Typ-2-Diabetes

Beim Typ-2-Diabetes (auch Altersdiabetes genannt) ist der Blutzucker chronisch erhöht. Dies liegt an einer gestörten Insulinausschüttung, einer eingeschränkten Wirkung des Insulins (Insulinresistenz) oder einer Kombination von beidem. Zu Beginn produziert der Körper noch sehr viel Insulin, das aber nicht richtig wirken kann. Im Verlauf der Krankheit wird dann zu wenig Insulin gebildet.

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Fakten zu Typ-2-Diabetes

  • Beim Typ-2-Diabetes (auch Altersdiabetes genannt) ist der Blutzucker chronisch erhöht. Dies liegt an einer gestörten Insulinausschüttung, einer eingeschränkten Wirkung des Insulins (Insulinresistenz) oder einer Kombination von beidem.
  • Zu Beginn produziert der Körper noch sehr viel Insulin, das aber nicht richtig wirken kann. Im Verlauf der Krankheit wird dann zu wenig Insulin gebildet.
  • Als Hauptursachen für Typ-2-Diabetes gelten ein ungesunder Lebensstil mit Übergewicht und zu wenig Bewegung, sowie eine erbliche Vorbelastung. Es tragen immer mehrere Faktoren dazu bei, dass sich ein Typ-2-Diabetes entwickelt.
  • Normalerweise treten anfangs keine oder nur wenige Symptome auf, manche Patienten fühlen sich aber müde, abgeschlagen, antriebslos und deprimiert. Vermehrter Durst und erhöhter Harndrang kann vorliegen, sowie manchmal eine Infektanfälligkeit. 
  • Die Therapie bei Typ-2-Diabetes zielt darauf ab, den Blutzuckerspiegel auf dem richtigen Niveau zu halten. Anfangs kann es ausreichend sein, die Ernährung umzustellen und sich mehr zu bewegen.
  • Viele Patienten benötigen aber auch eine spezielle medikamentöse Behandlung. Im weiteren Krankheitsverlauf kann auch eine Insulintherapie notwendig werden.
  • Ein gut eingestellter Typ-2-Diabetes vermeidet akute Komplikationen und langfristige Folgeerkrankungen. 

Was ist Typ-2-Diabetes?

Das Wort  Diabetes kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Durchfluss“, mellitus ist lateinisch und bedeutet „süß“. „Süßer Durchfluss“ daher, da die Patienten oft sehr starken Durst verspüren und große Mengen Urin ausscheiden, der aufgrund der hohen Zuckerwerte süßlich schmeckt (im Mittelalter wurde zur Diagnostik eine Harnprobe genommen und vom Harnschauer probiert, heute stehen zum Glück andere Testmethoden zur Verfügung). 

Es gibt verschiedene Formen von Diabetes mellitus:

Typ-1-Diabetes,  Schwangerschaftsdiabetes und Typ-2-Diabetes. Der Typ-2-Diabetes wird auch Altersdiabetes genannt, da er meist in höherem Alter auftritt und dort auch die meisten Menschen betroffen sind. Aufgrund eines ungesunden Lebensstils kann der Typ-2-Diabetes heute jedoch auch schon bei jungen Erwachsenen und (selten) sogar bei Kindern auftreten. 

Beim Typ-2-Diabetes ist der Blutzucker chronisch erhöht. Dies liegt an einer gestörten Insulinausschüttung, einer eingeschränkten Wirkung des Insulins (Insulinresistenz) oder einer Kombination von beidem. Zu Beginn produziert der Körper beim Typ-2-Diabetes noch sehr viel Insulin, das aber nicht richtig wirken kann. Dies nennt man Insulinresistenz. Im Verlauf der Krankheit wird dann immer weniger und irgendwann zu wenig Insulin gebildet.

Ein chronisch zu hoher Blutzucker kann zu verschiedenen Komplikationen führen. Sie treten insbesondere in Form von Gefäßschäden auf, wobei hier vor allem die kleineren Gefäße an Niere, Augen und Füßen betroffen sind. Desweiteren können Herzgefäßerkrankungen, Schlaganfälle und Schädigungen der großen Gefäße auftreten. Auch die Nerven werden durch zu hohe Zuckerwerte chronisch geschädigt.

