Proteine

Proteine (Eiweiß) sind wichtige Bausteine für die Zellen und Zellbestandteile des Körpers. Hierzulande wird der Bedarf an Proteinen mit der üblichen Kost pflanzlicher und tierischer Herkunft gedeckt. In Entwicklungsländern jedoch leiden zahlreiche Kinder an einem Proteinmangel.

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Proteine (Eiweißstoffe) sind lange Moleküle, die aus Ketten von mindestens 100 Aminosäuren bestehen. Proteine können von Pflanzen, Bakterien, Pilzen und Tieren (und dem Menschen) gebildet werden und stellen lebenswichtige Bestandteile des Organismus dar. Es gibt 20 verschiedene Aminosäuren, von denen der Mensch 8 nicht selbst herstellen kann. Diese bezeichnet man als unentbehrliche (früher essenzielle) Aminosäuren, sie müssen bei jedem über die Nahrung zugeführt werden. Es handelt sich dabei um Valin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Tryptophan und Threonin. Säuglinge müssen darüber hinaus mit der Aminosäure Histidin versorgt werden. Die übrigen Aminosäuren kann der Mensch bei einem gesunden Stoffwechsel und ausreichender Versorgung mit Stickstoff selbst herstellen. Bei manchen Krankheiten jedoch ist dies eingeschränkt. 

Proteinreiche Nahrungsmittel

Proteinreiche Nahrungsmittel sind Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte sowie an Pflanzen v. a. Hülsenfrüchte (Erbsen, Soja, Linsen), Nüsse und Kerne sowie Getreide (Brot, Müsli). Eiweiß aus tierischen Lebensmitteln enthält in der Regel auch alle unentbehrlichen Aminosäuren, deckt also den Bedarf. Pflanzen hingegen weisen oft nur einige der unentbehrlichen Aminosäuren auf; durch Kombination verschiedener Nahrungsmittel jedoch gelingt es, alle unentbehrlichen Aminosäuren abzudecken, z. B. durch den Verzehr von Getreide zusammen mit Hülsenfrüchten (Brot zum Erbseneintopf).

Normale Kost deckt den Bedarf

Die Proteinmenge, die wir über die Kost zu uns nehmen sollten, schwankt im Laufe des Lebens. Für Jugendliche und Erwachsene wird eine tägliche Proteinaufnahme von 0,8 Gramm pro Kilogramm (g/kg) Körpergewicht empfohlen. Für Senioren im Alter über 65 Jahre wird 1 g/kg Körpergewicht empfohlen, Kinder sowie schwangere oder stillende Frauen haben einen höheren Proteinbedarf. Mehr als 2 g/kg Körpergewicht sollte jedoch (außer bei Neugeborenen) nicht überschritten werden. Nähere Informationen finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Unsere übliche Kost deckt den Proteinbedarf von 85–90 % der Menschen, oft liegt die Proteinzufuhr etwas höher als die empfohlene Menge. Insbesondere Senioren jedoch nehmen eher zu wenig Proteine auf.

Eine zu hohe Proteinzufuhr wirkt sich bei bestimmten Krankheiten (z. B. Nierenkrankheiten) nachteilig aus, zudem kann die erhöhte Zufuhr bestimmter einzelner Aminosöuren in Form von Präparaten das Gleichgewicht der Aminosäuren stören. Eine längerfristig zu niedrige Proteinaufnahme geht mit zahlreichen Mangelerscheinungen einher, weil Proteine zu den Grundbausteinen unseres Körpers gehören (siehe unten).

Geht man von einem Bedarf von 0,8 g/kg Körpergewicht eines erwachsenen Menschen aus, so entspricht dies bei einem gesunden Körpergewicht einer Proteinmenge von 47–57 g/Tag. Für ältere Menschen mit einer Empfehlung von 1 g/kg Körpergewicht ergeben sich entsprechend 57–67 g/Tag. Beispielsweise enthalten 100 g gegartes Schweinefleisch bereits 23 g Protein, 100 g Emmentaler 34 g, 100 g Walnüsse 16 g, 100 g Haferflocken 13 g, Linsen 9 g, 100 g Erbsen, 100 g Vollkornbrot oder 1 gekochtes Ei jeweils 7 g Protein. Wie gut diese Proteine für den Körper verfügbar sind, hängt allerdings auch von der Zubereitung der Nahrungsmittel ab.

Wird der Gesamtenergiebedarf nicht gedeckt, verbraucht der Körper Protein (Muskelmasse) als Energiequelle über Kohlenhydrate und Fett hinaus. Es kommt zu einer Schwächung der Muskeln, was eine verminderte Verbrennung nach sich ziehen kann. Wenn Sie abnehmen möchten, ist es daher wichtig, dass Sie ausreichend Proteine zu sich nehmen, damit Sie an Körperfett verlieren und nicht an Muskelmasse.

Entscheidende Rolle

Proteine spielen eine entscheidende Rolle bei praktisch allen biologischen Prozessen im Körper. Sie sind unter anderem für Aufbau und Versorgung der Zellen, des Gewebes und der Produktion von Hormonen, Enzymen, Antikörpern (Abwehrsystem), Gerinnungsfaktoren (Blutstillung) und für den Transport mancher Nährstoffe unerlässlich. Da Körperzellen ständig erneuert werden, besteht kontinuierlich Bedraf an Protein, Proteine sind an Wachstums- und Heilungsprozessen beteiligt und dienen als Energiequelle. Im Allgemeinen nutzt der Körper Kohlenhydrate und Fett zur Energiegewinnung. Bei übermäßig proteinreicher Kost oder einer möglicherweise zu geringen Zufuhr von Kohlenhydraten und Fetten greift er aber auf Proteine zurück. Je nach Alter besteht ein Mensch aus 7–13 kg Proteinen.

Proteinmangel

Proteinmangel als Folge einer unausgewogenen Ernährung kann zu zahlreichen Krankheiten führen, die jedoch vorwiegend in Entwicklungsländern beobachtet werden. Hiervon sind in erster Linie Kleinkinder betroffen. Schuld daran sind eine insgesamt zu geringe Energiezufuhr und zusätzlich auch proteinarme Kost. Die häufigsten durch Proteinmangel verursachten Krankheiten sind Marasmus und Kwashiorkor.

Bei Marasmus handelt es sich um eine chronische Erkrankung bei Kleinkindern, die von der Muttermilch entwöhnt wurden und nun eine Kost mit zu geringem Energie- und Proteingehalt erhalten. Diese Erkrankung ist durch Muskelabbau und das Fehlen von Unterhautfett gekennzeichnet. Unzureichende hygienische Verhältnisse gehen darüber hinaus häufig Hand in Hand mit der Aufnahme verunreinigter Lebensmittel, die Infektionen, insbesondere Magen-Darm-Infektionen, zur Folge haben. Dadurch steigt der Energiebedarf noch zusätzlich an. Kinder, die an dieser Erkrankung leiden, sind typischerweise untergewichtig, sehr schwach und apathisch.

Kwashiorkor tritt im Allgemeinen bei etwas älteren Kindern auf. Auch hier ist die Ursache in einer zu protein- und energiearmen Kost zu suchen. Kwashiorkor tritt häufig nach einer Infektion auf. Kennzeichnend für diese Krankheit ist das ausgeprägte Untergewicht der Kinder. Es wird jedoch durch gravierende Flüssigkeitsansammlungen/Ödeme im Körper verschleiert. Typischerweise fällt bei den Kindern ein Mondgesicht, pummelig wirkende Arme und Beine und ein aufgedunsener und nach vorne gewölbter Bauch auf. Das Haar ist dünn und entfärbt, die Haut weist gelegentlich schuppige und unterschiedlich pigmentierte Stellen auf.

Kinder, die dank einer Behandlung sowie ausgewogener Kost und guter Hygiene geheilt werden konnten, sind jedoch nach Aussagen der Weltgesundheitsorganisation WHO auch im späteren Leben anfälliger für Krankheiten. Sie fallen durch schlechtere schulische Leistungen auf, sind als Erwachsene von kleinerem Wuchs und sie sind in ihrer intellektuellen und sozialen Entwicklung im Vergleich zu Kindern, die von dieser Mangelerkrankung verschont wurden, zurückgeblieben.

Kinder, die an Unterernährung oder falscher Ernährung sterben, sterben nicht zwangsläufig an Hunger. Sie sterben häufig an Krankheiten, die auf die beeinträchtigte Immunabwehr und unzureichende Nahrungszufuhr zurückzuführen sind.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Referenzwerte Protein. Bonn, DGE, Stand Oktober 2015 www.dge.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Informationen zur Proteinzufuhr www.dge.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Günter Ollenschläger, Professor für Innere Medizin, Uniklinikum Köln