Ernährung und Vorbeugung von Krankheiten

Ernährungsbedingte Faktoren spielen bei der Entstehung von Krankheiten eine wichtige Rolle. Eine vielseitige, gesunde Kost kann einen Beitrag zur Vermeidung zahlreicher Krankheiten leisten.

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Ein großes ernährungsbedingtes Problem unserer Zeit in Industrieländern ist Überernährung. Sie führt zunächst zu Übergewicht und Fettleibigkeit, komplizierend können im weiteren Verlauf verschiedene Erkrankungen hinzukommen. Zum einen spielt die Energiedichte eine Rolle. Hier gilt: 1 g Kohlenhydrate und 1 g Eiweiß haben jeweils rund 4 kcal, 1 g Fett hingegen mit 9 kcal mehr als das Doppelte. Allerdings ist zusätzlich auch die Zusammensetzung der Nahrung zu beachten: Eine Ernährung, die zu reich an gesättigten Fettsäuren ist, kann beispielsweise das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, auch ohne dass man übergewichtig ist.

Körperliche Aktivität ist einerseits an der Regulierung der Energiebilanz beteiligt, sie spielt aber gleichzeitig auch eine eigenständige Rolle im Hinblick auf Krankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Osteoporose. Eine ausgewogene abwechslungsreiche Ernährung zusammen mit regelmäßiger körperlicher Aktivität ist für einen gesunden Lebensstil unerlässlich. Grundsätzlich empfehlen Experten für Erwachsene, sportliche Aktivitäten wie Radfahren, Laufen, Schwimmen oder Walking über insgesamt 150 Minuten pro Woche zu planen. Wer nach einer längeren Pause wieder mit dem Sport beginnt oder chronische Krankheiten hat, sollte sich vor dem Start ärztlich beraten lassen und ggf. erst einmal mit regelmäßigen schnellen Spaziergängen anfangen. Erfahrene Sportler können natürlich auch Einheiten mit stärkerer sportlicher Intensität einbauen; besonders gut ist eine Kombination aus moderatem Ausdauersport und intensiver Aktivität.

Übergewicht

Während der letzten 40 Jahre wurde eine erhebliche Zunahme von Übergewicht/Adipositas in der Bevölkerung verzeichnet; sie gilt heutzutage laut Aussage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine der größten Bedrohungen der Volksgesundheit in den industrialisierten Ländern. Übergewichtig wird, wer über einen längeren Zeitraum mehr Energie zuführt als verbraucht. Das Zusammenspiel von Energiezufuhr und körperlicher Aktivität spielt bei der Entwicklung und damit gleichzeitig auch Vorbeugung von Übergewicht eine entscheidende Rolle.

Als wichtigster Faktor für die Entwicklung von Übergewicht kann der Gesamtenergiegehalt der Kost angesehen werden kann. Bestimmte Nahrungsmittel sind besonders energiereich und stehen daher mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht in Zusammenhang. Dazu zählen Nahrungsmittel wie Fett, Zucker und Alkohol, insbesondere zuckerhaltige Getränke, sowie Backwaren aus weißem Mehl. Nahrungsmittel mit hohem Ballaststoffgehalt wie Früchte, Gemüse, Samen, Nüsse und Vollkornprodukte sind hingegen mit einer geringeren Energiezufuhr verbunden und treten daher bei der Vorbeugung von Übergewicht in den Vordergrund. Natürlich spielt auch die verzehrte Menge eine Rolle.

Um die tägliche Energiezufuhr zu reduzieren, empfiehlt sich ein maßvolles Essverhalten im Hinblick auf energiereiche Nahrungsmittel und gesüßte Getränke.

Wer sich ausgewogen und vielseitig ernährt, braucht in der Regel nicht zusätzlich Vitamine oder andere Nahrungsergänzungsmittel.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Diese Erkrankungen stellen nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen dar; es besteht ein deutlicher Zusammenhang mit einer ungesunden Ernährungsweise und mangelnder körperlicher Aktivität. Studien haben gezeigt, dass Übergewicht und bestimmte Fettarten wie gesättigte Fettsäuren und Transfettsäuren mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose verbunden sind. Andererseits kann der ein- bis zweimal wöchentliche Verzehr von Fisch das Risiko für Arteriosklerose und plötzlichen Herztod senken. Der schützende Effekt von Fisch scheint an die sogenannten Omega-3-Fettsäuren, die vorwiegend in fettem Fisch enthalten sind, gekoppelt zu sein. 

Der reichliche Verzehr von Früchten, Gemüse und Vollkornprodukten (also Ballaststoffen) beugt anderen Studien zufolge Arteriosklerose und damit Krankheiten wie Angina pectoris und Herzinfarkt vor.  

Die sogenannte Mittelmeerkost ist für seine vorbeugende Wirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt. Der Name ergibt sich aus der traditionellen Ernährung der Bevölkerung im Mittelmeerraum. In solchen Ländern sterben statistisch gesehen weniger Menschen an Herz-Kreislauf-Krankheiten als in nordeuropäischen Ländern und in den USA. Die Kost unterscheidet sich in erster Linie dadurch, dass im Mittelmeerraum erheblich mehr Früchte und Gemüse verzehrt werden, aber weniger Fleisch. Zwar ist die Fettzufuhr mengenmäßig vergleichbar, die südliche Bevölkerung nimmt jedoch weniger gesättigte und dafür sehr viel mehr (gesunde) mehrfach ungesättigte Fette wie Olivenöl (oder auch andere pflanzliche Öle) zu sich.

Eine reduzierte Salzzufuhr kann laut einigen Studien bei vielen Personen eine Blutdrucksenkung und somit ebenfalls ein vermindertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen herbeiführen. Die betrifft insbesondere Menschen mit Bluthochdruck. Zusammen mit dem reichlichen Verzehr von Früchten und Gemüse sowie weniger Fett und v. a. weniger gesättigten Fettsäuren ist es also zu empfehlen, die Salzzufuhr auf etwa 6 g/Tag zu reduzieren. Hierbei ist zu beachten, dass sehr viele Produkte bereits Salz in recht hohen Mengen enthalten (z. B. Fertigprodukte, aber auch Brot, Aufschnitt etc.).

Obwohl immer wieder in der Presse darüber berichtet wird, dass der Genuss geringer bis mäßiger Mengen Alkohol einen Schutzeffekt auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben soll, ist dies unter Experten sehr umstritten. Grundsätzlich sollen alkoholhaltige Getränke nur in Maßen genossen werden. Alkohol kann sehr schnell abhängig machen, zu Bluthochdruck, Übergewicht, Leberschäden und Krebs führen. Alkohol schädigt zudem das ungeborene Kind.

Zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben sich also ein gesundes Körpergewicht (Normalgewicht), die verminderte Zufuhr von gesättigten Fettsäuren (z. B. Butter, Sahne) und sogenannten Transfettsäuren und stattdessen der ausreichende Verzehr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren sowie von reichlich Obst und Gemüse (5 x am Tag) als besonders erfolgreich erwiesen. Die Salzzufuhr zu reduzieren, wirkt sich positiv aus. Pflanzenöle sollten einen Teil der gesättigten Fette in der Ernährung ersetzen.

Typ-2-Diabetes

Die Häufigkeit von Typ-2-Diabetes steigt ständig; als eine wichtige Ursache für diesen Anstieg kommen Übergewicht und Fettleibigkeit in Kombination mit mangelnder körperlicher Aktivität infrage. Zahlreiche Studien wurden durchgeführt, um die Auswirkungen einer Ernährungsumstellung zur Vorbeugung oder Verzögerung von Typ-2-Diabetes zu beurteilen. Bei den Maßnahmen standen Gewichtsabnahme, vermehrte körperliche Aktivität und eine Veränderung der Ernährung im Vordergrund. Die Gewichtsabnahme ist wahrscheinlich der wichtigste Faktor, um die Entwicklung von Typ-2-Diabetes zu bremsen.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Typ-2-Diabetes sind somit, sein Normalgewicht zu halten bzw. bei Übergewicht abzunehmen, sowie regelmäßige körperliche Aktivität

Krebs

Die Ernährung spielt im Hinblick auf bestimmte Krebserkrankungen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Forschungsergebnisse sind jedoch teilweise widersprüchlich. Übergewicht ist mit Krebsarten wie Dickdarm- und Enddarmkrebs, Gebärmutterkrebs und Brustkrebs verknüpft. Ob das Übergewicht selbst oder die Ernährungsbedingungen, die zu Übergewicht führen, die größere Rolle bei der Entwicklung von Krebs spielen, ist bislang nicht bekannt. Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass der reichliche Verzehr von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten (ballaststoffreiche Erährung) das Risiko einer Krebserkrankung im Darmtrakt senken kann.

Starker Alkoholkonsum ist mit einem erhöhten Risiko für Krebserkrankungen in Mund, Speiseröhre, Leber und Brust verbunden. Auch der Genuss von Fleisch, insbesondere gebratenem Fleisch und rotem Fleisch sowie gepökeltem/geräuchertem Fleisch, lässt laut einigen Studien das Risiko für Krebserkrankungen im Dick- und Enddarm ansteigen.

Grundsätzlich ist es also vernünftig, auf ein normales Körpergewicht, mäßigen Alkoholkonsum und reichlichen Verzehr von Obst und Gemüse (5 x am Tag) zu achten.