Der Typ-2-Diabetes ist die häufigste Form von Diabetes. Die meisten Betroffenen erkranken nach dem 40. Lebensjahr, die Krankheit kann aber auch früher auftreten. Mit steigendem Alter tritt die Krankheit häufiger auf. Bei den über 70-Jährigen hat in etwa jeder Fünfte bis Zehnte einen Typ-2-Diabetes.

Typ-2-Diabetes tritt weltweit immer häufiger auf. Im Jahr 2016 sind etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes mellitus erkrankt (etwa 8 %), in den USA sogar bis zu 12 % der Bevölkerung. 

Ursache

Die Ursachen für die Entwicklung eines Diabetes mellitus sind vielfältig und werden auch heute noch intensiv erforscht. Es gibt eine erbliche Komponente, die Lebensweise spielt jedoch auch eine große Rolle, hier insbesondere die Ernährung. 

Übergewicht in Verbindung mit wenig körperlicher Aktivität erhöht das Risiko für einen Typ-2-Diabetes. 60–70 % der Diabetiker mit Typ 2 sind übergewichtig; je höher das Übergewicht, desto größer das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Insbesondere Stammfettsucht scheint ein wichtiger Risikofaktor zu sein.

Der Typ-2-Diabetes tritt oft zusammen mit anderen sogenannten Volkskrankheiten auf. Dies betrifft neben Übergewicht auch Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte. Einige Medikamente wie Kortisonpräparate, bestimmte harntreibende Medikamente und einige Herzmedikamente können das Krankheitsbild auslösen bzw. verschlimmern. Frauen, die an Schwangerschaftsdiabetes litten, haben ein erhöhtes Risiko, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Diagnostik

Anfangs treten selten Symptome auf, manche Patienten fühlen sich aber müde, abgeschlagen, antriebslos und deprimiert. In der Folge treten Durst und erhöhter Harndrang auf. Einige Patienten verlieren sogar an Gewicht oder klagen über Juckreiz und vermehrte Infekte.

Für die Diagnose wird der Blutzucker (Plasmaglukose) gemessen. Darüber hinaus wird auch oft der Langzeit-Blutzucker (HbA1c) gemessen. Dieser zeigt an, auf welchem Niveau der Blutzuckerspiegel in den vergangenen Wochen lag. Neben dem Blutzuckerspiegel müssen auch die Blutfettwerte und der Blutdruck gemessen werden. Bei Personen über 50 Jahre sollte auch ein EKG in Betracht gezogen werden.

Therapieziel

Nachfolgend sind die Blutzuckerwerte aufgeführt, die bei Diabetikern mit Typ 2 angestrebt werden.

Patienten unter 80 Jahren

  • Nüchternblutzucker 100–125 mg/dl (5,6–6,9 mmol/l) (allerdings wird die Blutglukose in der Regel nur bei Patienten unter Insulintherapie kontrolliert)
  • Blutzucker zu den übrigen Tageszeiten 140–199 mg/dl (4–10 mmol/l)
  • HbA1c zwischen 6,5 und 7,5 %
  • Gewicht: bei Übergewicht oder Adipositas Gewichtsreduzierung um 5–10 %
  • Systolischer Blutdruck ≤ 140 mmHg

Patienten über 80 Jahre

  • Nüchternblutzucker 110–160 mg/dl (6–9 mmol/l)
  • Blutzucker zu den übrigen Tageszeiten 110–215 mg/dl (6–12 mmol/l) (allerdings wird die Blutglukose in der Regel nur bei Patienten unter Insulintherapie kontrolliert)
  • HbA1c < 9 %
  • Sonstige Parameter: nach individuellem Ermessen

Therapieintensität, HbA1c

  • Es scheint eine Grenze zu existieren, ab der Steigerungen der Therapieintensität keinen zusätzlichen Nutzen mehr bringen: Aus einer großen Studie geht hervor, dass sich durch einen HbA1c-Zielwert von < 6 % verglichen mit der Standardtherapie mit einem HbA1c-Zielwert von 7,0–7,9 % keine Verringerung der Sterblichkeit erzielen lässt.
  • Eine weitere Studie zeigte ganz im Gegenteil zudem, dass bei einem HbA1c-Wert von 6,5 % die Sterblichkeit deutlich höher war als bei einem HbA1c-Wert von 7,5 %. Dies liegt vor allem an den Nebenwirkungen der Medikation, die nötig ist, den HbA1c so weit abzusenken.
  • Eine sehr intensive glukosesenkende Therapie führt beim Typ-2-Diabetes somit nicht zu einer Verringerung der Gesamtsterblichkeit oder der Sterblichkeit durch Gefäßerkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall). 

Therapie

Bei einer guten Diabetes-Therapie haben die Betroffenen keine Symptome und eine gute Lebensqualität. Die Therapie soll akute Komplikationen wie zu hohen oder zu niedrigen Blutzuckerspiegel verhindern. Daneben sollen auch Spätfolgen wie Herzgefäßerkrankungen und Schädigungen der kleinen Blutgefäße in u. a. Leber, Niere und Netzhaut vermieden werden.

Durch Senkung erhöhter Blutzuckerspiegel und Blutdruckwerte kann die Häufigkeit mikrovaskulärer Komplikationen wie Neuropathie (Nerven), Retinopathie (Augen) und Nephropathie (Niere) reduziert werden. Ein Effekt auf makrovaskuläre Komplikationen (Herz und Hirn) und die Gesamtsterblichkeit ist jedoch nicht in gleichem Maße zu erwarten, hier spielen andere Risikofaktoren neben dem Blutzucker eine wichtigere Rolle.

Die Therapie bei Typ-2-Diabetes zielt darauf ab, den Blutzuckerspiegel auf dem richtigen Niveau zu halten. Leiden Sie unter Bluthochdruck oder haben Sie hohe Blutfettwerte, muss dies ggf. ebenfalls behandelt werden.

Das Gesamtrisiko ist ausschlaggebend

Das Gesamtrisiko, dass Herz- und Gefäßerkrankungen auftreten, bestimmt auch die Diabetestherapie, die zusammen mit dem Arzt ausgearbeitet wird. Das Gesamtrisiko ist die Summe unterschiedlicher Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hoher Cholesterinspiegel, Rauchen, Übergewicht, körperliche Inaktivität und erbliche Vorbelastung in Form von Herzgefäßerkrankungen in der Familie. Je mehr Risikofaktoren auftreten, desto höher ist der Nutzen einer gut abgestimmten Therapie. Auch heutzutage gilt der Diabetes mellitus Typ 2 noch als Risikofaktor, birgt jedoch nicht immer und automatisch das Risiko für eine KHK (Herzkrankgefäßerkrankung) und stellt keine automatische Indikation zur Statin-Therapie (unabhängig vom Cholesterin) dar.

Vieles können Patienten zur Therapie von Typ-2-Diabetes auch selbst beitragen. Darunter fallen: Umstellung der Ernährung, Gewichtsabnahme und regelmäßige Bewegung. Rauchen Sie, sollten Sie damit aufhören. Sind diese Maßnahmen nicht ausreichend, um den Blutzuckerspiegel zu senken, gibt es verschiedene Medikamente mit einer guten Wirksamkeit.

Ernährung und Gewichtsabnahme

Bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes sind körperliches Training und eine Gewichtsabnahme wichtig. Sie müssen nicht strenge Diät halten, sollten sich aber gesund ernähren und sich mindestens 15–30 Minuten am Tag bewegen.

Es wird viel diskutiert, welche Nahrung Sie bei Diabetes zu sich nehmen sollten und worauf Sie besser verzichten. Es wird aber davon ausgegangen, dass folgende Lebensmittel gut sind:

  • Fisch
  • Gemüse
  • Hülsenfrüchte
  • Obst in Maßen (oft sehr zuckerhaltig)
  • Kaffee
  • Vollkornprodukte
  • pflanzliche Fette/Öle.

Bei Übergewicht sollten Sie die Gesamtkalorien reduzieren, weniger schnelle Kohlenhydrate (wie in Weißbrot und Zucker) zu sich nehmen und weniger Alkohol trinken.

Eine Orientierung an der sogenannten Mittelmeerkost ist ratsam (viel Vollkorn, Nüsse, Olivenöl, Fisch, wenig Fleisch und Milchprodukte).

