Diabetes Typ 2, Kontrolle

Diabetes mellitus ist eine lebenslange Erkrankung mit einem erhöhten Risiko von Komplikationen und Spätfolgen.

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Warum muss der Diabetes kontrolliert werden?

Die Therapie bei Diabetes Typ 2 zielt darauf ab, den Blutzuckerspiegel auf dem richtigen Niveau zu halten und Folgekomplikationen des zu hohen Blutzuckers zu vermeiden bzw. rechtzeitig zu erkennen. Um die Wirksamkeit der Therapie feststellen zu können, sind regelmäßige Kontrollen notwendig. Man unterscheidet zwischen Selbstkontrollen und Kontrollen beim Arzt.

Selbstkontrolle

Diabetiker sollten ihren Blutzuckerspiegel selbst messen können. Regelmäßige Blutzuckerselbstkontrollen sind jedoch nur bei einer Insulintherapie sinnvoll.

Wird der Blutzucker (BZ) gemessen, muss zusammen mit dem Arzt oder der Diabetesberaterin die Messtechnik und die Genauigkeit des Blutzuckermessgeräts regelmäßig geprüft werden. Manchmal ist es auch notwendig, ein Diabetes-Tagebuch zu führen. Die Notwendigkeit der Selbstkontrolle hängt auch davon ab, wie hoch oder instabil der Blutzuckerwert ist.

Ärztliche Kontrolle

Ein Diabetes Typ 2 der mit Ernährungsumstellung oder mit Tabletten behandelt wird, wird vom Arzt alle 3 Monate kontrolliert, z. B. im Rahmen der DMP-Termine (Disease-Management-Programme). Eine Insulintherapie muss, vor allem zu Beginn, ggf. häufiger kontrolliert werden. Bei diesen Kontrollen werden u. a. der Blutzucker, Blutdruck, das Gewicht und der sogenannte Langzeit-Blutzucker (HbA1c ) gemessen. Der Arzt oder das Pflegepersonal untersucht auch die Füße.

Zusammen mit dem Arzt werden die Ziele der Therapie festgelegt. Diese können sich auf Bewegung, Gewicht, eventuelle Raucherentwöhnung, Blutdruck, Nüchternblutzucker und Blutfettwerte beziehen. Am besten erstellen Sie einen gemeinsamen Plan, wie Sie diese Ziele erreichen können.

Bei der jährlichen Kontrolle wird geprüft, ob es zu Komplikationen gekommen ist. Kontrolliert werden hier auch Blutdruck, Herz, Lunge und die Durchblutung der Füße. Zudem schaut der Arzt, ob Nervenschädigungen in den Füßen aufgetreten sind. Uneinigkeit besteht darin, ob es sinnvoll ist, den Urin auf Mikroalbuminurie zu untersuchen. Beim Typ-2-Diabetes liefert dies keine weiteren Erkenntnisse über den Krankheitsverlauf und kann somit entfallen. 

Eine Kontrolle beim Augenarzt wird jedes Jahr bzw. in Fällen ohne Retinopathie ggf auch jedes zweite Jahr empfohlen.

Was ist HbA1c?

HbA1c ist die Abkürzung für das Glykohämoglobin A1. Hämoglobin ist ein Eiweiß, das sich in den roten Blutkörperchen befindet und Sauerstoff transportiert. An einen kleinen Teil des Hämoglobins ist Glukose (Blutzucker) gebunden. Dieser Anteil steigt, wenn der Blutzuckerspiegel über Wochen hoch ist. HbA1c ist darum ein guter Indikator für die Regulierung des Blutzuckers über einen Zeitraum von acht bis zehn Wochen.

Therapieziel

Nachfolgend sind die Blutzuckerwerte aufgeführt, die bei Diabetikern mit Typ 2 angestrebt werden.

Patienten unter 80 Jahren

  • Nüchternblutzucker 100–125 mg/dl (5,6–6,9 mmol/l) (allerdings wird die Blutglukose in der Regel nur bei Patienten unter Insulintherapie kontrolliert)
  • Blutzucker zu den übrigen Tageszeiten 140–199 mg/dl (4–10 mmol/l)
  • HbA1c zwischen 6,5 und 7,5 %
  • Gewicht: bei Übergewicht oder Adipositas Gewichtsreduzierung um 5–10 %
  • Systolischer Blutdruck ≤ 140 mmHg

Patienten über 80 Jahre

  • Nüchternblutzucker 110–160 mg/dl (6–9 mmol/l)
  • Blutzucker zu den übrigen Tageszeiten 110–215 mg/dl (6–12 mmol/l) (allerdings wird die Blutglukose in der Regel nur bei Patienten unter Insulintherapie kontrolliert)
  • HbA1c < 9 %
  • Sonstige Parameter: nach individuellem Ermessen

Therapieintensität, HbA1c

  • Es scheint eine Grenze zu existieren, ab der Steigerungen der Therapieintensität keinen zusätzlichen Nutzen mehr bringen: Aus einer großen Studie geht hervor, dass sich durch einen HbA1c-Zielwert von < 6 % verglichen mit der Standardtherapie mit einem HbA1c-Zielwert von 7,0–7,9 % keine Verringerung der Sterblichkeit erzielen lässt.
  • Eine weitere Studie zeigte ganz im Gegenteil zudem, dass bei einem HbA1c-Wert von 6,5 % die Sterblichkeit deutlich höher war als bei einem HbA1c-Wert von 7,5 %.
  • Eine sehr intensive glukosesenkende Therapie führt beim Typ-2-Diabetes somit nicht zu einer Verringerung der Gesamtsterblichkeit oder der Sterblichkeit durch Gefäßerkrankungen (Herzinfarkt, Schlanganfall). 

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg