtszunahme als bei anderen Medikamenten. Es hat sich gezeigt, dass durch das Präparat auch Herzgefäßerkrankungen vorgebeugt wird. Das Präparat kann mit allen anderen Antidiabetika und Insulin kombiniert werden.

Patienten beginnen mit einer geringen Dosis und steigern diese, bis sich die gewünschte Wirkung eingestellt hat oder die Höchstdosis von 3 Gramm/Tag erreicht wird. Nebenwirkungen können Appetitlosigkeit, Übelkeit, Magenschmerzen und Durchfall sein. Das Medikament muss bei Herz-, Nieren- oder Leberversagen, einem schlechten Allgemeinzustand und Alkoholismus vorsichtig eingesetzt werden. Es können ein Vitamin-B12-Mangel (muss kontrolliert werden) sowie eine Gewichtsabnahme auftreten. Schwerwiegendste Nebenwirkung ist eine sogenannte Laktatazidose, ein Säure-Basen-Ungleichgewicht im Blut. Diese tritt sehr selten und auch bei anderen Antidiabetika auf. 

Müssen Sie sich einer Röntgenuntersuchung mit einem jodhaltigen Kontrastmittel unterziehen, muss die Therapie mit Metformin vor der Untersuchung abgesetzt werden. Das Medikament darf erst 48 Stunden nach der Untersuchung wieder eingenommen werden. Auch vor Operationen muss die Therapie pausiert und mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden. Bei schwerwiegenderen akuten Erkrankungen muss Metformin ebenfalls pausiert werden. 

Metformin galt lange als das einzige oral angewendete Antidiabetikum, das sich nachweislich positiv auf Herzkreislauf-Erkrankungen auswirkt. Zudem ist es mit einer geringeren Häufigkeit verschiedener maligner Erkrankungen, insbesondere von kolorektalen, Leber-, Pankreas-, Magen- und Ösophaguskarzinomen, assoziiert. Inzwischen konnte auch für Empagliflocin (siehe unten) ein Mortalitätsvorteil für Patienten mit erhöhtem Herzkreislauf-Risiko nachgewiesen werden. Weiterhin kann sich auch Liraglutid (siehe unten) nach ersten vorsichtigen Bewertungen positiv auf die Herzkreislaufgesundheit auswirken. 

Sulfonylharnstoffe

Die auf dem Markt erhältlichen Präparate sind Glibenclamid, Gliclazid, Glipizid, Glimepirid.

Die Medikamente aus dieser Gruppe stimulieren die Bauchspeicheldrüse, mehr Insulin zu produzieren, sie werden meist schlanken Patienten mit Diabetes verschrieben. Die Präparate können zu niedrigem Blutzucker führen. Kommt es wiederholt zu niedrigem Blutzucker, müssen Sie die Dosis verringern oder auf ein anderes Präparat umsteigen. Die Medikamente können eine Gewichtszunahme bewirken. Werden sie mit bestimmten anderen Wirkstoffen kombiniert, kann dies die blutzuckersenkende Wirkung verstärken. Diese Wirkstoffe sind Sulfonamide (Antibiotika), Gichtmedikamente, Betablocker, Cimetidin (bei Magengeschwüren) und Alkohol.

Die Hypoglykämien (zu niedriger Blutzucker) können langwierig sein. Häufig ist sogar eine stationäre Behandlung nötig. Das höchste Risiko besteht bei hohem Alter, eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sowie bei Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Alkohol. Kontraindikationen sind Schwangerschaft und Stillzeit sowie schwere Leber- oder Niereninsuffizienz.

Sie beginnen mit einer halben oder ganzen Tablette in der niedrigsten Dosierung. Danach wird die Dosis langsam erhöht. Die Präparate können mit Metformin, Acarbose, DPP-4-Hemmern, GLP-1-Analoga, SLGT-2-Hemmern und Insulin kombiniert werden.

Ein Nutzen für die kleinen Gefäße, die durch den hohen Blutzucker geschädigt werden, ist für Gliclazid und Glibenclamid belegt. 