Die Ernährungempfehlungen, die allgemein für die Bevölkerung gelten, sind jedoch auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes anwendbar.

Vorsicht bei Zucker und zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken!
Schnell resorbierbare Kohlenhydrate, etwa in Form von Milch, Feingebäck, Kartoffeln oder Zucker, einschränken und durch Vollkorngetreideprodukte ersetzen.

Bewegung

Die Bewegungsempfehlungen, die allgemein für die Bevölkerung gelten, sind auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes anwendbar.

  • Die Aktivitäten sollten zu einem Gesamtenergieverbrauch von mindestens 1.000 kcal (4,2 MJ) pro Woche bzw. 150 kcal (630 kJ) pro Tag führen. Dies entspricht z. B. 30 Minuten zügigen Gehens pro Tag.

Körperliche Aktivität senkt den Blutzuckerspiegel, denn dadurch kann der Körper Glukose aus dem Essen schneller aufnehmen. Für die Gewichtsabnahme ist Bewegung wichtig. Körperliche Aktivität beugt gleichzeitig Komplikationen der Blutgefäße und des Herzens vor.

Haben Sie die Möglichkeit, sollten Sie mindestens 30 Minuten am Tag einer körperlichen Aktivität nachgehen. Aber auch Bewegung im Alltag ist wichtig. Dazu zählen Treppensteigen, Putzen oder die Arbeit im Garten.

Rauchen

Es wird angenommen, dass das Rauchen die Wirksamkeit des Insulins beeinträchtigt, es ist darüber hinaus ein erheblicher Risikofaktor für Herzgefäßerkrankungen. Hören Sie darum besser mit dem Rauchen auf.

Medikamentöse Therapie

Führt ein geänderter Lebensstil nicht zu einem niedrigeren Blutzuckerspiegel, ist der nächste Schritt eine medikamentöse Behandlung. Als ersten Schritt wird Ihr Arzt Ihnen Antidiabetika verschreiben. 

Mit der Zeit kann die Wirkung der Medikamente nachlassen. Dann können Insulininjektionen helfen, die Krankheit zu kontrollieren.

Komplikationen

Eine akute Komplikation bei Typ-2-Diabetes ist ein zu niedriger Blutzucker (Hypoglykämie). Hypoglykämie tritt nur bei Patienten auf, die Antidiabetika nehmen, und kommt bei einer Insulintherapie oft vor. Eine andere akute Komplikation ist ein zu hoher Blutzucker (Hyperglykämie), der bis zum Koma führen kann. 

Auf lange Sicht können Komplikationen aufgrund von Ablagerungen in den kleinen Blutgefäßen und Nerven entstehen. Dadurch wird die Blutzufuhr gestört, und es kann zu Schädigungen der großen Blutgefäße, Nieren und Augen sowie zu Herzgefäßerkrankungen kommen. Bei Patienten mit Diabetes besteht auch ein höheres Risiko, dass Verletzungen und Infektionen in den Füßen auftreten.

Mit dem Alter steigt der Blutzuckerspiegel an, denn die Zellen sind nicht mehr empfindlich genug für Insulin. Darüber hinaus wird es für die Bauchspeicheldrüse immer schwerer, neues Insulin zu produzieren, wenn man bereits über einen längeren Zeitraum hohe Blutzuckerwerte hatte.

Prognose

Um mit Typ-2-Diabetes gut leben zu können, müssen Sie den Blutzuckerspiegel auf das richtige Niveau bringen. So werden kurz- und langfristige Komplikationen vermieden. Gute Ernährung und Gewichtsabnahme können bei vielen Betroffenen über einen langen Zeitraum bereits ausreichend sein. Viele Patienten müssen aber auch Antidiabetika nehmen und eventuell auch Insulin spritzen.

Eine systematische Nachbehandlung ist wichtig und sollte aus Selbstkontrollen und regelmäßigen Kontrollen beim Arzt bestehen. 

Bei guter Einstellung des Diabetes und auch der ggf. parallel vorliegenden weiteren Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen können Diabetiker heute eine gute Lebensqualität und eine nahezu normale Lebenserwartung haben.

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg