Soja – der Weg zu einem gesünderen Leben?

Können Sojabohnen zu einem gesünderen Leben beitragen – oder nicht?

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Im Jahr 1999 kam die amerikanische Arzneimittelbehörde US Food and Drug Administration (FDA) zu dem Schluss, dass die Auswirkungen von Sojaprotein auf die Gesundheit derart positiv seien, dass Produzenten Sojaprodukte mit mehr als 6,25 Gramm Protein mit einem sogenannten „Health Claim“ kennzeichnen durften. Diese Kennzeichnung sagt aus, dass das entsprechende Nahrungsmittel dabei hilft, das Risiko für Herzerkrankungen zu senken. Gleiches galt innerhalb der Europäischen Union. Dort zog man den Schluss, dass bei einer täglichen Aufnahme von 25 Gramm Sojaprotein der Cholesteringehalt im Blut (und damit das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten) reduziert werden könne. Im Jahr 2010 jedoch urteilte die European Food Safety Authority, dass es dafür keine ausreichenden Beweise gebe.1 Daher darf mit dieser Aussage in der EU nicht mehr für Sojakonsum geworben werden.

Zu den positiven Effekten, die möglicherweise mit dem Verzehr von Sojaprodukten verbunden sind, zählen neben der wahrscheinlichen Vorbeugung von Herz-Gefäßkrankheiten eine bessere Knochengesundheit (Vorbeugung einer Osteoporose), der Rückgang von Wechseljahrsbeschwerden bei Frauen und die Vorbeugung oder Verzögerung mancher Krebserkrankungen. Viele Studien zu diesen Themen wurden anhand von Daten von Personen aus asiatischen Ländern erhoben, die traditionell viel mehr Soja verzehren als die Menschen in westlichen Ländern und statistisch gesehen ein geringeres Risiko für etwa bestimmte Tumoren oder auch Wechseljahrsbeschwerden aufweisen. Ob hier jedoch der Konsum von Soja tatsächlich die Ursache dieser Vorteile ist, oder eher andere Unterschiede in der Lebensweise entscheidend sind, lässt sich aus solchen Studien nicht genau ableiten. Zusätzlich wurden jedoch zahlreiche weitere Studien durchgeführt, auch im Labor und an Tieren, um die Wirkungsweise und mögliche Vor- und Nachteile von Soja zu beurteilen.

Isoflavone

Viele der potenziellen Auswirkungen von Sojabohnen auf die Gesundheit werden den in der Sojabohne enthaltenen Isoflavonen zugeschrieben. Isoflavone gehören zu den Phytoöstrogenen, d. h. Pflanzenstoffe, die dem vom menschlichen Körper produzierten Hormon Östrogen ähnlich sind. Isoflavone können ein ähnliches Verhalten wie körpereigenes Östrogen aufweisen (jedoch in wesentlich geringerer Ausprägung). Bei diesen viel diskutierten Sojaisoflavonen handelt es sich um Genistein und Daidzein, die Gegenstand zahlreicher Forschungsprojekte sind.

Isoflavone kommen natürlich zum einen in der natürlichen Sojabohne vor; allerdings in deutlich geringerer Konzentration in daraus zubereiteten Produkten: So enthalten die unbehandelte Sojabohne wie auch Sojamehl etwa 150 mg Isoflavone pro 100 g, Tempeh nur noch 44 mg, Seiden-Tofu 28 mg und Sojamilch < 10 mg pro 100 mg des Lebensmittels.2 

Bei der Ernährung mit Soja selbst sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung im Allgemeinen kein erhöhtes Gesundheitsrisiko: Eine „normale Sojakost mit üblichen Verzehrsmengen“ sei gesundheitlich unbedenklich, konstatierten die Experten in einer Stellungnahme von 2008.3

Tabletten und Nahrungsergänzungsmitteln

Eine gewisse Unsicherheit geht jedoch ausgerechnet von den Isoflavonen Daidzein und Genistein aus, nicht vom ganzen Produkt oder Sojaprotein im Allgemeinen. Die einzelnen Bestandteile sind als Tabletten oder Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Die Werbung richtet sich vor allem an Frauen in den Wechseljahren, da die Produkte in dem Ruf stehen, Wechseljahrbeschwerden lindern zu können. Problematisch ist laut Aussage der Wissenschaftler, dass diese Isoflavone erhebliche, schon beinahe arzneimittelähnliche Wirkungen auf den Körper entfalten können.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet die wissenschaftliche Lage für Isoflavone als Zusatzpräparate differenziert. In Studien wurde untersucht, ob ein erhöhtes gesundheitliches Risiko für die Organe Brustdrüse, Gebärmutter und Schilddrüse besteht. Aufgrund von Studien mit Menschen sind offenbar keine negativen Folgen auf diese Organe festzustellen. Daher gilt laut einem Bericht des BfR von 2015, dass Frauen nach den Wechseljahren Isoflavonprodukte zu sich nehmen können, ohne ein erhöhtes Krankheitsrisiko einzugehen. Allerdings sollten sie die Einnahme auf Sojaprodukte mit einer Menge von 100 mg Isoflavonen pro Tag über 10 Monate begrenzen; bei Rotkleepräparaten gilt eine Dosis von 44 mg Isoflavonen über 3 Monate.4 Diese Empfehlungen beziehen sich jedoch grundsätzlich nur auf gesunde Frauen. Auch für Frauen, die noch in den Wechseljahren sind, besteht möglicherweise ein höheres Risiko. Insbesondere ist zu beachten, dass Brustkrebszellen, die möglicherweise noch nicht als Krebs diagnostiziert sind, auf die östrogenähnliche Wirkung der Isoflavone reagieren und sich entsprechend vermehren können. Für Frauen mit Erkrankungen etwa der Schilddrüse oder anderen chronischen Leiden, erhöhtem Brustkrebsrisiko oder gar bereits diagnostiziertem Krebs oder auch allgemein für Frauen während der Menopause ist also Vorsicht angesagt.

Soja als Proteinquelle

Der Handel hält ein kontinuierlich wachsendes Angebot an Sojabohnen und auf Basis von Sojabohnen produzierten Produkten bereit. Gleichgültig ob ganze Sojabohnen, Tofu, Tempeh, Sojawürstchen oder Sojaburger – die Produkte gibt es nicht mehr nur in Reformhäusern, auch aus dem Sortiment vieler großer Supermarktketten sind diese Artikel mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Grund hierfür ist u. a. die große Nachfrage von Vegetariern und Veganern nach Sojaprodukten, weil diese reich an pflanzlichen Proteinen sind und viele lebenswichtige Aminosäuren (Bausteine der Proteine) enthalten, deren Zufuhr bei fehlendem Fleischkonsum ersetzt werden muss.

Sojaprodukte wie Tofu, Sojabutter, Sojanüsse, Sojaburger usw., die das vollständige Sojaprotein enthalten, können also wichtige Nährstoffe im Rahmen einer gesunden Ernährung liefern. Grund hierfür ist neben dem Proteingehalt der hohe Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralien der Sojabohnen und dem geringen Anteil an gesättigten Fettsäuren. Sojabohnen und Sojaprodukte lassen sich gut als teilweiser Ersatz von Nahrungsmitteln mit einem hohen Anteil tierischer Proteine verwenden, die reich an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin sind. Sojabohnen eignen sich damit für eine abwechslungsreiche und gesunde Kost und können zudem Übergewicht vorbeugen bzw. für ein gesundes Körpergewicht sorgen – solange Sojaprodukte in Maßen im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung verzehrt werden.

Zu beachten ist jedoch: Soja kann bei empfindlichen Menschen eine Allergie auslösen; manche Personen mit einer Birkenpollenallergie neigen insbesondere auch zu einer Soja-Allergie.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Quellen

Literatur

  1. EFSA efsa.onlinelibrary.wiley.com
  2. Vebu vebu.de
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung 2008 www.bfr.bund.de
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung 2015 mobil.bfr.bund.de