Acarbose

Acarbose verzögert den Abbau und damit die Aufnahme von Kohlenhydraten im Darm. Somit steigt der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit nicht so stark an. Dies kann in frühen Phasen des Diabetes nützlich sein, wenn das Hauptproblem im Anstieg des Blutzuckerspiegels nach der Mahlzeit liegt. Das Präparat verzögert möglicherweise die Ausbildung von Typ-2-Diabetes bei Patienten mit einer verringerten Glukosetoleranz (Vorstadium von Diabetes). Es muss zusammen mit den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Wirkung ist etwas geringer als bei den Sulfonylharnstoffen und Metformin. Acarbose kann mit anderen Antidiabetika oder Insulin kombiniert werden. Das Präparat kann zu Magenschmerzen, insbesondere Blähungen, führen und darf bei Darmerkrankungen nicht eingesetzt werden.

Acarbose ist ein Antidiabetikum ohne gesicherte günstige Beeinflussung des Herzkreislaufrisikos oder auch der Komplikationen durch Schädigung der kleinen Gefäße. Acarbose spielt daher in der Therapie von Patienten mit Diabetes kaum noch eine Rolle. 

Glitazone

Auch Glitazon sind Antidiabetika ohne gesicherte günstige Beeinflussung des Herzkreislaufrisikos oder auch der Komplikationen durch Schädigung der kleinen Gefäße. Sie spielen daher in der Therapie von Patienten mit Diabetes kaum noch eine Rolle.

Bisher wurden in dieser Gruppe zwei Präparate registriert: Rosiglitazon und Pioglitazon. Rosiglitazon wurde allerdings bereits wieder vom Markt genommen, da gezeigt wurde, dass Rosiglitazon mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko und möglichen Todesfällen aufgrund von Herzgefäßerkrankungen in Verbindung gebracht werden kann.

Glitazone erhöhen die Insulinempfindlichkeit im Gewebe. Dadurch wird die Wirksamkeit des Insulins im Körper gesteigert. Die blutzuckersenkende Wirkung der Glitazone ist ähnlich dem Niveau der anderen Medikamente. Das Präparat kann zusätzlich zu anderen Antidiabetika verwendet werden und sollte nicht als einziges Medikament eingesetzt werden. Von einem Einsatz bei Diabetes mellitus ist im Allgemeinen heute abzuraten.

Gliptine (DPP-4-Hemmer)

In diese Gruppe fallen Sitagliptin, Vildagliptin, Saxagliptin und  Linagliptin. 

Mit dem Präparat soll die Wirkung von Metformin verbessert werden, wenn eine Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität in Kombination mit Metformin nicht zu dem gewünschten Ergebnis führen. 

Auch Gliptine sind Antidiabetika ohne gesicherte günstige Beeinflussung der Erkrankung. Insbesondere mit dem Nachweis eines Nutzens von Empagliflocin und Liraglutid (siehe jeweils unten) treten die Gliptine als Kombinationspartner für Metformin in den Hintergrund.

Die Gliptine beeinflussen das Darmhormon Inkretin, das wie Insulin am Zuckerhaushalt des Körpers beteiligt ist. Durch diese Hormone steigt der Blutzucker nach einer Mahlzeit weniger stark an. Gliptine können zu einem niedrigen Blutzucker führen. Das Präparat kann auch eine Gewichtsabnahme bewirken.

SGLT-2-Hemmer

Wirkstoffe sind Dapagliflozin, Empagliflozin und Canagliflozin. Diese Medikamente erhöhen die Glukoseausscheidung über die Nieren. Sie sind noch nicht lange auf dem Markt. 

Allein für Empagliflozin konnte kürzlich nachgewiesen werden, dass sich eine Herzinsuffizienz unter der Therapie seltener entwickelt bzw. seltener zu Krankenhauseinweisungen führt. Dies mag zu einem gewissen Grade an der harntreibenden und blutdrucksenkenden Wirkung liegen. Die blutzuckersenkende Wirkung ist nur gering ausgeprägt. 

Empagliflozin kann in Kombination mit Metformin oder bei Metforminunverträglichkeit alleine einmal täglich eingenommen werden. 

Als Nebenwirkungen treten Blasenentzündungen und Genitalinfekte vermehrt auf. Weiterhin ist das Auftreten von Ketoazidosen (Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt des Blutes) nicht selten und unter Umständen schwerwiegend. 

Empagliflozin ist somit ein vielversprechendes Medikament, das aber bis zum Abschluss aller Untersuchungen weiterhin nur mit Vorsicht einzusetzen ist. 

Glinide

Glinide haben eine den Sulfonylharnstoffen ähnliche Wirkung. Die Mittel wirken kurzzeitig und stimulieren das Pankreas zu einer vermehrten Insulinproduktion.

Auf dem Markt ist nur noch Repaglinid, das bei einer ausgeprägten Niereninsuffizienz, wenn andere Präparate nicht mehr eingesetzt werden dürfen, erwogen werden kann. Eine Kombination mit Insulin ist möglich, hat aber über die Wirkung des Insulins hinaus keinen nennenswerten zusätzlichen Effekt. 

Das Präparat spielt heute keine wesentliche Rolle mehr in der Diabetestherapie. 

Inkretinmimetika/GLP-1-Analoga

In Deutschland gibt zwei Präparate: Exenatid und Liraglutid. Diese Medikamente stimulieren die Bauchspeicheldrüse zu einer gesteigerten Insulinproduktion und führen zu einer erhöhten Aufnahme von Glukose in das Muskel- und Fettgewebe. Sie zügeln den Appetit und führen zu einem schnelleren Sättigungsgefühl. Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Das Präparat kann auch eine Gewichtsabnahme bewirken.

GLP-1-Analoga müssen gespritzt werden.

Liraglutid konnte in einer 2016 veröffentlichten Studie als Zusatz zu anderen Antidiabetika bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und hohem Herzkreislauf-Risiko kardiovaskuläre und Gesamtsterblichkeit reduzieren, wenngleich weniger stark als Empagliflocin (siehe oben).

Wegen Sicherheitsbedenken hinsichtlich des Risikos einer Bauchspeicheldrüsenentzündung und der möglichen Entwicklung von bösartigen Tumoren wird beim Einsatz von GLP-1-Analoga weiterhin sehr zur Vorsicht geraten. 

Insulin

Insulin kann nur als Injektion verabreicht werden. Inhalatives Insulin hat bisher nicht überzeugt, könnte aber in Zukunft eventuell eingesetzt werden.  

Die Insulindosis wird unter die Haut gespritzt, meist in den Oberschenkel oder den Bauch. Der Einsatz von Insulin bei Patienten mit Typ-2-Diabetes muss immer dann in Erwägung gezogen werden, wenn das Therapieziel allein mit einer Ernährungsumstellung, Bewegung und Medikamenten nicht erreicht wird. Zu Beginn der Insulintherapie steigt das Gewicht oft an. Da eine Gewichtsabnahme aber ein wichtiger Teil der Therapie bei Typ-2-Diabetes ist, wird Insulin bei übergewichtigen Patienten vorzugsweise erst spät eingesetzt. 

Nutzennachweis

In den letzen Jahrzehnten ist zur Diabetestherapie sehr viel geforscht worden, viele neue Präparate (siehe alle oben) sind eingesetzt worden. Von diesen haben viele im Verlauf enttäuscht, da sie zwar den Blutzucker senken können, für das Leben und Überleben von Diabetikern aber keinen Nutzen hatten. Ein Großteil der Präparate ist daher heute schon wieder vom Markt genommen worden oder wird nur noch in Nischenindikationen eingesetzt. 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass von den oralen Antidiabetika (Tabletten) nach neuen Erkenntnissen heute bis auf Einzelfälle nur noch Metformin, ggf. Sulfonylharnstoffe und SGLT-2-Hemmer (Empagliflozin), sowie GLP-1-Analoga (Liraglutid) in Spritzenform eingesetzt werden sollten. Allein diese Präparate, sowie auch Insulin, haben einen Nutzen im Verlauf der Erkrankung, d.h. sie reduzieren das Risiko für Herzkreislauferkrankungen (Herzinfarkt, Herzschwäche, Schlaganfälle) und/oder das Risiko für Schädigung der Organe durch Gefäß- und Nervenschäden (Niere, Auge, Füße).

Metformin, Sulfonylharnstoffe und Insulin werden seit vielen Jahren eingesetzt, Wirkung und Nebenwirkungen sind gut bekannt. Empagliflozin und Liraglutid sind erst seit wenigen Jahren auf dem Markt, ihre Wirkung ist vielversprechend, aber noch nicht in allen Einzelheiten bekannt und erforscht, desgleichen die Nebenwirkungen. Bei ihrem Einsatz ist somit heute noch Vorsicht geboten. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg